Polizei-Bataillon 311



Das Polizeibataillon 311 entstand in Jena im Rahmen der Aufstellung von Polizei-Ausbildungsbataillonen Ende 1939/Anfang 1940. [1] Untergebracht war das Bataillon in der 1873/74 erbauten Kaserne des III. Bataillons des 94er (kaiserlichen) Infanterie-Regiments von Sachsen-Weimar in der Nähe des Jenaer Westbahnhofs. [2]



Abb. 1: Gruppenfoto der Stube 12 vor der Kaserne in Jena im April 1940


Am 15. Oktober 1940 kam das Bataillon geschlossen per Zug nach Krakau ins Generalgouvernement. Anschließend wurde es ins Polizeiregiment Krakau eingegliedert und war dort bis 29. Mai 1941 zum Wach- und Streifendienst eingesetzt. [3] In Krakau löste das Polizeibataillon 311 laut Schnellbrief des Reichsführers SS Heinrich Himmler das Polizeibataillon 45 (Heimatstandort Aussig) ab und übernahm daraufhin dessen Kraftfahrstaffel (K-Staffel) und den Jagdzug (Pol.-Jgd.-Zug). [4] Die K-Staffel trug später den Drachen aus dem Jenaer Stadtwappen als Truppenkennzeichen auf ihren Fahrzeugen. [5]
Der Pol.-Jgd.-Zug des Polizeibataillons 311, vorher auch Pol.-Jgd.-Zug „Krakau“ genannt, war überwiegend aus Münchner Polizisten zusammengesetzt. Er war speziell für den Partisanenkampf konzipiert worden, modernst ausgerüstet, gut bewaffnet und motorisiert, damit ein schnelles und wirkungsvolles eingreifen gewährleistet sein konnte. Die Personalstärke des Zuges betrug insgesamt 42 Mann. Zugführer waren Leutnant d.Sch. Buchberger bis 24. September 1940, Revier-Leutnant Schmidlkofer bis 26. Februar 1941 und Oberleutnant d.Sch. Winkel bis zu seiner Auflösung. Am 7. April 1941 wurde der Jagdzug aus München aufgelöst und dessen Angehörige zurück zum Heimatstandort in Marsch gesetzt. Für Ihre Leistungen während des Einsatzes beim Polizeibataillon 311 in Polen, erhielten sieben Münchner Polizisten später das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse. [6]
Am 29. November sowie am 3. und 9. Dezember 1940 führte das Jenaer Bataillon zusammen mit der polnischen Polizei und der deutschen Kriminalpolizei Razzien in Krakau durch, um den Juden den „Ernst der Lage“ vor Augen zu führen. Nach Angaben der Sicherheitspolizei (Sipo) verließen danach etwa 20.000 Juden die Stadt. [7]
Die 1. Kompanie des Polizeibataillon 311 unter der Führung von Oberleutnant d.Sch. Borchers war nachweislich anhand von Original-Fotoaufnahmen am 1. Februar 1941 in Krakau in der Piekarska Nr. 24 (vermutlich ein ehemaliges Schulgebäude) untergebracht. Am 3. März 1941 wechselte die 1. Kompanie seinen Standort in Krakau mit der 3. Kompanie des Polizeibataillon 303 (Heimatstandort Bremen) und zog nach Sanok um.
Am 28. Mai 1941 wurde das Polizeibataillon 311 in Gorlice durch den Befehlshaber der Ordnungspolizei Krakau Genlt.d.Pol. Paul Riege und den Höheren SS- u. Polizeiführer Krakau SS-Oberführer Hans Schwedler verabschiedet. [8]



Abb. 2: Wache vor dem Eingang zur Unterkunft der 1. Komp./Pol.Btl. 311 in Krakau


Bis zum 22. Juni 1941 erfolgte die Verlegung des Bataillons in den Raum Rzeszow (dt. Reichshof), um für den Überfall auf die Sowjetunion bereitzustehen. Ab jetzt unterstand es der 444. Sicherungs-Division der Wehrmacht. [9] Vom 22. bis 28. Juni 1941 beteiligte es sich an Kämpfen um Przemysl und dem San-Übergang. [10] Dann war es in Bessarabien, Galizien und Wolhynien eingesetzt. [11] Der Vormarsch des Bataillons Richtung Osten war gleich mit dem der 17. Armee auf der Linie Lemberg – Tarnopol – Winnizia – Uman – Dnjepr-Niederungen bis in den Raum Dnjepropetrowsk. [12] Im Sommer 1941 war die 3. Kompanie am Zusammentreiben von Juden in Lemberg beteiligt. [13] Nach rückseitigen Fotobeschriftungen befand sich das Polizeibataillon 311 am 26. Juli 1941 in Brahilow, am 6. August 1941 in Uman, am 12. August 1941 in Hajsyn, am 17. September 1941 in Nikolajew und am 25. Oktober 1941 in Kriwoj-Rog. [14]



Abb. 3: Rast der 1. Komp./Pol.Btl. 311 auf dem Vormarsch nach Osten


Zwischen dem 16. und 30. September 1941 wurden etwa 5.000 Juden in Cherson exekutiert, später 136 Juden im Raum Pawlograd. In beiden Fällen unter Beteiligung des Polizeibataillon 311. [15]
Laut einem Unterkunftsbericht der 444. Sicherungs-Division war Anfang November 1941 der Stab, eine Kompanie und ein Zug des Bataillons in Nikopol untergebracht, zwei weitere Kompanien in Marganez und Dnjepropetrowsk bzw. Dnjeprodsershinsk. Am 17. November war das Polizeibataillon 311 in Pawlograd stationiert. [16]
Bei Kotschereschki kam es am 17. Dezember 1941 zu einem Feuergefecht mit Partisanen, als diese versuchten die Leichen erhängter Kameraden zu bergen. [17] Zwischen Dezember 1941 und Januar 1942 war das Polizeibataillon 311 bei einem großen Partisanenunternehmen im Waldgebiet zwischen Nowomoskowsk und Pawlograd eingesetzt. [18] Die 2. Kompanie wurde am 21. Januar 1942 an die Front nach Losowaja östlich Dnjepropetrowsk verlegt, um einen Einbruch starker russischer Verbände abzuwehren. [19] Ab März 1942 kam das Polizeibataillon 311, zusammen mit der 444. Sicherungs-Division, zum Schutz an Küstenabschnitten des Asowschen Meeres zum Einsatz. [20]
Anhand von Original-Fotoaufnahmen befanden sich am 21. Mai 1942 u.a. folgende Gräber von Bataillonsangehörigen auf dem Soldatenfriedhof in Pawlograd:
Hptw. d.Sch. Ferdinand Silge, Einheit: 2.Kp./Pol.Btl. 311, geb. 24.11.1909 – gest. 29.12.1941
Zugwachtm. Hans Schönfelder, Einheit: 1.Kp./Pol.Btl. 311, geb. 22.20.1914 – gest. 18.2.1942
Oberw. Walter Palowski, Einheit: Pol.Btl. 311, geb. 16.4.1910 – gest. 19.2.1942
Ltn. Franz Gröger, Einheit: Pol.Btl. 311, geb. 3.1.1910 – gest. 23.2.1942 [21]
Bis 6. August 1942 war das Bataillon der Feldkommandantur 774 in Saporoshje unterstellt, vom 6. bis 10. August 1942 der Oberfeldkommandantur 399 in Melitopol und vom 11. bis 18. August 1942 abermals der Feldkommandantur 774. [22]



Abb. 4: Angehörige des Bataillons am Asowschen Meer, Sommer 1942


Ab dem 15. August 1942 führte das Jenaer Polizeibataillon 311 durch Erlass des Reichsführers SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler die Bezeichnung II./Polizei-Regiment 6 (5., 6., und 7. Kompanie) und hatte eine Stärke von 600 Mann. [23]


Feldpostnummer:

FPNr. 14502 [24]


Stellenbesetzung:

Kommandeur des Polizeibataillon 311, ehemals Polizei-Ausbildungs-Bataillons Jena, war ab 1940 der gebürtige Jenaer Major d.Gend. Walter Danz (geb. 1898) [25]

Chef der 1. Kompanie war Oberleutnant d.SchP. Borchers [26]
Zugführer SS-Ustuf. U. Ltn. d.Sch. Hans Hasper [27]

unbekannte Dienststellung beim Polizeibataillon 311 im November 1940:
Hptm. d.Schp. Büsing
Hptm. d.Schp. Weitz
Oberltn. d.Schp. Stümpfl (später beim Pol.Btl. 11 bzw. I.Btl./SS-Pol.Rgt. 2)
Oberltn. d.Schp. Malzahn
Ltn. d.Schp. Krakowizer (am 30.5.41 als Transport- u. Pi.Offz. (zugleich Bürooffizier der Abt. Ia) zur Führungsabteilung des Kdo.Stabes RFSS versetzt) [28]


Anmerkungen:

[1] siehe Stefan Klemp „Nicht ermittelt“, 2. Auflage, Klartext Verlag, Essen 2011, S.287
[2] siehe Beitrag v. Frank Döbert „Vorläufig ist alles ganz harmlos - Das Jenaer Polizeibataillon 311 im 2.Weltkrieg - eine Spurensuche“, in: Prof.Dr. Carsten Dams & Dr. Andreas Schneider „Polizei und Geschichte Ausgabe 2/2010“, Verlag für Polizeiwissenschaften, Frankfurt/Main 2010, S.40
[3] vergleiche Döbert S.41, Klemp S.287 und Wolfgang Curilla „Der Judenmord in Polen und die deutsche Ordnungspolizei 1939-1945“, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2011, S.414
[4] Hauptstaatsarchiv München, Mlnn, Sign. 71988, Mikrofilm
[5] siehe http://www.forum-der-wehrmacht.de/thread...htuser=0&page=2
[6] siehe Kommando-Sonderbefehle des KdSch München 1940-1941 im Staatsarchiv München, Mikrofilm S 2887, Sign. 8208 und Sign. 8209
[7] siehe Christopher Browning „Die Entfesslung der Endlösung – Nationalsozialistische Judenpolitik 1939-1942“, List-Taschenbuch Verlag, Berlin 2006, S.204
[8] vergl. Fotobelege (im Privatbesitz des Verfassers) hier: http://www.forum-der-wehrmacht.de/thread...htuser=0&page=1 und hier: http://www.forum-der-wehrmacht.de/thread...htuser=0&page=2
[9] vergl. Curilla S.414, Klemp S.287 u. Döbert S.43
[10] siehe Curilla S.414
[11] siehe Klemp S.287
[12] siehe Döbert S.43
[13] siehe Klemp S.287
[14] beschriftete Einzelfotos aus Nachlass (im Privatbesitz des Verfassers) des ehemaligen Spieß u. Angehörigen der 1. Komp./Pol.Btl. 311 Polizei-Meister Alfred D.
[15] siehe Curilla S. 791-800
[16] siehe Döbert S.50
[17] ebenda S.51
[18] ebenda S.50
[19] ebenda S.53
[20] ebenda S.53
[21] beschriftete Einzelfotos aus Nachlass des ehemaligen Spieß u. Angehörigen der 1. Komp./Pol.Btl. 311 Polizei-Meister Alfred D.
[22] siehe Döbert S.54
[23] ebenda S.54
[24] siehe Rolf Michaelis „Der Einsatz der Ordnungspolizei 1939-1945“, Michaelis-Verlag, Berlin 2008, S.48
[25] siehe Döbert S.40
[26] nach rückseitiger Beschriftung eines Einzelfotos aus Nachlass des ehemaligen Spieß u. Angehörigen der 1. Komp./Pol.Btl. 311 Polizei-Meister Alfred D.
[27] siehe John P. Moore, Führerliste der Waffen-SS
[28] siehe MfS HA IX/M (AK 5107/78), BStU 000154 – 000170, hier 000154


Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1. Einzelfoto aus Nachlass (im Privatbesitz des Verfassers) des ehemaligen Spieß u. Angehörigen der 1. Komp./Pol.Btl. 311 Polizei-Meister Alfred D., Orig. Beschriftung: „Stube 12 Jena, April 1940.“
Abb. 2. Einzelfoto aus Nachlass des ehemaligen Spieß u. Angehörigen der 1. Komp./Pol.Btl. 311 Polizei-Meister Alfred D., Orig. Beschriftung: „Eingang zur Unterkunft 1. Komp., Piekarska Nr. 24, Krakau, 1.2.41“
Abb. 3. Einzelfoto aus Nachlass (im Privatbesitz des Verfassers) eines ehemaligen Kraftfahrers der K-Staffel/Pol.Btl. 311, unbeschriftet, aber zuordbar
Abb. 4. Einzelfoto aus Nachlass eines ehemaligen Kraftfahrers der K-Staffel/Pol.Btl. 311, Orig. Beschriftung: „Asowsches Meer, Sommer 1942“


Ein Beitrag von Daniel Popielas, erstellt im Mai 2012