Gewehre

Noch aus der Zeit des Ersten Weltkrieges stammte der Mehrlade-Karabiner Modell Mauser 98 b. Die Waffe war die Standardwaffe der Reichswehr. Verschossen wurde mit ihm die sS-Patrone (schweres Spitzgeschoß) mit einer v0 von 895 m/Sek. Das Kaliber betrug 7,92 mm, die Länge der Waffe 1.250 mm und die Länge des Laufes 740 mm. Das integrierte Magazin faßte fünf Schuß, die Waffe wog leer 4,1 kg.

Die Standardwaffe der deutschen Wehrmacht war der 1935 eingeführte fünfschüssige Karabiner 98 k. Er war der Nachfolger des Karabiners 98 b. Die Waffen wurden bei Mauser in Oberndorf und in Berlin-Wittenau hergestellt. Mit einer Lauflänge von 600 mm und einer Gesamtlänge wog die Waffe 3,9 kg mit Nußbaumschaft und 4,2 kg mit Buchensperrholzschaft. Bei einem Kaliber von 7,92 mm betrug die v0 755 m/Sek., verschossen wurde das 27 g schwere und 80,6 mm lange schwere Spitzggeschoß-Patrone. Die Wehrmacht hatte bei Kriegsbeginn 2.769.533 Stück K98k. Weitere 7.540.058 wurden während des Krieges gefertigt. Den K98k gab es zudem mit Halterungen für das Zielfernrohr 39, 41, 42 und 4. Alle Waffen, mit Ausnahmen einer Spezialversion, waren mit einer Halterung für das Bajonett versehen.

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Das System eines Karabiner 98 k aus einer damaligen Dienstvorschrift.

 

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Neben des oben bereits erwähnten Spitz-Geschosses (linke Abbildung) gab es für den Karabiner 98 k noch folgende Munition:

- das schwere Spitz-Geschoß: Äußerlich erkennbar an einem grünen Ring um das Zündhütchen am Patronenboden. Die günstigere Geschoßform ergab eine bessere Flugleistung und machte das Geschoß deshalb besonders für weite Entfernungen geeignet.
- Die S.m.K.-Patrone (Spitzgeschoß mit Kern): Bei dieser Patrone bestand das Geschoß aus einem Stahlblechmantel, der Bleijacke und einem Stahlkern. Die Patrone diente zur Bekämpfung von Zielen hinter widerstandsfähigen Deckungen, z.B. hinter Mauern, und gegen Flugzeuge. Während das normale Spitz-Geschoß beim Auftreffen auf eine Mauer zersprang, sollte das S.m.K.-Geschoß mit ihrem harten Stahlkern durchschlagen. Aäßerlich erkennbar waren diese Patronen an einem roten Ring um das Zündhütchen.
- Die S.m.K.-Spurpatrone (Leuchtspur): Äußerlich erkennbar an einem roten Ring um das Zündhütchen und einer schwarzen Geschoßspitze. Sie diente zur Sichtbarmachung der Geschoßbahn gegen sich schnell bewegende Ziele wie Flugzeuge oder Panzer.
- Die Platzpatrone (ohne Bild): Äußerlich erkennbar an einer roten Geschoßfärbung für den Karabiner und einer blauen Geschoßfärbung für das MG. Das Geschoß bestand aus hartem Papier, welches kurz nach dem Verlassen des Laufes zersprang. Zur Ladung der Platzpatrone wurde ein besonderes Platzpatronenpulver verwandt
- Die Exerzierpatrone (ohne Bild): Die Patrone bestand aus einem Stück Messing oder Eisenblech und besitzt zur besseren Unterscheidung von scharfer Munition Längsrillen im Hülsenteil.

Nach dem Beginn des Krieges stellte sich eine massive Knappheit an Gewehren ein. Daraufhin beschloß man, im Ausland Gewehre für die Wehermacht fertigen zu lassen. Mit der Bezeichnung Gewehr 98/40 wurden in der ungarischen Metallwaren-, Waffen- und Maschinenfabrik A.G. (Danuvia) in Budapest ein Gewehr gefertigt, welche ein Nachbau des ungarischen Gewehrs Modell 35 (System Mannlicher) war. Ganz wesentliche Merkmale dieser Waffe waren der zweiteilige Schaft mit abnehmbaren Kolben und der abnehmbare Verschlußkopf. Eingeführt wurde die Waffe am 13. Oktober 1941. Verschossen wurde die gleiche Munition wie die beim K 98k. Die Waffen waren 1.110 mm lang und 4,1 kg schwer. Die Munition wurde über ein Kastenmagazin mit fünf Schuß zugeführt. 

Beim Anschluß Österreichs übernahm die Wehrmacht das österreichische Gewehr 29/40, das sogar noch bis 1941 gefertigt wurde, und das Mannlicher-Gewehr 12/34. Alle Waffen dieser Sorte wurden an die Luftwaffe übergeben.

Das in Polen erbeutete Gewehr 29(p) war baugleich mit dem K98k, so daß die Produktion wieder aufgenommen wurde. Eine ebenfalls dem deutschen K98k entsprechende Waffe ( mit einer Ausnahme: der Lauf war nur 590 mm lang) war das aus dem Protektorat Böhmen und Mähren stammende Gewehr 24(t).

Das Gewehr 33/40 war eine bei den Waffenwerken in Brünn gefertigte Waffe, die beim Einmarsch deutscher Truppen übernommen und ab 1940 als Waffe für die Gebirgsjäger eingeführt wurde. Die Waffe war 998 mm lang und wog 3,45 kg. Der Lauf war 490 mm lang.

Das Gewehr 40 k war ein Projekt der Firma Mauser, bei dem der Karabiner 98 k einfach um 110 mm verkürzt wurde. Die erzielte v0 von 730 m/Sek. überzeugte das Waffenamt jedoch nicht, so daß es zu keiner Serienproduktion kam.

Zu Beginn des Rußlandfeldzuges traten bei der Wehrmacht verstärkt Ausfälle durch Scharfschützen auf, denen der deutsche Soldat schutzlos gegenüberstand. Die Truppe fertigte im Eigenbau Scharfschützengewehre mit dem K98k an, bis das Waffenamt den K. 98 k mit dem ZF 41 einführte. Das 160 mm lange Zielfernrohr war mit zwölf Linsen äußerst komplex aufgebaut und lieferte nur eine Vergrößerung von 1,5. Mitte 1942 wurde deshalb das ZF 42 eingeführt, das ebenfalls 160 mm lang war, aber nur noch sechs Linsen hatte und damit eine vierfache Vergrößerung lieferte. Als letzte Neuerung kam 1943 das ZF 4 zur Truppe. Dieses Zielfernrohr wog 1,6 kg, war 220 mm lang und bot eine vierfache Vergrößerung.

Anfang 1940 forderte das Waffenamt von den Firmen Mauser und Walther einen halbautomatischen Gasdrucklader. Daraufhin legte Mauser eine 1.172 mm lange und 4,6 kg schwere Waffe vor, die den Namen G. 41(M) erhielt. Die Waffe besaß einen 550 mm langen Lauf, eine v0 von 745 m/Sek. und eine theoretische Schußfolge von 40 S/Min. Die Munition wurde in einem 10-Schuß-Magazin zugeführt. Für den Truppenversuch wurden 10.000 Stück gebaut, von denen mehr als 15 % fehlerhaft waren. Die Waffe wurde abgelehnt.

Die Waffe der Firma Walther war 1.138 mm lang und wog 4,7 kg. Sie erhielt den Namen G. 41(W). Die Waffe hatte einen 550 mm langen Lauf. Sie war äußerst schmutzempfindlich und vorlastig. Außerdem mußten die Magazine per Ladestreifen gefüllt werden. Die Waffe ging 1942 in die Serienfertigung, wurde jedoch von der Truppe abgelehnt. Bis Ende 1942 wurden 6.000 Stück geliefert.

Eine Verbesserung des G. 41(W) war das Gewehr 43, das nach erbeuteten russischen Waffen des Typs »Simonov« und »Tokarev« umgebaut wurde. Das Waffenamt hob das Verbot, den Lauf eines Gasdruckladers anzubohren, auf. Dieses Verbot hatte maßgeblich zu den schlechten Leistungen des G. 41(W) beigetragen. Die neue Waffe war nun noch 1.120 mm lang und wog noch 4,1 kg. Die wichtigste Neuerung war das von unten einführbare 10-Schuß-Magazin mit 0,23 kg Leergewicht. 1944 erhielt diese Waffe die Bezeichnung Karabiner 43. Die letzte Ausführung war nur noch 3,6 kg schwer, der Lauf von 550 mm auf 500 mm gekürzt. Auch beim Karabiner 43 gab es Ausführungen mit Zielfernrohr, wobei hier das ZF 4 verwendet wurde.

Versuche blieben das Gewehr 43(A) der Firma Anker mit 3,9 kg Gewicht und 1.090 mm Länge und die Verbesserung des G. 41(M) durch die Firma Mauser zum G. 44(M), wobei die Waffen nun hauptsächlich durch die neue Blechprägetechnik gefertigt werden sollten. Der Blechkolben blieb jedoch bei großer Kälte an der Haut kleben!

Ende 1944 kam es zu einem akuten Engpaß bei den Beständen an Karabinern, nachdem im ersten Halbjahr 1944 über eine Million Waffen verloren gegangen waren. Es wurden nun alle nur verfügbaren Beutewaffen an die Soldaten ausgegeben, so das russische Gewehr 91/30 (G. 254(r)), das italienische Gewehr Fucile Modello 41 (G. 210(i)), das französische Lebel-Gewehr (K. 551(f)) von 1886 und das dänische Gewehr 98 (G. 311(d)) mit 1.330 mm Länge!

1944 wurde der Volkssturm aufgestellt, sozusagen die letzte Reserve. Um die vielen Kinder und Greise auch mit Gewehren ausrüsten zu können, ohne dadurch der Wehrmacht Waffen vorzuenthalten, wurde von der Führung des Dritten Reiches ein einfaches und primitiv herzustellendes Volksgewehr gefordert, welches schnellstmöglich in großen Stückzahlen hergestellt werden konnte. Die Firma Gustloff produzierte das Volksgewehr. Es war 886 mm lang und wog leer 4,28-4,52 kg. Die Munition wurde durch ein Kurvenmagazin mit 30 Schuß zugeführt. Von den Hessischen Industriewerken Wetzlar stammte ein Volkssturmgewehr mit 612 mm Länge. Weitere Firmen stellten noch Versuchsmuster her, wie Schmeisser oder Walther. Gebaut wurde aber nichts mehr.

Beim Kampf um Kreta zeigte sich in aller Deutlichkeit, daß die Bewaffnung der Fallschirmjäger mit dem K 98k absolut unzureichend war. Daher forderte die Luftwaffenführung schnellstens eine Spezialwaffe für die Fallschirmjäger. Die Waffe sollte als Selbstlade-, Schnellfeuer- und Scharfschützengewehr verwendet werden können. Das Ergebnis war das Fallschirmjäger-Gewehr, das jedoch erst in den letzten Monaten des Krieges vom Waffenamt abgenommen wurde. Es wurde in drei Ausfertigungen gefertigt, die sich aber nur in Details unterschieden. Die von der Firma Krieghoff produzierte Waffe war die 975 mm lang hatte ein Leergewicht von 4,15 kg. Magazine gab es für 20 und 10 Schuß. Die v0 betrug 685 m/Sek., verschossen wurde die die 7,9-mm-Infanterie-Patrone.

Der Kommando-Karabiner war eine Waffe mit dem Schalldämpfer der englischen »Sten-MP«. Die 770 mm lange Waffe wog 2,3 kg. Es wurden nur vier Exemplare gebaut.

Schalldämpfer gab es auch für den K 98k. Nach verschiedenen Vorschlägen aus der Industrie und der SS-Waffenakademie wurde der HUB-23 auf Grund eines Vorschlags eines Unteroffiziers (Schätzle) produziert. Der HUB-23 war 0,5 kg schwer und 180 mm lang. Die maximale Schußweite lag bei einer v0 von 220 m/Sek. nur bei 300 m, was auf die Verwendung der Nahpatrone zurückzuführen war. Der Schall wurde zu insgesamt 75 % gedämpft.

Die Produktion von Gewehren für das Heer von September 1939 bis zum 1. April 1945:

Bezeichnung 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
K. 98 k 279.863 1.081.234 913.875 1.075.122 1.794.39 1.922.482 347.052
K. 98 k ZF - - 5.922 23.567 57.255 35.632 3.915
G. 24(t) - 77.000 101.800 151.250 - - -
G. 29(p) - 69.503 180.208 119.997 - - -
G. 29/40 - 300 - - - - -
G. 33/40 - 29.000 48.049 54.454 - - -
G. 41(M)   - 1.673 - - - -
G. 41(W) - - 5.000 6.778 91.597 24.532 -
G. 43 - - - - 3.209 277.862 68.207
G. 43 ZF - - - - - 21.936 31.499
Volksgewehr - - - - - - 53.033
Fschj.-Gew. - - - - - 524 3.873
ital. Gewehre - - - - - - 15 420

Die anderen Wehrmachtsteile erhielten folgende Mengen:

Luftwaffe 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
K. 98 k 51.363 178.385 331.359 175.500 126.908 60.519 -
K. 98 k ZF - - 750 1.200 - - -
Steyr 12/34 5.683 1 050 - - - - -
Kriegsmarine              
K. 98 k 8.000 28.000 56.000 42.622 31.714 24.914 -
G. 29/40 - 9.926 28.454 - - - -
Waffen-SS              
K. 98 k - - - - 1.600 61.000 -
G. 29(p) - - 33.145 21.090 - - -

Die Waffen-SS hat aus eigener Fertigung zusätzlich etwa 235.000 Gewehre und Karabiner erhalten.

Die Fertigung der Infanterie-Patronen für das Heer bis März 1945 geht aus der folgenden Tafel hervor (in Millionen Schuß):

  1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
7,9-mm-Patrone 880,5 2.259,4 464,0 317,6 2.200,1 3.862,3 491,7
B-Patrone 0,3 4,2 8,4 16,6 20,3 21,3 1,1
6,5-mm-Patrone (h) - - - 32,1 28,6 9,2 0,3
8-mm-Patrone (f) - - - 236,2 13,0 4,9 -

Um die Aufteilung bei der Produktion der Infanteriepatrone 7,9 mm in ihren Untergruppen zu sehen, betrachten wir das erste Vierteljahr 1939, dafür liegen die vollständigen Abnahmeprotokolle vor. In diesen 3 Monaten wurden gefertigt:

471.136.995 s.S.-Geschoß
48.550.065 S.m.K.-Geschoß
40.213.000 S.m.K.-Leuchtspurgeschoß
36.991.000 l.S.-Geschoß
4.051.000 l.S.-Leuchtspur-Geschoß
7.112.500 S.m.K.(H)-Geschoß
608.054.560 Gesamt

Zusätzlich wurden noch 114.892.600 Platzpatronen abgenommen. Die Produktion dieser Platzpatronen ist übrigens in den Angaben der Jahresfertigung nicht mit eingeschlossen.

Zur Infanterie-Munition sollen hier noch die erheblichen Beutemengen erwähnt werden, die aus deutschen Waffen verschossen werden konnten:

in Polen: 15.157.000 Schuß

in Jugoslawien: 173.470.000 Schuß

Zusätzlich fiel noch folgende Munition in abweichenden Kalibern an:

in Norwegen: 42.036.000 Schuß Kaliber 6,5

in Jugoslawien: 282.032.000 Schuß

verschiedene Kaliber in Frankreich, Belgien und Holland: 163.376.920 Schuß

verschiedene Kaliber in Rußland: 22.780.000 Schuß Kaliber 7,62

Die Anzahl der erbeuteten Gewehre betrug bis Ende 1944 11.530.142 Stück.