Linienschiff  "Preußen"

 

Schiffstyp:

Das Linienschiff "Preußen" gehörte zur Braunschweig-Klasse.


Namensgebung:

Benannt wurde das Linienschiff nach dem Land Preußen.

 

Schiffsdaten:

Kiellegung: April 1902

Stapellauf: 30. Oktober 1903

Indienststellung: 12. Juli 1905

Bauwerft: AG Vulkan, Stettin

Besatzung: 743 - 822 Mann

Baukosten:

Verdrängung: 14.394 t Maximal-Verdrängung

Länge über alles: 127,73 m

Breite: 22,2 m

Tiefgang: 8,18 m maximal

Maschinenanlage: 3 stehende 3-zylindrige Dreifachexpansions-Kolbenmaschinen, 14 öl-/kohlegefeuerte Dampfkessel (davon 6 Zylinderkessel) 8 Zylinderkessel, 2 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Anzahl der Wellen: 2

Leistung an den Wellen: 16.980 PSi

Höchstgeschwindigkeit: 18,5 kn

Fahrbereich: 5.200 sm bei 10 kn

Bennstoffvorrat: 1.670 t Kohle und 240 t Öl

Bewaffnung:

Seeziel-Artillerie: 4 SK 28-cm L/40 in zwei Doppeltürmen, 14 SK 17-cm L/40 in Kasematten, 18 SK 8,8-cm L/35

Flak: keine

Torpedos: 6 x 45-cm Torpedorohre

Wasserbomben: keine

Minen: keine

Flugzeuge: keine

Ortungsgeräte: keine

 

Kommandanten:

Juli 1905 Kapitän zur See Joachim Bredow

September 1906 Kapitän zur See Freiherr von Schimmelmann

Oktober 1907 Kapitän zur See Schütz

September 1909 Kamitän zur See Seiferling

Oktober 1912 Constanz Feldt

August 1915 Kapitän zur See Frey

August 1916 Kapitän zur See Ewers i.V.

August 1916 Kapitän zur See Frey

Dezember 1916 Kapitän zur See Kettner

März 1917 Fregattenkapitän Lutter


August 1919 Kapitänleutnant Fritz Pungs
 

Beschreibung des Schiffes:

Die Schiffe der Braunschweig-Klasse waren deutlich schwerer als ihre Vorgänger, die Schiffe der Wittelsbach-Klasse. Ausgerüstet waren die Schiffe mit 28-cm Schnelladekanonen, die erstmals bei diesem Schiffstyp eingesetzt wurde. Die Mittelartillerie erhielt erstmals Geschütze vom Typ 17-cm SK L/40. Die Geschütze waren in Kasematten aufgestellt. Die Kesselanlage war auf allen Schiffen der Klasse identisch und hatte eine gemischte Zusammensetzung aus sechs Zylinderkesseln, die den vorderen Kesselraum belegten, und je vier Marinekesseln (einem nach Vorgaben der Marine entwickelten Einheitstyp) im mittleren und hinteren Kesselraum. Alle Kessel waren ursprünglich kohlegefeuert; erst im Winter 1915 wurde eine Zusatzfeuerung für Schweröl eingebaut. Die Gürtelpanzerung war 225 mm stark, die Türme waren 250 mm stark gepanzert, die Zitadelle 140 mm, das Deck 40 mm und die Böschung 75 mm.

 

Werdegang:

Das Linienschiff SMS "Preußen" schloß bis Ende September 1905 seine Erprobungsfahrten ab und wurde am 1. Oktober 1905 als Flaggschiff in das II. Geschwader eingegliedert. Das Schiff nahm in den folgenden Jahren an den Manövern des Geschwaders teil. Am 15. Februar 1906 schiffte sich Kaiser Wilhelm II. auf SMS "Preußen" ein, um in Kopenhagen an der Beerdigung für den dänischen König Christian IX. teilzunehmen. Bei der Atlantikreise der Flotte im Juli und August 1908 besuchte SMS "Preußen" Las Palmas. Im Frühjahr 1909 wurde das Schiff zum Eisnotdienst vor der holsteinischen Küste herangezogen. Bei der Atlantikreise 1909 besuchte SMS "Preußen" den Hafen von El Ferrol. Ende 1914 sollte SMS "Preußen" eigentlich zur Reservedivision der Ostsee kommen, was jedoch durch den Beginn des Ersten Weltkrieges nicht geschah. Das II. Geschwader wurde zum Vorposten- und Sicherungsdienst von Wilhelmshaven aus in der Deutschen Bucht eingesetzt. Am 14. März 1915 gab SMS "Preußen" ihren Dienst als Geschwaderflaggschiff auf und lief in die Werft. Nach dem Werftaufenthalt kehrte das Schiff zum II. Geschwader zurück. Am 16. März 1917 wurde SMS "Preußen" aus dem Vorposten- und Sicherungsdienst entlassen. Das Schiff wurde noch kurz vor Swinemünde zur Eishilfe eingesetzt und am 8. Mai 1917 außer Dienst gestellt. Die Besatzung wurde weitgehend auf den Schlachtkreuzer SMS "Hindenburg" übernommen. SMS "Preußen" wurde desarmiert und bis Kriegsende als Beischiff der III. U-Flottille in Wilhelmshaven eingesetzt.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Schiff dem Deutschen Reich belassenund in der Reichswerft in Wilhelmshaven zum Mutterschiff für flachgehende Minenräumboote (F-Boote) umgebaut. Als solches fuhr die "Preußen" für die 8. und 9. Nordsee-Minensuch-Halbflottille. Da das Schiff jedoch topplastig war, wurde es im Dezember 1919 vom Kleinen Kreuzer "Arcona" abgelöst. Ohne weitere Verwenung verblieb das Schiff bis zum 5. April 1929 im Bestand der Reichsmarine. 1931 wurde das Schiff zum Abwracken verkauft. Ein 63 m langes Mittelstück wurde später von der Reichsmarine zurück gekauft und bis April 1945 für Sprengversuche verwandt.

 

Literatur und Quellen:

Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 1. München 1982

Hans Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 8. Mundus Verlag, Ratingen o.J.