Helbig, Joachim

 

* 10. September 1915, Börln in Sachsen

+ 5. Oktober 1985, getötet bei Autounfall in Spanien

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Joachim Helbig kam nach seinem Abitur im März 1935 zum Artillerie-Regiment 4 in Dresden. Im Herbst 1936 wurde er nach der Heereskriegsschule auf die Kampffliegerschule in Lechfeld zur Ausbildung als Beobachter versetzt. Als Kampfbeobachter kam er im April 1937 zur III. Gruppe des Kampfgeschwaders 152 nach Schwerin. Nach dem Polenfeldzug und einigen Einsätzen gegen die britische Flotte als Beobachter wurde Joachim Helbig gegen Norwegen als Flugzeugführer eingesetzt. Er hatte seine Flugausbildung "schwarz" ohne jeden Lehrgang erhalten. Gegen Holland, Belgien und Frankreich flog Helbig mit der Ju 88 als Staffel-Kapitän der 4. Staffel des Lehrgeschwaders 1. Nach dem Frankreichfeldzug wurde er vorzeitig zum Hauptmann befördert. Nach der "Hölle von Dünkirchen" flog Helbig am 13. August 1940, dem "Adlertag" mit seiner Staffel gegen den Marineflughafen Worthy Down. Nacheinem schweren Gefecht mit englischen Jägern kehrte Helbig als einziger mit einer arg zerschossenen Ju 88 zum Heimatstützpunkt zurück. Alle anderen Besatzungen wurden abgeschossen. Mit einer neu aufgestellten Staffel flog Helbig dann die Nachteinsätze gegenLondon. Dabei zeichnete er sich durch einzelne Zerstörereinsätze gegen Spezialziele in der britischen Industrie und gegen Verkehrsknotenpunkte aus. Am 24. Oktober 1940 erhielt er nach 75 Feindflügen das Ritterkreuz. 1941 wurde Helbig mit seiner Staffel im Mittelmeer und in Afrika eingesetzt. Dabei gelang ihm die Versenkung eines 10000 BRT großen Truppen-Transporters im Hafen von Piräus. Im November 1941 übernahm Helbig die I. Gruppe des Lehrgeschwaders 1. Nach 210 Feindflügen wurde ihm am 16. Januar 1942 das Eichenlaub verliehen. Am 11. Mai 1942 konnte Helbig den Zerstörer "Kipling" versenken. Für diesen Erfolg wurde er im Wehrmachtsbericht erwähnt. Nach den schweren Einsätzen gegen Malta, die englischen Konvois und zur Unterstützung Rommels erhielt Hauptmann Elbig am 28. September 1942 die Schwerter zum Eichenlaub. Er hatte 182000 BRT Schiffsraum versenkt. Bei Einsätzen gegen die alliierten Landungen an der algerischen Küste versenkte Helbig, inzwischen Major, im November 1942 einen 10000 BRT großen Munitionsfrachter. Im Januar 1943 wurde Helbig als Inspizient zum General der Kampfflieger berufen. Nach dieser Dienststellung wurde er im März 1943 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Generals der Kampfflieger beauftragt und vorzeitig zum Oberstleutnant befördert. Nach vielen Schwierigkeiten in seiner Stabs-Verwendung, bei der er öfters Meinungsverschiedenheiten mit einsatzunerfahrenen Generälen hatte, wurde Helbig im August 1943 wieder an die Front geschickt. Er wurde Kommodore des Lehrgeschwaders 1. Im Abwehrkampf in Italien erlebte Helbig eine schmerzliche Stunde, als seine Ju 88 L1+AM bei einem Bombenangriff amerikanischer Bomber schwer beschädigt wurde. Die Maschine, die nur Helbig geflogen hatte, war die einzige Ju 88, welche 1000 Einsatzstunden überstanden hatte. Am 13. Mai 1944 wurde Helbig nach erfolgreichen Einsätzen gegen alliierte Flugplätze auf Korsika zum zweiten Mal im Wehrmachtsbericht genannt. Im Kampf gegen die Invasion in Frankreich wurde Helbig Oberst. Am 10. September 1944 erhielt er den Auftrag, mit seinem Geschwader, einer Stuka-Gruppe und einer Aufklärungs-Staffel einen Gefechtsverband zu bilden, um das Heer an der Reichsgrenze zu unterstützen. Helbig geriet jedoch beim ersten Besuch der Stuka-Gruppe auf dem Flughafen von Vogelsang in einen Tieffliegerangriff und wurde schwer verwundet. Wenige Wochen vor Kriegsende führte er dann nochmals einen Gefechtsverband, diesmal aus dem Lehrgeschwader 1 und dem Kampfgeschwader 200. Am 30. April 1945 erfuhr er von einem geplanten Fieseler-Storch-Einflug nach Berlin-Wabbsee, um dort wichtige Persönlichkeiten der Reichsregierung herauszufliegen. Helbig übernahm ohne höheren Befehl die Einsatzleitung. Die neun gestarteten Flugzeuge konnten aber in Folge des schweren Flakfeuers nicht landen. Nachdem sich Helbig am 8. Mai in der Tschechoslowakei aufgehalten hatte, setzte er sich im Tiefstflug nach Westen ab und geriet so in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Er kam ins Sennelager, aus dem er am 9. Juni floh und sich in Westdeutschland verbarg.

 

Ritterkreuz (24. Oktober 1940) Eichenlaub (16. Januar 1942) Schwerter (28. September 1942)