von Abercron, Dr. phil. h.c. Hugo Wilhelm

 

* 24. Oktober 1869, Bosatz, Kreis Ratibor

† 16. April 1945, Berlin

 

 

Hugo von Abercron war der Sohn vom Kavallerieoffizier Major Christian Friedrich Julius Konrad von Abercron und dessen Ehefrau Marie Theresia, geborene Hinsch. Er trat nach seinr Kadettenausbildung am 22. März 1888 als Sekondeleutnant in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum Oldenburgisches Infanterie-Regiment Nr. 91 nach Oldenburg. Bei diesem wurde er anfangs als Kompanieoffizier in der 10. Kompanie eingesetzt. Ab Ende 1890 diente er in gleicher Funktion in der 7. Kompanie seines Regiments in Oldenburg. 1892 wurde er als Kompanieoffizier in der 9. Kompanie vom Oldenburgisches Infanterie-Regiment Nr. 91 in Oldenburg verwendet. Im Jahr 1893 war er wieder in dieser Funktion bei der 7. Kompanie seines Regiments zurück. 1894 wurde er zum Adjutant des neuen IV. Bataillons seines Regiments ernannt. Am 12. September 1895 wurde er zum überzähligen Premierleutnant befördert. Die Funktion als Bataillonsadjutant behielt er bis zum 1. April 1897, als sein (Halb-) Bataillon zur Aufstellung vom 4. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 164 herangezogen wurde. Dabei wurde er als Kompanieoffizier zur 2. Kompanie des neuen Regiments in Hameln versetzt. 1898 wurde er in gleicher Funktion bei der 3. Kompanie vom 4. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 164 verwendet. Ab dem Herbst 1898 gehörte er als Kompanieoffizier zur 7. Kompanie seines Regiments in Hameln. Am 24. September 1898 hat er die knapp vier Jahre jüngere Elisabeth Sophie Ida Hermine Magdalene von Diringshofen, Tochter vom verstorbenen Major Carl Wilhelm Ernst Sivester von Diringshofen, in Berlin geheiratet. Durch die Umbenennung seines Dienstgrades wurde er am 1. Januar 1899 zum Oberleutnant ernannt. Im Sommer 1899 wurde seine Tochter Hertha Marie Von Abercron geboren. Am 1. Oktober 1899 wurde er zur Dienstleistung für ein Jahr zur Luftschiffer-Abteilung nach Berlin kommandiert. Bereits dort wurde er zum Freiballonführer. Am 7. Juli 1900 wurde seine Tochter Carla Meta Armgard Maxa von Abercron geboren. Nach seiner Rückkehr gehörte er ab dem 1. Oktober 1900 als Kompanieoffizier zur 3. Kompanie vom 4. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 164 in Hameln. Am 20. Januar 1902 wurde sein Sohn Horst Friedrich-Karl Hans von Abercron in Hameln geboren. Im Jahr 1902 gehörte er in gleicher Funktion zur 6. Kompanie seines Regiments. Am 27. Januar 1903 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Hauptmann als Nachfolger von Hauptmann Diercksen zum Chef der 7. Kompanie vom Niederrheinisches Füsilier-Regiment Nr. 39 in Düsseldorf ernannt. Diese Position behielt er für viele Jahre. Ab dem Jahr 1906 war er Vorsitzender der Freiballon-Abteilung des Deutschen Luftfahrtverbandes (D. L. V.). Mehrmals nahm er beim Gordon-Bennett-Cup teil. Ab dem Jahr 1909 wurde er auch als Führer von Zeppelin- und Militärluftschiffen verwendet. Am 27. Januar 1910 wurde er als als Nachfolger von Hauptmann Schütz als Chef der 2. Kompanie zum 3. Westfälisches Infanterie-Regiment "Freiherr von Sparr" Nr. 16 nach Köln versetzt. Dabei erhielt er eine Vorpatentierung als Hauptmann auf den 2. Februar 1899. Sein Nachfolger als Chef der 7. Kompanie wurde Hauptmann Böhmer. Beim Gordon-Bennett-Cup 1910 in St. Louis erreichte er mit der Flugweite von 1720 km den dritten Platz. Am 21. Februar 1911 wurde er zum überzähligen Major befördert. Als solcher ist er an diesem Tag auch zum Regimentsstab vom 3. Westfälisches Infanterie-Regiment "Freiherr von Sparr" Nr. 16 nach Köln übergetreten. Sein Nachfolger als Chef der 2. Kompanie wurde Hauptmann Schramm. Der Direktor des Physikalischen Institutes der Philipps-Universität Marburg, Franz Richarz, stellte im Winter 1911/12 ein Gesuch an den Dekan der Philosophischen Fakultät Marburgs, dass man ihn zum Doktor ehrenhalber ernennen sollte. Der Antrag wurde im Februar 1912 angenommen. Ab dem 1. Oktober 1912 erhielt er beim Regimentsstab die Stabsoffizier-Gebührnisse. Als Nachfolger von Oberstleutnant Freiherr von Maltzahn wurde er am 18. April 1913 zum Kommandeur des III. Bataillons vom 3. Westfälisches Infanterie-Regiment "Freiherr von Sparr" Nr. 16 in Köln ernannt. Mit der Mobilmachung zum Ersten Weltkriegs wurde er Anfang August 1914 zum Kommandeur vom neu aufgestellten Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 57 in Düsseldorf ernannt. Dieses Regiment befehligte er an der Westfront. Sein Regiment führte er bis zum 18. November 1917. Dann übernahm er das 3. Westfälisches Infanterie-Regiment "Freiherr von Sparr" Nr. 16 als Kommandeur von Major Albert von Coburg. Auch mit diesem Regiment kam Abercron vor Verdun zum Einsatz und machte im Frühjahr 1918 die deutsche Offensive mit. Neben beiden Klassen des Eisernen Kreuzes wurde er Anfang Juli 1917 mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern ausgezeichnet. Am 15. Juli 1918 wurde er zum Oberst befördert. Für seine Leistungen in den letzten Kriegswochen wurde er angeblich auch noch zum Orden Pour le Mérite eingereicht, eine Verleihung soll aber aufgrund des Waffenstillstandes jedoch nicht mehr erfolgt sein. Am 12. Dezember 1918 in traf er mit seinem Regiment in Coesfeld ein und wurde mit der Demobilisierung und Auflösung beauftragt. Aus Teilen des Regiments bildete sich das als Freikorps tätige Freiwilligen-Regiment Abercron. Mit seinem Freiwilligen-Regiment bekämpft er im Frühjahr 1920 die Rote Ruhrarmee. Vor der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr schied Oberst von Abercron im Jahr 1920 aus dem aktiven Dienst aus. Seine Tochter Hertha Marie von Abercron starb bereits im Jahr 1920. Nach Kriegsende war er beim Wiederaufbau der deutschen Luftfahrt tätig. Mit über 500 Aufstiegen hielte er Ende der 20iger Jahre den Rekord für die meisten Freiballonfahrten. Er wohnte für viele Jahre in der Dahlmannstraße 34 in Berlin-Charlottenburg 4 und hatte dort bis 1928 die Telefonnummer C1 Steinplatz 3139 und danach die C2 Bleibtrreu 2625. Seine Position als Vorsitzender der Freiballon-Abteilung des Deutschen Luftfahrtvereins behielt er noch bis 1927. Er war in der Folge auch verstärkt als Schriftsteller tätig. Sein Sohn heiratete zwischen 1929 und 1939 dreimal. Seine Erfahrungen und Eindrücke als Ballonfahrer veröffentlichte er im Jahr 1932 in der Buchreihe Der Luftwanderer. Zu dieser Zeit hatte er die Telefonnummer C2 Bleibtrreu 0208. Am 1. Mai 1932 trat er der NSDAP bei und erhielt die Mitgliedsnummer 1.105.257. Er wurde in den Jahren 1933 bis 1937 als Leiter im Institut für volkstümliche Naturkunde URANIA in Berlin installiert. Er sollte die Gleichschaltung der URANIA durchsetzen. Der bisherige Vorstand klagte zwei Jahre gegen diesen Vorgang, der vor dem Amtsgericht mit einem Kompromiss entschieden wurde. Oberst a.D. von Abercron wurde als Vorstand der Aktiengesellschaft, nicht aber als Vorsitzender des Vereins bestätigt. 1938 schied er ganz aus dem Dienst der Urania aus. Im Jahr 1939 war er außerdem Mitglied der SA und DAF sowie im Reichsluftschutzbund. Zu dieser Zeit wohnte er in der Dahlmannstraße 34 in Berlin-Charlottenburg 4 und hatte dort die Telefonnummer 960208. Am 27. August 1939, dem sogenannten Tannenbergtag, wurde ihm der Charakter als Generalmajor verliehen. Im Zweiten Weltkrieg wurde er nicht aktiviert. Zum Ende des 2. Weltkrieges wohnte er in der Humboldtstraße 13 in Hildesheim. Am 16. April 1945 starb er nach Mitteilung seiner Tochter Karla von Abercron um 7:40 Uhr in der Wohnung von Horst von Abercron im Hohenzollerndamm 81 in Berlin. Als Todesursache wurde Lungenentzündung, Arterienverkalkung und Versagen des Herzens angeht. Er wurde auf dem Luisen-Friedhof in Berlin beerdigt. Auf seinem Grabstein wurde er als Pionier der Luftfahrt bezeichnet.

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10851 Ple-Sac
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1888, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1888
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1889, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1889
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1890, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1890
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1891, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1891
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1892, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1893, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee für 1894, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1894
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1895, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1895
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1896, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1896
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1897, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1897
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1898, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1898
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1899, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1899
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1900, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1900
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1901, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1901
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1902, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1902
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1903, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1903
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1904, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1904
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1905, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1905
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1906, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1906
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1907, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1907
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1908, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1908
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1909
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1910, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1910
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1911, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1911
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1912, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1912
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1913, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1913
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1914, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1914
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Hugo von Abercron - Der Luftwanderer, Stilke Verlag, Berlin 1932, 15 Teile
Hugo von Abercron. Offizier und Luftfahrtpionier. Tatberichte und Erinnerungen 1869–1938, Lutz Verlag, Stuttgart 1938