Das Polizei-Bataillon 255 in Norwegen 1940 -
1943
Ein Beitrag von Daniel Popielas, erstellt im April 2012
Forschungsstand zum Bataillon
Die Quellenlage zum Polizeibataillon 255 ist, wie noch bei vielen Einheiten der
dt. Ordnungspolizei (OrPo), nicht zufriedenstellend. Während der Einsatzweg ab
1943, hier bereits umbenannt in II./Polizeiregiment 26, in diversen
Veröffentlichungen relativ gut dokumentiert ist, so blieb der Zeitraum von
Oktober 1940 bis April 1943 weitestgehend unbeachtet. Selbst in Stefan Klemps,
Wolfgang Curillas und Rolf Michaelis bedeutenden Standardwerken zum Thema
Polizeibataillone finden sich nur spärliche Daten zur Einsatzzeit in Norwegen.
[1] Über Gliederung, Stellenbesetzung und Aufgaben des Bataillons existieren
daher keine brauchbaren Informationen. In Folge dessen soll der nachstehende
Beitrag als Ergänzung dienen und helfen bisherige Rechercheergebnisse der
zeitgeschichtlichen Forschung zugänglich zu machen. Er wurde größtenteils anhand
von Primärquellen erstellt, wobei der Schwerpunkt auf private Fotoaufnahmen
ehemaliger Angehöriger liegt. [2]
Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Roland Pfeiffer und
Marcus-Schreiner-Bozic, ohne deren Hilfe, Anregungen und dem selbstlosen
Zurverfügungstellen von Material diese Arbeit in ihrem Umfang nicht möglich
gewesen wäre.
Aufstellung und Gliederung
Aus 26.000 jungen Freiwilligen, die im Herbst 1939 eingezogen wurden, davon
17.000 der Jahrgänge 1909 bis 1912 und 9.000 der Jahrgänge 1918 bis 1920,
sollten die neuen Eliteverbände der Ordnungspolizei mit den Nummern 251 bis 256
und 301 bis 325 entstehen. [3] Laut Aufstellungsbefehl des Chefs der dt.
Ordnungspolizei Kurt Daluege vom 29. Oktober 1940 wurde eines dieser sogenannten
Eliteverbände, das Polizeibataillon 255, aus dem Polizei-Ausbildungs-Bataillon
Mariaschein (Sudetenland) gebildet. Heimatstandort war zu diesem Zeitpunkt die
Polizeiverwaltung (PV) Aussig. [4] In Mariaschein (heute Bohosudov/Tschechin),
einem bekannten Wallfahrtsort, befand sich eine ehemalige Klosterschule, die zu
der in unmittelbarer Nähe befindlichen Basilika gehörte. Nach der Besetzung des
Sudetenlandes wurde diese als Polizeischule umgebaut und diente dem Bataillon
als Kaserne. [5]
Das Polizeibataillon 255 war für den Einsatz in Norwegen vorgesehen. Es bestand
aus dem Batl.-Stab, 1.-3. Komp. und einer 4. (schweren) Komp., wobei letztere
später zugweise auf die drei restlichen Kompanien verteilt wurde. Die schwere
Kompanie sollte mit acht schweren Maschinengewehren 08 ausgerüstet werden, jede
normale Kompanie mit sechs leichten Maschinengewehren 26 (tschechisch) sowie
zwölf Maschinenpistolen. Fehlende Maschinenpistolen waren durch Karabiner zu
ersetzen. [6] Des weiteren hatte das Bataillon keine eigene Kraftfahrstaffel, da
es nach der Ankunft in Norwegen die Kraftfahrstaffel des Polizeibataillon 9
(Heimatstandort Berlin) übernahm, welches in Halden durch das Polizeibataillon
255 abgelöst wurde. Die Kraftfahrzeuge waren dabei vollzählig dem
Nachfolgebataillon zu übergeben. [7] Auf Grund dieser Übernahme führte das
Polizeibataillon 255 den „Berliner Bär“ als Truppenkennzeichen. Wann das bereits
überholte Emblem auf den Fahrzeugen im Verlauf der nächsten Monate entfernt
wurde, ist unklar. Bis Ende 1941 ist es jedoch weiterhin nachweisbar. [8]

Abb. 1: Die Polizeikaserne u. -schule in Mariaschein/Sudetenland
Führungspersonal
Kommandeur des Polizeibataillon 255 war der ehemalige Chef der Polizeischule in
Mariaschein Major d. Schutzpolizei Phillip Rehbein (Reg. Liegnitz). [9] Abgelöst
wurde er später durch Major d. Schutzpolizei Richter.
Der SS-Hauptsturmführer u. Hauptmann der Schutzpolizei Hermann Borchers, bereits
vor dem 1. Januar 1940 als Oberleutnant der Schutzpolizei und
Hundertschaftsführer in Aussig, war Chef der 2. Kompanie. Borchers wurde am 5.
Dezember 1910 in Wendhausen, Kreis Lüneburg geboren. Eine Beurteilung seines
ehemaligen Bataillonskommandeurs Richter vom 2. Oktober 1942 fiel wie folgt aus:
„Borchers ist von anständigem Charakter wenn auch manchmal etwas von sich
eingenommen und nach starkem Alkoholgenuss leicht streitsüchtig. Er vertritt oft
etwas stur seine Meinung, lässt sich aber überzeugen und belehren. Er ist eine
soldatische Erscheinung, körperlich leistungsfähig und aufgrund seiner
Persönlichkeit und Leistungen ein brauchbarer Truppenoffizier. Borchers ist ein
geachteter Kamerad, von gesellschaftlichem Benehmen und hat sich auch
außerdienstlich einwandfrei geführt. Er ist ein guter Nationalsozialist, der es
auch versteht, andere weltanschaulich zu erziehen.“ Am 20. August 1942 kam
Borchers gemäß Ministerial-Erlaß zum Kolonial-Polizei-Lehrgang in die Heimat.
[10] Erwähnenswert ist außerdem, dass er am 16. Oktober 1944, nun bereits als
SS-Sturmbannführer und Chef des I. Bataillons SS-Panzer-Grenadier-Regiment 19 in
der 9. SS-Panzerdivision >Hohenstaufen< das Ritterkreuz erhielt. [11]
Als Chef der 3. Kompanie wird ein Hauptmann Strobel genannt, als Zugführer
Leutnant Paa. [12] Das könnte jener „Polizeioberleutnant Strobl“ gewesen sein,
der Ende 1939 bis Mai 1940 die 3. Hundertschaft der Polizeischule Mariaschein
geführt hat. [13] Rudolf Paa (PV Halle, SS-Nr. 361 228) war noch im April 1944
im Bataillon tätig, als er aus Anlass des Führergeburtstages zum
SS-Hauptsturmführer und Hauptmann der Schutzpolizei befördert wurde. [14] Über
die Führer der 1. Kompanie und 4. (schweren) Kompanie ist bisher leider nichts
bekannt. Fotoaufnahmen liegen zwar vor, doch es fehlt jeweils eine Namensangabe.
Zugführer in der 4. (schweren) Kompanie war Zug-Oberwachtmeister H. Schneider.
[15]
Im August 1942 löste Polizei-Inspektor Paul Klinger (PV Gotenhafen)
Polizei-Oberinspektor Bretz als leitenden Verwaltungsbeamten im Polizeibataillon
255 ab. Bretz kehrte daraufhin zur Polizeiverwaltung (PV) Kaiserslautern zurück
und war dort für eine Polizei-Ratsstelle vorgesehen. [16]

Abb. 2: Major d.Sch. Phillip Rehbein, Kommandeur des Polizeibataillon 255
Feldpostnummern
Die folgende Daten beziehen größtenteils sich auf das Feldpostverzeichnis von
Norbert Kannapin.
FP 44334
(28.2.1941-29.7.1941) Stab Polizei-Bataillon 255,
(30.7.1941-28.2.1942) Stab u. 1.-3. Kompanie Polizei-Bataillon 255,
(1.3.1942-7.9.1942) Stab II u. 5.-8. Kompanie Polizei-Regiment 26,
(25.11.1944-8.5.1945) 6.12.1944 gestrichen [17]
FP 44829
(28.2.1941-29.7.1941) 1. Kompanie Polizei-Bataillon 255,
(30.7.1941-28.2.1942) gestrichen, wurde FP.Nr. 44334 B [18]
FP 45216
(28.2.1941-29.7.1941) 2. Kompanie Polizei-Bataillon 255,
(30.7.1941-28.2.1942) gestrichen, wurde FP.Nr. 44334 C [19]
FP 45723
(Frühjahr 41) 3. Kompanie Polizei-Bataillon 255
(Herbst 41) gestrichen, wurde FP.Nr. 44334 D [20]
FP 46007
(28.2.1941-29.7.1941) 4. Kompanie Polizei-Bataillon 255,
(30.7.1941-28.2.1942) gestrichen [21]
Norwegen
Nach der Grundausbildung, die ca. 6 Monate dauerte, einem Manöver auf dem
Truppenübungsplatz Wildflecken a. d. Röhn und anschließender Vereidigung in
Mariaschein, erfolgte die Verlegung des Bataillons nach Rügen. Die 4. (schwere)
Kompanie lässt sich auf Rügen am 9. Februar 1941 nachweisen. [22] Als Unterkunft
diente dort eines der ehemaligen Arbeitsdienstlager des „KdF-Bad Prora“. [23]
Laut Schnellbrief des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 21. November 1940
sollte das Polizeibataillon 255 voraussichtlich zwischen dem 8.-15. Februar 1941
ab Sassnitz nach Norwegen verschifft werden. [24]
Die Überfahrt der 4. (schweren) Kompanie nach Trelleborg (Schweden) erfolgte am
11. Februar 1941. [25] Als Transportschiff diente, wie bei der 3. Kompanie, die
Fähre „Deutschland“, eventuell auch die „Preussen“. Ab Trelleborg erfolgte dann
unter Berücksichtigung strengster Vorschriften der Eisenbahntransport durch das
damals neutrale Schweden nach Norwegen. [26] Die 3. Kompanie befand sich
allerdings schon am 8. Februar 1941 in Norwegen, was auf eine kompanieweise
Verschiffung des Bataillons schließen lässt.
Anfang Februar 1941 wurde aus den Polizeibataillonen 255, 251 (Heimatstandort
München) und 256 (Heimatstandort Wien) das Polizeiregiment „Nord-Norwegen“
gebildet. [27]
Erster Aufenthaltsort des Bataillons in Norwegen war Halden nahe der
schwedischen Grenze. Die 3. Kompanie war zuerst in einer Schule untergebracht
und wurde später nach Orje verlegt, wo auch der Batl.-Stab lag. [28] Dort wurde
sie kurz darauf vom Befehlshaber der Ordnungspolizei (BdO) „Norwegen“ August
Edler von Meyszner besichtigt. [29] Die 4. (schwere) Kompanie wurde, vermutlich
aus Mangel an Unterkünften, in einem Notquartier („Missionshaus“) untergebracht,
später ins so genannte „Sudeten-Lager Halden“ umquartiert. Die Bezeichnung
„Sudeten-Lager“ bezog sich höchstwahrscheinlich auf die personelle
Zusammensetzung des Bataillons, da es größtenteils aus Sudetendeutschen bestand.
Während der Stationierungszeit in Halden übernahm das Bataillon auch die
Festungswache mit einem Posten zur Fliegerabwehr. [30]

Abb. 3: Angehörige der 4. (schweren) Kompanie während der Überfahrt nach
Schweden am 11. Februar 1941

Abb. 4: Polizei-Lager Orje in Norwegen, Quartier des Batl.-Stabes und der 3.
Kompanie
Die Hauptaufgabe des Polizeibataillon 255 in Norwegen bestand in der Sicherung
der Grenze nach Schweden. [31] Ein ehemaliger Kompaniechef des Bataillons gibt
in seinem selbstverfassten Lebenslauf für 1941 auch „im Einsatz Küstenschutz
Norwegen“ an, was sich aber trotz zahlreicher Fotobelege bisher nicht eindeutig
bestätigen lässt. [32] Bereits im Winter/Frühling 1941 wurde beim Bataillon die
Ausbildung aller Kompanien weiter vorangetrieben, was diverse Fotos von Übungen
belegen. Mit der Ausbildung der 4. (schweren) Kompanie war z.B. sofort nach
Eintreffen der schweren Maschinengewehre zu beginnen. Weiterhin war auch eine
Ski-Ausbildung für die in Norwegen eingesetzten Polizeibataillone vorgesehen.
Über die Zuteilung von Ski-Lehrern sollte zu gegebener Zeit eine besondere
Anordnung erfolgen. [33] Spätere Fotos der Ski-Kurse belegen, dass die
Ski-Lehrer Angehörige der Waffen-SS waren. Die einzelnen Kurse wurden gestaffelt
an der Polizei-Ski-Schule in Skeikampen durchgeführt. Ob die Männer des
Polizeibataillon 255 in Norwegen auch eine Ausbildung zum Polizei-Gebirgsjäger
erhielten, ist unklar, aber trotzdem wahrscheinlich. Denn eine begrenzte
Autorisierung zum Tragen des Gebirgsjäger-Mützenabzeichens soll für die in
Norwegen eingesetzten Polizeibataillone (251-253, 255, 256, 302 und 312)
vorgelegen haben. [34] Auch lässt sich das Gebirgsjäger-Mützenabzeichen neben
dem Skijäger-Mützenabzeichen auf diversen Fotoaufnahmen belegen. Zu einem
„Gletscheraufstieg“ mit „Iglubau“ und anschließender „Übernachtung“, wurde des
weiteren auf einem Übungshang nahe „Turtagroe“ das „Auf- u. Abseilen“ trainiert.
[35] Zusätzlich beschrieb ein ehemaliger Angehöriger des Bataillons ein Foto
rückseitig mit den Worten: „Vom preußischem Infanteristen ist ein
Pol.Gebirgsjäger geworden, Oslo im November 1942“. Auch landschaftliche
Gegebenheiten und Natureinflüsse, sowie der Aufgabenbereich eines
Polizeibataillons in Norwegen, lassen eine Ausbildung zum Gebirgsjäger daher
zweckmäßig erscheinen.
Vermutlich Mitte 1941 besucht der BdO „Norwegen“ August Edler von Meyszner
die 4. (schwere) Kompanie in Halden. [36] Am 1. Juni 1941 war laut AOK Norwegen,
Gliederung Sicherungstruppen Norwegen vom 1. Juni 1941 das Polizeibataillon 255
im Abschnitt der 163. Infanteriedivision bei Lillehammer in Südnorwegen, Höh.Kdo.
LXX.AK Oslo, im Einsatz. [37] Nach der "Kriegsgliederung des AOK Norwegen“ hatte
das Polizeibataillon 255 am 20. Juni 1941 noch vier Kompanien mit je 6 leichten
MG und je einem Fernsprech- und einem Funkzug. [38] Am 5. Oktober 1941 stellte
die 3. Kompanie die Ehrenkompanie beim Erntedankfest in Oslo. [39] Ende 1941,
womöglich auch schon früher, wurden Teile des Bataillons von Halden nach Oslo
verlegt. Dort wurde die Truppe Anfang 1942 vom Chef der dt. Ordnungspolizei Kurt
Daluege und dem BdO „Norwegen“ Generalmajor der Polizei Emil Höring besichtigt.
[40] Vom 1. Januar 1942 bis 27. Juli 1942 leitete der Führer der 2. Kompanie
SS-Hauptsturmführer u. Hauptmann der Schutzpolizei Hermann Borchers zusammen mit
Unterführern des Bataillons einen Ausbildungs-Lehrgang der Hird (später:
Norwegisches Wachbataillon) in Halden. [41] Weitere Fotos des Jahres 1942
belegen die Feldwache in Bur („An der schwedischen Grenze“), Aremark und Moss
(„Senderwache“). [42] Am 20. April 1942 nahm das Polizeibataillon 255 vorm
Wehrmachtsbefehlshaber in Norwegen Generaloberst Nikolaus von Falkenhorst an
einer Parade anlässlich des Führergeburtstages in Oslo teil. [43]

Abb. 5: Schiessübung am schweren Maschinengewehr 08

Abb. 6: Mitglieder des Polizeibataillon 255 bei der Ski-Ausbildung
Nach einem Tätigkeitsbericht des „Höheren SS- und Polizeiführers für die
besetzten Gebiete Norwegens“, Meldung vom 26. Mai 1942, erfolgte laut Erlass
Chef OrPo Kdo. I g/I A (1) Nr. 219/42(g) der Austausch des Polizeibataillon 312
durch das Polizeibataillon 255. [44] Für das Polizei-Lager Spillum/Namsos im
hohen Norden Norwegens lässt sich diese Angabe anhand verschiedener
Fotoaufnahmen aus Nachlässen beider Bataillone bestätigen. Ende Juli 1942 wurde
das Polizeiregiment „Nord-Norwegen“ in Drontheim (heute Trondheim) in
Polizeiregiment 26 umbenannt. [45] Ein Großteil des Polizeiregiment 26 soll
weiterhin aus Sudetendeutschen bestanden haben, was sich nur durch das
Polizeibataillon 255 erklären lässt. [46] Die Ersatzgestellung für das gesamte
Polizeiregiment 26 stellte laut Schnellbrief des Reichsführers SS Heinrich
Himmler vom 21. Juli 1942 das Polizei-Lehrbataillon in Dresden/Hellerau, wobei
die Polizeiverwaltung (PV) Brüx in dem Dokument erstmals auch als neuer
Heimatstandort des Pol.Btl. 255 (jetzt II. Bataillon) erwähnt wird. [47] Am 10.
November 1942 befand sich die 2. Kompanie noch im „Lager Oslo“, wenig später
muss sie aber ebenfalls nach Spillum/Namsos verlegt worden sein. [48] 1943
befand sich auch die 1. Kompanie in Spillum/Namsos. [49] Auf Grund eines
Erlasses des Reichsführers SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler
vom 24. Februar 1943 erhielten sämtliche Polizeiregimenter als Anerkennung für
ihre bisherigen Leistungen die Bezeichnung SS-Polizeiregiment. Sie blieben aber
trotzdem weiterhin ein Teil der Ordnungspolizei und traten nicht zur Waffen-SS
über. [50]
Der Norwegeneinsatz der 3. Kompanie (jetzt 7. Komp./SS-Pol.Rgt.26) endete laut
Beschriftung eines Fotoalbum bereits am 31. Januar 1943. [51] Am 6. März 1943
verabschiedete der Bataillonskommandeur die 6. Kompanie des SS-Polizeiregiment
26 (ehemals 2. Komp./Pol.Btl.255) in Spillum/Namsos. Mit dem Zug über Trondheim
ging es weiter mit der Fähre nach Stettin, wo die Kompanie am 11. März 1943
eintraf. Danach erfolgte der Abmarsch zum Bahnhof und der Weitertransport nach
Krakau. [52] Der Grund des Aufenthalts der Kompanie in Krakau konnte bis zum
jetzigen Zeitpunkt nicht aufgeklärt werden. Eventuell war sie dort im
Partisanenkampf eingesetzt, aber auch eine Beteiligung an der endgültigen
Liquidierung des Ghettos am 13. und 14. März 1943 erscheint möglich. [53]
Die 1. Kompanie Polizeibataillon 255 (jetzt 5. Komp./SS-Pol.Rgt.26) verließ
interessanterweise Norwegen auf anderem Wege. Sie wurde mit dem Transporter
„Monte Rosa“ nach Dänemark verschifft und daraufhin mit dem Zug nach Danzig
transportiert. [54] Das würde demnach zu den Ausführungen verschiedener Autoren
und Historiker passen, dass das SS-Polizei-Regiment 26 im Februar/März 1943 in
Danzig-Adlerhorst mit neuen Rekruten aufgefüllt wurde. Nach der Umgliederung für
den Osteinsatz nahm das SS-Polizeiregiment 26 an mehreren Partisanen-Unternehmen
im Generalgouvernement, in Weißrussland und der Ukraine teil. Es erlitt dabei
schwere Verluste. Im November 1944 folgte die Auflösung des SS-Polizeiregiment
26. Die Reste wurden daraufhin nach Italien zur Aufstellung des
SS-Polizeiregiment >Brixen< verlegt. [55]
Das dunkelste Kapitel des Regiments war während der Partisaneneinsätze im Osten
die Teilnahme an der Vernichtung der jüdischen Ghettos in Bialystok und Glebokie.
[56]
Anmerkungen:
[1] siehe dazu Stefan Klemp „Nicht ermittelt“, 2. Auflage, Klartext Verlag,
Essen 2011, S.507; Wolfgang Curilla „Die dt. Ordnungspolizei und der Holocaust
im Baltikum und in Weißrussland 1941-1944“, 2. Auflage, Ferdinand Schöningh
Verlag, Paderborn 2006, S.886 und Rolf Michaelis „Der Einsatz der
Ordnungspolizei 1939-1945“, Michaelis-Verlag, Berlin 2008, S.46
[2] sämtliche Alben u. Einzelfotos befinden sich als Original oder in Kopie im
Besitz des Verfassers
[3] siehe Christopher R. Browning „Ganz normale Männer – Das
Reserve-Polizeibataillon 101 und die Endlösung in Polen”, Rowohlt Taschenbuch
Verlag GmbH, Hamburg 1996, S.27 und Curilla S.57
[4] Bayrisches Hauptstadtarchiv, Polizeischule Fürstenfeldbruck, Sign. 20
[5] siehe dazu auch http://www.komotau.de/mariaschein.htm
[6] Bayrisches Hauptstadtarchiv, Polizeischule Fürstenfeldbruck, Sign. 20
[7] Bayrisches Hauptstadtarchiv, Polizeischule Fürstenfeldbruck, Sign. 21
[8] belegt in verschiedenen Foto-Nachlässen des Pol.Btl. 255
[9] vergleiche hierzu Beitrag v. Bernd Zimmer in Zeitschrift: „Der Freiwillige“,
Nr. 11/2000, Munin-Verlag, S.13; Bayrisches Hauptstadtarchiv, Polizeischule
Fürstenfeldbruck, Sign. 20 und Klemp S.507
[10] siehe Unterlagen Hermann Borchers, mit selbstverfassten Lebenslauf v.
10.8.1944, in John P. Moore, Führerliste der Waffen-SS, Part I, 2003 Portland,
USA
[11] siehe dazu E.G. Krätschmar „Die Ritterkreuzträger der Waffen-SS“, 4.
ergänzte Auflage, Nation Europa Verlag GmbH, Coburg 1999, S.747 und Bernd Diroll
„Personen-Lexikon der NSDAP, Band 1: SS-Führer A-B“, Verlag Klaus D. Patzwall,
Norderstedt 1998, S.303-304
[12] Orig. Beschriftung in Fotoalbum der 3. Komp. Pol.Btl. 255: „BATL.KDO.,
Major REHBEIN, Komp.Chef Hptm. STROBEL, Zugf. Ltn. PAA.“
[13] siehe hier „DF 11/2000“ S.13
[14] Der Reichsminister des Innern, Pol. O-Kdo II P 2a (3) 71 Nr. 36/44, Berlin,
den 20.April 1944, Betr. Beförderungen (HStA München MInn 73287)
[15] Orig. Beschriftung in Fotoalbum der 4. (schweren) Kompanie, später 1. Komp.
Pol.Btl. 255: „Zugführer H. Schneider“
[16] Fernschreiben O-VuR.Pers. 45 Nr. 17/42 (15.Ang.), Berlin, den 29. Juli
1942, Gruppenleiter MR Meineck, Sachbearbeiter AR Trempenau, an den BdO in Oslo
und die Reichsstatthalter in Danzig und Saarbrücken
[17] siehe Norbert Kannapin „Die deutsche Feldpostübersicht 1939-1945“, 3 Bände,
Biblio Verlag, Osnabrück 1980-1982, Band 3, S.40
[18] siehe Kannapin, Band 3, S.47
[19] siehe Kannapin, Band 3, S.54
[20] siehe Kannapin, Band 3, S.61
[21] siehe Kannapin, Band 3, S.66
[22] Orig. Beschriftung in Fotoalbum der 4. (schweren) Kompanie, später 1. Komp.
Pol.Btl. 255: „Mittagessen auf Rügen 9.2.1941“
[23] Das „KdF-Bad Prora“ war ein zwischen 1935 und 1939 geplantes und auch zum
Teil errichtetes Seebad auf der Insel Rügen. Nach seiner Fertigstellung sollten
hier durch die Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) 20.000 Menschen
gleichzeitig Urlaub machen können. Nach dem jedoch der Zweite Weltkrieg begann
wurden die Bauarbeiten eingestellt. Heute wird das Objekt auch umgangssprachlich
„Koloss von Prora“ genannt, da der riesige aneinandergereihte Gebäudekomplex aus
acht baugleichen Häuserblocks aus Beton besteht und ca. 4,5 Kilometer lang ist.
[24] Bayrisches Hauptstadtarchiv, Polizeischule Fürstenfeldbruck, Sign. 21
[25] siehe Abb. 3
[26] Laut Erlass des W.B. Norwegen/Heimatstab Nord Ia Nr. 2269/40 geh. vom
17.9.1940 erfolgten Mannschaftstransporte ab 27.9.1940 nach Norwegen nur über
Sassnitz-Trälleborg-Schweden und zurück. Für die Durchreise nach Schweden waren
u.a. folgende Punkte zu beachten: Waffen und Munition waren in plombierten
Gepäckwagen mitzuführen. Die Truppe war in Schweden den für Ausländer geltenden
Bestimmungen unterworfen. Auf der Strecke Trälleborg-Kornsjoe durfte der Zug von
keinem Angehörigen der Truppe verlassen werden, auch das Betreten der Bahnsteige
war strengstens untersagt. Des weiteren war das Fotografieren auf der Strecke
und im Hafen ebenfalls strengstens verboten. Jede Unterhaltung mit schwedischen
Zivilpersonen, Zurufe, lautes Schreien, Singen provozierender Lieder und
Aufschriften bzw. die Bemalung aller Art an den Waggons waren auch verboten. Zur
Überwachung des gesamten Transports war ein Wehrmachtsstreifendienst eingesetzt,
der in Schweden noch durch ein schwedisches Begleitkommando unterstützt wurde.
(Quelle: NARA T175/R103)
[27] siehe dazu Michaelis S.86
[28] Orig. Beschriftung in Fotoalbum der 3. Komp. Pol.Btl. 255: „Erste
Unterkunft, Halden, Schule“, siehe dazu auch Abb. 4
[29] Orig. Beschriftung in Fotoalbum der 3. Komp. Pol.Btl. 255: „Der B.D.O.
Norwegen General Meissner [richtig Meyszner] zu Besuch.“
[30] Orig. Beschriftung in Fragmenten eines Fotoalbum der 1. Komp. Pol.Btl. 255:
„Festung Halden“ u. „Fliegerposten (Abwehr)“
[31] die Grenzwache ist in verschiedenen Foto-Nachlässen des Pol.Btl. 255 belegt
[32] Hermann Borchers, selbstverfasster Lebenslauf v. 10.8.1944 in John P.
Moore, Führerliste der Waffen-SS, Part I, 2003 Portland, USA
[33] Bayrisches Hauptstadtarchiv, Polizeischule Fürstenfeldbruck, Sign. 20
[34] siehe dazu http://forum.axishistory.com/viewtopic.p...aillon&start=30
[35] belegt in Fragmenten eines Fotoalbum der 1. Komp. Pol.Btl. 255
[36] belegt in Foto-Nachlass eines Angehörigen der 4. (schweren) Kompanie,
später 2. Komp. Pol.Btl. 255, ohne genaue Orts- u. Datumsangabe
[37] Dokument aus Privatarchiv Uwe Kleinert
[38] NARA T312/994
[39] Orig. Beschriftung in Fotoalbum der 3. Komp. Pol.Btl. 255: „3. Komp. als
Ehrenkompanie beim Erntedankfest in Oslo 5.10.41“
[40] belegt in Foto-Nachlass eines Angehörigen der 4. (schweren) Kompanie,
später 2. Komp. Pol.Btl. 255, ohne genaue Orts- u. Datumsangabe
[41] siehe Unterlagen Hermann Borchers, mit Beurteilung v. 2.10.1942, in John P.
Moore, Führerliste der Waffen-SS, Part I, 2003 Portland, USA;
Die „Hird“, welche 1934 gegründet wurde, war der paramilitärische Flügel der
nationalsozialistischen norwegischen Partei „Nasjonal Samling“ unter der Führung
von Vidkun Quisling.
[42] aus Fotoalbum der 4. (schweren) Kompanie, später 1. Komp. Pol.Btl. 255
[43] belegt in verschiedenen Foto-Nachlässen des Pol.Btl. 255, Orig.
Beschriftung lautet u.a.: „Parade in Oslo am 20.4.1942“ und „Parade in Oslo vor
von Falkenhorst 1942“
[44] R70 (Norwegen)/27, Dokument aus Privatarchiv Uwe Kleinert
[45] siehe Michaelis S.86
[46] siehe dazu Curilla S.686
[47] Schnellbrief, Chef der Ordnungspolizei Kdo. I-Ia (1) 2 Nr. 139/42, Berlin
NW7, Unter den Linden 74, den 21.07.1942, Betr. Ersatzgestellung für die
Pol.-Truppenverbände im auswärtigen Einsatz; Polizeischule Fürstenfeldbruck
Sign. 29
[48] belegt in Foto-Nachlass eines Angehörigen der 4. (schweren) Kompanie,
später 2. Komp. Pol.Btl. 255
[49] belegt in Foto-Fotoalbum eines Angehörigen der 4. (schweren) Kompanie,
später 1. Komp. Pol.Btl. 255
[50] siehe dazu Curilla S.60
[51] Orig. Beschriftung in Fotoalbum der 3. Komp. Pol.Btl. 255: „Erinnerungen an
den Einsatz in Norwegen. 8.2.1941 - 31.1.1943. Pol.Btl. 255. 3. Komp.“
[52] belegt in Foto-Nachlass eines Angehörigen der 4. (schweren) Kompanie,
später 2. Komp. Pol.Btl. 255
[53] siehe Klaus-Michael Mallmann, Volker Rieß und Wolfram Pyta (Hrsg.)
„Deutscher Osten 1939-1945 - Der Weltanschauungskrieg in Photos und Texten“,
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, S.112
[54] Orig. Beschriftung, Fotoalbum der 4. (schweren) Kompanie, später 1.
Kompanie Pol.Btl. 255: „Fahrt mit der Monte-Rosa von Norwegen nach Dänemark
1943“, „Aarhus Dänemark“ und „von Norweg. n. Danzig“
[55] zur weiteren Geschichte des Polizeiregiment 26 siehe Curilla S.686-692,
Klemp S.346-353 u. Michaelis S.86
[56] siehe dazu auch Beitrag v. Katrin Stoll „Die Räumung des Bialystocker
Ghettos in den Augen von „Täter-Zeugen“, in: Schriftenreihe der Deutschen
Gesellschaft für Polizeigeschichte e.v., Band 7 Wolfgang Schulte (Hrsg.) Die
Polizei im NS-Staat – Beiträge eines internationalen Symposiums an der Deutschen
Hochschule der Polizei in Münster, Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt/
Main 2009, S.263-304
Literatur:
Stefan Klemp „Nicht ermittelt“, 2. Auflage, Klartext Verlag, Essen 2011
Wolfgang Curilla „Die dt. Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in
Weißrussland 1941-1944“, 2. Auflage, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2006
Rolf Michaelis „Der Einsatz der Ordnungspolizei 1939-1945“, Michaelis-Verlag,
Berlin 2008
Christopher R. Browning „Ganz normale Männer – Das Reserve-Polizeibataillon 101
und die Endlösung in Polen”, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Hamburg 1996
Zeitschrift: „Der Freiwillige“, Nr. 11/2000, Munin-Verlag
Norbert Kannapin „Die deutsche Feldpostübersicht 1939-1945“, 3 Bände, Biblio
Verlag, Osnabrück 1980-1982
E.G. Krätschmar „Die Ritterkreuzträger der Waffen-SS“, 4. ergänzte Auflage,
Nation Europa Verlag GmbH, Coburg 1999
Bernd Diroll „Personen-Lexikon der NSDAP, Band 1: SS-Führer A-B“, Verlag Klaus
D. Patzwall, Norderstedt 1998
Klaus-Michael Mallmann, Volker Rieß und Wolfram Pyta (Hrsg.) „Deutscher Osten
1939-1945 - Der Weltanschauungskrieg in Photos und Texten“, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, Darmstadt 2003
Wolfgang Schulte (Hrsg.) „Die Polizei im NS-Staat – Beiträge eines
internationalen Symposiums an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster“,
Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt/ Main 2009
Privatarchiv:
Fragmente eines Fotoalbum der 1. Komp. Pol.Btl. 255
1 Fotoalbum der 3. Komp. Pol.Btl. 255
1 Fotoalbum der 4. (schweren) Kompanie, später 1. Komp. Pol.Btl. 255
1 Foto-Nachlass eines Angehörigen der 4. (schweren) Kompanie, später 2. Komp.
Pol.Btl. 255
1 Fotoalbum Stab Pol.Btl. 312
Abbildungsverzeichnis:
Abb. 1. zeitg Ansichtskarte (AK) „Polizeikaserne in Mariaschein Sudetenland“,
Verlag Franz Jos. Stark, Mariaschein 317 (Privatbesitz)
Abb. 2. Foto-Ausschnitt v. Maj. d.Sch. Rehbein aus Fotoalbum der 4. (schweren)
Kompanie, später 1. Komp. Pol.Btl. 255, Orig. Beschriftung: „Beim
Scharfschiessen, von rechts, Major, Oberltn., Leutn.“
Abb. 3. aus Fotoalbum der 4. (schweren) Kompanie, später 1. Komp. Pol.Btl. 255,
Orig. Beschriftung: „Überfahrt nach Schweden am 11.4.1941“
Abb. 4. aus Fotoalbum der 3. Komp. Pol.Btl. 255, Orig. Beschriftung: „Orje“ und
„Stabsgebäude“
Abb. 5. aus Fotoalbum der 4. (schweren) Kompanie, später 1. Komp. Pol.Btl. 255,
Orig. Beschriftung: „Beim Scharfschiessen mit unserm Hauptm.“
Abb. 6. Einzelfoto aus Foto-Nachlass der 4. (schweren) Kompanie, später 2. Komp.
Pol.Btl. 255, unbeschriftet
Ein Beitrag von Daniel Popielas, erstellt im April 2012