Truppenübungsplatz Lockstedter Lager
Der Truppenübungsplatz Lockstedter Lager wurde auf der "Lockstedter Heide", wie man das große Gebiet der heutigen Gemeinden Hohenlockstedt und Lockstedt früher bezeichnete, zwischen den Steinburger Städten Itzehoe und Kellinghusen, errichtet. Bereits am 7. Juni 1625 hielt König Christian IV., bevor er in den 30jährigen Krieg zog, auf der Lockstedter Heide eine Heerschau ab. Nach der unglücklichen Schlacht bei Lutter am Barrenberge sammelte der König auf derselben Heide im November 1626 den Rest seines Heeres. 1846 gab es auf dem gleichen Gelände ein großes dänisches Zeltlager. Land und Kreis ließen 1846 den am Hungriger Wolf vorbeiführenden Weg, die Rendsburger Chaussee, als Schotterstraße ausbauen. Bevor 1864 das erste preußische Lager errichtet wurde. Dieses diente nach dem Deutsch-Dänischen Krieg (2. Schleswigsche Krieg) zunächst als Auffang-, Entlassungs- und Rekrutierungslager und wurde das "Preußische Lager bei Lockstedt" genannt. Das Lockstedter Lager bestand zu dieser Zeit aus Zelten, hatte jedoch schon feste Feuerstellen, Back- und Vorratshäuser. Das IX. Armee-Korps sah sich zu dieser Zeit bereits nach einem anderen, für sie besser geeigneten Artillerie-Übungsgelände um. Der Artillerieschießplatz "Lohheide", südlich von Rendsburg, wurde den Erfordernissen nicht mehr gerecht. In die engere Wahl kam das Gebiet im Kreis Steinburg, nördlich von Itzehoe. Im Jahre 1870 wurden die Bürger durch einen Zeitungsartikel auf kommende Übungen vorbereitet. In dem Artikel hieß es, daß die Übungen des X. Armeekorps denen des IX. Armeekorps vorangehen und somit die Anwesenheit des Königs von Preußen bei den letzteren vom 11. bis 18. September 1870 zu erwarten sind. Für die Übungen ist das Terrain nördlich der Stör zwischen Itzehoe, Hademarschen und Kellinghusen nunmehr definitiv in Aussicht gestell. Zu den angekündigten Übungen kam es aber nicht mehr, weil am 16. Juli 1870 die Mobilmachung des Heeres, also auch des IX. Armee-Korps, angeordnet worden war. Die Soldaten zogen in den Deutsch-Französischen Krieg. Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 wurde eine Barackenlager für bis zu 6.000 französische Kriegsgefangene aufgebaut. Das Lager erhielt zunächst den offiziellen Namen "Barackenlager bei Lockstedt". Zeuge dieser Zeit ist noch heute der Franzosenfriedhof. Dieser lag bis 1952 in der Verlängerung der heutigen Birkenallee im Fabrikgelände der Firma Nier. 1952 wurde der Franzosen- Friedhof in den Waldfriedhof verlegt. Graf Kuno zu Rantzau ließ in den Jahren 1871 bis 1879 Teile des Ridderser Holzes ostwärts der Rendsburger Chaussee aufforsten. Das gleichzeitig gebaute Forsthaus wurde in Karten vielfach als "Forsthaus Ratzeburg" bezeichnet. Ab 1872 wurde das Lager zum Truppenübungsplatz ausgebaut. Es entstanden Schießplätze und vor den Toren des Lagers eine "Marketenderaussiedlung". Im Jahr 1872 wurde ein Schießplatz in der Lockstedter Heide errichtet, der im Laufe der Jahre zum Truppenübungsplatz ausgebaut wurde. Am 12.September 1872 formierten sich erstmals wieder nach dem Krieg starke Truppeneinheiten des IX. Armee-Korps im Gebiet um Looft, die am 13. September 1872 in das Übungsgefecht in Richtung Ridders und Lockstedter-Lager geführt wurden. Das große Schlußmanöver mit Feldparade fand im Lockstedter Lager in Anwesenheit des Kommandierenden Generals von Manstein statt. Vom 2. bis zum 5.September 1873 wurden die gemeinschaftlichen Truppenmanöver der 18. Schleswig-Holstein Division in der Gegend von Drage und Hohenaspe bis Schlotfeld hin abgehalten. "Die gesamte konzentrierte Stärke betrug reichlich 8.000 Mann, die auch in der Gegend biwakierten. Nicht nur Soldaten bevölkerten den Übungsplatz, sondern auch eine große Zahl von Zivilisten, die als Landwirte oder von der Marketenderei lebten. Höhepunkt des Truppenübungsplatzes dürfte ein Manöver im Jahre 1881 gewesen sein, bei dem Kaiser Wilhelm I. persönlich zugegen war. Dieses Ereignis ist als "Kaisermanöver" in die Geschichte des Ortes eingegangen. Das Kaisermanöver schloß auch die Gebietsteile des heutigen Flugplatzes ein. Auf der extra für das Manöver gefertigten Karte ist die erste kartographische Darstellung des Artillerieschießplatzes Lockstedter Lager dokumentiert. Das heutige Flugplatzgelände war einst ein Exerzierplatz des Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager. 1889 wurde das Lager an die Eisenbahn angeschlossen. Im Jahre 1896 wurde der Truppenübungsplatz vergrößert. Der Reichsmilitärfiskus erwarb von 1896 bis 1898 Teile der Ortschaften Ridders, Lohbarbek, Mühlenbarbek, Silzen und Schlotfeld und das Gut Bücken käuflich von den Gemeinden Schlotfeld, Hohenaspe und Ridders. Es entstand der große fiskalische Gutsbezirk Lockstedter Lager, der von nun ab als Truppenübungsplatz genutzt wurde. Auf dem angekauften Gelände gingen später schwere Batterien des Feldartillerie-Regiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schleswigsches Nr. 9) in Stellung. Sie schossen in Richtung Schierenwald und Ridders. 1899 wurde die Verkehrsanbindung nach Norden im Zuge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes, etwa ab Amönenhöhe, weiter nach Westen, bis fast an Hohenaspe heran, verschwenkt.
Im Jahre 1900 entstand auch der Wasserturm, der auf seiner Spitze einen Mast mit einen großen Signalball erhielt. Er wurde zur Warnung gehißt, wenn die Artillerie übte. Im Lockstedter Lager wurde 1900 auch das deutsche Kontingent der europäischen Truppen aufgestellt, die den Boxer-Aufstand in China niederschlagen sollten. Der Truppenübungsplatz bekam auch etwa um 1900 eine eigene Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. 1914 erreichte das Lager seine größte Ausdehnung mit 60 Quadratkilometern und bis zu 18.000 Soldaten in der Kasernenstadt. Während des Ersten Weltkrieges übten 115.000 Soldaten pro Jahr in Lockstedt. Nahezu jeder männliche Bewohner der Provinz Schleswig-Holstein hatte im Rahmen seines Wehrdienstes Station im "Lola" abgekürzten Lager gemacht. Am 25. Februar 1915 kamen die ersten 55 Finnen im Lockstedter Lager an. Sie waren auf abenteuerlichen Wegen aus dem von Rußland beherrschten Finnland nach Lola gekommen. Nach und nach wuchs ihre Zahl auf rund 1.500 an. Im Lager wurden sie als "Finnische Pfadfinder" bezeichnet und in das Königlich-Preußische Jägerbataillon Nr. 27 integriert und ausgebildet. Als "Finnische Jäger" kehrten sie genau drei Jahre später am 25. Februar 1918 in ihre Heimat zurück und landeten bei Vaasa. Sie bildeten den Kern der Armee von Feldmarschall Mannerheim beim erfolgreichen Unabhängigkeitskampf gegen die russischen Besatzer. Der Wasserturm als Wahrzeichen des Lockstedter Lagers soll noch heute jedem Kind in Finnland bekannt sein. Der 9. November 1918 brachte mit seinem Umsturz und der Auflösung der deutschen Armeen auch das Ende des Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager. Nach dem ersten Weltkrieg wurden in Lola Flüchlinge aus den Ostgebieten einquartiert. Im Sommer 1920 wurde den aus dem Baltenland zurückgekehrten Truppen der Truppenübungsplatz von der Reichsregierung zur Besiedlung überlassen. Das große Gebiet Heide und Ödland wurde in mühseliger langjähriger Arbeit in fruchtbares Ackerland und in Waldparzellen verwandelt. Das Inkrafttreten des Versailler Vertrages beendete zunächst alle militärischen Aktivitäten, es zog Ruhe auf dem Truppenübungsplatz ein, jedoch nur solange, bis die Reichswehr das etwa 200 ha große, öde Gelände für die III. Abteilung vom 2. (preuß.) Artillerie-Regiment, die als Truppenteil der Reichswehr in Itzehoe stationiert war, zum Exerzieren nutzte. Es durfte infolge der politischen Veränderungen und der Umwandlung des restlichen Truppenübungsplatzes in Siedlungsgebiet nicht mehr scharf geschossen werden. Die bespannte Truppe führte ausschließlich Fahr- und Protzübungen auf dem Exerzierplatz durch. Das faszinierende Schauspiel für zuschauende Kinder und begeisterte Zivilisten waren die Fahrübungen, die allgemein "6er lang" genannt wurden. Hierbei handelte es sich um das Feldexerzieren mit einem sechsspännigen Pferdezug vor der Feldkanone. Dort wo heute das neue Offiziersheim steht, war zu damaliger Zeit ein Wurfstand für Übungshandgranaten. In heißen Sommern kann man noch heute auf dem Flugfeld des Flugplatzes das Grabensystem erkennen, in dem die Soldaten damals Verteidigung und Grabenkampf übten. Ab 1922 errichtete die Siedlungsbehörde, auf den neu geschaffenen Siedlerstellen, südöstlich des Exerziergeländes, die ersten Bauernhöfe und ab 1923 die typischen Fliegerhallen ein. Erst ab 1922 gab es eine Gaststätte, die den Namen "Hungriger Wolf" trug. Sie wurde von Adolf Gräber gegründet. 1926/27 wurde die Landgemeinde Lockstedter Lager gegründet. 1928 siedelte sich mit der Bürstenfabrik H.A. Schmidt außerhalb des Lagers der erste Industriebetrieb an. Aus der Fabrik stammen bis heute die bekannten "Lola-Bürsten". Im Mai 1928 wurde im Lockstedter Lager vom Sportlehrer Hauptmann a.D. Selle im Hotel Kaiserhof ein Sportverein gegründet. Es handelte sich bei dem Sportverein um eine verdeckte Kaderschmiede für die Reichswehr. Postkartenzitat eines Kursusteilnehmers vom 18. Juli.1928: "Wenn ich das hier hinter mir habe, dann habe ich mit dem Abschluß die besten Chancen bei der Reichswehr anzukommen." Dieser Verein war jedoch nur die Vorstufe zu der Volkssportschule, die am 23. oder 24. März 1929 gegründet wurde. Beide von Gausportleiter Hauptmann a.D. Selle geleiteten Sporteinrichtungen nutzten häufig den alten Exerzierplatz am Hungrigen Wolf für die sportliche Ertüchtigung. Ab dem 7. November 1932 übten die Itzehoer Reichswehreinheiten offiziell nicht mehr allein auf dem Exerzierplatz. Im Lockstedter Lager (LoLa) gab es neben der Volkssportschule die neu eröffnete Geländesportschule. Diese Schule leitete später Hauptmann von Münch. Zur erweiterten sportlichen Ausbildung der Geländesportschule gehörte jetzt öffentlich sichtbarer, paramilitärischer Dienst. „Zum Übungsstoff gehörten Leibes- und Ordnungsübungen. Märsche, Hör-und Sehübungen im Gelände, Zurechtfinden im Gelände und Kartenlesen, sowie Geländespiele und Kleinkaliberschießen.“ Was lag da näher, als den verbliebenen Rest des Exerziergeländes für die Aktivitäten zu nutzen. Die Schule war in immer noch leerstehenden Militärbaracken untergebracht. Dauer des Lehrganges 3 Wochen. Es war eine Stärke von 200 Schülern, so genannten Jungmännern, 3 Lehrern und 15 Hilfskräften vorgesehen. Die Jungmänner trugen einheitlich Kleidung "und machten einen guten Eindruck". Die Kosten für die Lehrgänge trug das Reichskuratorium für Jugenderziehung. Kleidung wurde gestellt, Kost und Logis waren frei. 1934 wurde mit dem Bau der "Heeresmunitionsanstalt" (Muna) begonnen. 1939 arbeiteten dort 1.000, 1944 4.000 Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lockstedter Lager wieder zu einem Flüchtlingslager. Die Geländesportschule wurde 1935 in eine SA-Sportschule umgewandelt. 1935 kam das im Lockstedter Lager neu eingerichtete SA-Umschulungslager als zeitweiliger Nutzer des Übungsplatzes dazu. Das Motto der Schule: "Neben den handwerklichen Fertigkeiten soll der weltanschauliche Geist und die körperliche Tüchtigkeit der Männer geschult werden." Über manche Balgerei im Langstückener Weg, zwischen den Hohenasper Jungen und Angehörigen der SA, wird berichtet. Für das Fangen von Kreuzottern auf dem Übungsgelände gab es Fangprämien. 1940 wurden noch vier Kreuzottern am Hungrigen Wolf gefangen, die Längste maß 75 cm. Der Fangrekord liegt bei 532 Tieren, die von einem Mann in einem Jahr im Breitenburger Moor gefangen wurden.
Das Ende des 2. Weltkrieges brachte wieder eine große Anzahl Heimatvertriebener in die Gemeinde. Sie wurden in den ehemaligen Bunkem der Heeresmunitionsanstalt untergebracht. Daraus entstand auch das Partnerschaftsverhältnis zur Gemeinde Döbern im Kreis Preußisch-Holland, das am 7. September 1963 begründet wurde. In den großen Hallen auf dem Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt siedelten zunehmend Industriebetriebe an. Das Jahr 1956 brachte für den Ort ein Ereignis besonderer Bedeutung. Auf Wunsch der Gewerbetreibenden, aber auch eines großen Teils der Bevölkerung kam es zu der Namensänderung der Gemeinde. Insbesondere war es das in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark negativ besetzte Wort "Lager" im Ortsnamen, das zur Namensänderung führte. Die Gemeinde wurde schließlich umbenannt in Hohenlockstedt mit den Ortsteilen Lockstedter Lager, Bücken, Hungriger Wolf, Ridders, Hohenfiert und Springhoe. Auf dem ehemaligen Muna-Gelände siedelten sich die Arzeneimittelhersteller Pohl-Boskamp und die Firma H. Nier an, die aus dem Erzgebirge stammte und bis heute auch die "Feuerhand" Petroleumlampen herstellt. 1956 wurde die Gemeinde Lockstedter Lager in "Hohenlockstedt" umbenannt. Die Gemeinde hat heute gut 6.000 Einwohner, pflegt besonders mit Finnland eine enge Partnerschaft. Das ehemalige Militärlager ist nur noch Standort für eine Heeresfliegereinheit auf dem "Hungrigen Wolf". Im Rahmen der zweiten Truppenreduzierung der Bundeswehr nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes beschloß das Bundesverteidigungsministerium im Februar 2001 den Standort Hohenlockstedt aufzugeben. Umfangreiche Proteste in der Gemeinde und der Region sowie das Bemühen der Landesregierung, das Heeresfliegerregiment 6 mit 929 Dienstposten als Teil des Katastrophenschutzes vor der Auflösung zu bewahren, scheiterten.
Kommandanten des Übungsplatzes: