Linienschiff  / Fernlenkschiff "Zähringen"

 

Schiffstyp:

Das Linienschiff "Zähringen" gehörte zur Wittelsbach-Klasse.


Namensgebung:

Benannt wurde das Linienschiff nach dem Geschlecht derer von Zähringen.

 

Schiffsdaten:

Kiellegung: 21. November 1899

Stapellauf: 12. Juni 1901

Indienststellung: 25. Oktober 1902

Bauwerft: Germania-Werft in Kiel

Besatzung: 683 Mann

Baukosten:

Verdrängung: 11.774 t Konstruktions-Verdrängung, 12.798 t Maximal-Verdrängung

Länge über alles: 126,8 m

Breite: 22,8 m

Tiefgang: 8,04 m maximal

Maschinenanlage: 3 stehende 3-zylindrige Dreifachexpansions-Kolbenmaschinen, 6 kohlegefeuerte Dampfkessel und 6 querstehende Zylinderkessel 1 vierflügelige Schraube Ø 4,5 m und 2 dreiflügelige Schrauben Ø 4,8 m

Anzahl der Wellen: 3

Leistung an den Wellen: 14.875 PSi

Höchstgeschwindigkeit: 17,8 kn

Fahrbereich: 5.500 sm bei 10 kn

Bennstoffvorrat: 1.800 t Kohle

Bewaffnung:

Seeziel-Artillerie: 4 SK 24-cm L/40 in zwei Doppeltürmen, 18 SK 15-cm L/40 in Kasematten, 12 SK 8,8-cm L/30, 12 x 37-mm Hotchkiss-Kanonen

Flak: keine

Torpedos: 6 x 45-cm Torpedorohre (1 Bug, 4 Seiten und 1 Heck, alle unter Wasser)

Wasserbomben: keine

Minen: keine

Flugzeuge: keine

Ortungsgeräte: keine

 

Kommandanten:

Oktober 1902 Kapitän zur See Reinhold Brussatis

September 1904 Kapitän zur See Georg Janke

September 1906 Kapitän zur See William Kutter

Oktober 1907 Kapitän zur See Wilhelm Sthamer

Oktober 1908 Kapitän zur See Georg Hebbinghaus


Mai 1912 Korvettenkapitän Müller-Palm


August 1912 Kapitän zur See Herwarth Schmidt von Schwind
 

August 1914 Kapitän zur See Herwarth Schmidt von Schwind

September 1914 Kapitän zur See Georg Scheidt

Dezember 1914 Kapitän zur See Karl Seiferling

August 1915 Kapitän zur See Ferdinand Bertram

November 1915 Kapitän zur See Max Schlicht

Juni 1918 Kapitän zur See Max Lutter

August 1918 Fregattenkapitän Otto Mock

 

Beschreibung des Schiffes:

Die Wittelsbach-Klasse war die Nachfolgeklasse der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse. Die Linienschiffe dieser Klasse besaßen zwei Zwillingstürme mit jeweils 2 x 24-cm-SK L/40 Geschützen. Eingebaut wurden wie bei der vorherigen Klasse die neuen Schnellladekanonen anstatt der Mantelringkanonen. Zudem besaßen die Schiffe eine starke, schnell feuernde Mittelartillerie. Die niedrige Panzerung der Seiten bestand aus einem verbesserten Kc-Stahl mit einer Tiefe von 300 mm. Der Gürtelpanzer hatte eine Stärke von 100 - 225 mm, die Zitadelle war 140 mm stark gepanzert, das Deck 50 mm stark und die Türme 50 - 250 mm stark.

 

Werdegang:

Das Linienschiff SMS "Zähringen" wurde am 25. Oktober 1902 in Dienst gestellt. Nach Beendigung der Probefahrten Mitte Februar 1903 wurde das Schiff als Ersatz für SMS "Brandenburg" dem I. Geschwader zugeteilt. Bereits im mai / Juni 1903 nahm das Schiff an der ersten Auslandsreise teil. Bis 1910 folgten die Übungen und Manöver des I. Geschwaders. Nach den Herbstmanövern 1910 war dann der erste Indienststellungsabschnitt beendet. Das Schiff wurde am 20. September 1910 außer Dienst gestellt und durch die SMS "Rheinland" ersetzt. In die Reserve versetzt, wurde das Schiff als außer Dienst befindliches Beischiff der Reservedivision der Nordsee zugeteilt. Diese wurde am 9. mai 1912 aufgelöst, so dass die Linienschiffe der Wittelsbach-Klasse jetzt die Reservedivision der Ostsee bildeten. Zur Überführung in seinen neuen Heimathafen nach Kiel stellte man das Schiff vom 9. bis 12. Mai 1912 kurzfristig wieder in Dienst. Zwischen dem 14. August und dem 28. September 1912 wurde SMS "Zähringen" erneut in Dienst gestellt, um dem III. Geschwader zugeteilt zu werden und mit diesem an einem Manöver teil zu nehmen. Dabei kam es am 4. September 1912 zu einem schweren Unfall, als die SMS "Zähringen" das Torpedoboot G 171 bei einem Durchbruchmanöver rammte, das daraufhin mit sieben Mann der Besatzung sank. Am 1. August 1914 stellte man die SMS "Zähringen" wieder in Dienst und teilte sie dem IV. Geschwader zu. Das Schiff nahm im Verband ihres Geschwaders am 26. / 27. August 1914 am vorzeitig abgebrochenen Vorstoß zur aufgelaufenen SMS "Magdeburg" sowie vom 3. bis 9. und 22. bis 26. September 1914 an den Vorstößen durch den O.d.O. in die östliche Ostsee teil. Vom 5. Dezember 1914 bis zum 2. April 1915 und vom 28. Mai bis 4. Juli 1915 war SMS "Zähringen" zum Sicherungs- und Vorpostendienst in der Nordsee eingesetzt. Anschließend verlegte das Schiff in die Ostsee, wo es an dem Unternehmen gegen den Rigaer Meerbusen teilnahm. Vom 9. bis 11. sowie vom 21. bis 23. September 1915 folgten Vorstöße in die Gewässer um Gotland. Anschließend verlegte das Schiff von Libau nach Kiel, wo es am 11. November 1915 mit reduzierter Besatzung der Bereitschaftsdivision der Ostsee zugeteilt wurde. Nach nur wenigen Tagen wurde die Besatzung durch Schiffsjungen von SMS "Kaier Barbarossa" wieder aufgefüllt und das Schiff diente als Zielschiff im Bereich der Torpedo-Inspektion. Als am 31. Januar 1916 die Bereitschaftsdivision der Ostsee aufgelöst wurde, wurde das Schiff der I. Marine-Inspektion zugeteilt und weiterhin als Ziel- und Ausbildungsschiff eingesetzt. Im Mai 1918 wurde es kurzzeitig im Sicherungsdienst in der Kleinen Belt eingesetzt. Vom 22. Juli bis zum 10. September 1918 erfolgte der Umbau des Schiffes zum Schiffsjungenschiff, die Arbeiten wurden jedoch im November 1918 abgebrochen. Am 29. November 1918 erreichte das Schiff Danzig, wo es außer Dienst gestellt wurde. Nach dem Krieg nicht an die Siegermächte ausgeliefert, wurde das Schiff am 11. März 1920 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und in Wilhelmshaven als Hulk verwendet. Das Schiff wurde von der Reichsmarine übernommen und in den Jahren 1926 - 1928 zu einem ferngelenkten Zielschiff umgebaut. Die aufbauten wurden so weit wie möglich entfernt, alle Öffnungen im Rumpf verschlossen und die wasserdichte Unterteilung des Rumpfes wurde verstärkt. Außerdem wurden in dem Schiff 1.700 t. Kork verbaut und eine geschützte Fernlenkanlage eingebaut. Diese Maßnahmen verringerten ihre Wasserverdrängung auf nur noch 11.800 Tonnen und den Tiefgang auf 7,9 m. Sie erhielt zwei funkgesteuerte Dampfkessel mit Ölfeuerung. Die beiden äußeren 3-Zylinder-Dreifachexpansions-Dampfmaschinen wurden ebenfalls mit Funksteuerung ausgerüstet und die Mittelmaschine mitsamt Welle und Propeller ausgebaut. Danach hatte sie nur noch die beiden Seitenwellen mit deren Schrauben. Ihre Höchstgeschwindigkeit betrug nur noch 13,5 Knoten. Die Besatzung, wenn das Schiff nicht als Ziel diente, zählte ganze 67 Mann.Der erste Einsatz des Schiffes erfolgte am 8. August 1928. Das Schiff wurde bis 1944 als Zielschiff eingesetzt. Geführt wurde das Zielschiff durch das Torpedoboot T 141 (Blitz) sowie das Torpedoboot T 185 (Blitz II). Unterstellt war das Schiff dem Fernlenkverband. Bei einem Luftangriff auf Gotenhafen am 18. Dezember 1944 wurde die "Zähringen" von Bomben getroffen, brannte aus und sank. Anschließend wurde das Schiff gehoben und provisiorisch abgedichtet, um am 26. März 1945 als Blockschiff vor der Hafeneinfahrt versenkt zu werden. 1949/50 wurde das Wrack gehoben und verschrottet.

 

Literatur und Quellen:

Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 1. München 1982

Hans Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 8. Mundus Verlag, Ratingen o.J.