Liss, Ulrich
| * 13. August 1897, Lübz im Kreis Parchim + 11. Juni 1968, Bad Kissingen |
Ulrich Liss war der Sohn des Hofbaurates und Ministerialrates Emil Liss und dessen Ehefrau Erna. Am 15. Juni 1915 trat er als Kriegsfreiwilliger in das Fußartillerie-Regiment "General-Feldzeugmeister" (Brandenburgisches) Nr. 3 ein. Nach seiner Grundausbildung wurde er am 15. November 1915 zur 4. Batterie des Regiments ins Feld versetzt. Am 24. Dezember 1915 wurde er als Fahnenjunker in das Niedersächsische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 46 versetzt und dort am 31. Juli 1916 zum Leutnant befördert. Bis zum 31. Dezember 1917 fungierte er als Batterie-Offizier und anschließend als Ordonnanz-Offizier im Regimentsstab. Am 7. Dezember 1918 wurde er Adjutant bei der II. Abteilung des Regiments und kam am 1. Mai 1919 als Ordonnanz-Offizier beim Artillerieführer 10. Am 1. Oktober 1919 wurde er in die vorläufige Reichswehr übernommen und Batterie-Offizier in der 4. Batterie des leichten Artillerie-Regiments 10. Am 1. Januar 1921 in das Artillerie-Regiment 6 versetzt, folgte zwischen dem 1. Oktober 1923 und dem 30. September 1925 seine Verwendung als Abteilungs-Adjutant. Am 1. April 1925 zum Oberleutnant befördert, wurde er am 1. Oktober 1925 zur Kavallerieschule Hannover kommandiert. Am 1. November 1927 wurde er Batterie-Offizier in der 6. Batterie des Artillerie-Regiments 6. Im Winter 1927 / 1928 legte Ulrich Liss die englische Diplomprüfung sowie die Wehrkreisprüfung erfolgreich ab. Am 1. Oktober 1928 wurde er in den Stab der 4. Division der Reichswehr versetzt und zur Ausbildung als Führergehilfe kommandiert. Ab dem 1. Oktober 1930 besuchte er am Reichswehr-Ministerium den sogenannten Reinhardt-Lehrgang, eine getarnte Fortbildung für Generalstabsoffiziere. Vom 15. Juni 1931 bis zum 30. Juli 1931 wurde er zum 5. Pionier-Bataillon nach Ulm kommandiert. Vom 1. August 1931 bis zum 25. September 1931 wurde er zum 13. (Preuß.) Reiter-Regiment nach Hannover kommandiert. Am 1. Oktober 1931 folgte seine Versetzung vom 2. (Preuß.) Artillerie-Regiment in das Truppenamt (TA) vom RWM, dem getarnten Generalstab der Reichswehr. Am 1. Oktober 1932 zum Hauptmann befördert, wurde er am 1. Juli 1934 Batteriechef im Artillerie-Regiment 2. Bei der Aufstellung des Artillerie-Regiments Rendsburg (Artillerie-Regiment 20) wurde seine Batterie Teil des neuen Regiments. Im April und Mai 1935 wurde er zu einer Studienreise zur englischen Armee kommandiert. Ab dem 1. Oktober 1935 war er Ia im Stab der 1. Division. Hier erfolgte am 1. März 1936 seine Beförderung zum Major. Am 1. Oktober 1937 wurde Ulrich Liss in die Abteilung Fremde Heere des OKH versetzt. Bei der internen Umstrukturierung der Abteilung 1938 kam er in die Abteilung Fremde Heere West, deren Leiter er am 15. November 1938 wurde. Am 1. April 1939 wurde Ulrich Liss zum Oberstleutnant und am 1. Dezember 1940 zum Oberst befördert. Am 15. Januar 1941 erhielt er vom Chef des Generalstabes, General Halder, folgende Bewertung: "Kenntnisreicher, sehr belesener Generalstabsoffizier. Ungewöhnlich schneller und produktiver Arbeiter, der viel von seinen Mitarbeitern verlangt. In seinem zur Selbstherrlichkeit neigenden Selbstbewusstsein ist er gelegentlich unduldsam gegen die Meinung anderer. Seine meist rasche Urteilsbildung trifft in der Regel das Richtige."Am 1. März 1943 wurde er als Führer der Abteilung Fremde Heere West abberufen. Er besuchte den 3. Divisionsführerlehrgang wund wurde am 1. Mai 1943 Kommandeur des Grenadier-Regiments 590 an der Ostfront. Am 28. Juli 1943 wurde er stellvertretender Führer der 321. Infanterie-Division. Am 21. August 1943 schwer verwundet, wurde er in das Reservelazarett Wiesbaden verlegt. Vom Kommandeur der 321. Infanterie-Division, General Thomas, erhielt er am 25. August 1943 folgende Beurteilung: "Hat es verstanden, sich schnell in die ihm fremde Stellung eines Grenadier-Regiments-Kommandeur einzuarbeiten. Ausgesprochene Persönlichkeit. Als Truppenführer klar, bestimmt und wendig. Vor dem Feind als Vertreter des Divisions-Kommandeur voll bewährt. Voll geeignet zum Divisions-Kommandeur." Nach seiner Genesung wurde er in die Führerreserve versetzt und am 1. Dezember 1944 zum Generalmajor befördert. Am 10. Januar 1945 wurde er zur Einarbeitung als Divisionskommandeur der 304. Infanterie-Division zugeteilt. Noch vor der Kommandoübernahme über die Division wurde Ulrich Liss am 22. Januar 1945 erneut schwer verwundet und geriet in russische Gefangenschaft, aus der er am 9. Oktober 1955 entlassen wurde.
Literatur und Quellen:
Ottomar Krug: Die Generale der Wehrmacht 1918 - 1945, Bundesarchiv Freiburg, Sig. MSG 109/10849
Dermot Bradley, Karl-Friedrich Hildebrand, Markus Röverkamp: Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 7: Knabe–Luz. Biblio-Verlag, Bissendorf 2004