Selbstfahrlafetten auf Basis des Panzers VI »Tiger«

 

Es handelte sich um eine der schwersten Selbstfahrlafetten der deutschen Wehrmacht. Im Sprachgebrauch der Panzersoldaten und in waffentechnischen Schriften wurde dieser Kampfwagen, der auf dem Fahrgestell des »Tiger I E«, jedoch ohne drehbaren Turm, aufgebaut wurde, »Sturmtiger« genannt. Anstelle des Turmes trug er einen trapezförmigen Kastenaufbau. Trotz seines Gewichtes von 65 t war die Geländegängigkeit noch ausreichend. Seine Geschwindigkeit betrug 28 km/h, die Besatzung bestand aus 6 Mann, dem Kommandanten, Fahrer, Funker, Richtschützen und zwei Ladeschützen. Ursprünglich war zum Einbau als Hauptwaffe eine 21-cm-Haubitze vorgesehen. In Ermangelung einer geeigneten Waffe kam man schließlich darauf, den Raketenwerfer 61, der ein Kaliber von 38 cm hatte und ursprünglich für die U-Bootbekämpfung entwickelt worden war, in den »Sturmtiger« einzubauen. Das 65 t schwere Fahrzeug konnte 14 Schuß der 1.489 mm langen Raketensprenggranate 4581, die bei 345 kg Gewicht 125 kg Sprengstoff trug, mitführen. Nachdem die Granate mit der Rückstoßkraft von 30 t das 2.054 mm lange Rohr mit einer Geschwindigkeit von 45 m/s verlassen hatte, setzte das Raketentriebwerk ein. Mit einem 40-kg-Pulvertreibsatz wurden dann 250 m/s erreicht, und das ergab eine Schußweite von 5.650 m. Diese Kampfwagen wurden bei der Firma Alkett, Berlin, montiert. Die Vorführung des Prototyps vor Hitler fand im Oktober 1943 statt. Es dauerte jedoch noch ein weiteres Jahr, bevor die ersten zwei Panzer-Kompanien mit diesem »Sturmtiger« ausgerüstet wurden. Die ersten »Sturmtiger« wurden bei dem Aufstand in Warschau im Straßenkampf gegen polnische Aufständische im Spätsommer 1944 eingesetzt. Insgesamt wurden von der Firma Alkett 18 »Sturmtiger« ausgeliefert, von denen die Wehrmacht im November 1944 noch 8 Stück besaß. Diese wurden auf die neu aufgestellten »Sturmtiger«-Kompanien 1000 und 1001 aufgeteilt.

1945 wurde unter der Nr. 4592 eine Hohlladungsgranate eingeführt, die als KM-10 für Werfer der Kriegsmarine vorlag - sie konnte 2,5 m Eisenbeton durchschlagen. Von den 1.400 bestellten normalen Raketen-Sprenggranaten 4581 hat das Waffenamt 397 Stück abgenommen, die Truppe hat 317 Stück erhalten.

Für eine Weiterentwicklung hatte die Firma Skoda einen 42-cm-Mörser entworfen, der aber über den Musterbau nicht hinausgekommen ist.

Hitler hatte im September 1942 bereits den Entwurf eines Sturmgeschützes auf der Basis des Porsche-Fahrgestells des »Tiger«-Panzers gefordert, und Alkett hatte auch ein 65 t schweres Fahrzeug, den Typ »130«, das 200 mm Frontpanzerung trug, vorgeschlagen.

Das führte nun nach einigen Änderungen zum »Ferdinand«, der bei Alkett entworfen und von den Nibelungen-Werken produziert wurde. Hier war die von der Pak abgeleitete 8,8-cm-Sturmkanone 43 L/71 - der Dortmund-Hoerder Hüttenverein stellte diese Waffe her - montiert, für die 50 Granaten mitgeführt wurden.

Diese Waffe war mit der Mündungsbremse 6.686 mm lang und wog mit dem 1.690 kg schweren Rohr 2.200 kg. Angaben über die verschiedene Munition finden sich beim »Tiger II«.

Das 65 t schwere Sturmgeschütz, auch unter der Bezeichnung »Elefant« bekannt, war 3.380 mm breit und 2.970 mm hoch. Durch die das 6.700 mm lange Fahrgestell überragende Kanone betrug die Gesamtlänge 8.140 mm. Mit zwei 11,9-l-Maybach-Motoren von je 265 PS wurden über den elektrischen Antrieb 20 km/h erreicht. Der Treibstoffvorrat von 950 l reichte auf der Straße für 150, im Gelände aber nur für 70 km. Das mit sechs Mann besetzte Fahrzeug war vorn mit 200 mm stark, seitlich mit 60-80 mm recht schwach gepanzert. Dieses Sturmgeschütz kam mit den Panzerjäger-Abt. 653 und 654 erstmals im Juli 1943 bei Kursk im Rahmen des "Unternehmens Zitadelle" zum Einsatz. Als Nachteil zeigte sich da das Fehlen eines Bord-MG.

Bei der Instandsetzung erhielten dann 48 dieser Fahrzeuge ein zusätzliches MG und auch eine Kuppel für den Kommandanten. Das Leistungsgewicht war mit etwa 8 PS/t schlecht, der Bodendruck mit 1,25 kg/cm² zu hoch, und die Steigfähigkeit lag mit etwas über 20° weit unter der aller anderen Fahrzeuge. Obwohl das Antriebsaggregat nicht sehr zuverlässig war, wurden die ausgefallenen Fahrzeuge immer wieder instand gesetzt. Ende März 1945 waren noch vier Ferdinand bei der schweren Panzerjäger-Kompanie 614 vorhanden, die aber nicht mehr einsatzbereit waren und sich wie folgt verteilten:
1. Elefant: in Mittenwalde
2. Elefant: in Klein-Köris am Abzweig Löpten
3.+4. Elefant: Berlin am August-Bebel-Platz und Trinitatius-Kirche, am 1.Mai 1945