Schwere Jagdpanzer »Tiger« und »Panther«

 

Im August 1942 legte das Waffenamt fest, daß für den schweren Panzerjäger mit der 8,8-cm-Pak 43/3 L/71 das Fahrgestell des »Panther« zu verwenden sei. Mitte November 1942 stellte Krupp ein Holzmodell in Originalgröße vor, die Fertigung sollte bei Daimler-Benz stattfinden. Im Mai 1943 wurde die Produktion dann aber der Firma MIAG übertragen, die im Oktober das erste Muster auf dem Übungsplatz Arys in Ostpreußen vorstellte, das Mitte Dezember 1943 dann Hitler vorgeführt wurde. Auf seine Anordnung hin erhielt das Fahrzeug dann Ende Februar 1944 den Suggestivnamen »Jagdpanther« (Sd.Kfz. 173). Das mit fünf Mann besetzte Fahrzeug wog 45,5 t; es war 9.870 mm lang, mit den Schürzen 3.420 mm breit und 2.715 mm hoch. Die 8,8-cm-Pak 43/3 L/71 besaß eine Rohrlänge von 6.686 mm und wog 2.200 kg. Verschossen wurde die 1.124 mm lange und 19,9 kg schwere Panzergranatpatrone 40/43. Das 7,3 kg schwere Geschoß erreichte eine v0 von 1130 m/s; das brachte auf 1.000 m Entfernung einen Durchschlag von 193 mm. Für die Kanone wurden 57 Schuß, für das zusätzliche MG 34 hier aber nur 600 Schuß mitgeführt.

Die Panzerung der Fahrzeuge betrug:

Wanne vorne 80 mm
  seitlich 45 mm
  hinten 40 mm
Aufbau vorne 80 mm
  seitlich 45 mm
  hinten 40 mm

Die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge betrug 55 km/h, der Fahrbereich mit den 720 l Kraftstoffvorrat auf der Straße 250 km, im Gelände 100 km. Die ersten Fahrzeuge waren noch mit jeweils fünf "Pistolenpforten" in den Seiten- und Rückwänden versehen. Diese Pforten wurden bei der Serienfertigung aber weggelassen, da sie zu einer Schwächung der Panzerung führten. Im Mai 1944 wurde das geteilte Rohr der 8,8-cm-Kanone durch das in einem Stück gefertigte Rohr der 8,8-cm-Panzerjägerkanone 43/3 ersetzt. Ab Oktober wurde der Kragen, der die Waffenöffnung abdeckte, nicht mehr angeschweißt, sondern mit jeweils vier Senkschrauben oben und unten befestigt. Außerdem wurde die innere Waffenblende verstärkt. Gleichzeitig wurden die Auspufftöpfe mit Blechabdeckungen umgeben. Die glühenden Auspufftöpfe hatten die Fahrzeuge in der Nacht verraten.

Als erste Einheit erhielt die schwere Heeres-Panzerjäger-Abteilung 654 am 28. April 1944 den »Jagdpanther«. Weitere Panzerjäger-Abteilungen mit »Jagdpanther« waren die schweren Heeres-Panzerjäger-Abteilungen 559, 519, 560 und 655.

Noch während den Entwicklungsarbeiten am schweren »Tiger II« wurde mit der Ausarbeitung eines schweren Panzerjägers auf dem Fahrgestell des »Tiger II« begonnen. Ein Holzmodell mit der 12,8-cm-Kanone wurde Hitler am 20. Oktober 1943 vorgeführt, die ersten beiden Produktionsmuster des »Jagdtiger« wurden im Februar 1944 an das Waffenamt ausgeliefert. Das 72,5 t schwere Fahrzeug war 3.625 mm breit, 10.624 mm lang und 2.945 mm hoch. Die 12,8-cm- Pak 44 L/55 wog allein 7.000 kg und hatte ein 7.020 mm langes Rohr, aus dem mit einer v0 von 920 m/Sek. die 28,3 kg schwere Panzergranate 43 verschossen wurde. Diese konnte auf 3.000 m noch 155 mm Panzerung durchschlagen. Dabei wurde getrennte Munition verwendet. Die 11,6 kg schwere und 870 mm lange Hülse enthielt eine Treibladung von 15 kg Gewicht. Die 623 mm lange und 28 kg schwere Sprenggranate trug 3,6 kg Sprengstoff, die Panzergranate nur 0,55 kg. Sie wurde mit einer 12,2 kg schweren Treibladung auf bis zu 12.200 m weit verschossen.

Es sind übrigens zahlreiche Versuche durchgeführt worden, auch für dieses Kaliber eine Patronenmunition zu schaffen; es liegen Zeichnungen für eine »kurze« (815 mm) und eine »lange« (1.180 mm) Hülse vor. Zum Laden dieser fast 60 kg schweren Patrone war eine Maschine vorgesehen, die auf dem System basierte, das von der Luftwaffe für die Zwillingsausführung der 12,8-cm-Flak geplant war.

    Merkblatt 75a/20 Vorläufige Richtlinien für den Einsatz der schweren Panzerjäger V "Jagdpanther" (98 kb)

Der Munitionsvorrat in jedem »Jagdtiger« betrug 40 Schuß und 1.500 Schuß für das Bug-MG.

Die Panzerung der Fahrzeuge betrug:

Wanne vorne 150 mm
  seitlich 80 mm
  hinten 80 mm
Aufbau vorne 250 mm
  seitlich 80 mm
  hinten 80 mm

Als erste Einheit, die den »Jagdtiger« erhalten sollte, war die Panzerjäger-Lehrabteilung 130 der Panzer-Lehr-Division vorgesehen, tatsächlich erhielten die ersten »Jagdtiger« die schwere Heeres-Panzerjäger-Abteilung 653, die vorher mit dem »Elefant« ausgestattet war. Bis Ende November 1944 hatte die Abteilung 16 Fahrzeuge erhalten. Weitere Einheiten mit »Jagdtiger« war die schwere Panzerjäger-Abteilung 512.