Division z.b.V. 618
1. Einsatz und Unterstellung:
Die Division z.b.V. 618 bestand aus einem Divisionsstab mit
Nachrichten-Abteilung und Divisions-Kartenstelle. Er wurde zur Führung
verschiedener fremder Einheiten im März 1945 aus dem Stab der Infanterie-Division Hamburg
aufgestellt. Am 12. März 1945 erhielt der Divisionsstab die Aufgabe, den
Rheinabschnitt der 190. Infanterie-Division südlich von Wesel (rechter Flügel am
Lippe- Seiten- Kanal, linker Flügel am Emscher- Kanal) zu übernehmen. Bereits am
16. März 1945 wurde die Division durch die 180. Infanterie-Division abgelöst.
Anschließend übernahm die Division von der 2. Fallschirmjäger-Division einen
Rheinabschnitt mit den Städten Hamborn und Ruhrort. Hierzu wurden der Division
unterstellt:
a. rechts Fallschirmjäger- Regiment 7 mit 2 Bataillonen in der Rheinfront und 1
Bataillon in Reserve hinter dem rechten Flügel (zugleich Divisionsreserve).
b. links Regimentsgruppe ? (Namen nicht mehr bekannt), mit einem Landes
-schützen- Bataillon in der Rheinfront, einem Landesschützen- Pionier- Bataillon
in Ruhrort und eine Kampfgruppe gebildet aus Volkssturm als Regiments- Reserve.
c. gemischte Artillerie- Abteilung und mehrere leichte und schwere
Flak-Batterien. - Weitere Batterien (leichte und schwere) waren im Antransport
aus dem Raum um Duisburg.
Am 24. März 1945 begann der alliierte Großangriff über den Rhein mit Schwerpunkt
südlich von Wesel. Der Angriff betraf den Divisionsabschnitt nicht direkt.
Trotzdem wurde die Division umgegliedert:
a. Fallschirmjäger- Regiment 7 zog ein weiteres Bataillon aus der Rheinfront
heraus und besetzte mit ihm eine Riegelstellung, die mit der Front nach Norden
ungefähr an der rechten Divisions- Grenze verlief. Anschluss links an den
bisherigen rechten Flügel der Rheinfront des Regiments.
b. Der Abschnitt des südlichen Regiments (Regimentsgruppe) wurde nach rechts
verbreitert.
c. 1 leichte Batterie wurde in erkundete und vorbereitete Feuerstellungen
(ostwärts Hamborn) - mit Wirkungsmöglichkeit nach Norden - verschoben.
d. Schwerpunkt der Panzerabwehr in der rechten Flanke der Division wurde
verstärkt.
e. Einsatz eines weiteren Fallschirmjäger- Regiments wurde vorbereitet.
Am 25. März 1945 hatte die Division erstmals Feindberührung mit aus dem Raum
Dinslaken nach Süden und Südosten vorstoßenden feindlichen
Aufklärungsstreitkräften. Am 27. März konnten feindliche Kräfte über den
Emscher-Kanal nördlich von Hamborn vorstoßen und einen Einbruch erzielen. Am 28.
März bezogen Teile des Fallschirmjäger-Regiments 7 eine Riegelstellung an der
Reichsautobahn westlich Sterkrade. Das Pionier-Bataillon der linken
Regimentsgruppe wurde zum Ausbau dieser Riegelstellung eingesetzt. Zusätzlich
wurde der Division das Fallschirmjäger-Regiment 2 zugeführt und rechts neben dem
Fallschirmjäger-Regiment 7 im Raum Botrop eingesetzt. Teile des
Fallschirmjäger-Regiments 23 wurden als Divisionsreserve im Nordteil von Bottrop
gesammelt. In der Nacht zum 29. März 1945 wurden die Städte Hamborn und Ruhrort
geräumt und die Hauptkampflinie auf den Rhein-Herne-Kanal nördlich und westlich
Oberhausen zurückgenommen. Weiter nördlich wurden Sterkrade und die
Reichsautobahn gehalten. Dabei ging jedoch der Anschluss an die 190.
Infanterie-Division verloren. Am 29. März wurde das Fallschirmjäger-Regiment 23
der rechts anschließenden 2. Fallschirmjäger-Division abgegeben. Am 30. und 31.
März 1945 wurde um den Nord- und Westrand von Bottrop schwer gekämpft. In der
Nacht auf den 1. April 1945 wurden alle Kräfte nördlich des Rhein-Herne-Kanals
auf den Kanal zurückgenommen. Bis zum 7. April 1945 blieb die Divisionsfront am
Kanal unverändert. Stärkere feindliche Aufklärungsvorstöße über den Kanal wurden
im Divisionsabschnitt abgewiesen. Hierbei entstanden im Nordteil Oberhausen
heftige Kämpfe. Die Lage wurde jedoch überall wieder hergestellt. Das
Fallschirmjäger-Regiment 2 wurde der 2. Fallschirmjäger-Division unterstellt,
dafür erhielt die Division das Fallschirmjäger-Regiment 23 unterstellt. Am 7.
April 945 gelang es alliierten Verbänden, den Emscher und Rhein-Herne- Kanal
nordwestlich von Gelsenkirchen zu überschreiten und dort eingesetzte Sicherungen
zu durchstoßen. Dadurch entstand zwischen der 2. Fallschirmjäger-Division und
der Division z.b.V. 618 eine breite Lücke. Da die feindlichen Kräfte nicht
nachstießen, gelang es der Division, die Frontlücke durch Verlängerung der
eigenen Front bis südlich Gelsenkirchen zu schließen. Am 8. und 9. April 1945
stießen die alliierten Truppen nur zögerlich nach Süden gegen die Ruhr vor. Am
10. April musste der Nordteil von Essen aufgegeben werden. Den alliierten
Truppen war es gelungen, in der Lücke zwischen der 2. Fallschirmjäger-Diision
und der Division z.b.V. 618 bis an die Ruhr bei Steele vorzustoßen und beide
Divisionen nördlich der Ruhr zu trennen. In der Nacht auf den 12. April wurde
die Hauptkampflinie auf die Ruhr zurck genommen. Nur nördlich von Mattingen
blieb ein Bataillon im Brückenkopf nördlich der Ruhr eingesetzt. Am 14. April
1945 wurden die letzten Teile aus dem Brückenkopf nördlich Hattingen auf die
Ruhr zurückgenommen. Feindliche Vorstöße über die Ruhr wurden im
Divisionsabschnitt abgewiesen. Der Munitionsmangel zwang dazu, eine Batterie
nach der anderen aus dem Kampf zu ziehen. Flakbatterien, die noch über Munition
verfügten, unterstützten den Abwehrkampf der Division. Am 15. April 1945 machte
sich der feindliche Druck aus südostwärtiger Richtung im Rücken der Division
bemerkbar. Die 2. Fallschirmjäger- Division war von ihrem rechten Nachbarn
getrennt und hatte nunmehr die Front nach Osten eingenommen. Der Rücken der
Division z.b.V. 618 war ungedeckt. Das Fallschirmjäger-Regiment 7 wurde aus der
Ruhrfront herausgezogen und nördlich Wuppertal mit Front nach Süden zur
Rückendeckung der Division eingesetzt. Am 16. April 1945 griff der Feind erneut
an, durchstieß die 2. Fallschirmjäger-Division, überrollte den Gefechts- Stand
der Division z.b.V. 618 von Osten her und machte damit die Fortsetzung des
Kampfes unmöglich. Gegen Mittag wurde der Kampf eingestellt und der
Divisionsstab ging in Gefangenschaft.
1945
| Datum | Armeekorps | Armee | Heeresgruppe | Ort |
| 12. März | LXXXVI | B | Wesel | |
| 16. März | LXIII | B | Wesel |
2. Kommandeure:
10. März 1945 Generalleutnant Walter Steinmüller
3. Gliederung:
keine feste Gliederung, nur jeweils unterstellte Einheiten
4. Literatur und Quellen:
Walter Steinmüller: Infanterie-Division "Hamburg" März - April 1945, Manuskript o.J.
Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 11