Focke-Wulf Ta 154

 

Als Inspiration für dieses Flugzeug diente der englische »Mosquito«. Die neue Maschine sollte in der Lage sein, diesen schnellen und vor allem sehr hoch fliegenden Eindringling erfolgreich abfangen zu können. Da diese Maschine extrem leicht sein mußte, kam als Baustoff nur Holz in Frage. Die Entwicklung lief anfangs unter der Bezeichnung Ta 211, die später in Ta 154 geändert wurde.

Bei Focke-Wulf wurden folgende Grundversionen ausgearbeitet:

Ta 154 A-1 Zweisitziger Tagjäger

Ta 154 A-2 Einsitziger Tagjäger

Ta 154 A-3 Zweisitziger Tagjäger

Ta 154 A-4 Zweisitziger Nachtjäger

Das Reichsluftfahrtministerium entschied sich schließlich für die letzte Ausführung, die dann als A-1 mit Nachtjagdausrüstung in Serie gehen sollte. Wegen der herrschenden Materialengpässe sollte die Maschine in Ganzholzbauweise erstellt werden. Um genaue Unterlagen über die Festigkeitseigenschaften und -grenzen des Baustoffes Holz zu bekommen, wurden im Frühjahr 1943 auf dem Alatsee bei Füssen Unterwasser-Versuche unternommen.

Der erste Prototyp, die Ta 154 V-1, startete bereits am 7. Juli 1943 zu ihrem Erstflug. Danach ging die Maschine nach Rechlin zum Vergleichsfliegen mit He 219 und Ju 388. Da sie mit den verwendeten Jumo 211-Triebwerken fast 700 km/h erreichte, war sie schneller als ihre allerdings voll bewaffneten und mit Nachtjagdausrüstung versehenen Konkurrenten.

Der Prototyp Ta 154 V-2 war immer noch mit dem Jumo 211-Triebwerk ausgestattet. Diese Maschine diente zum Mustereinbau der Bordwaffen. Dadurch sank die Geschwindigkeit um etwa 10 %. Bei Schießversuchen lösten sich die seitlichen Verkleidungsbleche, so daß diese wesentlich verstärkt werden mußten. Als das Reichsluftfahrtministerium den Serienbau von 250 Maschinen ansetzte, wurde der dritte Prototyp, die Ta 154 V-3 mit dem neuen Jumo 211 R-Triebwerk ausgestattet. Diese Maschine wurde dann auch zur Mustermaschine für die A-0-Serie. Insgesamt wurden 65 Maschinen aller Typen inklusive Prototypen gebaut.

Focke-Wulf Ta 154 V-l, TE+FE, Jumo 211 R

Focke-Wulf Ta 154 V-2, TE+FF, Jumo 211 R

Focke-Wulf Ta 154 V-3, TE+FG, Erstflug 25.11.1943, erste bewaffnete Ausführung: Zwei MK 108 und zwei MG 151/20, Jumo 213, »Liechtenstein« C 1

Focke-Wulf Ta 154 V-4 bis V-7 Versuchsträger für Waffeneinbau und Ortungsgeräte, Anfang 1944

Focke-Wulf Ta 154 A-Reihe

Wegen der immer schwer werdenden alliierten Luftangriffe sollte die Fertigung der Ta 154 dezentral gestaltet werden. Für die Fertigung einzelner Komponenten standen die Werke in Hannover-Langenhagen, Erfurt-Nord und Posen zur Verfügung, während Focke-Wulf die Endmontage zu übernehmen hatte.

Focke-Wulf Ta 154 V-8 bis V-l5 = Ta 154 A-0 Vorserie, sämtlich mit »Liechtenstein« SN 2. V-l5 = TQ+XE

Als Schwachpunkt der Konstruktion erwies sich das Fahrwerk. Durch Fahrwerksschäden gingen zu Bruch: Ta 154 V-1 am 31. Juli 1943, V-4 am 18. Februar 1944, V-3 am 28. Februar 1944, V-5 am 7. April 1944, V-9 am 18. April 1944 und am gleichen Tage auch V-12.

Focke-Wulf Ta 154 A-0

Die Vorserienproduktion begann im Spätherbst 1943 in Erfurt. Insgesamt wurden acht Maschinen gebaut und der technischen Versuchseinheit übergeben. Diese kritisierte die schlechte Sicht in der tiefliegenden Kanzel. Im Rahmen des Versuchsprogramms wurden in der Nase der Ta 154 V-3 die Antennen des Funkgeräts »Liechtenstein« C-1 Nachtsuchgerät eingebaut. Mit diesem Umbau hieß die Maschine Ta 154 A-0/U 1.  Mit diesem Gerät, den für die Serie vorgesehenen Triebwerken und voll bewaffnet erreichte die A-0/U 1, die am 25. November 1943 ihren Erststart durchführte, eine Geschwindigkeit von 620 km/h.

Focke-Wulf Ta 154 A-1

Kurz nach Produktionsbeginn dieser Serie zeigte sich, daß der verwendete Kaltleim neben den Klebestellen das Holz zerfraß. Erst nach ausgiebigen Versuchen konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Die Maschinen der A-1-Serie erhielten so auch die neue Haube, die für bessere Sicht sorgte. Insgesamt wurden nur zehn Maschinen gebaut, von denen zwei gleich bei den ersten Flügen zu Bruch gingen, worauf das Reichsluftfahrtministerium die Produktion stoppte. Die verbleibenden acht Maschinen gingen ohne das geplante SN-2-Nachtsuchgerät an die Truppe zum Nachtjagdgeschwader 3.

Typ: Zweimotoriger Nachtjäger

Flügel: Freitragender Schulterdecker. Einteiliger Trapezflügel mit gerader Vorderkante als Ganzholzschale. Gesamte Hinterkante als Klappen ausgebildet, außen als Querruder, innen als zweiteilige Schlitz-Landeklappen. Motorengondeln aus Leichtmetall.

Rumpf: Einteilige Ganzholzschale mit ovalem Querschnitt und fest mit dem Rumpf verbundener Seitenflosse.

Leitwerk: Normal, freitragend. Seitenflosse aus Holz starr mit dem Rumpf verbunden, aerodynamisch ausgeglichenes Seitenruder als Metallgerüst mit Stoffbespannung. Höhenleitwerk aus Metall. Verstellbare Höhenflosse mit Blechbeplankung, aerodynamisch und gewichtlich ausgeglichenes Höhenruder stoffbespannt. Sämtliche Ruder mit Trimmruder.

Fahrwerk: Einziehbares Dreiradfahrwerk. Alle Räder hydraulisch nach hinten einfahrbar, dabei Drehung des Bugrades um 90°.

Triebwerk: Zwei Junkers Jumo 211 R flüssigkeitsgekühlte Zwölfzylinder-A-Motoren mit 2 x 1.500 PS Startleistung. Ringkühler und zylindrische Abdeckung. Dreiblatt-Verstell-Luftschrauben. Zwei Kraftstoffbehälter im Rumpf hinter der Kabine mit einer Kapazität von 1.500 Liter, Schmierstoff 230 Liter.

Besatzung: 2 Mann, bestehend aus Pilot und Funker, hintereinander in geschlossener und gepanzerter Kabine vor dem Flügel. Panzerung im Bug 12 mm, an den Seiten 8 mm. Frontscheibe der Kabine 50 mm Panzerglas, Seitenscheiben 30 mm.

Militärische Ausrüstung: 2 x 30 mm MK 108 (110 Schuß je Kanone) und 2 x 20 mm MG 151/20 (200 Schuß je Kanone) in den Rumpfseitenwänden, starr nach vorne schießend. 2 x 30 mm MK 108 als »Schräge Musik« auf dem Rumpf schräg nach oben schießend vorgesehen.

Focke-Wulf Ta 154 C-Reihe

Die C-Reihe stellte eine leistungsmäßig verstärkte Abwandlung der Ta 154 A-Reihe dar. Sie hatte zwei Jumo 213 A-Triebwerke, einen Rumpfbug aus Metall und eine vollkommen neue Abdeckhaube, welche auf dem Führersitz aufgesetzt war. Die Untervarianten C-1 und C-2 waren Nachtjäger bzw. Tagjäger. Sie wurden nach dem Produktionsstop der A-Reihe aber auch nicht mehr produziert.

Focke-Wulf Ta 154 C-1

Nachtjäger mit Schleudersitz für den Piloten. Die Bewaffnung sollte aus vier MK 108 im Rumpfbug und zwei MK 108 auf dem Rumpf als »Schräge Musik« bestehen. Der Flügel war zur Aufnahme von zwei weiteren Kraftstoffbehältern von je 220 Liter Inhalt umkonstruiert worden.

Focke-Wulf Ta 154 C-2

Tagjagdausführung mit einer Bewaffnung von sechs MK 108 im Bug.