Flugabwehrwaffen

 

Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland der Besitz von Flakwaffen untersagt. Seit 1928 führte man aber getarnt die 2-cm-Oerlikon ein. Diese in der Schweiz gefertigte Waffe wurde als  2-cm-Flak 28 Oerlikon bei der Truppe eingeführt. Sie war ein Rückstoßlader mit Massenverriegelung und Vorlaufzündung. Das Magazin faßte 15 Schuß und wurde von oben eingeführt. Als Zielgerät gegen Luftziele diente zunächst ein Kreiskorn mit Zielstachel. Die noch im Krieg eingesetzten Waffen hatten als Zielgerät das Linealvisier 21. Zur Bedienung waren vier Kanoniere nötig. Der Richtkanonier richtete das Ziel am Linealvisier 21 an und betätigte den Abzug. Die beiden Visierkanoniere stellten Entfernung und Richtung am Visier ein und der Ladekanonier war für die Munitionszuführung zuständig. Mit einer v0 von 830 m/Sek. wurde eine maximale Schußweite von 4.400 m erreicht, die maximale Steighöhe betrug 3.700 m. Die Waffe war in mehrere Tragelasten zerlegbar und auf Tragetiere verlastbar. Sie konnte entweder auf Rädern mit Spreizlafette, ohne Räder auf Dreibein oder auf einem festen Sockel eingesetzt werden. Da die Leistung etwa der der Flak 30 und 38 entsprach, war die Flak 28 bis Kriegsende im Heimatgebiet eingesetzt. Wegen unterschiedlicher Hülsen wurde sogar eine besondere Fertigung für die Flak 28 eingerichtet.

Die Firma Rheinmetall entwickelte die 2-cm-Flak 30. Die Waffe kam 1934 zur Truppe und war die verbesserte Version des 2-cm-MG C/30 L der Marine. Die Waffe war mit zwei verschiedenen Köpfen zur Mündungsbremse ausgestattet. Bei leichtgängigen, eingeschossenen Waffen kam der Kopf mit einem 35 mm Innendurchmesser zum Einsatz, während der 41-mm-Kopf, mit dem der Rückstoß der Waffen weniger abgebremst wurde, bei neuen Waffen oder bei durch Regen und Kälte verursachter Schwergängigkeit oder bei besonders gekennzeichneter Munition verwendet wurde. 
Die Munitionszufuhr erfolgte von der linken Seite aus einem Flachmagazin mit 20 Patronen. Diese 463 kg schwere Waffe besaß ein 1.300 mm langes Rohr, das um 360° schwenkbar war und eine Erhöhung von -12° bis +90° hatte. Die Unterlafette bestand aus einem dreieckigen Stahlrahmen, welcher auf dem Sonderanhänger 51 verlastet werden konnte. Um die Waffe genau horizontal ausrichten zu können, waren an den Enden den drei Ecken des Rahmens jeweils eine Justierspindel angebracht. 
Verschossen wurde meistens die 2-cm- Brandsprenggranate, die bei einer v0 von 900 m/Sek. eine Reichweite von 4.800 m bzw. eine Höhe von 3.700 m erreichte. Die Kadenz betrug 280 Schuß / Minute, in der Realität wurden 120 Schuß / Minute erreicht. Zur Bedienung der Waffe waren acht Mann nötig: Ein Geschützführer, ein Richtschütze, ein Mann am Entfernungsmesser und fünf Kanoniere, die voll damit beschäftigt waren, Munition herbei zu schaffen und heiß geschossene Rohre zu wechseln. Geschützt wurde der Richtschütze durch ein 112 kg schweren Schild, der allerdings nur dann montiert wurde, wenn die Waffe im Erdkampf eingesetzt wurde.
Ihren ersten Einsatz erlebte die Waffe im Bürgerkrieg in Spanien, wo ab 1936 zwei Batterien im Einsatz waren. Im Krieg wurde die Waffe meist in leichten Flak-Kompanien zusammengefaßt, die eine Stärke von 12 (Front) bzw. 16 (Heimat) Geschützen hatten. 
Motorisiert wurde die Waffe auf dem Sd.Kfz. 10/4 und behelfsmäßig auf der Krupp-Protze und diversen Beute-LKW, transportiert wurde sie sonst auf dem Sonderanhänger 51.

Die 2-cm-Flak 38 war eine Verbesserung der 2-cm-Flak 30, die 1939 eingeführt wurde. Das Gewicht konnte auf 405 kg gesenkt und die Kadenz auf 450 Schuß/Min. gesteigert werden. Bei einer Rohrlänge von 2.252,5 mm wurde mit der Sprenggranate eine v0 von 900 m/Sek. und mit der Panzergranate eine v0 von 830 m/Sek. erreicht. Der Schwenkbereich betrug 360°, die theoretische Feuergeschwindigkeit betrug 480 Schuß/Minute, die praktische 220 Schuß/Min. Die Rohrerhöhung betrug von -20° bis +90°. Die maximale Schußweite betrug 4.800 m, die maximale Schußhöhe betrug 3.700 m. Die Waffe besaß ein 120 kg schweren Schild sowie ein zusätzlichen kleinen Schutzschild, um den Richtschützen beim Visieren mit dem Erdzielgerät 3 x 8 zusätzlich zu schützen. Außerdem wurde an die Waffe ein Fangnetz angebaut, um die umstehende Bedienung vor den auswerfenden leeren Geschoßhülsen zu schützen. Auch diese Waffe wurde auf dem Sonderanhänger 51 transportiert. 

Der 2-cm-Flakvierling 38 war 1.509 kg schwer und hatte eine theoretische Schußfolge von 1.800 Schuß/Min., was diese Waffe beim Gegner sehr gefürchtet machte. Die Idee für diese Waffe stammte von der Marine. Die Waffen wurden auf ein Lafettendreieck mit fest verbundenem  Drehring gelagert. Die Rohrerhöhung reichte von -10° bis +100°.  Die ballistischen Leistungen entsprachen denen der 2-cm-Flak 38. Die ersten Geschütze wurden im Mai 1940 ausgeliefert. Der Kanonier hatte zwei Fußhebel zur Feuerauswahl zur Verfügung. Bei der Betätigung eines Fußhebels schossen jeweils nur zwei der vier Waffen, eine links und eine rechts. So schossen immer zwei Waffen, während die anderen beiden nachgeladen werden konnten. Wurden beide Fußhebel gleichzeitig betätigt, schossen alle vier Waffen. Zum Schutz der Bedienung konnte ein Schutzschild an der Waffe angebracht werden. Die Waffen wurden entweder auf dem Sonderanhänger 52 transportiert oder motorisiert auf dem Sd.Kfz. 6/1, dem Sd.Kfz. 7/1 oder dem Flakpanzer "Wirbelwind" montiert. Außerdem fand die Waffe auf Panzerzügen Verwendung.

Vom gleichen Kaliber gab es auch die 2-cm-Gebirgsflak 38. Diese Waffe gab es in verschiedenen Versionen mit unterschiedlicher Bereifung, Waffenlagerung, Ober- und Unterlafette:
1. Ausführung für die Gebirgstruppe (Gebirgsflak 38)
2. Ausführung für die Fallschirmtruppe (Gebirgsflak 38 mit Sonderausstattung)
Die Sonderausstattung für die Gebirgsflak 38 bestand aus einem erhöhten Schutz für den Richtkanonier, eine noch schnellere Feuerbereitschaft beim Schießen von Rädern bei gleichzeitig vergrößertem Seitenrichtfeld und verringerter Feuerhöhe sowie ein leichteres Bewegen des feuerbereiten Geschützes im Mannschaftszug:
- Kopfschild
- Sitzlehne
- Handabfeuerung
- Behelfsvisier (Kimme und Korn)
- Gekröpfte Achsschenkel für verbreiterte Spur
- Deichselsporn mit Klappsporn und Spornrad
- Ziehstange
Die Waffe wog mit vollständiger Sonderausstattung in Fahrstellung (Kraftzug) vollständig ohne Kotflügel 468 kg und in Feuerstellung auf Holmen einschließlich Visier 406 kg. Der Höhenrichtbereich betrug von -22° bis + 90°. Der Seitenrichtbereich betrug maximal 90°.  Die Waffe war in 8 Lasten zerlegbar, die einzeln nicht mehr als 40 kg wogen. Da die Waffe sehr viel leichter war als die 2-cm Flak 38, war die Streuung etwas größer. Die Waffe hat sich trotzdem bewährt. 

Die 3,7-cm-Flak 18 war ein Rückstoßlader mit zentral verriegeltem Verschluß. Der Rückstoß wurde zum Entriegeln und Schleudern des Verschlusses, Auswerfen der leeren Hülse, Zuführen der neuen Patrone und Verriegeln benutzt. Die Patronenzuführung erfolgte durch 6 Schuss fassende Patronenrahmen, aus denen die Patronen nach vorn heraus gestoßen wurden. Die  Rahmen wurden von links zugeführt und die leeren Hülsen nach rechts ausgeworfen. Die Waffe wog 1.750 kg, das Rohr war 3.626 mm lang und hatte 20 Züge. Die Rohrerhöhung betrug -5° bis +85°, der Schwenkbereich betrug 360°. Verschossen wurde die Brandsprenggranate, die bei einer v0 von 820 m/Sek. eine Reichweite von 6.500 m und eine Steighöhe von 4.800 m hatte. Weiter gab es die Sprenggranate 18 mit Leuchtspur, die Panzergranate mit Leuchtspur, die Brandgranate mit Leuchtspur, die Brandgranate ohne Leuchtspur, die Panzergranate mit Leuchtspur und die Minengranate mit Leuchtspur. Die Schußfolge betrug theoretisch 160 Schuß in der Minute, praktisch 80 Schuß in der Minute.

Da die Waffe zu schwer war, wurde sie durch die 3,7-cm-Flak 36 ersetzt. Diese war nur noch 1.552 kg schwer, die Rohrerhöhung betrug -8° bis +85°. Die restlichen ballistischen Fähigkeiten entsprachen denen der 3,7-cm-Flak 18.

Bereits 1938 hatte man erkannt, dass die eingeführten 3,7-cm-Flak 18 und 3,7-cm-Flak 36 in diesem Kaliber nicht mehr ausreichend waren. Daher beschloß man beim Heeres-Waffenamt, an die Firmen Rheinmetall und Krupp einen Entwicklungsauftrag zur Weiterentwicklung der 3,7-cm Flak zu vergeben. Bereits im Mai 1940 waren von beiden Firmen je ein Prototyp fertig gestellt, die jedoch nicht überzeugen konnten. Bis Mitte 1941 wurden die Prototypen dann weiter verbessert und erneut einem Test unterzogen. Hier hatte die Krupp-Variante etwas besser überzeugt. Obwohl von Hitler noch keine Entscheidung zu Gunsten der Krupp-Variante vorlag, begann man hier, eine kleine Vorserie zu produzieren. Bei Rheinmetall konstruierte man daraufhin seinen Vorschlag komplett um und schuf eine Waffe, bei der die Munitionszuführung sowohl von links als auch von rechts erfolgen konnte, eine Grundvoraussetzung für eine Zwillings-Version. Es gelang Rheinmetall, das Waffenamt von seiner Waffe zu überzeugen. Die Produktion bei Krupp wurde eingestellt und das "Gerät 238, 2. Gerät" von Rheinmetall als  3,7-cm-Flak 43 bei der Wehrmacht eingeführt. Dabei handelte es sich um einen vollautomatischen Gasdruck- und Rückstoßlader. Sie war nur noch 1.392 kg schwer, das Rohr 3.300 mm lang. Die Rohrerhöhung betrug -7,5° bis +90°. Die Munition wurde in Magazinen zu je acht Schuß zugeführt. Die ballistischen Fähigkeiten entsprachen denen der 3,7-cm-Flak 36. Die praktische Feuergeschwindigkeit stieg auf 150 Schuß/Minute. Die maximale Schußweite betrug 6.500 m, die maximale Schußhöhe 4.800 m. Die Waffe war in der 3,7-cm Flak 43-Lafette gelagert und wurde auf dem Sonderanhänger 58 transportiert. Zum Visieren diente das Schwebedornvisier 43 mit Zielfernrohr 3 x 8° Flak. Als Munition wurde verwendet:
3,7-cm Sprengpatrone 18 Leuchtspur
3,7-cm Brand-Spreng-Patrone 18 Leuchtspur
3,7-cm Minengranat- Patrone 18 Leuchtspur
3,7-cm Panzergranat-Patrone 18 Leuchtspur
3,7-cm Panzergranat-Patrone 40 Flak
Von dieser Waffe gab es auch noch eine Zwillingsausführung von 2.780 kg Gewicht. Die Schußfolge lag hier bei praktisch 300 Schuß in der Minute.

Die Produktionszahlen lauteten:

  1943 1944 1945
  Heer Marine Luftwaffe Heer Marine Luftwaffe Heer Marine Luftwaffe
Januar           7 89 35 255
Februar       5 5 13 63 72 272
März       20 9 39      
April       20 11 33      
Mai       33 33 99      
Juni       30 60 164      
Juli       63 86 251      
August     5 107 131 297      
September     10 100 108 303      
Oktober     7 163 67 174      
November     3 118 59 242      
Dezember     24 117 108 133      

Aus Mangel an Flakwaffen wurden auch Flugzeugwaffen zu Flakgeschützen umgebaut, wie das MG 151/20 in der Drillingslafette. Insgesamt wurden 15.000 Stück der 20 mm Maschinenkanone 151 von der Luftwaffe an das Heer abgegeben. Das Richten dieser provisorischen Flak erfolgte nach Sicht und war daher sehr ungenau. Die Waffen wurden meist ortsfest zum Objektschutz eingesetzt, konnten aber auch in das Sd.Kfz 251 zum Sd.Kfz 251/21 eingebaut. Außerdem war der Einbau in diversen Flakpanzern vorgesehen.

Ebenfalls von der Luftwaffe stammte die 3-cm-Flak 103/38 »Jaboschreck«. Die Maschinenkanone wog 145 kg, das Rohr war 1350 mm lang. Die Waffen wurden auf die Lafetten der 2-cm-Flak 38 montiert und hatten eine Schwenkbereich von 360°. Sie hatten eine v0 von 860 m/Sek. und erreichten eine Steighöhe von 2.600 m. Die Munition wurde in 40-Schuß-Magazinen zugeführt, die theoretische Schußfolge betrug 420 Schuß/Min. Die Lieferung lief aber erst 1945 an.

Eine eigentlich für die Marine vorgesehene Waffe war die M.K. 303, die aus der M.K. 103 der Luftwaffe hervorging. Die v0 betrug 1080 m/Sek., das Rohr war 2.000 mm lang. Die ersten Waffen wurden im Oktober 1944 ausgeliefert.

In Italien wurde die 2-cm-Flak Breda gefertigt. Sie war 330 kg schwer, das Rohr war 1.300 mm lang. Bei einer v0 von 840 m/Sek. wurde eine Steighöhe von 2.600 m erreicht. Die Munition wurde über ein 12-Schuß-Magazin zugeführt, die maximale Schußfolge lag bei 230 Schuß/Min.

Ebenfalls in Italien wurde die 2-cm-Flak Scotti gefertigt. Sie wog 228 kg, das Rohr hatte eine Länge von 1.540 mm. Bei einer v0 von 840 m/Sek. wurde eine Steighöhe von 2.400 m erreicht. Die theoretische Schußfolge betrug 240 Schuß/Min.

In der Tschechei wurde das Flak-MG 39(t) gefertigt. Bei einer v0 von 845 m/Sek. wurden Schußfolgen von bis zu 400 Schuß/Min erreicht. Die Waffen wogen 58 kg und wurden bis Februar 1940 geliefert. Die Waffen wurden fast alle an die Marine zur Bestückung der Schnellboote abgegeben.

Aus französischen Beutebeständen wurde die 2,5-cm-Flak Hotchkiss 38/39(f) verwendet. Die Rohrlänge betrug 1.500 mm, die v0 900 m/Sek. und die Steighöhe 5000 m. Die theoretische Schußfolge betrug 350 Schuß/Min.

Als nächst höheres Kaliber ist die 5-cm-Flak 41 entwickelt worden. Die Waffe wurde bei Rheinmetall und Krupp  entwickelt, wobei sich bei einem Vergleichsschießen 1941 die Rheinmetallwaffe durchsetzte. Die Waffe war ein Gasdrucklader, welche durch eine Fußraste ausgelöst wurde. Das 3.100 kg schwere Geschütz hatte eine Rohrlänge von 3.300 mm, einen Schwenkbereich von 360° und eine Rohrerhöhung von -7,5° bis +90°. Die Vo betrug 820 m/Sek., was eine Reichweite von 6.500 m und einer Steighöhe von 4.800 m erbrachte. Nach der Fertigung einer 0-Serie von 50 Stück 1941 wurde die Produktion auf Befehl Görings und Hitlers wieder eingestellt.

Nach dem Verbot der Entwicklung der 5-cm-Flak 41 forderte die Truppe eine Waffe, mit der auch die Bekämpfung der gepanzerten Schlachtflieger möglich war. Daher ging man bei den Firmen Rheinmetall und Krupp daran, eine Waffe mit dem Kaliber 55 mm zu bauen. So entstand 1943 ein Geschütz mit der Tarnbezeichnung "Gerät 58". Dabei wurden vor allem die Erfahrungen übernommen, die man im Hinblick auf die Blechprägetechnik bei der  3,7-cm-Flak 43 gemacht hat, in die neue Waffe übernommen. Die neue Entwicklung zeichnete sich vor allem durch ihre geringe Feuerhöhe und die moderne Lafettenkonstruktion sowie die guten Schußergebnisse aus. Aber auch diese Entwicklung wurde im November 1943 von Hitler und Göring untersagt. Mitte 1944 wurden jedoch zwei Versuchsgeschütze von Rheinmetall und ein Geschütz von Krupp in einem Vergleichsschießen in der Entwicklungsstelle der Luftwaffe erprobt. Dabei stellten sich einige Mängel heraus. Man kam überein, ein viertes Versuchsgeschütz auf Grundlage der Rheinmetallentwürfe bis Ende 1944 zu bauen. Ab Februar 1945 erfolgte die Erprobung, die auf Grund der Kriegslage nicht beendet werden konnte. Die Waffe hatte eine Rohrlänge von 4211 mm und wog in Feuerstellung 2.990 kg. In Fahrstellung war die Waffe 5.490 kg schwer. Die Waffe war um 360° schwenkbar, die theoretische Feuergeschwindigkeit betrug 140 Schuß in der Minute bei einer Vo von 1.050 m/s.

Das nächste Kaliber bei den Flakgeschützen war die von der Firma Krupp entwickelte 8,8-cm-Flak 18/36. Die Entwicklung dieser Waffe ging auf Entwicklungen aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Krupp entwickelte 1915 / 1916 die 8,8-cm K-Zugflak L/45 zur Bekämpfung der immer zahlreicher werdenden alliierten Flugzeuge. Bei Rheinmetall folgte 1916 die 8,8-cm K-Zugflak L/45 M 1916, der die 8,8-cm K-Zugflak L/45 M 1917 und die 8,8-cm K-Zugflak L/45 M 1918 folgte. Nach dem Ersten Weltkrieg waren dem Deutschen Reich die Entwicklung und der Besitz von 8,8-cm-Flak-Geschützen verboten. Deutsche Firmen entwickelten daraufhin im Ausland moderne Flak-Geschütze. Krupp sandte eine Gruppe von Ingenieuren nach Schweden zur Firma Bofors, die schon damals führend auf dem Gebiet der Flugabwehrwaffen war. Hier entstand zunächst eine neue Kanone vom Kaliber 75 Millimeter (7,5-cm Flak L/60). Aus dieser Waffe wurde schließlich bei Krupp die 8,8-cm Flak 18 entwickelt, die später zur 8,8-cm Flak 36 wurde. Einzigstes Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen beiden Versionen war die Verwendung verschiedener Lafettenkreuze. Geschütze mit Lafettenkreuz 36 waren, unabhängig vom Rohraufbau, als 8,8-cm Flak 36 bezeichnet worden, solche mit Lafettenkreuz 18 als 8,8-cm Flak 18. Die Fahrbarmachung erfolgte bei der 8,8-cm Flak 18 mit dem Sd.Anh. 201, bei der 8,8-cm Flak 36 mit dem Sd.Anh. 202. Die Anhänger waren untereinander nicht austauschbar. Die wesentlichen Merkmale der 8,8-cm Flak 18-Geschütze waren:
- Länge in Feuerstellung: 7620 mm
- Breite in Feuerstellung: 2.305 mm
- Höhe in Feuerstellung: 2.418 mm
- Rohrlänge: 4.930 mm (L/56)
- Gewicht in Feuerstellung: 5.000 kg
- Gewicht in Transportstellung: 7.400 kg (inkl. Sd.Anh. 201)
- Rohrerhöhung: -3° - + 85°
- Seitenschwenkbereich: 2 x 360°
- Mündungsgeschwindigkeit: 820 m/s (Sprenggranate); 795 m/s (Panzergranate)
- max. Schußweite: 14.860 m
- max. Schußhöhe: 10.600 m
- Feuergeschwindigkeit: 15 - 20 Schuß / Minute
- Preis: 33.600,- RM
- Loses Seelenrohr mit Mantel
- Mittelpivotlafette
- Ladekreuz mit 2° Horizontierung
- Oberlafette mit 5° Horizontierung
- Horizontierung der Oberlafette durch Bewegen des Mittelpivotzapfens
- Trogwiege
- Richtmaschinenantrieb von Hand mit jeweils 2 Geschwindigkeiten
- Höhenrichtmaschine beim Fahren ausgekuppelt
- Seitenrichtmaschine nach 2 Umdrehungen blockiert
- Je ein Federausgleicher beiderseits der Wiege
- Richtverfahren indirekt mit Lampenempfänger, direkt mit Zeigerzieleinrichtung und Flakzielfernrohr 20
- Anschluß der Empfänger durch ein Verdrehungskabel, das nur 2 Umdrehungen nach rechts und links zuließ
Die Ladeeinrichtung ist im Kriegseinsatz des Geschützes abgenommen worden, da sie störanfällig war und sich die Schußfolge ohne Ladeeinrichtung steigern ließ. Für den Einsatz gegen Panzer wurden die Geschütze mit einem Schutzschild versehen.
Bei den Prüfungen der losen Seelenrohre der Flak 18 auf Lebensdauer zeigten sich nach nur rund 900 Schuß die ersten Versager des Zünders am Geschoß, so daß diese Schußzahl als Ende der Lebensdauer angesehen werden mußte. Die Verschleißerscheinungen im Rohr lagen vor allem im hinteren Teil der Seele, so daß es als ausreichend erschien, nur den hinteren Teil des Seelenrohres auszuwechseln. Die Versuche mit verschiedenen Konstruktionsvorschlägen führte schließlich zur Entwicklung des so genannten fünfteiligen Rohraufbaus RA 9 mit einer dreiteiligen Seele. Dieses fünfteilige Seelenrohr und die geänderte Kreuzlafette waren somit die wesentlichen Unterschiede der 8,8-cm-Flak 36 zu ihrem Vorgänger.
Eine geringfügige Weiterentwicklung führte schließlich zur 8,8-cm Flak 37. Bei dieser Waffe wurden die bisherigen Lampenempfänger für das indirekte Richten durch Folgezeiger ersetzt. Sonst gab es keine Änderung an der Waffe.
Im Zuge der weiteren Leistungssteigerung der 8,8-cm Flak wurde die 8,8-cm Flak 37/41 entwickelt. Durch stärkere Munitionsarten war die Beanspruchung der Lafette gestiegen. Um diese Beanspruchung wieder zu senken, war eine Mündungsbremse erforderlich. Außerdem war die Anbringung eines Rollenansetzers erforderlich, da mit dem erhöhten Patronengewicht ein Laden von Hand nicht mehr möglich war. Gleichzeitig wurde die vereinfachte Zündstellmaschine der 8,8-cm Flak 41 verwendet. Der Vorteil dieser Waffe lag in der Verwendung der bisherigen Lafette, die noch in großen Stückzahlen vorhanden war.

        Die 8,8-cm Flak aus "Handbuch für den Flakartilleristen" (412 kb)

Bereits 1938 / 1939 erkannte man die Nachteile der 8,8-cm Flak 36 (zu geringe maximale Feuerhöhe) und beauftragte im Herbst 1939 die Firma Rheinmetall mit der Entwicklung einer neuen Waffe mit dem Kaliber 8,8-cm. Die Forderungen an diese neue Waffe lauteten:
- Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses mindestens 1.000 m/s
- Geschoßgewicht 9,4 kg
- Gesamtgewicht höchstens 8.000 kg
- Feuergeschwindigkeit etwa 25 Schuß / min
Im Frühjahr 1941 wurde dann auch die Firma Krupp mit der Entwicklung dieser Waffe beauftragt, da man bei der Firma Rheinmetall mit der Entwicklung nicht recht weiterkam. Gleichzeitig wurde die Waffe, die bisher als "Gerät 37" bezeichnet wurde, in 8,8-cm Flak 41 umbenannt. Im Sommer 1941 wurde von der Firma Rheinmetall der Prototyp der Waffe vorgestellt. Anschließend wurde die Waffe ausgiebig erprobt, wobei es zu Schwierigkeiten bei der Verwendung der neuen Munition kam. Erst nach einer Umkonstruierung des Rohres konnten die Mängel behoben werden. Im Februar 1943 wurden die Arbeiten bei Krupp eingestellt, da man sich für die Rheinmetall-Waffe entschieden hatte. Die nun entstandene Waffe war zur Bekämpfung von Luft-, See- und Erdzielen bestimmt. Auf dem Marsch war das Rohr in Fahrstellung zurückgezogen. In Feuerstellung ruhte das Geschütz auf den Auflagetellern des Lafettenkreuzes. Beim Feuern vom Sonderanhänger mußten die abschwenkbaren Seitenholme des Lafettenkreuzes abgestützt werden. Das Seitenrichtfeld war unbegrenzt, das Höhenrichtfeld betrug von - 3° bis + 90°. Luftziele wurden mit der 8,8-cm Flak 41 im indirekten Richtverfahren bekämpft. Beim indirekten Richten wurden die vom Kommandogerät ermittelten Seitenwinkel, Rohrerhöhungs- und Zünderstellungswerte elektrisch auf die Empfänger übertragen. Beim direkten Richten wurde das Ziel mit dem Flakzielfernrohr ständig angerichtet. Die neue Waffe hatte folgende Daten:
Rohrlänge: 6.548 mm
Länge des gezogenen Teils: 6.411 mm
Anfangsdrall: 3°5'
Enddrall: 4°6'
Anfangsgeschwindigkeit: 1.020 m/s
Geschoßgewicht: 9,4 kg
Treibladung: 5,5 kg
Größte Schußhöhe: 19.800 m
Länge der Patronenhülse: 855,1 mm
Gewicht in Feuerstellung: 8.000 kg
Gewicht in Fahrstellung: 11.240 kg (inkl. des Sonderanhängers 202 und des Schutzschildes)
Durchschlagsleistung der Panzergranate 40 auf 100 m: 237 mm
Durchschlagsleistung der Panzergranate 40 auf 1.000 m: 192 mm
Durchschlagsleistung der Panzergranate 40 auf 2.000 m: 127 mm
Zum Transport wurde die Waffe auf den Sonderanhänger 202 verlastet, als Zugmittel dienste das Sd.Kfz. 8 (ZgKw. 12 t).
Die Waffe war ihren Vorgängern zwar hinsichtlicht der Schußweite klar überlegen, war aber auch deutlich komplizierter bezüglich Fertigung, Wartung und Reparatur. Probleme bereiteten beispielsweise immer wieder sich verklemmende Patronenhülsen.
Die Variante 8,8-cm Flak 41/1 war mit einer Kreuzlafette ausgestattet, was einen Schwenkbereich von 360° erlaubte. Die Variante 8,8-cm Flak 41/2 war mit der Sockellafette für den ortsfesten Einsatz ausgestattet.

Die 8,8-cm Flak 41 wurde in folgenden Stückzahlen produziert:

  1942 1943 1944 1945
Januar   11 12 23
Februar   6 12 33
März   18 12 19
April   12 3 ?
Mai   12 10  
Juni   5 33  
Juli   7 29  
August   12 41  
September   12 25  
Oktober 20 7 41  
November 6 6 2  
Dezember 18 14 53  

Ursprünglich für die Marine wurde die 10,5-cm-Flak 38 entwickelt. Anfang 1933 erging vom Heereswaffenamt der Auftrag, die Flak für das Heer umzukonstruieren. Das Geschütz war mit Pivot-Sockellafette mit elektrisch angetriebenen Richtmaschinen und automatischer Ladeeinrichtung ausgestattet. Die optimale Wirkungsreichweite betrug 7.000 m. Bis 1939 wurden monatlich 4 Geschütze ausgeliefert. Das Geschütz wog in Feuerstellung 7.500 kg, die maximale Schußweite lag bei 17.500 m, die maximale Schußhöhe betrug 12.100 m. Die Geschütze zeigten viele Störungen, da die elektrischen Einrichtungen noch nicht einwandfrei funktionierten. Mit den gewonnenen Erkenntnissen entstand in den Jahren 1938/1939 die 10,5-cm-Flak 39.

Bei der 10,5-cm Flak 39 wurde der bisherige Lampenempfänger für indirektes Richten durch einen Folgezeiger ersetzt. Außerdem wurde die Schwergängigkeit des für den Notfall vorgesehenen Handantriebs durch einen Doppelhandantrieb behoben. Das Seitenrichtfeld der Waffe war unbegrenzt, sie konnte nach beiden Seiten beliebig im Kreis geschwenkt werden. Das Höhenrichtfeld reichte von -3 ° - + 85 °. Mit der 10,5-cm Flak 39 wurde nur Patronenmunition verschossen, die beim Schießen auf Luftziele mit Zeitzündern und beim Schießen auf Erdziele mit Zeit- oder Aufschlagzündern versehen war. Die Zeitzünder wurden mittels der seitlich am Geschütz angebrachten Zünderstellmaschine nach vom Kommandogerät ermittelten Werten selbständig gestellt. Das Laden des Geschützes erfolgte selbständig durch die Lade- und Ansetzvorrichtung, die ebenfalls von Hand betätigt werden konnte. In Feuerstellung hatten die Waffen ein Gewicht von 14.600 kg. Die größte Schußweite bei 45° Rohrerhöhung betrug 17.700 m, die größte Steighöhe bei 85 ° 12.800 m. Fahrbar gemacht werden konnte das Geschütz mit dem Sonderanhänger 203. Dies war ein aus zwei gleichartigen, einachsigen Fahrgestellen zusammengestellter, luftbereifter Kraftfahrzeuganhänger. Als Zugmittel wurde das Sd.Kfz. 8 verwandt.

Um mit der rasanten Entwicklung im Flugzeugbau Schritt halten zu können, erging bereits im Jahr 1936 an die Firma Rheinmetall der Auftrag, ein schweres Flak-Geschütz zu entwickeln, das auch große Höhen erreichen konnte. Aus dieser Entwicklung entstand die 12,8-cm-Flak 40. 1938 waren die ersten Geschütze als Versuchsmuster fertig gestellt. Sie liefen noch unter der Projektbezeichnung "GBH 63", besaßen eine Kreuzlafette und waren noch ohne Richteinrichtung gegen Erdziele ausgeliefert worden. 1940 erhielt die Waffe dann die offizielle Bezeichnung 12,8-cm-Flak 40 und wurde in den folgenden Versionen hergestellt:
12,8-cm Flak 40/1: Geschütz auf Bettung 40, fahrbar in einer Last auf Sonderanhänger 220
12,8-cm Flak 40/2: Geschütz in ortsfestem Sockel. Stellungswechsel erfolgt in zwei Lasten, Rohr auf Rohrwagen 40 und Lafette in Fahrgerüst für schwere Flak auf Sonderanhänger 203
12,8-cm Flak 40/4: Geschütz auf Geschützwagen II für schwere Eisenbahn-Flak
12,8-cm Flak 40/M: Ausführung für die Marine
1941 wurden die ersten Geschütze an die Truppe geliefert. Das Geschütz wog in Fahrstellung auf dem Sd.Anh. 220 27.000 kg, in Feuerstellung auf Bettung 40 17.000 kg, auf ortsfestem Sockel 13.000 kg. Die maximale Schußweite betrug 20.900 m, die maximale Schußhöhe 14.800 m. Das Geschütz war mit Pivot-Sockellafette mit elektrisch angetriebenen Richtmaschinen und automatischer Ladeeinrichtung ausgestattet. Die ersten Geschütze waren in zwei Lasten aufteilbar, später wurde das Geschütz in einer Last auf dem Sonderanhänger 220 transportiert. Die Feuergeschwindigkeit betrug 12 Schuß in der Minute. Das Seitenrichtfeld war unbegrenzt, das Höhenrichtfeld betrug von -3° bis +88°. Die Richtgeschwindigkeit betrug 5,3° / s für die Rohrerhöhung und 9° / s für den Seitenwinkel. Luftziele wurden im indirekten Richtverfahren bekämpft. Hierzu wurden die von einem Kommandogerät ermittelten Schußwerte für Seitenwinkel, Rohrerhöhung und Zünderstellung elektronisch durch das Übertragungsgerät 37 an die Geschütze übertragen. Auf Erd- und Seeziele konnte auch direkt mit dem Flakzielfernrohr 20 gerichtet werden. Mit der 12,8-cm Flak 40 wurde nur Patronenmunition verschossen, die beim Schießen auf Luftziele mit Zeitzündern, beim Schießen auf Erdziele mit Zeit- oder Aufschlagzündern versehen war. Die 12,8 cm Sprengpatrone L/45 wog etwa 48 kg, die 12,8-cm Panzergranat-Patrone 43 wog mit Messinghülse 50,5 kg und mit Stahlhülse 48 kg. Die Zeitzünder wurden mit der am Geschütz angebrachten Zünderstellmaschine entsprechend den vom Kommandogerät ermittelten Werten selbständig ermittelt. Das Laden des Geschützes erfolgte selbsttätig durch die Ladeeinrichtung. Das Geschütz war mit einer elektrischen Abfeuerung ausgerüstet, die nach Wahl entweder selbsttätig durch die Ladeeinrichtung oder von Hans ausgelöst wurde. Die Richtmaschinen, die Ladeeinrichtung und die Zünderstellmaschine wurden durch einzelne Elektromotoren angetrieben.
Gefertigt wurde die Waffe nicht nur bei Rheinmetall, sondern auch bei Friedrich Krupp in Essen, den ehemaligen Skoda-Werken in Pilsen, bei der Hannoverschen Maschinenfabrik AG in Hannover und bei der Oberschlesischen Gerätebau GmbH in Laurahütte, Kattowitz/OS. Die Fertigungszeit betrug 15 - 18 Monate (12.000 Arbeitsstunden). Die Lebensdauer der Rohre betrug 1.000 Schuß, konnte aber im Laufe des Krieges auf 2.000 Schuß erhöht werden.
Um die Feuerkraft noch weiter zu erhöhen, wurde die 12,2-cm-Flak 40/2 in Zwillingslafette entwickelt. Diese zum Objektschutz eingesetzte Waffe war eine Zwillings-Version der 12,8-cm-Flak 40, bei der die beiden Rohre einzeln oder als Doppelschuß abgefeuert werden konnten. Dieses Zwillingsgeschütz wurde bei den Firmen Hannoversche Maschinenfabrik AG in Hannover und der Oberschlesischen Gerätebau GmbH Laurahütte, Kattowitz/OS gefertigt.  
Unter Berücksichtigung verschiedener Abänderungen seit Einführung der 12,8-cm Flak 40 und unter Berücksichtigung verschiedener Verbesserungen soll 1944 noch die 12,8-cm Flak 44 entwickelt worden sein, worüber aber keine weiteren Angaben vorliegen.

Im Jahr 1936 erhielten die Firmen Krupp und Rheinmetall den Auftrag zur Entwicklung eines 15-cm Flak-Geschützes (Firma Krupp = Gerät 50, Firma Rheinmetall = Gerät 55). Von beiden Geschützen wurde jeweils nur ein Versuchsmuster hergestellt. Als man 1940 die 12,8-cm Flak 40 mit großem Erfolg erprobt hatte, entschloß man sich, dieses kleinere Kaliber einzuführen und auf die Weiterentwicklung der technisch anspruchsvollen 15-cm Flak zu verzichten. Die Firma Krupp entwickelte zudem noch einen Eisenbahnwagen für die Installation des Geschützes als Eisenbahnflak.

Aus Italien erhielt die Heeres-Flak ab Oktober 1943 von den erbeuteten Flak-Waffen der Kaliber 7,5 und 7,62 cm 512 Waffen, weitere 188 wurden 1944 von der Firma Ansaldo in Turin geliefert.

Die 7,5-cm-Flak 264(i) besaß ein Gewicht von 3.300kg. Aus dem 3.450 mm langen Rohr wurde eine 6,5 kg schwere Sprenggranate verschossen. Bei einer v0 von 750 m/Sek. wurde eine Steighöhe von 8.200 m erreicht. Nicht so leistungsfähig war die 5.243kg schwere 7,62-cm-Flak 266(i). Hier erreichte die 6 kg schwere Granate in dem 3.139 mm langen Rohr durch eine v0 von 690 m/Sek. nur eine Steighöhe von 6.000 m.

Nach dem Beginn des Rußlandfeldzuges erbeutete man größere Mengen die russischen Flak-Geschütze der Typen 7,62-cm-Flak M 31(r), der 7,62-cm-Flak M 38(r) und der 8,5-cm- Flak M 39(r). Ursprünglich wurde für diese Geschütze die Original-Munition verwendet, die ebenfalls in größeren Stückzahlen erbeutet worden war. Da die Beutezahlen jedoch nicht für einen nachhaltigen und dauerhaften Einsatz der Waffen ausreichte, wurde beschlossen, die erbeuteten Geschütze auf das deutsche Kaliber 8,8-cm umzurüsten. Hierzu sollten die russischen Rohre auf das Kaliber 8,8-cm aufgebohrt werden und das Seelenrohr der 8,8-cm Flak 18 eingesetzt werden. adurch war die Möglichkeit gegeben, aus diesen Geschützen die normale deutsche Flakmunition zu verschießen. Die Geschütze bekamen anschließend neue Bezeichnungen, die auf das neue Kaliber hindeuteten. Die Geschütze waren zur Bekämpfung von Luftzielen bestimmt. Sie konnten aber auch gegen Erd- und Seeziele eingesetzt werden. Die Oberlafette der Geschütze ruhte schwenkbar auf dem mit dem Lafettenkreuzmittelstück durch Schraubbolzen befestigten Sockel. Der Pivotzapfen der Oberlafette war oben mittels Kugellager und unten mittels Kugelrollenlager im Sockel gelagert. In Feuerstellung ruhten die Geschütze auf den Auflagetellern der Holme. Das Seitenrichtfeld betrug 360°. Das durch den Sockel geführte Verdrehungskabel ermöglichte je zwei volle Umdrehungen nach beiden Richtungen. Das Höhenrichtfeld betrug -3° bis +82°. Die Schußwerte, Rohrerhöhung, Seitenwinkel und Zündstellungen wurden vom Kommandogerät auf Folgezeigerempfänger am Geschütz elektronisch übertragen. Die größte Schußhöhe lag bei den umgebohrten Rohren bei 10.200 m, bei den umgeseelten 10.400 m. Bei einer Schußhöhe von 1.600 mm konnten bis zu 20 Schuß in der Minute abgegeben werden.
Die technischen Daten für die Geschütze lauteten:

  Rohrlänge Rohrlänge in mm Geschossgew. in kg Vo in m/sec Schussweite in m Steighöhe in m Rohrgewicht in kg Geschützgewicht in kg
7,62-cm Flak M 31/38 L 55 4.191 6,6 814 14.000 9.500 924 4.300
8,5-cm Flak M 39 L 55,2 4.693 9,2 800 15.500 10.500 915 4.300
8,8-cm Flak M 39 L 501 / L 56² 4.3801 / 4.930² 9,0 7901 / 820² 14.3001 / 14.900² 10.2001 / 10.400² 840 4.360

1 = aufgebohrt 2 = umgeseelt 

 

Für die Heeresflak wurden im Zweiten Weltkrieg bis März 1945 die folgenden Waffen geliefert (dabei wurden die 8,8-cm-Geschütze aus den Beständen der Luftwaffe zur Verfügung gestellt):

  1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
2-cm-Flak 30 und 38 95 863 873 2.502 3.732 5.041 739
2-cm-Flakvierling 38 - 42 320 599 483 573 123
2-cm-Flak Breda und Scotti (i) - - - - - 361 -
2-cm-MG 151/20 Drilling - - - - - 3.141 973
3-cm-Flak 103/38 »Jaboschreck« - - - - - - 149
3-cm-M.K. 303 - - - - - 32 190
3,7-cm-Flak 18 und 36 - - - 27 592 559 -
3,7-cm-Flak 37 - - - - - 776 152
3,7-cm-Flakzwilling 43 - - - - - 142 43
8,8-cm-Flak 18 und 36 - - 126 176 296 549 23

Vergleichsweise hier die Bestände der Luftwaffe bei Kriegsbeginn und die Fertigung während des Krieges:

Am 1. September 1939 waren vorhanden:

Aus der Fertigung kamen bis zum März 1945:

  1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
2-cm-Flak 30 und 38 1 160 6 609 11 006 22 372 31 503 42 688 8 339
3,7-cm-Flak 18 und 36 180 675 1 188 2 136 4 077 3 620 158
3,7-cm-Flak 43 - - - - 54 4 684 1 180
8,8-cm-Flak 18, 36 und 38 183 1 130 1 872 2 876 4 416 5 933 715
10,5-cm-Flak 38 und 39 38 290 509 701 1 220 1 131 92
12,8-cm-Flak 40 4 - - 65 298 664 98

Bei der 2-cm-, der 3,7-cm- und der 12,8-cm-Waffe, die es in Zwillings- bzw. Vierlingsmontagen gab, sind hier die Anzahl der gefertigten Rohre angegeben.

Zusätzlich zu den angeführten Produktionszahlen hat das Heereswaffenamt im Jahre 1944 an die Reichsbahn zum Aufbau auf Flakabwehrwagen, die von Angestellten der Bahn im Zusammenhang mit der sogenannten Heimat-Flak bemannt waren, 1.345 der 2-cm-Flak 38 und 366 des Flakvierlings geliefert. Munition für alle diese Flakwaffen wurde aus den Beständen der Luftwaffe zur Verfügung gestellt.

Im März 1945 waren bei den Einheiten der Heeres-Flak noch die folgenden Waffen vorhanden:

Im Bestand der 2-cm-Flak 30 und 38 sind die 3-cm-»Jaboschreck«-Waffen mitenthalten.

Zur Tieffliegerabwehr gab es beim Heer nicht nur den »Fliegerschreck« sondern auch die »Luftfaust«.

Bei der 1944 von der Firma HASAG (H. Schneider AG, Leipzig) zuerst entwickelten »Luftfaust-A«, einer Einmann-Flak-Waffe, waren vier Rohre zu einem Bündel zusammengefaßt. Verschossen wurde daraus in einer Salve die 90 g schwere Minengranate mit 2-cm-Kaliber, die 19 g Sprengstoff trug. Diese Geschosse waren auf einen Raketentreibsatz aufgesetzt. Sie erreichten nach dem Verschuß eine maximale Geschwindigkeit von 380 m/Sek. Da sich bei der Erprobung nicht nur eine ungenügende Abdeckung des Trefferkreises, sondern auch eine zu große Streuung zeigte, ging man zu mehr und längeren Rohren über. Die Weiterentwicklung, »Luftfaust-B« genannt, besaß neun Rohre von 1.500 mm Länge. Die neun Granaten wurden in zwei Salven mit 0,2 Sek. Abstand verschossen und bildeten in 500 m Entfernung einen Trefferkreis von etwa 60 m Durchmesser. Die 6,5 kg schwere Luftfaust wurde einfach mit dem hinteren Teil auf der Schulter aufgelegt, einen Rückstoß gab es nicht.

Im März 1945 lief ein Auftrag über 10.000 Waffen mit 4 Millionen Schuß Munition an. Im Truppenversuch haben sich Ende April aber nur 80 dieser Waffen befunden.

Eine vergrößerte Ausführung war die »Fliegerfaust« mit sechs Rohren von 3-cm-Kaliber. Hier sollte das 3-cm-Minen-Geschoß der Flugzeugbordwaffe MK 108, das bei 0,33 kg Gewicht 75 g Sprengstoff trug, verschossen werden. Diese Waffe ist aber über das Versuchsstadium nicht hinausgekommen. Eine weitere geplante Waffe war der »Hand-Föhn«. Hier hatte man drei Rohre zu einem Bündel zusammengefaßt, daraus wurde die Raketen-Sprenggranate 4609 verschossen. Das war die verbesserte RZ 73, eine 330 mm lange drallstabilisierte Bordrakete von 73-mm-Kaliber, die bei der Luftwaffe entwickelt worden war. Sie wog 3,2 kg, trug 0,3 kg Sprengstoff und erreichte eine max. Geschwindigkeit von 360 m/Sek.

Eine weitere Entwicklung gegen Ende des Krieges war der Flak-Raketenwerfer »Föhn«. Diese Waffe nutzte 7,3-cm-Raketen-Sprenggranaten als Geschosse. Da diese Raketen zur damaligen Zeit aber eine enorme Streuung hatten, sollten mehrere Raketen gleichzeitig abgeschossen werden. So entstanden Ausführungen mit 3, 5, 7, 24, 28 und 35 Abschußschienen. Die bekanntesten Ausführungen waren:

Mit den 15.000 Schuß, die bis Ende November 1944 im Truppenversuch verbraucht wurden, ist aber lediglich ein Abschuß gelungen. Während des Dezembers gelangen dann zwei Abschüsse bei einem Verbrauch von fast 5.000 Schuß, das waren immer noch über 70 Werfersalven für einen Abschuß. Der größte Schwachpunkt der Waffe war die geringe Reichweite von nur 1.200 m.

Innerhalb des Entwicklungsprogramms für das Projekt »Planet«, mit dem neuartige Flak-Raketen erstellt werden sollten, gab es auch für das Heer ein Muster, das gegen Tiefflieger eingesetzt werden sollte. Im Gefechtskopf von 97 mm Durchmesser befanden sich sieben kleine Raketen mit aufgesetzten Minengranaten vom Kaliber 30 mm, wie sie bei der MK 108 der Luftwaffe Verwendung fanden. Beim Verschuß sollte das Raketenbündel nach kurzer Flugzeit nach dem Schrotschußprinzip ausgestoßen werden. Infolge der versetzten Düsen sollten dann diese Raketen für etwa 25 Sekunden auf kreisförmigen Bahnen mit einem Radius von etwa 100 m fliegen. Durch diese Flugbahnen wäre ein Würfel mit einer Kantenlänge von etwa 400 m so abgedeckt worden, daß ein anfliegendes Flugzeug mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem hochempfindlichen Aufschlagzünder eines dieser Geschosse in Berührung gekommen wäre. Zum Verschuß war ein Rohr vorgesehen, wie es bereits beim »Panzerschreck« verwendet wurde. Die gesamte Entwicklung »Planet«, die erst seit Mitte Januar 1945 beim Reichsforschungsamt lief, ist über zahlreiche Studien für Kleinraketen, für die verschiedenen Flugbahnen usw. nicht hinausgekommen.

Zur Berechnung der Flughöhe gegnerischer Flugzeuge wurden sogenannte E-Messgeräte (Entfernungs-Meßgerät) oder Kommandogeräte eingesetzt. Diese Zielgeber waren mit Prismen versehene Fernrohre, durch die durch die Kreuzung der Blickwinkel der Prismen die Flughöhe berechnet werden konnte. Diese Zielgeber gab es in verschiedenen Ausführungen für die bewegliche und die ortsfeste Flak.

Zu Beginn des Krieges wurden zur Erfassung gegnerischer Flugzeuge akustische Horchgeräte eingesetzt. Erst nach Beginn des Krieges wurden Funkmeßgeräte auf elektromagnetischer Basis eingesetzt.