Geschütze deutscher Zerstörer

 

Schon in den 20er Jahren entwickelte die Reichsmarine die 12,7-cm-SK C/25, mit der die neuen Zerstörer ausgerüstet werden sollten. Die Reichsmarine blieb dann aber beim alten Kaliber von 10,5 cm. Die 12,7-cm-SK C/25 bildete jedoch den Grundstock zur Entwicklung der 12,7-cm-SK C/34. Diese Kanone wurde zur Standardbewaffnung der deutschen Zerstörer und stand ab 1936 zum Einbau zur Verfügung. Die Kanone wurde bei den Zerstörern der Klasse "Zerstörer 1934" und "Zerstörer 1936" in der M.P.L. (Mittel-Pivot-Lafette) C/28 eingebaut, bei den Zerstörern der Klasse "Zerstörer 1936 A" fand die  M.P.L. C/34 Verwendung. Die Waffe hatte eine Rohrerhöhung von -10° bis +30° und wurde von Hand gedreht. Das Laden erfolgte manuell durch die 10-köpfige Bedienungsmannschaft, die hinter einem nach hinten offenen Schild halbwegs Schutz fand. Die Munition mußte von Aufzügen außerhalb der Geschütze geholt werden. Die v0 des Geschosses lag bei 830 m/Sek., die maximale Schußfolge bei 15-18 Schuß pro Minute, was aber eine kompetente Lademannschaft voraussetzte. Diese bestand aus:
1. dem Geschützführer
2. dem Seitenrichtmann
3. dem Höhenrichtmann
4. der Verschlußnummer
5. dem Schiebereinsteller
6. dem Aufsatzeinsteller
8. der Kartuschennummer
9. dem Hülsenauffänger
10. dem Ansetzer
Für die Beladung und für die Entnahme der Munitionsfördereinrichtung und zum Munitionstransport wurden zusätzliche Männer benötigt, die meist von der Heizer-Freiwache gestellt wurde. 
Die Rohrlänge betrug 5,76 m, das Gewicht der Kanone in der M.P.L. C/28 7.960 kg, in der M.P.L. C/34 10.220 kg. Die maximale Reichweite lag horizontal bei 17.400 m. Insgesamt handelte es sich um eine schnell und sicher arbeitende Waffe mit hoher Zuverlässigkeit. 

Mitte der 30er Jahre entwickelte die Firma Rheinmetall die 15-cm-Torpedoboots-SK C/36, die sogenannte "Torpedobootskanone". Die in Leichtbauweise gebaute Kanone wurde zuerst nur für Zerstörer, dann aber auch für die Schlachtschiffe der O-Klasse gebaut. Grund für die Entwicklung war der Gedanke, den deutschen Zerstörern eine überlegene Waffe beizugeben. Die zwei Ausführungen der Kanone waren einmal die 15-cm-Tbts-Kanone in (Einzel-)Tbts-Lafette C/36 und zum anderen die 15-cm-Tbts-Kanone in 15-cm-Drehlafette C/38 in Zwillingslafette. Die erste Version kam ab 1940 zum Einbau, die ersten Ausführungen der Zwillingslafette konnten erst 1942 ausgeliefert werden. Geladen wurde die Kanone von Hand, die Munition wurde über einen im Turmunterbau integrierten Munitionsaufzug zugeführt. Mit 65° Höhenricht-Fähigkeit hatte die Kanone eine gewisse Luftabwehrfähigkeit. Die v0 lag bei 835 m/Sek., die maximale Feuergeschwindigkeit lag bei 6-8 Schuß in der Minute. Die Rohrlänge betrug 7.165 mm, das Gewicht der Kanone in Einzellafette betrug 16.100 kg, in Zwillingslafette 60.400 kg. Der Turm der Einzellafette war in der Front mit 40 mm, an der Seite und Decke mit 6 mm gepanzert. Der Turm der Zwillingslafette war in der Front mit 30 mm, die Seiten und die Decke mit 20 mm und die Rückwand mit 15 mm gepanzert. Die maximale Reichweite lag horizontal bei 18.300 m.

Ein schon seit den 30er Jahren im Einsatz befindliches Geschütz war die 10,5-cm-SK C/32. Sie diente hauptsächlich als See- und Flugabwehrgeschütz. Da diese Kanone nie zum Einbau auf Zerstörern vorgesehen war, erhielt nur »Z 31« als Notbehelf für die zerstörte 10,5-cm-SK C/32. Die Kanone war nur bedingt für die Flugabwehr geeignet, die Bedienung fand hinter einem dreiseitigen Schutzschild Deckung. Die Mündungsgeschwindigkeit betrug 785 m/Sek., die Rohrlänge betrug 4.740 mm. Die maximale Reichweite betrug horizontal 15.175 m. Das Geschütz war mit Lafette 6.750 kg schwer.