Panzerbüchsen

 

Beim Aufkommen der ersten »Tanks« an der Front im Ersten Weltkrieg wurde auf deutscher Seite das T-Gewehr entwickelt. Dieses überdimensionale Gewehr hatte aber den Nachteil, sogar bei relativ starken Schützen zu Schlüsselbeinbrüchen zu führen.

Trotzdem entschloß man sich  bei der Firma Rheinmetall, das T-Gewehr weiter zu entwickeln. Als Munition wurde eine 13-mm-Munition mit einem 7,9 mm großen Geschoß entwickelt. Diese Munition durchschlug bei einer v0 von 1.150 m/Sek. Panzerungen bis zu 25 mm auf 300 m.

Zu dieser Munition wurde die  Panzerbüchse (Pz.B.) 38 entwickelt. Diese 16,2 kg schwere Waffe war 1.615 mm lang und hatte einen 1.085 mm langen Lauf. Die v0 betrug 1210 m/Sek. Durchschlagen wurden auf 100 m 30 mm Panzerung, auf 300 m nur noch 20 mm. Die Waffe hatte allerdings einen zu komplizierten Verschluß, weshalb nur wenige Stück gebaut wurden. Bei Kriegsbeginn befanden sich 62 Stück bei der Truppe.

  D 111/1 - Panzerbüchse 38 mit Übungslauf und Platzpatronengerät (125 kb)

Eine Verbesserung stellte die »Panzerbüchse 39« dar. Sie war 12,6 kg schwer, 1.620 mm lang und hatte einen 1.085 mm langen Lauf. Die Leistungen der bei der Firma Gustloff gefertigten Waffe entsprachen der Panzerbüchse 38. Nachdem die Waffen 1941/42 nicht mehr wirkungsvoll gegen Panzer eingesetzt werden konnten, wurden sie zu Granatbüchsen umgebaut. Die Waffen verschossen nun Gewehrgranaten, allerdings waren Reichweite und Treffergenauigkeit absolut unzureichend.

In Polen erbeutete das Heer 886 Stück der Marosczek Panzerbüche WZ 35. Diese Waffen erhielten die Bezeichnung Panzerbüchse 35(p). Sie waren 1.760 mm lang, hatten einen 1.200 mm langen Lauf und ein Gewicht von 9 kg. Bei einer v0 von 1.280 m/Sek. wurde ein 12,8 g schweres Geschoß verschossen. Im Westfeldzug wurden 630 Waffen eingesetzt. Nach dem Westfeldzug erhielt die SS sechs dieser Waffen, der Rest wurde exportiert.

Als Weiterentwicklung stellte die Firma Mauser das  MG 141 her. Diese Gurtwaffe konnte wahlweise Läufe vom Kaliber 7,9 mm oder 13 mm verwenden. Sie war 1.815 mm lang, hatte einen 1.000 mm langen Lauf und wog mit dem 7,9-mm-Lauf 25,5 kg und mit dem 13-mm-Lauf 27,3 kg. Das Waffenamt lehnte die Entwicklung allerdings ab.

Entwürfe für eine weiter verbesserte Version der Panzerbüchse 39 wurde 1940 durch das Waffenamt von den Firmen Gustloff, Krieghoff und Walther gefordert. Die als Panzerbüchse 40 bezeichneten Entwicklungen kamen nicht mehr über das Reißbrettstadium heraus.

Später wurde durch die Firma Mauser die Panzerbüchse 41 vorgelegt. Diese Waffe hatte ein 8-Schuß-Magazin, wog 12,5 kg und war 1.670 mm lang. Die v0 betrug 1.150 m/Sek.. Nur 14 Erprobungswaffen wurden hergestellt.

Die nun vom Waffenamt ausgeschriebene Panzerbüchse 243 sollte das Kaliber 15 mm nutzen. Die von den Firmen Gustloff, Krieghoff und den Waffenwerken Brünn vorgestellten Muster wurden aber alle abgelehnt.

Auch alle nachfolgenden vorgeschlagenen Panzerbüchsen wurden wegen zu geringer Durchschlagsleistungen abgelehnt. Dazu gehörte die Panzerbüchse 244 der Waffenwerke Brünn und die SS 41 der Schweizer Firma Solothurn.

Zur Wirkungssteigerung wurde bereits 1935 von Rheinmetall die Panzerbüchse 18-1100 angeboten. Die Waffe mit einem Kaliber von 20 mm war 2.160 mm lang und hatte  einen 1.400 mm langen Lauf. Bei einer v0 von 910 m/Sek. wog die Waffe allerdings 54,8 kg, was viel zu schwer war.

Rheinmetall kürzte nun den Lauf auf 900 mm und nannte die Waffe Tankbüchse S 18-100. Bei einer v0 von 750 m/Sek. war die Durchschlagsleistung mit 30 mm zu gering.

Bei Mauser wurde das Gerät 231 entwickelt, ebenfalls mit dem Kaliber 20 mm. Der konische Lauf verjüngte sich von 28 mm auf 20 mm, verschossen wurde die Munition der »Panzerbüchse 38«. Die Versuchswaffen besaßen ein Magazin mit 18 Schuß, die endgültige Variante war einschüssig. Die nun entstandene Waffe erhielt die Bezeichnung »schwere Panzerbüchse 41« und wurde ab Juli 1940 ausgeliefert. Die Waffen hatten eine v0 von 1.400 m/Sek., was auf 100 m eine Durchschlagsleistung von 65 mm bei 60° Schräge bedeutete. Sie waren 2.850 mm lang, hatten einen 1.700 mm langen Lauf und wogen mit Radlafette 229 kg. In Feuerstellung wogen die Panzerbüchsen nur 134 kg. Die Einsatzreichweite stieg auf 600 m. Bei der Leichtmetallausführung für Fallschirmjäger konnte das Gewicht auf 118 kg gesenkt werden. Die  0,65 kg schwere Panzer-Patrone war 222 mm lang und verschoß ein 0,12 kg schweres und 64 mm langes Geschoß mit Wolframkern. Ende August wurden die ersten Versuchswaffen ausgeliefert, die Serienproduktion von 2.700 Stück lief von Februar 1941-September 1943. Ihren ersten Einsatz erlebte diese Waffe mit 178 Stück und 532.700 Schuß Munition zu Beginn des Ostfeldzuges. Bei Kriegsende befanden sich noch 775 Waffen an der Front und 78 in den Zeugämtern.

Die Firma Mauser bot eine abgeänderte Version mit innen verchromtem Rohr als KwK 42 an. Es wurden 24 Muster hergestellt, dann zwang der Mangel an Wolfram zu anderen Lösungen.

Als nächste Entwicklung wurde die »schwere Panzerbüchse 42« eingereicht, deren konisches Rohr das Geschoßkaliber von 37 mm auf 27 mm reduzierte. Die Waffe war konstruktiv beendet, wurde aber nicht mehr produziert.

Die SS-Waffenakademie entwickelte die »Panzerbüchse 42/27« mit einem konischen Rohr von  42 mm auf 27 mm. Außer einem schlecht funktionierenden Muster dieser  auf einem tschechischen Entwurf aufbauenden Waffe wurde aber nichts weiter produziert.

Panzerbüchsen-Fertigung im Zweiten Weltkrieg:

  1939 1940 1941 1942 1943
Panzerbüchse 38 703 705 - - -
Panzerbüchse 39 - 9.645 29.587 - -
schwere Panzerbüchse  41 - 94 349 1.030 1.324
Gr. B. 39 - - - 1.416 26.607

Die Munitionsfertigung für die Panzer-Büchsen 38 und 39 sowie für die schwere Panzerbüchse 41
(in 1.000 Schuß):

  1939 1940 1941 1942 1943 1944
Patrone 318 780,0 1.864,1 4.726,9 2.046,4 - -
s.Pz.B. 41 Sprenggranate - - 9,2 373,3 130,1 -
s.Pz.B. 41 Panzergranate - 156,2 889,5 270,0 287,1 -

An der Ostfront wurden zahlreiche Panzerbüchsen des Typs PTRD-40 und PTRS-41 erbeutet. Die PTRD-40 erhielt die Bezeichnung  Pz.B. 783(r). Sie war einschüssig, 2.020 mm lang und wog 15,8 kg. Mit einer Rohrlänge von 1.350 mm wurde eine v0 von 1.010 m/Sek. erreicht.

Die PTRS-41 erhielt die Bezeichnung Pz.B. 784(r). Sie war eine Halbautomatik mit einem fünfschüssigen Magazin. Die Waffen waren 2.110 mm lang und hatten ein 1.215 mm langes Rohr. Die v0 betrug 995 m/Sek.

Von der Luftwaffe wurden ausgemusterte Bordwaffen, deren Kaliber für die Luftwaffe zu klein geworden waren, vom Heer übernommen und zu schweren Infanteriewaffen umgebaut. Das MG 131 hatte ein Kaliber von 13 mm, war 1.168 mm lang und wog 16,8 kg. Die Waffen waren mit einem Zweibein und mit einer Schulterstütze nachgerüstet worden. Die hohe Schußfolge der Waffen von 930  Schuß/Min. war reduziert worden, die Munition wurde per Zerfallgurt zugeführt.

Das MG 151 wurde auf eine Zweiradlafette montiert. Die Waffen mit einem Kaliber von 15 mm wogen ohne die Lafette 41,5 kg und verschossen die Panzergranat-Patrone mit einer v0 von 850 m/Sek. Wegen der hohen Rückstoßkraft wurden die Waffen später auf eine Sockellafette montiert und als Flak-MG verwendet.