Edmund Glaise von Horstenau

 

* 27. Februar 1882, Braunau am Inn

+ 20. Juli 1946, Langwasser bei Nürnberg (Selbstmord)

 

 

Edmund Glaise von Horstenau stammte aus einer Militärfamilie. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er ab seinem zwölften Lebensjahr in einer Militärschule aufgezogen. Anschließend trat er in die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt ein. Am 18. August 1903 trat er als Leutnant un das 4. Tiroler Kaiserjäger-Regiment über. Ab 1907 absolvierte er seine Generalstabsausbildung an der Kriegsschule Wien und ab dem 1. November 1910 war er Generalstabsoffizier im Stab der 6. Infanterie-Truppen-Brigade. Nach einer kurzen Verwendung als Referent im österreichischen Kriegsarchiv ab dem 1. Mai 1913 war er ab dem 4. August 1914 Generalstabs-Offizier im Generalstab der 11. Infanterie-Truppen-Division. Im gleichen Jahr folgte die Verwendung als 1. Generalstabs-Offizier der 88. Tiroler Landesschützen-Brigade, als Generalstabsoffizier im Generalstab der 1. Armee und ab Dezember 1914 als Generalstabsoffizier in der 5. Abteilung des Kriegsministeriums. Ab 1915 war er Referat für Presse und Politik im k.u.k. Armeeoberkommando (AOK). In dieser Funktion arbeitete er eng mit dem deutschen Militärbevollmächtigten beim österreichisch-ungarischen Generalstab August von Cramon, zusammen und dürfte diesem auch wichtige Informationen über die ohne Kenntnis des deutschen Bündnispartners geführten Separatfriedenssondierungen Kaiser Karls zugespielt haben. Am 1. November 1917 wurde er zum Major befördert. 1918 kehrte er an das Kriegsarchiv zurück, dessen Direktion er zwischen 1925 und 1938 innehatte. Zwischen 1919 bis 1921 studierte Edmund Glaise von Horstenau an der Universität Wien, unter anderem bei Heinrich von Srbik. Seit 1924 war er österreichischer Hofrat. 1932 mit dem Ehrendoktorat der Universität München ausgezeichnet, erhielt er 1934 die Venia legendi an der Universität Wien für neuere Kriegs- und Heeresgeschichte. Glaise-Horstenau war zudem Mitarbeiter im Nachrichtendienst des österreichischen Bundesheeres, wo er 1934 zum Oberst in der Evidenz ernannt wurde. In dieser Zeit trat er auch mit dem deutschen Militärattaché Muff, der einen regen Kontakt zum österreichischen Nachrichtendienst pflegte, in Kontakt, um sich für einen Anschluss Österreichs an Deutschland einzusetzen.
Vom wehmütigen Monarchismus, einer starken gefühlsmäßigen Anteilnahme am Kampf der Südtiroler gegen die Italienisierung, einer romantischen Reichsideologie und einem Glauben an unverrückbare Determinanten einer Geopolitik führte ihn der Weg zum „Betont Nationalen“ der dreißiger Jahre. Politischer Ehrgeiz und persönliche Eitelkeit verleiteten den Publizisten Glaise, der durch populäre militärhistorische und militärpolitische Vortrags- und Publikationstätigkeit einen gewissen Bekanntheitsgrad in der interessierten Öffentlichkeit Österreichs und Deutschlands erreicht hatte, dazu, sich ab 1934 Kurt Schuschnigg als potenziellen Verbindungsmann zu den deutschnationalen oppositionellen Kreisen anzubieten.
Seit 1934 war Edmund Glaise von Hortenau Staatsrat im österreichischen Ständestaat. Am 11. Juli 1936 wurde er zum Bundesminister ohne Portefeuille ernannt, der im Rahmen der "inneren Befriedigung" als Flügelmann der Regierung zu den deutschnationalen oppositionellen Kreisen dienen sollte. Glaise spielte als Mittelsmann zwischen Schuschnigg und Adolf Hitler neben Franz von Papen eine gewisse Rolle beim Zustandekommen des österreichisch-deutschen Abkommens vom 11. Juli 1936 (Juliabkommen). Im Übergangskabinett von Arthur Seyß-Inquart wurde er am 11. März 1938 zum Vizekanzler ernannt. Nach der Besetzung Österreichs durch deutsche Truppen und dem "Anschlussgesetz" stellte sich Glaise von Horstenau kurz darauf ab 15. März 1938 als Angehöriger der von Adolf Hitler eingesetzten österreichischen Landesregierung unter Reichsstatthalter Seyß-Inquart zur Verfügung und wurde gleichzeitig Mitglied des Großdeutschen Reichstages sowie Inhaber eines Ehrenrangs der SA, in der er 1943 zum Gruppenführer ernannt wurde.
Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, im November 1939, wurde Edmund Glaise von Horstenau als „General z. b.V.“ beim OKW einberufen und zunächst mit dem Posten eines Inspekteurs der Kriegsgräberfürsorge betraut. Daneben unterrichtete er 1940 als Honorarprofessor für Heeres- und Truppengeschichte an der Universität Wien. Am 1. Februar 1941 folgte die Beförderung zum Oberst z.V. und am 1. März 1941 die Beförderung zum Generalmajor z.V. Am 14. April 1941 wurde Edmund Glaise von Horstenau zum Deutschen General in Agram ernannt. Die Dienststellung wurde später in Deutscher Bevollmächtigter General in Kroatien umbenannt. Am 1. August 1942 wurde er zum Generalleutnant z.V. und am 1. September 1943 zum General der Infanterie z.V. befördert. Als Militärdiplomat und zeitweiliger Territorialbefehlshaber über deutsche Truppen zeigte er beachtenswerten Mut und Geschick bei zahlreichen Versuchen, die von allen Seiten im Kampf verübten Gräueltaten einzudämmen oder zumindest zu mildern. Dabei geriet er in zunehmende Spannung zum Bündnispartner Italien und zum Ustaša-Regime und wurde auf persönliche Intervention des kroatischen Diktators Ante Pavelić im September 1944 abberufen und in die Führer-Reserve versetzt. Hier wurde er mit der Aufgabe der militärischen Geschichtsschreibung der südöstlichen Kriegsschauplatzes betraut. Von Februar bis April 1945 stand er im Zusammenhang mit Versuchen, für Österreich mit den Westmächten einen besonderen Waffenstillstand, ähnlich dem für den italienischen Raum, abzuschließen.
In den Nürnberger Prozessen trat Glaise-Horstenau als Zeuge auf. Da er befürchtete, an Jugoslawien ausgeliefert zu werden, beging der im Lager Nürnberg-Langwasser Inhaftierte Suizid.
In seiner Zeit als Militärdiplomat in Agram begann er die Niederschrift seiner Autobiographie, die er während der Haft 1945/46 bis kurz vor seinem Tod fortsetzte. Seine umfangreichen Erinnerungen bieten ein Porträt der österreichischen Eliten in den letzten Jahren der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Zwischenkriegszeit. Sie wurden vom österreichischen Staatsarchivar Peter Broucek gesammelt, editiert und zwischen 1980 und 1988 herausgegeben.