Becker, Prof. Dr. ing. Dr. phil. h.c. Karl Emil

 

* 14. Dezember 1879, Speyer

† 8. April 1940, Berlin (Selbstmord)

 

 

Karl Becker war der Sohn des Königlich Bayerischen Finanz-Rechnungs-Commissär Philipp Ludwig Emil Becker und dessen Ehefrau Anna, geborene Leschmann. Sein Vater starb bereits am 12. April 1886 als Rentamtmann in Obermoschel. Seine Mutter starb am 25. Oktober 1896 in Speyer. Er trat am 16. Juli 1898 als Fahnenjunker in die Bayerische Armee ein. Er kam dabei zum 2. Königlich Bayerisches Fußartillerie-Regiment. Bei diesem wurde er am diesem Tag auch vereidigt. Am 1. November 1898 wurde er zum Fahnenjunker-Unteroffizier befördert. Das Zeugnis der Reife zum Fähnrich erhielt er am 11. Januar 1899. In seinem Regiment wurde er daraufhin am 8. Februar 1899 (2) zum Fähnrich befördert. Vom 1. März 1899 bis zum 20. Januar 1900 wurde er zur Kriegsschule München kommandiert. Nach seiner Rückkehr zum Regiment hat er am 10. Februar 1900 das Zeugnis der Reife zum Offizier mit dem Ausdruck der Allerhöchsten Belobigung erhalten. In seinem Regiment wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule München am 7. März 1900 (6) zum Leutnant befördert. Vom 1. Oktober 1901 bis zum 3. April 1903 wurde er zur Königlich Bayerischen Artillerie- und Ingenieur-Schule kommandiert. Am 9. Juni 1905 erhielt er die Erlaubnis zur Verheiratung. Er heiratete daraufhin am 26. Juni 1905 die über fünf Jahre jüngere Katharina Hoppe, Tochter vom Direktor der Deutschen Bank in Nürnberg Adolph Hoppe, in München. Aus dieser Ehe entsprangen zwei Söhne. Vom 1. September 1906 bis zum 30. September 1906 wurde er als Adjutant des II. Bataillon seines Regiments verwendet. Am 1. Oktober 1906 wurde er an die Militärtechnische Akademie nach Charlottenburg kommandiert. Dort wurde er von Carl Cranz ausgebildet und bei der Abteilung für Waffenwesen und der ballistischen Abteilung verwendet. Sein ältester Sohn Kurt Becker wurde am 27. Dezember 1906 in Charlottenburg geboren. Vom 14. Juli 1907 bis zum 30. September 1907 wurde er zur Dienstleistung zur III. Matrosenartillerieabteilung kommandiert. Vom 16. Juli 1908 bis zum 30. September 1908 wurde er zur Dienstleistung zum Telegraphen-Bataillon Nr. 2 kommandiert. Vom 1. Oktober 1909 bis zum 14. März 1911 wurde er als Hilfslehrer zur Militärtechnische Akademie nach Charlottenburg kommandiert. Am 7. März 1910 (48) wurde er zum Oberleutnant befördert. Am 20. März 1911 wurde er zur Preußischen Artillerie-Prüfungskommission zur Dienstleistung als Assistent kommandiert. Am 19. September 1912 wurde er in das 3. Königlich Bayerisches Fußartillerie-Regiment versetzt. Am 25. Oktober 1913 hat er behufs Übertritt in Preußische Dienste zum 31. Oktober 1913 seinen Abschied bewilligt erhalten. Am 13. November 1913 wurde er dann in der Preußischen Armee angestellt. Er kam dabei als Oberleutnant mit einem Patent vom 18. Oktober 1909 (H48h) zum 1. Pommersches Fußartillerie-Regiment „von Hindersin“ Nr. 2, blieb aber weiter zur Kommission kommandiert. Am 22. Dezember 1913 wurde er auf Preußen vereidigt. Bei der Prüfkommission wurde er am 27. Januar 1914 (Gg) zum Hauptmann befördert. Bei Beginn des 1. Weltkrieges kam er dann bei der Marineartillerie mit einer 42-cm-Batterie, der bayerischen Marine-Kanonen-Bataillon Nr. 2 an die Front. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 9. Oktober 1914 verliehen. Am 25. Mai 1915 wurde er zur bayerischen Marine-Kanonen-Batterie Nr. 6 versetzt. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 10. Juli 1915 verliehen. Am 20. Juli 1916 wurde er dann wieder zur Artillerie-Prüfungs-Kommission versetzt, bei der er dann bis zum Kriegsende als Referent tätig war. Sein jüngster Sohn Karl Becker wurde am 25. Mai 1917 in Berlin-Wilmersdorf geboren. Im Ersten Weltkrieg wurde er neben beiden Eisernen Kreuzen auch mit dem Bayerischen Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern (27. Februar 1918) ausgezeichnet. Während des Krieges war er an der Herausgabe der "Soldaten-Mathematik" beteiligt, nach der Offiziere und Angehörige höhere Lehranstalten mathematisch-physikalische Methoden der Entfernungsschätzung der äußeren Ballistik erlernen sollten. Nach dem Krieg wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen. Dabei kam er dann zur Inspektion für Waffen und Gerät (IWG). Diese war direkt dem Chef der Heeresleitung im Reichswehrministerium (RWM) unterstellt. Von 1919 bis 1922 absolvierte er nebenbei noch sein Chemiestudium. Am 20. Dezember 1920 wurde er erneut vereidigt. Auch bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr blieb er bei seiner Inspektion. Am 1. März 1922 hat er das Hauptexamen an der Technischen Hochschule Berlin in der Fachrichtung Chemie mit Auszeichnung bestanden. Daraufhin wurde ihm der Titel eines Dipl. Ing. durch diese Hochschule verliehen. Kurz darauf wurde er am 20. März 1922 mit Wirkung vom 1. Februar 1922 zum Major befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Juni 1921 (4) festgelegt. Am 14. Juli 1922  hat er die Würde eines Dr. Ing. an der Hochschule Charlottenburg erworben. Am 1. April 1926 wurde er dann bei der Umstrukturierung als Abteilungsleiter in das neue Heeres-Waffenamt (Wa A) versetzt. Er übernahm dabei die durch das Ausscheiden von Generalmajor Robert Weiß freiwerdende Abteilungsleiter-Stelle des bisherigen IWG. Damit leitete er auch die Projekte unter der Führung des Chemikers Gerhard Jander in Göttingen zur chemischen Kriegsführung an. Am 1. April 1927 (5) wurde er dort zum Oberstleutnant befördert.  Vom 7. Mai 1927 bis zum 25. Mai 1927 wurde er zur Hochgebirgsschießübung er II. Abteilung vom 7. (Bayerisches) Artillerie-Regiment kommandiert. Am 29. Januar 1929 wurde erhielt er von der philosophischen Fakultät der Universität Königsberg den akademischen Grad eines Dr. phil. honoris causa (h.c.) (Ehrendoktorwürde) verliehen. Er wurde in diesem Jahr auch mit der Leitung der Forschungsstelle beauftragt, wodurch er maßgeblichen Anteil an der deutschen Raketenforschung hatte. Am 1. April 1930 (6) wurde er zum Oberst befördert. 1930/31 wurde er zum Leiter der Ballistische- und Munitionsabteilung (Wa Prw 1) ernannt. Als solcher erhielt er am 23. April 1932 die Berechtigung den Titel als Professor vor seinem Nachnamen zu tragen. Am 1. September 1932 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1932 zum Leiter des gesamten Prüfwesens beim WaA ernannt. Seine Nachfolge als Leiter der Abteilung Wa Prw 1 trat der charakterisierte Major Dipl. Ing. Ernst Ritter von Horstig genannt d'Aubigny von Engelbrunner an. In seiner neuen Position wurde er zum 1. Februar 1933 (10) zum Generalmajor befördert. Am 11. April 1933 wurde er durch das Preußische Staatsministerium zum Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Berlin ernannt. Im Jahr 1933 spielte er auch eine entscheidende Rolle bei der Vertreibung von Fritz Haber aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut. Die physikalische Chemie und Elektrochemie wurde dort dann von Gerhard Jander übernommen. Am 21. Juni 1933 wurde er durch den Preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zum Senator der Kaiser-Wilhelm-Institut zur Förderung der Wissenschaften ernannt. Am 3. August 1933 wurde er dann an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg zum ordentlichen Professor für allgemeine Heerestechnik ernannt. Am 21. Oktober 1933 wurde er durch den Preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zum ständigen Dekan der neu errichteten 5. Fakultät (Wehrtechnische Fakultät) an der Technischen Hochschule Berlin ernannt. Am 28. April 1934 wurde er auf Vorschlag des Preußischen Finanzministers zum ordentlichen Mitglied der Akademie für Bauwesen ernannt. Seine Vereidigung auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erfolgte am 12. September 1934. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 (3) zum Generalleutnant befördert. Auch bei der Umgliederung des RWM zum Reichskriegsministerium (RKM) im Frühjahr 1935 blieb er weiter Leiter des gesamten Prüfwesens beim HWA. Den Militär-Kraftfahrzeug-Führerschein der Klasse 3 hat er am 16. November 1935 erworden. Am 27. November 1935 wurde er zum ordentlichen Mitglied physikalischen-mathematischen Klasse der Preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Am 1. Oktober 1936 wurde er zum General der Artillerie befördert. Am 16. März 1937 wurde er zum ersten Präsidenten des Reichsforschungsrates ernannt. Anfang Juni 1937 wurde er bei der Jahresversammlung des Deutschen Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik zum Mitglied des Vorstandsrates des Deutschen Museums auf die Dauer von 3 Jahren gewählt. Um einer Überlastung vorzubeugen schied er im Sommer 1937 aus drei Nebenämtern aus. Dies waren seine Tätigkeit als Mitglied der Akademie für Bauwesen, seine Mitgliedschaft im Senat der Reichsgemeinschaft der technisch wissenschaftlichen Arbeit und seine Tätigkeit als Senator der Kaiser-Wilhelm-Institut zur Förderung der Wissenschaften. Für letzteres Amt war er am 22. Juni 1937 in Köln für die Dauer von 6 Jahren einstimmig wiedergewählt worden, nahm diese aber nicht an. Im Februar 1938 wurde er im Zuge der Blomberg-Fritsch-Affäre zum Chef vom Heeres-Waffenamt (Wa A) ernannt. Eine seiner Hauptaufgaben war bei Munitionsfragen neue Wege aufzuzeigen. Als mit dem Beginn des 2. Weltkrieges die Munitionsfrage mehr zu einer Munitionskrise ausartete, geriet er immer mehr unter Druck. Sein Bestreben mit einem zentralen Wehrmachtswaffenamt, die Forschung der einzelnen Waffengattungen unter einer Aufsicht zu konzentrieren, wurden immer wieder torpediert. Mitte März 1940 wurde der Peenemünder Raketenforschung die Dringlichkeitsstufe entzogen. Am 8. April 1940 um 9 Uhr beginggesamten  General Becker in der Hardenbergstraße 32a in Berlin-Charlottenburg Selbstmord. Die Gründe dafür liegen im Dunkeln. Im Sterberegister wurde Schlaganfall, plötzlicher Tod, als Todesursache angegeben. Am 12. April 1940 erhielt er ein Staatsbegräbnis bei dem Hitler persönlich anwesend war.

Aus der am 10. Dezember 1877 geschlossenen Ehe seiner Eltern hatte er noch mindestens eine Schwester:
Seine ältere Schwester war die am 10. September 1878 in Speyer geborene Anna Wilhelmine Magdalena Louise Becker. Diese starb am 6. Juli 1952 in München.