Leichtgeschütze

 

Die Bezeichnung "Leichtgeschütze" wurde in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs für rückstoßfreie Geschütze verwendet. Bei solchen Geschützen traten als Gegengewicht zum Rückstoß der Granate am Ende des Geschützes Pulvergase aus, so daß der Rückstoß aufgehoben wurde. Daher konnte die Lafette der Waffe sehr leicht sein. Ein großer Nachteil dieser Geschütze war jedoch, daß die austretenden Pulvergase hinter dem Geschütz Staubwolken aufwirbelten, was die Stellung verriet. Die Geschütze kamen hauptsächlich bei den Fallschirmjägern oder den Gebirgstruppen zum Einsatz.

Als erstes Muster findet sich das bei Rheinmetall entwickelte 7,5-cm-L.G. 1/370. Aus diesen Geschützen wurde eine Patronenmunition verschossen, in deren Hülse eine Dämmscheibe eingearbeitet worden war und die bei einem gewissen Gasdruck zerbarst, so daß Gase nach hinten entweichen konnten. Das L.G. 1/370 wurde erst zum L.G. 1/300 und dann zum L.G. 1 verbessert. Das Muster, mit dem später getrennte Munition verschossen wurde, erhielt die Bezeichnung 7,5-cm-Leichtgeschütz 40, welches 1940 bei der Fallschirmtruppe eingeführt wurde. Für die Gebirgstruppen wurde eine Version entwickelt, welche in fünf Lasten zerlegbar war und montiert 270 kg wog.   Die Rohrlänge einschließlich Abgasdüse betrug 1.150 mm. Die Waffe verschoß die 5,8 kg schwere 7,5-cm-Granate der Feldkanone und erreichte bei einer v0 von 345 m/Sek. Schußweiten von bis zu 6.500 m. Später wurde auch noch eine Hohlladungsgranate zur Panzerbekämpfung eingeführt. Die Version der Fallschirmjäger war aus Leichtmetall und wog nur 175 kg.

Das Waffenamt forderte nun eine Kalibersteigerung zur besseren Trefferwirkung. Dies führte bei Rheinmetall zum L.G. 2/350 und 370, aus denen dann das 10,5-cm-L.G. 42 entstand, das bei der Firma Dürkopp gefertigt wurde. Die Waffe wog 480 kg, hatte ein 1.835 mm langes Rohr und verschoß die 14,8 kg schwere Granate der leichten Feldhaubitze bei einer v0 von 340 m/Sek. bis zu 8.000 m weit. Später wurde die Verwendung von Aluminium zur Herstellung untersagt, was zu einer Kürzung der Rohre auf 1.636 mm führte, um das Gewicht zu halten.

Das 10,5-cm-L.G. 40 wurde bei der Firma Krupp entwickelt und wog 435 kg, hatte eine Rohrlänge von 1.902 mm und hatte die gleichen Leistungen wie das L.G. 42. Bei dieser Waffe stieg das Gewicht durch den Aluminiumverzicht auf 476 kg.

Das 10,5-cm-L.G. 43 war dem L.G. 42 sehr ähnlich. Beim Spreizen der beiden hinteren Holme hoben sich die Räder vom Boden, was das Geschütz zum Rundumfeuern befähigte. Es war in zehn Lasten zerlegbar und besaß einen Ober- und einen Unterschild.

Projekte blieben das L.G. 2/540 von Rheinmetall und das L.G. 2/550 von Krupp, die die Gebirgshaubitze ersetzen sollten.

Das Waffenamt erkannte nun, daß auch die Infanterie mit Leichtgeschützen ausgestattet werden konnte und forderte einen Neuentwurf mit einem Kaliber von 15 cm als Ersatz für das s.I.G.33.

Rheinmetall legte die Entwürfe L.G. 240 und L.G. 290 vor. Da bei dem ersten Muster nur eine Schußweite von 4.700 m erreicht wurde, wurde das zweite Muster als 15-cm-L.G. 42 eingeführt. Die Rohrlänge betrug 2.600 mm, das Gewicht 850 kg, und die 38 kg schwere Granate des s.I.G. wurde mittels einer 7,1 kg Treibladung mit einer v0 von 290 m/Sek. verfeuert und erreichte eine Schußweite von 6.500 m. Im Sommer 1944, kurz nachdem die Firma Dürkopp mit der Produktion dieser 15-cm-Waffe begonnen hatte, wurde die Fertigung von Leichtgeschützen eingestellt - der Pulververbrauch war zu hoch.

Ein Projekt blieb ein riesiges L.G., das mit einer 3-Achsenlafette 40.000 kg wiegen sollte. Daraus wollte man die »Rheinbote-Rakete« mit einer v0 von 250 m/Sek. verschießen. Man erhoffte sich dadurch eine erhebliche Pulvereinsparung und eine verbesserte Treffgenauigkeit. Der im Verhältnis zur Wirkung immer noch zu hohe Pulververbrauch führte dann doch zur Streichung des Projektes.

Die Produktion der 7,5-cm- und 10,5-cm-Leichtgeschütze und der dazugehörigen Munition:

Bezeichnung 1940 1941 1942 1943 1944 1945
7,5-cm-Leichtgeschütz 184 9 91 132 237 -
10,5-cm-Leichtgeschütz - 184 82 104 158 -
7,5-cm-L.G.-Granate ? 92.000 - - 52.000 -
10,5-cm-L.G.-Granate - 30.000 206.400 118.000 98.000 -