Pistolen

Die Firma Mauser entwickelte noch vor 1900 die Pistole C 96 mit Kaliber 7,63 mm. Die Waffe nahm an der Ausschreibung zur Standardwaffe in der kaiserlichen Armee teil, verlor aber gegen die P. 04 von Luger. Daher wurde die Waffe vor allem ins Ausland exportiert, in die Türkei, nach Persien und Mexiko. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde die Fertigung verboten. Die Mauser-Werke AG erwirkte bald die Genehmigung, die Produktion wieder aufnehmen zu dürfen. Dabei mußten die neuen Pistolen allerdings einen auf 100 mm gekürzten Lauf erhalten. Die neu produzierten Waffen wurden ins Ausland exportiert, dieses mal nach China, Rußland und in die USA. Als Modell 1930 erhielt die Pistole eine verbesserte Sicherung. Die zehnschüssige Waffe war für Einzelfeuer eingerichtet, es gab aber auch eine Variante mit einem 20-Schuß-Magazin für Schnellfeuer. Die Dauerfeuer-Einrichtung wurde am 13. April 1932 zum Patent angemeldet und stammte von dem Mauser-Ingenieur Karl Westinger. Die Schnellfeuer-Waffe erhielt die Bezeichnung »Modell 1932«. Sie wurde aber derart heiß, daß sich Schüsse von selbst auslösten. Sie wurde nicht eingeführt. Die Selbstladepistole hatte eine v0 von 400 m/Sek., war 255 mm lang und wog ungeladen 1,08 kg. Die Lauflänge betrug 96-99,4 mm, die Visierlinie 200 mm. Verschossen wurde die 7,63 x 25-Patrone. Die Waffe wurde nicht offiziell bei der Wehrmacht eingeführt. Als die militärische Lage immer schlechter wurde, wurden auch diese Waffen an die Truppe ausgegeben. Die Einsatzschußweite betrug 50 m.

Die Standardpistole der Wehrmacht, die Pistole 08 (P. 08), wurde seit 1908 in Massenfertigung hergestellt. Sie war die Nachfolgewaffe der P. 04 und Standardwaffe bei der kaiserlichen Armee. Die bei den DWM gefertigte Pistole vom Kaliber 9 mm hatte den weltbekannten Kniegelenks-Verschluß, war 221 mm lang, hatte einen 102 mm langen Lauf und wog 0,87 kg. Sie war in der Fertigung äußerst kompliziert und im Einsatz sehr empfindlich. Die Waffe verschoß die Patrone 08 mit einer Länge von 29,7 mm und einem Gewicht von 10,5 g. Die v0 betrug 320 m/Sek. Bis zum Produktionsauslauf im November 1942 wurden während des Zweiten Weltkriegs insgesamt 412.898 Stück hergestellt, unter anderem auch bei Mauser in Oberndorf und bei Krieghoff in Suhl. 1970 lief bei Mauser in Oberndorf die Fertigung noch einmal unter dem Namen »Mauser-Parabellum« an.

Als Ersatz für die Pistole 08 legten die Firmen Sauer & Sohn, Mauser und Walther Muster vor. Das Waffenamt entschied sich für die Pistole der Firma Walther, verlangte aber einen außen liegenden Hammer und am Schlitten eine den Lauf umschließende Brücke. Die Nullserie dieser Waffe trug noch den Namen HP für "Heerespistole", die endgültige Bezeichnung war Pistole 38 (P. 38). Die ersten Waffen wurden im August 1939 an das Heer ausgeliefert. Die neue Waffe war 215 mm lang und besaß einen 125 mm langen Lauf. Sie wog leer 0,94 kg.

Die Pistole 38 war viel einfacher zu fertigen und unempfindlicher gegen Schmutz im Einsatz als die Pistole 08. Sie wurde von der Firma Carl Walther entwickelt und ab 1935 auch an die Streitkräfte verkauft. Die Waffe vom Kaliber 9 mm war 355 mm lang und wog ungeladen 0,8 kg. Die v0 betrug 355 m/Sek., das Magazin faßte acht Schuß. Für die Waffe wurde auch ein Schalldämpfer geliefert.

Da die 9-mm-Patrone 08 in das Patronenlager der 7,63-mm-Waffe paßte, war in die Griffschalen der 9-mm-Waffe eine große »9« eingefräst, die zusätzlich mit roter Farbe ausgelegt war. Es gab für diese Pistole auch einen hölzernen Anschlagkolben, der gleichzeitig als Behälter für diese Waffe benutzt wurde. Zur sogenannten 9-mm-Ultra-Patrone, die 1936 von der Firma Genschow entwickelt wurde, gab es eine Pistole der Firma Walther für die Luftwaffe. Sie wird hier nur erwähnt, weil das Heereswaffenamt von dieser Munition 25.000 Schuß abgenommen hat. Es war eine 26 mm lange Patrone, die beim Verschuß aus dem 100 mm langen Lauf eine v0 von 285 m/Sek. erreichte.

1929 brachte die Firma Walther ihre Pistole Walther PP (Polizei-Pistole) auf den Markt. Entwickelt von Fritz Walther, wurde die Waffe zu einem Welterfolg. Sie wurde in vielen Ländern als Standardwaffe der Polizei eingeführt. 1931 folgte die Walther PPK (Polizei-Pistole-Kriminal), die in ihren Abmessungen noch geringer war. Die Waffen waren vor allem bei den Offizieren der Wehrmacht beliebt, die sich die Waffe privat beschafften. Geliefert wurden ca. 200.000 Stück des Modells PP und etwa 150.000 Stück des Modells PPK. Bei den Waffen handelte es sich um unverriegelte Rückstoßlader mit feststehendem Lauf und Masseverschluß. Die Waffen wurden im Kaliber 5,6 mm, 7,65 mm und 9 mm gefertigt. Populär wurde die Waffe durch ihr neues Sicherheitskonzept, welches bei allen Selbstladepistolen zum Standard wurde. Der Spannabzugsmechanismus machte das Abfeuern der entspannten Waffe möglich, ohne vorher den Hahn manuell zu spannen. Die 9-mm-Versionen der Walther PP hatte eine v0 von 255 m/Sek. und eine Länge von 170 mm. Die 9-mm-Walther PPK hatte eine v0 von 245 m/Sek. und eine Länge von 155 mm.

Bei der Firma  Gustloff wurde 1939 eine neue Pistole, die »Gustloff-Pistole« mit dem Kaliber 7,65 mm entwickelt. Die Waffe bestand aus nur 37 Einzelteilen. Die Firma Gustloff versuchte, die Waffe als Dienstpistole bei der Polizei einzuführen, was aber mißlang. So wurden nur 100 Stück als Vorserie hergestellt.

Keine offizielle Ordonnanzwaffe, aber trotzdem als persönliche Waffe von Stabsoffizieren und Polizei-Offizieren getragen, war die Selbstladepistole Haenel-Schmeisser M1 1920 vom Kaliber 6,35 mm. Verschossen wurden Patronen vom Typ 6,35-mm-Browning mit einer v0 von 230 m/Sek. Die Waffe war 115 mm lang und wog leer 0,35 kg. Das Magazin faßte 6 Schuß.

Nach dem Anschluß Österreichs im Jahr 1938 wurden etwa 300.000 Stück der Steyr-Pistole 1912 für die Pistolenpatrone 08 umgeändert. Die nun offiziell als P. 12(ö) bezeichnete, achtschüssige Waffe hatte eine Länge von 206 mm, einen Lauf von 128 mm und wog 1,02 kg. Eine Eigenheit dieser Pistole war, daß sie kein herausnehmbares Magazin besaß, das Griffstück mußte mittels eines Ladestreifens von oben gefüllt werden.

Bei dem Anschluß des Sudetenlandes 1938 und der Errichtung des Protektorates Böhmen und Mähren im Frühjahr 1939 gingen ebenfalls verschiedene Waffen in deutsche Bestände über:

Die Pistole vz. 24, später mit P. 24(t) bezeichnet, war eine 152 mm lange, achtschüssige Waffe von 0,7 kg Gewicht. Aus dem 91 mm langen Lauf wurde die 9-mm-Patrone M. 22 mit einer v0 von 295 m/Sek. verschossen. Diese Pistole ist ab 1942 von der Böhmischen Waffenfabrik weiter produziert worden; die spezielle Munitionsfertigung lief im August 1942 an. Von der Pistole vz. 27, die dann P. 27(t) genannt wurde, hat man einschließlich der späteren Produktion etwa 480.000 Stück erhalten. Die 7,65-mm-Waffe war 160 mm lang, besaß einen 99 mm langen Lauf und wog 0,71 kg. Verschossen wurde die 25 mm lange Browning-Patrone mit einer v0 von 280 m/Sek. Eine spezielle Ausführung war zur Aufnahme eines sehr wirkungsvollen Schalldämpfers mit einem längeren Lauf versehen.

Die Pistole vz. 38, die mit der Bezeichnung P. 39(t) übernommen wurde, hat sich wegen der 9-mm-»Kurz«-Munition nicht bewährt. Die Produktion dieser Munition wurde im März 1942 wieder eingestellt. Die technischen Daten der Waffe: Länge 205 mm, Lauf 120 mm, Gewicht 0,94 kg und v0 295 m/Sek.

Aus der ungarischen Fertigung hat das Waffenamt etwa 106.700 Stück der Pisztoly 37 M in den Kaliber 7,65 mm und 9-mm-»Kurz« übernommen. Die 182 mm lange Waffe besaß einen Lauf von 110 mm und wog 0,77 kg. Von dieser Pistole, die mit P. 37(u) bezeichnet wurde, war die 9-mm-Version wegen des nur 6 g wiegenden Geschosses nicht beliebt.

Belgien hat von der dreizehnschüssigen Browning-Pistole 640(b) 319.000 Stück geliefert. Die 200 mm lange Waffe von 0,9 kg Gewicht verschoß aus dem 118 mm langen Lauf die Pistolenpatrone 08 mit einer v0 von 335 m/Sek.

Eine weitere belgische Browning-Waffe war die Pistole 641(b). Diese 178 mm lange Pistole wog 0,7 kg und verschoß aus ihrem 115 mm langen Lauf die 9-mm-»Kurz«-Patrone. Bis zum Herbst 1944 hat das Waffenamt 362.200 Stück dieser Pistole erhalten. Diese Waffe gab es auch im Kaliber 7,65 mm, von dieser Ausführung, 626(b) genannt, wurden aber nur geringe Stückzahlen geliefert.

Aus Norwegen wurden etwa 7.000 Stück der Pistole 657(n) geliefert. Diese 1,1-kg-Waffe war 218 mm lang und verschoß aus ihrem 128 mm langen Lauf ein 14,9 g schweres Geschoß vom Kaliber 11,43 mm mit einer v0 von 260 m/Sek. Diese Pistole war übrigens eine Kopie des amerikanischen Colts M 1911.

Spanien lieferte 24.000 Astra-Pistolen im Kaliber 9 mm. Hierfür war aber die Bergmann-Bayard-Patrone erforderlich, für die jedoch keine Fertigung lief. Da die Pistolenpatrone 08 nicht einwandfrei funktionierte, wurden nach 50 Mustern, die 1943 erprobt wurden, im folgenden Jahr 10.450 Stück der Astra 600 gekauft.

Diese 1,0 kg schwere und 208 mm lange Pistole besaß nun einen für die Patrone 08 passenden Lauf von 135 mm Länge. Eine weitere spanische Pistole war die Star-B, ebenfalls für die Patrone 08. Von der 1,1 kg schweren Waffe hat das Waffenamt 34.850 Stück erhalten. Die achtschüssige Waffe war 216 mm lang, der Lauf 128 mm.

Frankreich hat etwa 40.000 Stück der 7,65-mm-Pistole MAS 1935 geliefert, die als P. 625(f) eingeführt wurde. Die 0,8 kg schwere Ausführung »A« war 200 mm lang und besaß einen 110 mm langen Lauf. Von den zwei verschiedenen Unique-Pistolen im Kaliber 7,65 mm erhielt das Waffenamt 81.000 Stück. Die Firma MAB in Bayonne lieferte auch 53.200 ihrer neunschüssigen 7,65-mm-Pistole. Bei einem Gewicht von 0,7 kg war diese Waffe 177 mm lang mit einem 103 mm langen Lauf.

Ab April 1944 lieferte Italien 58.850 Beretta-Pistolen im Kaliber 9 mm »Kurz«. Die siebenschüssige Waffe wog 0,6 kg; durch den nur 86 mm langen Lauf war mit einer v0 von 245 m/Sek. die Leistung stark eingeschränkt.

In größeren Mengen, über 380.000 Stück insgesamt, wurde die polnische Radom-Pistole bis Ende 1944 für die deutsche Wehrmacht produziert. Diese als P. 35(p) bezeichnete Waffe wog leer 1,02 kg, war 200 mm lang und besaß einen Lauf von 120 mm Länge. Mit der Pistolenpatrone 08 betrug die v0 345 m/Sek.

Mit der Aufstellung des Volkssturmes am 26. September 1944 fehlte es trotz der Aufkäufe von spanischen Astra-Pistolen und zahlreichen Beutewaffen, die vom l3schüssigen belgischen Browning, der P. 640(b) genannt wurde, bis zum amerikanischen Colt, der die Bezeichnung P. 660(a) trug, reichten, immer mehr an Handfeuerwaffen. Hatte im 1. Halbjahr 1944 die Truppe 110.092 Pistolen verloren, so stieg im 2. Halbjahr diese Zahl auf 282.701 Stück. Um diese Verluste auszugleichen, wurden nun schnell zu erstellende Konstruktionen gefordert, die alle das Magazin der P. 38 verwenden mußten.

Die Firma Mauser legte unter den Bezeichnungen »Gerät 25« und »Gerät 26« zwei Volkspistolen vor, die sich nur durch den Verschluß unterschieden. Das erste Muster wog 1,07 kg, das 5,6 g schwere Geschoß wurde durch 0,4 g Pulver auf eine v0 von 430 m/Sek. beschleunigt. Das vereinfachte Muster wog nur noch 0,85 kg - es wurde ebenso abgelehnt wie die später als »Gerät 40« vorgestellte Waffe. Das gleiche geschah mit den Mustern der Firmen Erma, Gustloff und Steyr.

Die Firma Walther hatte zuerst ein Modell in Blechprägetechnik vorgelegt, das dem US-Colt 1911A sehr ähnlich sah. Es wurde wie auch das ähnliche zweite Muster abgelehnt. Erst das dritte Muster fand den Beifall der Gauleitung - das Waffenamt hatte da nichts mehr zu sagen - und wurde akzeptiert. Die Produktion begann am 12. Februar 1945 - am 30. März sollten dann die ersten Waffen geliefert werden. Infolge der sich rapid verschlechternden Lage (Zella-Mehlis, der Firmensitz, wurde am 7. April von Einheiten der 90. US-Division besetzt) werden wohl nur noch wenige dieser Waffen das Werk verlassen haben.

Bei diesen Volkspistolen handelte es sich um sehr primitive Konstruktionen; da zwangsläufig verschiedene, bereits vorhandene Teile verwendet wurden, entstanden sehr eigenwillige Entwürfe.

Für Agenteneinsätze gab es eine interessante Entwicklung, die Koppelschloßpistole. Es gab Muster mit zwei 9-mm- und auch mit vier 7,65-mm-Läufen, die nach dem Aufklappen des Koppelschlosses automatisch in Schußposition gebracht wurden. Das Abfeuern konnte durch Drucktasten oder durch Drähte, z. B. beim Erheben der Hände, geschehen. Die ersten Muster wurden in Berlin gefertigt, eine Kleinserie danach bei der Waffenakademie der SS in Brünn.

Bei Kriegsbeginn lagen beim Heer 629.200 Pistolen der verschiedenen Kaliber mit 94,621 Millionen Schuß vor. Bis zum 1. April 1945 wurden für die gesamte Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges 3.723.768 Pistolen aller Kaliber gefertigt, von denen das Heer 3.246.763 Stück erhielt:

1939

1940

1941

1942

1943

1944

1945

74.567

166.960

323.463

467.253

959.540

1.038.340

216.640

Aus diesen Beständen hat das Heer jedoch nicht nur andere Stellen, wie z. B. die Partei, versorgt, sondern es wurden auch 108.531 Pistolen an das Ausland abgegeben. Von den oben genannten Mengen entfielen folgende Stückzahlen auf die Pistolen 08 und 38:

  1939 1940 1941 1942 1943
P. 08 32.197 102.025 112.930 70.048 -
P. 38 1.370 24.630 100.295 162.270 -

Luftwaffe und Kriegsmarine übernahmen folgende Mengen:

  1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
Luftwaffe 10.251 39.682 145.583 138.440 13.483 10.268 -
Kriegsmarine 1.000 3.000 7.150 12.900 61.435 11.808 -

Ab Juli 1944 wurden zusätzlich Pistolen aus Heeresbeständen abgegeben, z. B. an den Volkssturm, ohne daß eine offizielle Aufschlüsselung erfolgte.

Die Munitionsfertigung für das Heer während des Krieges sah bis zum 1. März 1945 wie folgt aus (in Millionen Schuß):

1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
26,58 194,40 353,71 432,01 615,75 565,30 68,90

Anfang März 1945 verfügte das Heer noch über 239,2 Millionen Schuß, von denen sich 24,3 Millionen in den Zeugämtern befanden.

Abschließend soll noch auf Sondermunition für Pistolen hingewiesen werden. Da gab es die Schalldämpfermunition 08, offiziell Nahpatrone genannt. Die leicht an der grünen Hülse erkennbare Patrone hatte eine auf 0,27 g verminderte Treibladung, womit nur eine v0 von 290 m/Sek. erreicht wurde. Beim Austritt des Geschosses aus dem Schalldämpfer entstand dadurch kaum ein Mündungsknall. Bei speziellen Agenteneinsätzen muß hin und wieder eine geräuschlose Waffe verwendet werden, bei der auch keine Hülse als Spur verbleibt. Mit einer Pistole, bei der die Hülse automatisch ausgeworfen wird, findet sich meistens die Hülse innerhalb kürzester Zeit. Bei einem Revolver bleibt wohl die Hülse in der Waffe, der Spalt zwischen Trommel und Lauf macht aber durch den Gasknall einen Schalldämpfer wirkungslos. Eine Ausnahme machte da der russische siebenschüssige Nagant-Revolver. Hier sitzt das 7 g schwere Geschoß völlig in einer 39 mm langen Hülse, deren Vorderkante beim Verschuß aus der Trommel in den Laufbeginn gepreßt wird und so einen gasdichten Abschluß bewirkt. Für diese 230 mm lange Waffe, bei uns Revolver 612(r) genannt, die ungeladen 0,8 kg wog, hatte die SS-Waffenakademie einen sehr wirkungsvollen Schalldämpfer entwickelt. Die v0 betrug bei dem 110 mm langen Lauf 278 m/Sek., ein Geschoßknall entstand also auch nicht. Entwicklungen einer hülsenlosen Munition, einer Patrone mit Raketentreibsatz, wurden ebenso wenig abgeschlossen wie die von neuen Explosivgeschossen.

Erprobt wurde Bleiazid, das gegenüber dem Knallquecksilber ein fast zehnmal so großes Zündvermögen aufweist - und wenn es aus sehr kleinen Kristallen besteht, dennoch weniger empfindlich ist - mit einer hypergolen (selbstentzündlichen) Flüssigkeit. Untergebracht in einem Tombak-Mantel (Kupfer kann mit Bleiazid nicht verwendet werden), explodierte diese Munition beim Aufschlag ohne jeden Zünder.

In kleiner Stückzahl wurden bei der Waffenakademie in Brünn die K-Patronen gefertigt. Hier handelte es sieh um Geschosse vom Kaliber 7,65 und 9 mm, die mit einer kleinen Menge Aconitin, einem Pflanzengift, gefüllt waren. Eine andere Art verwendete Zyanwasserstoff. Hier war selbst ein sonst harmloser Streifschuß tödlich.

Eine weitere, erprobte Füllung war eine Ampulle, die Alkohol enthielt, dem metallisches Arsen zugesetzt und das Oxygen entzogen wurde. Beim Auftreffen zerplatzte die Ampulle, durch Zutritt der Luft brannte die Mischung sofort unter Abgabe einer kleinen weißen Wolke -  weißes Arsen, ein wirkungsvolles Gift - ab. Heute ist diese Mischung unter Fachleuten unter dem Namen Cacodyl bekannt.