Zerstörer Klasse Typ 36 A

 

Name Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Schicksal
Z 23 Deschimag, Bremen 15. November 1938 15. Dezember 1939 14. September 1940 außer Dienst: 21. August 1944
Z 24 Deschimag, Bremen 2. Januar 1939 23. Oktober 1940 23. Oktober 1940 versenkt: 25. August 1944
Z 25 Deschimag, Bremen 15. Februar 1939 16. März 1940 30. November 1940 an Frankreich: Februar 1946
Z 26 Deschimag, Bremen 1. April 1939 2. April 1940 11. Januar 1941 versenkt: 29. März 1942
Z 27 Deschimag, Bremen 27. Dezember 1939 1. August 1940 26. Februar 1941 versenkt: 28. Dezember 1943
Z 28 Deschimag, Bremen 30. November 1939 20. August 1940 9. August 1941 versenkt: 6. März 1945
Z 29 Deschimag, Bremen 21. März 1940 15. Oktober 1940 9. Juli 1941 an USA: 1946
Z 30 Deschimag, Bremen 15. April 1940 8. Dezember 1940 15. November 1941 an UK: 1946

 

Standartverdrängung Einsatzverdrängung Länge Breite
2603 - 2657 ts 3542 - 3694 ts 127 m 12 m

 

Tiefgang Bunkerinhalt Fahrstrecke Besatzung
3,92 m 788 - 812 ts 2500 - 2950 sm bei 19 kn 332

Antriebsanlage: sechs Wagner-Kessel, zwei Satz Deschimag-Getriebeturbinen, 2 Wellen.

Maschinenleistung: 70000 WPS; 36-38,5 kn.

Fahrbereich: 2.500 - 2.950 sm bei 19 kn

Geschütze: fünf 15 cm SK (1x2, 3x1), vier 3,7 cm Flak (2x2), fünf bis sieben 2 cm Flak (5-7x1).

Torpedorohre: acht 53,3 cm (2x4).

Seeminen: 60.

Besatzung: 332 Mann

 

Entwurf:

Infolge der Probleme, die sich widerstreitenden Entwurfsanforderungen aus verschiedenen Richtungen für einen zu atlantischer Verwendung vorgesehenen Zerstörer in Einklang zu bringen (der Zerstörer Typ 37) entschied der damalige Generaladmiral Raeder als ObdM, als Zwischenlösung den vorhandenen Entwurf Typ 36 weiterzuentwickeln. So entstand der Vorschlag, acht Schiffe auf der Grundlage eines modifizierten Schiffskörpers Typ 36 zu bauen, aber mit 15-em-Geschützen bewaffnet. (Eine dieser Einheiten - Z28 - wurde später mit zusätzlichen Unterbringungsmöglichkeiten zum Zerstörerführer abgeändert und wird weiter unten behandelt.) Diskussionen über den »totgeborenen« Entwurf Typ 37 hatten zu der ernsthaften Überlegungen von Doppeltürmen für Zerstörer geführt und es wurde die Entscheidung gefällt, diesen Entwurf vorn mit einem Leichtgewichts - Doppelturm auszurüsten. Dieser, so wurde angenommen wurde leichter sein als zwei Geschütze in Einzellafette mit zugehörigem Schutzdeck und könnte der richtige Weg zur Verringerung der Nässe und des Eintauchens des Bugs sein, zu dem die früheren Typen neigten.

Allerdings wurden die Abmessungen des Schiffskörpers gegenüber dem früheren Typ 36 nur unwesentlich verbessert (1,9 weniger Länge und nur 0,2 m in der Breite), nicht annähernd ausreichend, wie sich herausstellen sollte. Ganz abgesehen davon, wurden die sehr scharfen Linien des Schiffskörpers vorn beim Entwurf  36A beibehalten und da der neue Doppelturm L. Dreh. L. C/31 schließlich auf ein Gewicht von über 60 Tonnen kam, wurde es offensichtlich, daß Probleme entstehen würden. Dieser Doppelturm verursachte beträchtliche Schwierigkeiten. denn Produktionsverzögerungen führten bereits im Herbst 1938 zur Erkenntnis, daß die Schiffe fertig sein würden, ehe die Türme zur Verfügung stünden. (Als erste Einheit erhielt Z23 den Turm erst Anfang 1942.) Nachdem sie dann der Front zuliefen, ergab sich sehr schnell die Feststellung, daß die Türme nicht wasserdicht waren. Dadurch standen häufig die elektrischen Leitungen unter Wasser und Kurzschlüsse wurden verursacht. Ernster war jedoch der Umstand, daß die scharfe Linienführung des vorderen Schiffskörpers durch das schwere Gewicht, mit dem der Turm auf dem Vorschiff lastete, ungeeignet war. Dies hatte zur Folge, daß diese Schiffe vorn extrem naß waren. Solange der Turm nicht verfügbar war, wurde ein 15-cm-Geschütz in Einzellafette mit offenem Schild statt seiner eingebaut.

Ansonsten blieb die Bewaffnung dieselbe wie beim Typ 36; doch ein vergrößertes Flakdeck mittschiffs gestattete das Aufstellen von 2-em-Geschützen in Einzellafette direkt achteraus der 3,7-cm-Doppelflaks. Wie bei allen deutschen Zerstörern waren vier Reservetorpedos mittschiffs in verschließbaren Kisten an der Seite des Halbdecks untergebracht.

Die Hauptantriebs- und die Dampferzeugungsanlage glichen der des Typ 36, hatten aber durch die Beharrlichkeit des OKM ein geändertes Rädergetriebe erhalten. Dies führte zu einem weniger leistungsfähigen Entwurf, Die Steigerung beim Bunkerinhalt gewährte theoretisch einen verbesserten Fahrbereich und der Stauplan trug zu einer besseren Stabilität bei.

Der Auftrag für die sieben Einheiten erging am 23. April 1938 an Deshimag in Bremen. In der traditionellen Art deutscher Torpedofahrzeuge erhielten sie Nummern; die Bezeichnung der Einheiten vom Typ34 und Typ 36 mit Namen war ungewöhnlich gewesen.

Abänderungen:

In Anbetracht der Verzögerungen bei ihrer Fertigstellung erhielten die Einheiten dieser Klasse sofort Funkmeßgeräte, Dreibeinmasten und MES-Anlage. Fertig gestellt wurden diese Zerstörer mit der nicht vorgesehenen Bewaffnung aus vier 15-em-Geschützen in Einzellafette. Z 23 erhielt den Turm im Februar 1942, Z24 Ende 1942 und Z25 in der zweiten Jahreshälfte 1943. Z2 6 und Z 27 gingen beide vor dem Einbau des Turmes verloren und Z 29 wurde als letzte Einheit Anfang 1945 damit ausgerüstet; Z 30 erhielt keinen.

Die Verstärkung der Flakbewaffnung erfolgte zunächst durch eine zusätzliche 2-cm-Vierlings-Flak über dem Vorraum der vorderen Munitionsumladekammer etwa 1942 und später durch einen zweiten Vierling über dem Vorraum der achternen Munitionsumladekammer zwischen dem Geschütz 2 und 3, als der achterne Mast einen neuen Standort erhielt. Zusätzliche 2-cm-Geschütze wurden auf der Back und auf dem achternen Schutzdeck unter dem Rohr des Geschützes 3 aufgestellt. Z24 wurde im Juni 1944 in Brest mit zwei 2-cm-Vierlings-Flaks mittschiffs ausgerüstet.

Als die allgemeine Verstärkung der Flakbewaffnung der Flotte (Deckname »Barbara«) 1944 ins Auge gefaßt wurde, sollten die Zerstörer vom Typ36A wie folgt beträchtlich modifiziert werden: vierzehn 3,7cm (6x2, 2x1), zehn 2cm (3 x2, 1x4), vier 8,6-cm-Raketen-Abschußgeräte M421M43. Die 3,7-cm-Geschütze in Doppellafette sollten vor der Brücke, mittschiffs (hier auch die beiden Einzellafetten) und anstelle des Geschützes 2 aufgestellt werden. Die 2-cm-Doppelflaks sollten ihren Platz am Bug und in den Brückennocken erhalten; die 2-em-Vierlingslafette wie zuvor achtern bleiben. Mittlerweile existierten einsatzbereit nur noch Z25, Z29 und Z30.Z29 (noch immer ohne den Doppelturm) mußte das Geschütz 2 behalten, bekam aber achtern zwei zusätzliche 2-cm-Doppelflaks. Als der Krieg endete, besaßen an Bewaffnung:

Z 25 fünf 15 cm (1x2, 3x1), zehn 3,7cm (4x2, 2x1), zwanzig 2cm (6x2, 2x4);
Z 29 fünf 15 cm (1x2, 3x1), elf 3,7cm (4x2, 3x1), 21x2 cm (3x4, 4x2, lx1);
Z 30 vier 15 cm (4x1), sieben 3,7 cm (2x2< 3x1), vierzehn 2cm (6x1, 2x2, 1x4).

Z29 kann möglicherweise auch zwei 5,5-cm-Geschütze in Einzellafette mittschiffs erhalten haben; aber der fotografische Nachweis ist in diesem Punkt nicht klar. Die Werftliegezeiten begannen erst November/Dezember 1944 und wurden bei Z29 niemals beendet. Z30 ging überhaupt nicht in die Werft, denn der Zerstörer erhielt am 20. Oktober 1944 im Skagerrak vor dem Oslo-Fjord einen Minentreffer und wurde sehr schwer beschädigt. Vor dem Kriegsende kam es zu keiner vollständigen Reparatur mehr und das Schiff verblieb in Norwegen.

Die ursprüngliche FuMO-21-Funkmeßausrüstung auf der Brücke ersetzte auf den noch vorhandenen Einheiten vom Sommer 1943 an das größere FuMO 25. Im Sommer 1944 erfolgte dann die Ausrüstung mit dem FuMO 63K »Hohentwiel« direkt achteraus des zweiten Schornsteins. Daneben waren noch die üblichen FuMB-Anlagen zur Passivortung vorhanden.

Werdegang:

Die Einheiten dieser Klasse bildeten die 1. Z- Flottille, bekannt als die 8. "Narvik"-Zerstörerflottille zur Erinnerung an die im April 1940 verloren gegangenen Schiffe. Bis zum März 1941 waren nur die ersten drei Einheiten in ausreichender Weise eingefahren, um die Sicherung des Schweren Kreuzers Admiral Hipper auf dem Weg nach Norwegen zu übernehmen, Dabei zeigte schlechtes Weiter die Schwächen des Entwurfs - sogar noch ohne Turm an Bord - auf. Z23 und Z24 wurden im Juni 1941 nach Frankreich befohlen und operierten dort mit der 6. Flottille, kehrten aber im Oktober 1941 zu ihrer eigenen Flottille nach Deutschland zurück. Bis zum Ende des Jahres befanden sich Z23-Z27 in Nordnorwegen, stationiert in Kirkenes, von wo aus sie mit nur geringem Erfolg Vorstöße entlang der Älurman-Küste durchführten. Ende Januar 1942 verlegte die Flottille zurück nach Deutschland. Nach der Teilnahme von Z25 und Z29 am Unternehmen «Cerberus« kehrten Z24, Z25 und Z26 Ende März 1942 in die Arktis zurück und bildeten die « Zerstörergruppe Arktis«, Alle drei Einheiten unternahmen einen Vorstoß gegen den Geleitzug PQ 13, in dessen Verlauf sie auf den britischen Leichten Kreuzer TRINIDAD stießen, der Z26 manövrierunfähig schoß und mit Treffern im Maschinenraum versenkte, nachdem der Großteil der Zerstörergeschütze ausgefallen war. (s. die Aufnahmen auf der Bilder-Seite. Z 26) Die beiden anderen Zerstörer konnten noch die Besatzung von Z26 abbergen. Bei dem Versuch, Z26 mit einem Torpedo als Fangschuß zu erledigen, wurde TRINIDAD selbst von ihrem eigenen Torpedo (Kreisläufer) getroffen und war gezwungen, das Gefecht abzubrechen. Im April 1942 griffen Z24 und Z25 zusammen mit der HERMANN SCHOBMANN (Typ34) den britischen Leichten Kreuzer EDINBURGH an, wobei der letztere verloren ging. Doch weder Z24 noch Z25 gelang es, den Kreuzer zu torpedieren; sie beschädigten ihn jedoch so schwer, daß er versenkt werden mußte.

Bis Mitte 1942 lagen Z24, Z27, Z29 und Z30 in Narvik und Z23, Z25, Z27, Z29 und Z30 stießen im September in die Barentssee zu einer Minenunternehmung vor. Im Dezember 1942 nahmen Z29 und Z30 an der mißglückten Unternehmung »Regenbogen« teil (siehe oben). Z23, Z24 und Z25 verlegten im März 1943 nach Westfrankreich, beauftragt mit der Sicherung von Blockadebrechern und U-Booten im Golf von Biskaya, in November 1943 stieß auch Z27 zu ihnen, die aber im darauf folgendem Monat im Gefecht mit den britischen Leichten Kreuzern GLASGOW und ENTERPRISE bei dem Versuch versenkt wurde. einen erwarteten, einkommenden Blockadebrecher aufzunehmen. Im Gefecht mit britischen, kanadischen und polnischen Zerstörern (TARTAR, ASHANTI, HURON, HAIDA, BLYSKAWICA, ESKIMO, PIORUN und JAVELLIN) wurde am 8.79. Juni 1944 Z24 bei dem Versuch, in den Invasionsraum vorzustoßen, beschädigt und am 25.August 1944 durch Bomben der RAF in der Gironde versenkt. Auch Z23 erlitt schwere Beschädigungen am 12. August durch Bombentreffer und wurde danach am 21. August außer Dienst gestellt.

Damit waren nur noch Z25, Z29 und Z30 von dieser Klasse übrig geblieben. Die beiden letzteren befanden sieh in der Arktis, wo sie zusammen mit dem später versenkten Zerstörer Z27 am Vorstoß nach Spitzbergen - Unternehmen «Sizilien« - teilgenommen hatten, Später sicherten sie das Schlachtschiff Scharnhorst bei seiner letzten Unternehmung im Dezember 1943. Z25 operierte für den Rest des Krieges in der Ostsee und im Rigaischen Meerbusen, während Z30 ab Mai 1944 im Skagerrak eingesetzt war, bis der Zerstörer im Oktober desselben Jahres durch einen Minentreffer ausfiel. Z29 kehrte im Januar 1945 nach Deutschland zurück, um eine Werftliegezeit durchzuführen, und hatte am restlichen Verlauf des Krieges keinen Anteil mehr. Nach dem Kriege gehörte Z25 als HOCHE bis 1958 zur französischen Marine. Die von den USA übernommene Z29 wurde zusammen mit dem Leichten Kreuzer Leipzig - beladen mit Gasmunition - am 16. Dezember 1946 durch ein Sprengkommando im Skagerrat versenkt. Die nicht mehr einsatzbereite Z30 wurde von September 1948 an in Großbritannien abgewrackt.