von Raesfeld, Werner Ferdinand Albert

 

* 9. Juli 1891, Thorn (Limburg)

† 27. April 1970, Essen

 

 

Werner von Raesfeld war der Sohn des Forstmeisters Josef von Raesfeld und dessen Ehefrau Gabriele, geborene Muschner. In den Jahren 1905 bis 1912 war er Kadett in den Anstalten in Wahlstatt und Groß-Lichterfelde. Am 22. März 1912 trat er mit dem Charakter als Fähnrich in das Füsilier-Regiment "General-Feldmarschall Graf Moltke" (Schlesisches) Nr. 28 in Glatz in Niederschlesien ein. Am 18. Oktober 1912 wurde er bei diesem Regiment zum Fähnrich befördert. Am 16. Juni 1913 wurde er zum Leutnant befördert. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er als Zugführer in der 12. Kompanie vom Schlesisches Füsilier-Regiment "General-Feldmarschall Graf Moltke" Nr. 28 ins Feld. Bereits am 22. August 1914 wurde er verwundet und in das Ersatz-Bataillon seines Regiments versetzt. Im November 1914 kehrte er als Kompanieführer in sein Regiment an die Front zurück. Am 29. Dezember 1914 wurde er in das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 272 übernommen. Am 22. Juni 1915 wurde er während der Schlacht bei Lemberg verwundet und in das II. Ersatz-Bataillon vom Infanterie-Regiment Kaiser Karl von Österreich und König von Ungarn (4. Oberschlesisches) Nr. 63 versetzt. Am 13. November 1915 kehre er dann als Kompanieführer in das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 272 zurück, wo er am 18. August 1916 zum Oberleutnant befördert wurde. Ab dem 22. September 1916 diente er als MG-Offizier im Regimentsstab. Vom 14. Oktober 1916 bis zum 28. November 1916 besuchte er einen MG-Lehrkurs. Vom 23. Februar 1917 bis zum 13. Juni 1917 besuchte er einen MG-Ausbildungs-Kurs. Vom 19. Juni 1917 bis zum 12. Juli 1917 besuchte er einen Stabsoffizierskurs. Zwischen dem 17. September 1917 bis zum 20. September 1917 besuchte er einen MG-Kurs. Vom 8. Oktober 1917 bis zum 3. November 1917 besuchte er den 6. MG-Waffenmeister-Kurs. Zwischen dem 17. und dem 21. März 1918 besuchte er den 5. Führer-Lehrgang. Zwischen dem 1. Juli 1918 und dem 10. Juli 1918 besuchte er den 1. Kurs der Bataillonsführerschule. Zwischen dem 12. Juli 1918 und dem 14. August 1918 war er stellvertretender Führer des III. Bataillons vom Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 272. Zwischen dem 5. November und dem 18. Dezember 1918 wurde er als stellvertretender Führer des I. Bataillons des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 272 eingesetzt. Im Ersten Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in dem Verwundetenabzeichen in Schwarz widerspiegelte. Außerdem wurden ihm auch beide Eisernen Kreuze verliehen. Am 19. Dezember 1918 wurde er dann zum Regimentsadjutant vom Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 272 ernannt. Am 1. April 1919 wurde er Führer der MG-Kompanie im Freiwilligen-Füsilier-Regiment 38. Am 30. Juli 1919 heiratete er in Karlsruhe die ein Jahr jüngere Erna Margarethe Elisabeth Muschner, Tochter des Rittergutsbesitzers Albert Muschner. Am 1. Oktober 1919 wurde er in die vorläufige Reichswehr übernommen und in das Reichswehr-Infanterie-Regiment 11 de Reichswehr-Brigade 6 versetzt. Zu diesem gehörte er noch bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr im Frühjahr 1920. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er dann in das 7. (Preußisches) Infanterie-Regiment übernommen. Er wurde dort die ersten Jahre als Adjutant des II. Bataillons vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Hirschberg in Schlesien verwendet. Am 1. Juli 1922 wurde sein Rangdienstalter als Oberleutnant auf den 18. August 1916 verbessert. Am 18. März 1922 absolvierte er seine Wehrkreisprüfung. Am 16. Juli 1922 wurde sein einziger Sohn Ernst Albert Ferdinand in Hirschberg geboren. 1923 wurde er in die 8. (MG) Kompanie vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Hirschberg versetzt. Am 2. Juni 1923 ist sein Sohn in Hirschberg gestorben. Am 1. Juli 1923 wurde er bei der 8. Kompanie zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er am 1. April 1924 auch zum Chef der 8. Kompanie vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment ernannt. Am 29. November 1924 wurde seine älteste Tochter Eva von Raesfeld in Hirschberg geboren. Vom 2. November 1925 bis zum 28. November 1925 besuchte er einen Kampfschullehrgang. Am 28. August 1928 wurde seine jüngste Tochter Jutta von Raesfeld in Hirschberg geboren. Vom 23. April 1929 bis zum 27. April 1929 besuchte er einen Minenwerfer-Lehrgang. Am 1. Februar 1930 wurde er in die Ausbildungseskadron vom 6. (Preuß.) Reiter-Regiment nach Pasewalk versetzt. Am 1. Oktober 1930 wurde er zum Stab der 2. Kavallerie-Division nach Breslau versetzt. Bei dieser wurde er als getarnter Transportoffizier bei den Reichsbahndirektionen Breslau und Oppeln eingesetzt. Am 1. Juli 1933 wurde er dort zum Major befördert. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 zum Kommandeur des II. Bataillons vom Infanterie-Regiment Breslau ernannt. Vom 10. Januar 1935 bis zum 18. Januar 1935 besuchte er die Unterweisung der Stabsoffiziere. Bei der Enttarnung der Verbände wurde er am 15. Oktober 1935 zum Kommandeur des II. Bataillons vom Infanterie-Regiment 49 ernannt. Am 1. März 1936 wurde er als solcher zum Oberstleutnant befördert. Am 1. Juli 1936 wurde er zum Transportoffizier Essen ernannt. Als solcher wurde er dem Generalkommando VI. Armeekorps unterstellt und befand sich bei der Reichsbahndirektion Essen. Am 1. Oktober 1937 wurde er durch die Umbenennung seiner Dienststelle zur Transportkommandantur Essen zum Transportkommandeur Essen ernannt. Auch bei der Reichsbahndirektion Wuppertal wurde er eingesetzt. Am 1. August 1938 folgte seine Beförderung zum Oberst. Als solcher wurde er ab dem 30. Oktober 1938 zugleich mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandanten des Transportbezirks Wuppertal beauftragt. Seine Privatanschrift lautete Max-Fiedlerstraße 2 in Essen mit der Telefonnummer 35225. Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde er im August 1939 mit seinem Stab mobil gemacht. Ab dem 1. Juli 1940 war er Kommandant der neuen Transport-Kommandantur Bordeaux. Am 14. Dezember 1940 erhielt er wieder ein Truppenkommando und wurde zum Kommandeur vom neuen Infanterie-Regiment 235 ernannt. Mit diesem Regiment nahm er ab dem 22. Juni 1941 am Rußlandfeldzug teil. Das Regiment war im Rahmen der 102. Infanterie-Division bei der Heeresgruppe Mitte im Mittelabschnitt der Ostfront eingesetzt. Am 25. Februar 1942 wurde ihm das Deutsche Kreuz in Gold verliehen. Am 10. März 1942 wurde er westlich von Rshew mit der Führung der 102. Infanterie-Division in Rußland beauftragt. Am 3. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Albrecht Schubert, KG vom XXIII. Armeekorps: "Ruhige, besonnene Persönlichkeit, behält auch in schwierigen Lagen die Nerven. Hat Regiment klar und fest geführt. Genießt Achtung und Vertrauen der Truppe. Tapfer und einsatzbereit. Leicht behindert durch Schwerhörigkeit, die sich im Osten verschlimmert hat. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Empfehlung: Feldersatz-Division, Feldtransportwesen." Er erkrankte jedoch bald darauf so schwer, dass er die Führung über die 102. Infanterie-Division am 2. Mai 1942 bereits wieder abgeben musste. Am 10. Mai 1942 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt. Dabei wurde er dem Wehrkreis VI zur Verwendung zugeteilt. In der Führerreserve wurde er am 1. Juni 1942 zum Generalmajor befördert. Am 1. Januar 1943 wurde er zum Wehrmacht-Kommandanten von Essen ernannt. Am 15. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Gerhard Glokke, KG vom Stellv. Generalkommando VI. Armeekorps: "Schon jetzt guter Kommandant. Hat sich bei den schweren Luftangriffe durch Umsicht und Tatkraft hervorgetan. Bewertung: Guter Durchschnitt. Empfehlung: Wehrersatzinspektion." Am 15. April 1943 ergänzte Generaloberst Friedrich Fromm, Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres: "Einverstanden." Am 1. März 1944 erhielt er von General der Infanterie Gerhard Glokke, KG vom Stellv. Generalkommando VI. Armeekorps, folgende Beurteilung: "Wertvoller, vor dem Feinde besonders bewährter Offizier von guter nationalsozialistischer Haltung. Umsichtig, sehr tätig, fürsorglich und wohlwollend. Als Wehrmachtkommandant weiterhin durchaus bewährt. Im übrigen nehme ich Bezug auf meine Beurteilung vom 15. März 1943. Bewertung: Guter Durchschnitt. Empfehlung: Wehrersatzinspekteur. Belassung." Ab dem 15. Februar 1945 wurde er gleichzeitig auch als Gauoffizier des Gaues Essen bezeichnet. Während der Kämpfe um die Stadt Essen war er auch noch Kampfkommandant von Essen. Am 10. April 1945 wurde er verwundet und anschließend in einem Lazarett behandelt. Bei Kriegsende geriet er im Lazarett liegend in amerikanische Gefangenschaft, aus der er am 21. April 1947 entlassen wurde.

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10851 Ple-Sac
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938

Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
NARA T-78 R-891