Divisionsstab (Infanterie-Division) (Wehrmacht)
– Gliederung 1939/1940 –


In (Klammern – kursiv –) soweit möglich, die vergleichbaren Bezeichnungen der heutigen Stabsabteilungen bei der Bundeswehr (nach HDv 100/200 – Führungssystem, bzw. AnwAusb 100: Das Divisionskommando)

Der Divisionsstab gliederte sich im Einsatz:

1. Divisionskommandeur
2. Führungsabteilung mit unterstellter Kartenstelle und Kradmeldezug.
3. Adjutantur
4. Quartiermeisterabteilung


1. Divisionskommandeur (Generalleutnant, später oft Generalmajor)
Verantwortlich für Führung und Zustand der Divisionen in allen Belangen.
Einen stellvertretenden Divisionskommandeur gab es nach der Gliederung nicht, bei Abwesenheit wurde der DivKdr durch den 1. Generalstabsoffizier ( I a) vertreten.

2. Führungsabteilung
- I a – Erster Generalstabsoffizier der Division. (
G 3 / Chef des Stabes). Verantwortlich für Einsatz und Führung der Division. Leiter der Stabsarbeit im Divisionsstab.
Einen speziellen Chef des Stabes gab es bei der Division der Wehrmacht nicht.
- O 1 – Erster Ordonnanzoffizier (
S 3 Organisation). Führung von Karten, Kriegstagsbuch und anderen Führungsunterlagen.
- I c – Dritter Generalstabsoffizier der Division (
G 2). Verantwortlich für Feindlage und Abwehrdienst.
- O 3 – Dritter Ordonnanzoffizier (
S 2). Unterstützung des I c.
- Dolmetscher – unterstellt dem I c.
- Divisionskartenstelle unter Führung eines Offiziers mit Druckereizug
- Kradmeldezug (Teile davon je nach Lage abgestellt zu Quartiermeisterabteilung oder Führungsstaffel.
Bei der Führungsabteilung befanden sich als Berater des Dvisionskommandeurs (Spezial-Stabs-offiziere) häufig:
- Divisions-Artillerieführer = Kommandeur des Artillerieregiments
- Divisions-Pionierführer = Kommandeur des Pionierbataillons
- Divisions-Nachrichtenführer = Kommandeur der Nachrichten-abteilung
- Die Führer anderer für den Einsatz unterstellter Truppen (Fla, Panzer) oder deren Verbindungsoffiziere konnten als Berater herangezogen werden.

3. Adjutantur
- II a – Divisionsadjutant (
G 1 / Personalstabsoffizier). Verantwortlich für Personalersatz und Personalangelegenheiten der Offiziere der Division.
- II b – (
S1 – Personal / Personalplanung) Verantwortlich für Personalwesen der Unteroffiziere und Mannschaften, sowie für den Geschäftszimmerbetrieb des Divisionsstabes.
- III – Divisionskriegsgericht (
Rechtsberater / Wehrgericht). Das Kriegsgericht war neben den Straf- und Disziplinarverfahren auch für die Bearbeitung von Rechtshilfeersuchen der Heimatgerichte zuständig (z.B. Ehescheidungen, Erbschaftssachen usw.)
- Registratur. Verantwortlich für Empfang und Verteilung von Befehlen und anderen Schriftstücken und für die Verwaltung der Geheimsachen.
- Kommandant des Stabsquartiers (
Kommandant Gefechtsstand - Kompaniechef Divisions- Stabskompanie). Verantwortlich für Erkundung, Einrichtung und Sicherung des Gefechtsstandes.

4. Quartiermeisterabteilung
- I b – Zweiter Generalstabsoffizier der Division "Quartiermeister". (
G 4) Verantwortlich für die gesamte Versorgung der Division. Dazu gehörten auch der Abschub von Verwundeten, Gefangenen, Schadmaterial, die Verkehrsführung und der Luftschutz im rückwärtigen Divisionsgebiet.
- O 2 – 2. Ordonnanzoffizier. (
S 4 –Offizier / Nachschuboffizier). Gehilfe des I b, vor allem verantwortlich für die Organisation der rückwärtigen Dienste.
- I b / WuG – Waffen- und Geräte- Offizier/Feuerwerker (
Instandsetzungsoffizier Waffen / Munition). Zuständig für Ergänzung, Nachschub und Materialerhaltung von Waffen, Munition und Gerät (außer Pionier-, Nachrichten- und Sanitätsmateial, hier waren die betreffenden Kommandeure bzw. der IV b zuständig)
- I b / Kfz – Divisionsingenieur (
Divisionsingenieur). Verantwortlich für Ersatz und Materialerhaltung von Kraftfahrzeugen, Nachschub von Ersatzteilen und Betriebsstoff.
- IV a – Divisionsintendant. (
Nachschub-Stabsoffizier). Verantwortlich für Versorgung mit Verpflegung, Futter, Bekleidung, Ausrüstung, Unterkunftsmaterial. Gewinnen von Versorgungsgütern aus dem Land.
- IV b – Divisionsarzt (
Divisionsarzt und Divisionsapotheker). Zuständig für den Einsatz der Sanitätsdienste, die Versorgung und den Transport verwundeter und kranker Soldaten, hygienische und seuchenhygienische Maßnahmen für die Truppe und ggf. die Zivilbevölkerung, Nachschub und Materialerhaltung von Sanitätsmaterial.
- IV c – Divisionsveterinär (
kein direktes Äquivalent bei Bundeswehr, Veterinäre sind dort nur im Bereich der Lebensmittelüberwachung / Tierkörperbeschau zu finden). Verantwortlich den Pferdebestand der Division, Tierseuchenabwehr, die Überwachung des Betriebs des Schlächtereizuges und für die Lebensmittelkontrolle.
- IV d – Katholischer und evangelischer Kriegspfarrer (
Militärseelsorge). Einsatz während des Gefechts meist auf den Hauptverbandsplätzen der beiden Sanitätskompanien.
- IV z – Stabszahlmeister (
Leiter Truppenverwaltung) mit Feldkasse und Rechnungsstelle.

Bei der Quartiermeisterabteilung waren außerdem eingesetzt:
- Divisionsnachschubführer mit einem Teil seines Stabes
- Feldpostmeister
- Führer der Verpflegungstrosse
- Führer der Gefechtstrosse


Organisation des Divisionsstabes im Einsatz:

- Führungsabteilung etwa 10 – 15 km hinter der Front
– Adjutantur und Quartiermeisterabteilung etwa 15 – 20 km hinter der Front
– Je nach Lage konnte, vor allem im Bewegungskrieg, eine Führungsstaffel möglichst weit vorne
gebildet werden. Diese bestand z. B. aus dem Divisionskommandeur, dem O 1, dem Divisions-
Artillerieführer, einem oder mehreren Funkfahrzeugen und einigen Kradmeldern.

Reserve- /Ausweichgefechtsstände wurden, wenn möglich, immer erkundet, konnten aber aus Personalgründen und wegen fehlender Fernmeldemittel meistens nicht besetzt werden.

(
Durchaus vergleichbar mit der lange Zeit bei der Bundeswehr / NATO gebräuchlichen Gefechtsstandaufteilung in
- Gefechtsstand Haupt (Main) für die Operationsführung
– Gefechtsstand Rück (Rear) für Versorgung und Personalwesen
– Bewegliche Befehlsstelle
– erkundete Reservegefechtsstände (Haupt) und (Rück
)
)


Zusammengestellt von: Jörg Wurdack, September 2001