Maschinenpistolen

 

Maschinenpistolen sind vollautomatische Handfeuerwaffen zum Verschuss von Pistolenmunition. Diese Art von Waffen sind zur Bekämpfung von Zielen in geringer Entfernung bestimmt und dienten während des Zweiten Weltkrieges auch zur Verstärkung der Feuerkraft von Infanterieeinheiten im Nahkampf. 

Während des Ersten Weltkrieges entwickelten Hugo Schmeisser und Theodor Bergmann die Maschinenpistole Bergmann MP 18. Diese Waffe wurde speziell für den Grabenkrieg entwickelt. Sie konnte von einem Mann bedient werden. Außerdem waren mit ihr gezielte Feuerstöße aus der Bewegung möglich, beides Eigenschaften, welche die Waffe von anderen der damaligen Zeit abhob. Die Waffe war ein Rückstoßlader mit Masseverschluss und hatte ein Gesamtgewicht von 4,2 kg . Sie war 815 mm lang bei einer Lauflänge von 196 mm. Verschossen wurde das Kaliber 9 mm Parabellum, wobei die Munition durch ein Trommelmagazin mit 32 Schuss zugeführt wurde. Dieses Trommelmagazin war ein Schwachpunkt der Waffe, da es sehr unhandlich und nur mit Spezialwerkzeug zu laden war. Es wurde durch ein Stangenmagazin mit 20 Schuss abgelöst. Die Kadenz betrug 400 – 500 Schuss in der Minute.  Produziert wurde die Waffe bis in das Jahr 1920. Anschließend war es dem Deutschen Reich durch den Versailler Vertrag verboten, automatische Waffen herzustellen.

Eine Weiterentwicklung der MP 18 war die Maschinenpistole MP 28. Diese Waffe wurde ebenfalls von der Firma Bergmann in Suhl produziert und in den deutschen Polizeiverbänden eingesetzt. Ein Großteil der Produktion wurde jedoch in das Ausland exportiert. In Belgien wurde die Waffe bei der Firma Bayard in Lizenz produziert. Die Waffe war ein Rückstoßlader mit Masseverschluss und hatte ein Gesamtgewicht von 4,0 kg . Sie war 813 mm lang bei einer Lauflänge von 200 mm. Verschossen wurde das Kaliber 9 mm Parabellum, wobei die Munition durch ein Stangenmagazin mit 20, 32 oder 50 Schuss zugeführt wurde. Die Kadenz betrug 400 – 450 Schuss in der Minute.  Neuartig an der Waffe war die Wahl zwischen Einzel- und Dauerfeuer. Die Waffe verfügte zudem über eine Bajonett-Halterung rechts und wurde ab 1928 produziert. Die Reichswehr und auch die Wehrmacht zeigten wenig Interesse an dieser Waffe, so dass diese  in Deutschland nur bei Polizeieinheiten verwandt wurde. Während des Spanischen Bürgerkrieges kam die Waffe, meist aus belgischer Produktion, ebenfalls zum Einsatz. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die MP 28 auf deutscher Seite bei örtlichen Besatzungstruppen sowie bei der  Polizei und dem SD eingesetzt. Nach der Besetzung der Niederlande wurden die dort übernommenen Waffen aus belgischer Produktion mit der Bezeichnung Maschinenpistole 740(b) von der Wehrmacht übernommen. Sie waren mit denen aus deutscher Fertigung identisch.

Auf der MP 18 basierte die bei Rheinmetall entwickelte Maschinenpistole Steyr-Solothurn S1-100. Da es dem Deutschen Reich nach dem Versailler Vertrag verboten war, automatische Waffen herzustellen, erwarb die Firma Rheinmetall 1929 die Schweizer Waffenfabrik Solothurn und entwickelte dort den Prototyp der S1-100. Wegen der ungenügenden Kapazität der Waffenfabrik Solothurn für die Massenproduktion erwarb Rheinmetall einen Mehrheitsanteil an den österreichischen Steyr-Werken und brachte so die Waffe über die Steyr-Solothurn Waffen AG auf den Markt. Die Waffe war ein Rückstoßlader mit unverriegeltem Masseverschluss und hatte ein Gesamtgewicht von 4,25 kg . Sie war 850 mm lang bei einer Lauflänge von 200 mm. Die Feder wurde über eine Schubstange im hölzernen Schaft gelagert. Zugang zur Abzugseinheit, dem Verschluss und dem Schlagbolzen erlangte man über einen nach vorn aufklappbaren Gehäusedeckel. Der Feuerwahlhebel und die Sicherung befanden sich links am Gehäuse. Die Sicherung erfolgte über eine Bolzenverriegelung. Diese Verriegelung wirkte sowohl bei gespannter als auch bei entspannter Waffe. Verschossen wurde das Kaliber 9 mm Parabellum, 9 mm Steyr und 9 mm Mauser Export, wobei die Munition durch ein Stangenmagazin mit 20 oder 32 Schuss zugeführt wurde. Die Magazine wurden, leicht nach vorn angewinkelt, auf der linken Gehäuseseite horizontal eingeschoben. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, ein volles Magazin horizontal oder ein leeres Magazin vertikal von unten einzuschieben. Das leere Magazin kann dann mit Ladestreifen zu jeweils 8 Schuss geladen werden Die Kadenz betrug  450 Schuss in der Minute. Die Waffe hatte mehrere auffällige Merkmahle. Dazu gehörten der stabile, von Längsschlitzen durchbrochene Kühlmantel des Laufes, die massive Schäftung mit wuchtigem Holzkolben und für die Schießhand sehr griffige Form, der Platz, an dem dich der Magazinschaft befand sowie der hinter dem Abzug gelegene Hebel zum selbsttätigen Umstellen von Einzel- auf Dauerfeuer. Die Waffe verfügte zudem über eine Bajonett-Halterung rechts und wurde ab 1928 produziert. 1930 wurde die Waffe als Steyr MP30 bei der österreichischen Polizei eingeführt. Die österreichische Arme führte die Waffe als Maschinenpistole MP 34 mit dem Kaliber 9 x 25 mm ein. Außerdem wurde die Waffe nach Chile, Bolivien, El Salvador, Uruguay und Venezuela exportiert. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 wurde die Waffe mit dem Kaliber 9 x 19 mm und der Bezeichnung Maschinenpistole MP 34(ö) in die Wehrmacht und die SS übernommen. 1938 kaufte Portugal die Waffe im Kaliber 7,65 mm Luger und der Bezeichnung  m/938. 1941 und 1942 wurden weitere Waffen, diesmal im Kaliber 9 × 19 mm, nach Portugal exportiert, die dort unter der Bezeichnung m/942 verwendet wurden. In Portugal fanden die Waffen noch bis in die 1970er-Jahre Verwendung.

Die Maschinenpistole MP 35 war eine Weiterentwicklung der Maschinenpistole MP 34 und unterschied sich von dieser nur in Details. Die Länge der Waffe betrug nun 840 mm und wog 4,3 kg. Die Lauflänge betrug 260 mm und das Magazin hatte eine Kapazität von 32 Schuss. 

Ebenfalls auf der MP 18 basierte die Maschinenpistole Vollmer-Erma. Die Waffe entstand in Zusammenarbeit mit Dienststellen der Reichswehr, die sich jedoch dann wieder zurückzogen. Die Waffe war ein Rückstoßlader mit unverriegeltem, gefedertem Masseverschluss und hatte ein Gesamtgewicht von 4,00 kg. Sie war 902 mm lang bei einer Lauflänge von 252 mm. Die Waffe war Massegekühlt, was bedeutete, dass sie einen dicken, konisch zulaufenden Lauf hatte, der durch seine Masse nicht zu heiß wurde und deshalb auch nicht gekühlt werden musste. Verschossen wurde das Kaliber 9 mm Parabellum, wobei die Munition durch ein Stangenmagazin mit 32 Schuss zugeführt wurde. Es gab jedoch auch Modifikationen für 9 mm Bergmann-Bayard, 7,65 mm Parabellum und 7,63 mm Mauser. Die Waffe wog leer 4,0 kg, die Kadenz betrug 600 m/s. Die Waffe wurde von Heinrich Vollmer, Besitzer einer Maschinenfabrik in Biberach, entwickelt und anschließend bei der Firma Erma in Erfurt produziert. Die Waffen wurden nach Frankreich, China, Mexiko, Spanien und Jugoslawien exportiert, wobei diese Waffen mit einem luftgekühlten Lauf ausgestattet waren. Die Waffe wurden von Sicherungsverbänden der Wehrmacht eingesetzt. Nach dem Westfeldzug wurden die in Frankreich erbeuteten Waffen als Maschinenpistole 740 (f) von der Wehrmacht übernommen.

Eine Weiterentwicklung der Maschinenpistole Vollmer-Erma war die Maschinenpistole Erma EMP. Sie wurde in den Jahren 1931 bis 1938 hergestellt. Die Waffe war ein Rückstoßlader mit unverriegeltem, gefedertem Masseverschluss. Auf Grund der besonderen Konstruktion ihrer Schließfeder (Stabilisierung der Schließfeder mittels Teleskoprohres) hatte die Waffe ein ungewöhnlich langes Verschluss-Stück. Die Waffen hatten einen Lauf mit radialen Kühlrippen und einem Mantel, der ihn umhüllt, mit länglichen Kühlschlitzen. Die Waffe wurde in vier Versionen gefertigt:
Standardmodell mit kurzem Lauf und ohne Aufplatzvorrichtung für ein Bajonett. Diese Waffen waren 892 mm lang, 4,1 kg schwer und hatten eine Lauflänge von 250 mm.
Version mit langem Lauf und Bajonettarretierung. Diese Waffen waren 950 mm lang bei einer Lauflänge von 308 mm
Version ohne hölzernen Pistolengriff
Spezialversion mit Schalldämpfer. Diese Waffen waren 1.187 mm lang, 4,74 kg schwer und hatten eine Lauflänge von 248 mm.
Alle Versionen waren für Einzel- und Dauerfeuer eingerichtet. Die Feuerart wurde durch Daumendruck am Feuerwahlhebel eingestellt. Die Munition, je nach Modifikation Patronen des Kalibers 9 mm Parabellum oder Bergmann-Bayard, 7,65 mm Parabellum oder 7,63 mm Mauser wurden aus einem von der linken Seite ansetzbaren, geraden Stangenmagazin zugeführt. Die Magazine hatten eine Kapazität von 20 und 32 Schuss. 
Diese Waffe wurde ab 1936 von der deutschen Polizei und Formationen der SS eingeführt. Außerdem wurde sie im Spanischen Bürgerkrieg von deutscher und italienischer Seite eingesetzt. Produziert wurde die Waffe nicht nur in Deutschland, sondern auch in Spanien und der Schweiz.

Nach den während des Spanischen Bürgerkrieges gemachten Erfahrungen in Bezug auf Maschinenpistolen erging im Januar 1938 durch das Heereswaffenamt ein Entwicklungsauftrag an die Firma ERMA zur Entwicklung einer Maschinenpistole für die Verbände der Wehrmacht. Während der Konstruktion wurde auf die Möglichkeit einer kostengünstige Massenfertigung geachtet.  Die entwickelte Waffe mit der Bezeichnung Maschinenpistole MP 38 bestand komplett aus Metall und Kunststoff, Holz fiel ganz weg. Die Waffe war ein Rückstoßlader mit Masseverschluss und hatte ein Gesamtgewicht von 4,2 kg . Sie war 856 mm lang (mit eingeklappter Schulterstütze 630 mm) bei einer Lauflänge von 250 mm. Verschossen wurde das Kaliber 9 mm Parabellum, wobei die Munition durch ein Stangenmagazin mit 32 Schuss zugeführt wurde. Die Kadenz betrug 500 Schuss in der Minute.  Gefertigt wurde die Waffe ab 1938. Neu war auch, daß das Magazin von unten eingeführt wurde, was für die Panzerbesatzungen von Vorteil war. Das verhältnismäßig lange Stangenmagazin führte im infanteristischen Einsatz jedoch dazu, dass die Maschinenpistole im Liegen nur eingeschränkt benutzbar war, da das Auflegen auf den Boden verhindert wurde. Eine Sicherheitslücke war zu Beginn der nicht arretierbare Verschluss, der durch einen Stoß auf die Waffe aus seiner vordersten Stellung zurückgeworfen werden und bei seinem durch die Schließfeder wieder veranlassten Vorlauf eine Patrone zuführen und zünden konnte. Dieses Manko wurde durch eine Arretiervorrichtung behoben, die serienmäßig ab 1941 eingeführt wurde. Alte MP 38 wurden meist auf diese Vorrichtung umgerüstet. Eine Schwachstelle der Waffe war das 32-schüssige Magazin. Darin wurden die Patronen zweireihig gelagert und oben einreihig dem Verschluss zugeführt. Im Übergang von zwei- zu einreihig verklemmten sich die Patronen durch Verschmutzung und falsche Handhabung (durch Ergreifen der Waffe am Magazin) beim Abfeuern überdurchschnittlich häufig, sodass es zu Ladehemmungen kam. Im Laufe des Krieges kam es zu verschiedenen Versuchen, die Hemmungen abzustellen. So wurden in den zuerst glatten Magazinkörper ab 1941 Sicken eingeprägt, was einerseits die Steifigkeit des Magazins fördern und andererseits die Anlagefläche der Patronen im Magazininnern verringern sollte. So sollten Verschmutzungen weniger Einfluss auf die Zuführung haben. Außerdem wurde eine spezielle Magazinreinigungsbürste eingeführt. Weiterhin wurde das Magazin laut Anweisung nur noch mit 28 Schuss munitioniert.

Im Sommer 1940 erfolgte auch bei der Maschinenpistole MP 38 der Umstieg auf die Blechprägetechnik, die nun nur noch 3,7 kg schwere Waffe hieß nun Maschinenpistole MP 40. Die Umstellung auf die Blechprägetechnik wirkte sich jedoch auf die Funktionssicherheit aus. Es gab vermehrte Beschwerden der Truppe, die die Zuverlässigkeit der Waffe bemängelte. Äußerlich zu unterscheiden sind die Waffen z.B. durch die Magazinhalterung (MP 38 mit rundem Punkt, MP 40 mit vier Querrippen). 

In modifizierter Ausführung wurde die MP 40 mit einem Doppelmagazin ausgerüstet und Maschinenpistole MP 40/1 genannt. Die Waffen erhielten ein verändertes Gehäuse und einen anderen Magazinhalter, in den zwei Stangenmagazine zu jeweils 32 Schuß passten. War das erste Magazin leer, wurde das zweite Magazin in Zuführposition gebracht, indem der Schütze den Magazinblock nach links drückte. Diese Ausführung schien jedoch kein großer Erfolg gewesen zu sein, denn die produzierten Mengen hielten sich in Grenzen. Auch brachte es keine Kampfwertsteigerung, da erst ein Sicherheitshebel geöffnet, das Magazin verschoben und der Sicherheitshebel wieder geschlossen werden musste.

    Die Maschinenpistole 40 - Beschreibung und Handhabung (135 kb)

Nachdem sich die MP 38 und die MP 40 in Rußland als zu empfindlich gezeigt hatten, wurde auf erbeutete Maschinenpistolen vom Typ PPD-40 und PPSb-41 zurückgegriffen, die als Maschinenpistole MP 715(r) und Maschinenpistole MP 717(r) von der Truppe übernommen wurden.
Bei der Maschinenpistole MP 715(r) handelte es sich um die russische PPD-40, eine Maschinenpistole im Kaliber 7,62 x 25 mm TT. Die Waffe ähnelte in Grundzügen der deutschen MP 18. Die Waffe war ein Rückstoßlader mit unverriegeltem, gefedertem Masseverschluss. Sie war 3,6 kg schwer, hatte eine Länge von 788 mm und eine Lauflänge von 244 mm. Die Waffe war nur für Dauerfeuer geeignet. Die Munition wurde über ein Trommelmagazin mit 71 Schuss zugeführt.
Bei der Maschinenpistole MP 717(r) war eine Weiterentwicklung der PPD-40. Sie verwendete die gleichen Flaschenhalspatronen 7,62 x 25 mm TT. Zur Zeit der Entstehung der PPSch-41 war das Blechprägeverfahren nicht sehr verbreitet, dennoch wurden viele Teile der Waffe mittels Prägetechnik (Gesenkbiegen) hergestellt. Insgesamt besteht die PPSch-41 aus 87 Einzelteilen, zu deren Bearbeitung etwa 5,6 Stunden benötigt wurden.[2] Da die Einzelteile nicht mehr aus Vollmaterial gefräst, sondern im Prägeverfahren aus Stahlblechen von 2 bis 5 Millimetern Stärke gefertigt wurden, konnten auf diese Weise Material gespart und die Herstellungskosten gesenkt werden. Die PPSch-MPi hat lediglich zwei Gewindeverbindungen. Ihre Fertigung war unkompliziert, so dass die Waffe nicht nur in Rüstungsfabriken, sondern auch in vielen kleineren metallverarbeitenden Betrieben hergestellt werden konnte. Bis Kriegsende wurden etwa 5,4 Millionen Waffen dieses Typs hergestellt.

Die Firma C. G. Haenel fertigte ab 1941 die Maschinenpistole Schmeisser-Haenel 41, kurz MP 41. Die Waffe war ein Rückstoßlader mit unverriegeltem Masseverschluß. Die Waffe war 860 mm lang, 4,4 kg schwer und hatte eine Lauflänge von 250 mm. Die Feuergeschwindigkeit betrug 500 Schuß / Minute. Die Waffe war für Einzel- und Dauerfeuer einsetzbar. Verschossen wurden Patronen vom Typ 9 mm Parabellum aus einem geraden Stangenmagazin mit 32 Schuss Munition. Im Gegensatz zur MP 40 besaß diese Waffe einen Holzkolben. Die Waffen wurden bei der Polizei, der Waffen-SS sowie bei faschistischen Sicherheitsdiensten verwendet. Auch ein Einsatz bei der Wehrmacht ist nachgewiesen, die Waffe wurde dort aber nicht offiziell eingeführt.

Nur für die SS wurde die tschechische MP 383 der Waffenfabrik Brünn gebaut. Die 5,4 kg schwere Waffe hatte einen 325 mm langen Lauf, die Pistolenpatrone 08 wurde mit einer v0 von 425 m/Sek. verschossen. Das 30-Schuß-Magazin wurde von links angesetzt. Die Schußfolge betrug 500 Schuß/Min., sie konnte aber durch Entnahme eines Gewichts am Verschluß auf 700 Schuß/Min. erhöht werden.

Ebenfalls für die SS versuchte die SS-Waffenakademie, die tschechische ZK 403 als MP 42 einzuführen. Die wahlweise mit Trommel- oder Stangenmagazin ausgerüstete Waffe war 915 mm lang. Sie ging nicht in Produktion.

Eine Kopie der britischen Maschinenpistole des Typs Sten war das "Gerät Postdam". Nachdem die deutsche Wehrmacht 1941 erstmals Maschinenpistolen des Typs Sten erbeutete, war man von ihrer primitiven Bauweise nicht überzeugt und mottete die Waffen in den Arsenalen ein. Als der Mangel an Handfeuerwaffen immer größer wurde, erkannte man den Wert dieser mit geringem Aufwand in Massenproduktion herzustellenden Waffe zu schätzen und entschied sich, für die Ausstattung des Volkssturmes zum Nachbau dieser Waffe. Geplant war ein Ausstoß von immerhin 100.000 Stück im Monat, was jeglicher Realität widersprach. Eine der Leitfirmen bei der Entwicklung dieser Waffe war die Firma Mauser in Oberndorf am Neckar. Hier wurden exakte Kopien der Sten-MP Mk.2 gefertigt, sogar mit Kennzeichenprägung in englischer Sprache. Von dieser Waffe wurden etwa 28.000 Stück gefertigt.
Eine Modifikation des "Gerät Potsdam" war die Volkssturm-MP Gerät Neumünster 3008. Diese Waffe benutzte das Stangenmagazin der MP 38/MP 40, aber mit einem nach unten gerichteten Magazinschacht. Dieses Charakteristikum der Waffe unterscheidet sie vom "Gerät Potsdam". Für die Fertigung wurde die Teilefertigung an bis zu 30 Zulieferer vergeben. Produziert wurden die Waffen bei Mauser in Oberndorf am Neckar, bei der Waffenfabrik C.G. Haenel in Suhl, die Erfurter Maschinenfabrik B. Geipel GmbH (Erma), Walter Steiner Eisenkonstruktion in Suhl sowie die Schiffswerft Blohm & Voss in Hamburg. Die Waffe vom Kaliber 9 mm war 787 mm lang, hatte eine Lauflänge von 190 mm und eine Einsatzschußweite von 100 m. Sie wog rund 3 kg.

Eine weitere einfache Maschinenpistole war die Erma EMP 44 der Erfurter Maschinenfabrik B. Geipel GmbH (Erma). Die Entwicklung dieser Waffe ging auf das Jahr 1943 zurück, als die Firma Erma eine Maschinenpistole entwickelte, die aus noch verfügbarem Material und mit bereits vorhandene Maschinen gefertigt werden konnten. Das Gehäuse und der Kolben waren aus geschweißten Stahlrohren, die Stütze und der Pistolengriff waren aus leichten Legierungen hergestellt. Der sehr einfache Mündungsdämpfer war analog zur russischen Maschinenpistole PPS-43 gestaltet, der Verschluss und die Rückstoßfeder an die Maschinenpistole MP 40 angelehnt. Die Waffe war nur für Dauerfeuer ausgelegt und besaß wie die Maschinenpistole МР 40/I über eine doppelte Magazinaufnahme für Standardmagazine mit 32 Schuss: Nach dem Verschießen des ersten Magazins konnte das zweite durch eine Schubbewegung vor den Verschluss geschoben werden. Damit waren insgesamt 64 Schuss verfügbar. Da sich der Kolben und das Gehäuse auf einer Ebene befanden, wurde die Zieleinrichtung aus ergonomischen Gründen erhöht angebracht. Die Zieleinrichtung konnte auf 100, 200 oder 300 m Entfernung eingestellt werden. Die Waffe hatte einen 250 mm langen Lauf, war insgesamt 720 mm lang und wog 3,6 kg. Die EMP 44 bestand sämtliche Ordonanztests, wegen ihres billigen und befremdlichen Aussehens wurde sie jedoch von der Wehrmacht abgelehnt, obwohl sie ein Sinnbild für eine äußerst preiswerte und leicht zu produzierende Waffe darstellte. Erst Ende 1944, als sich die militärische Situation in Deutschland zusehends verschlechterte, besann man sich auf die EMP 44 als Waffe für den Volkssturm. Da für die Herstellung jedoch die Produktion der Maschinenpistole MP 40 hätte gedrosselt werden müssen, kam es auch jetzt nicht zu einer Herstellung der Waffe.

In Italien wurde für das Waffenamt die MP 3 S 142 gefertigt. Die Waffe war 798 mm lang, der Lauf maß 210 mm. Mit dem 40-Schuß-Magazin wog die Waffe 4 kg. Die Waffe war mit einem Holzschaft ausgerüstet und hatte Längsrippen zur Kühlung des Laufes. Die v0 betrug 380 m/Sek.

Ebenfalls aus italienischen Beständen kam die Maschinenpistole 739 (i), die bei der italienischen Armee als Beretta Modell 38/A im Einsatz war. Die Waffe hatte ein Kaliber 9 mm, war 3,945 kg schwer, 950 mm lang und hatte einen Lauf von 320 mm Länge. Die Patronenzuführung erfolgte über Magazine mit 10, 20 oder 40 Patronen. Die Waffe konnte im Einzelfeuer und im Dauerfeuer verschossen werden, wobei die Feuergeschwindigkeit 550 Schuß pro Minute betrug. Die effektive Schußentfernung betrug rund 200 m. Die Waffe konnte zudem mit einem Bajonett ausgestattet.

Die italienische "Moschetto automatico Beretta Mod. 38 A-42" wurde von der Wehrmacht als MP 738 (i) übernommen. Die Waffe wurde auch nach der Kapitulation Italiens noch gefertigt und in großen Stückzahlen an die Wehrmacht geliefert. Die 9-mm-Waffe wog 3,5 kg, war 780 mm lang und hatte einen 200 mm langen Lauf. Die Munitionszuführung erfolgte über ein 20 bzw. 40 Schuß-Stangenmagazin. Die Waffe konnte im Einzelfeuer und im Dauerfeuer verschossen werden, wobei die Feuergeschwindigkeit 600 Schuß pro Minute betrug. Die effektive Schußentfernung betrug rund 200 m. Die Waffen wurden noch bis Februar 1945 gefertigt. In diesem Monat wurden 30.000 Stück abgenommen.

Produktionszahlen der vom Heer im Zweiten Weltkrieg übernommenen Maschinenpistolen bis zum 1. April 1945:

Bezeichnung 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
MP 28 1.850 1.650 - - - - -
MP 38 und 40 5.360 96.396 139.681 152.681 220.572 74.564 189
Beretta - - - - - 145.693 85.500

Von den insgesamt gefertigten 908.17 MP 38 und MP 40 hat das Heer während des Krieges also 689.403 Stück erhalten. Über das Heereswaffenamt wurden an die anderen Wehrmachtsteile von der MP 38 und MP 40 die folgenden Mengen geliefert:

  1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
Luftwaffe - 18.500 96.400 64.300 9.973 6.244 -
Kriegsmarine - 1.400 3.750 12.500 3.766 2.081 -

Nach Juli 1944 sind vom Waffenamt keine Maschinenpistolen an andere Wehrmachtsteile mehr abgegeben worden. Im März 1945 besaß das Heer einschließlich der Beretta-Waffen noch 252.046 Maschinenpistolen, davon befanden sich 6.023 in den Zeughäusern. Bis auf die erwähnten russischen Waffen verschossen alle diese Maschinenpistolen die von der Pistole 08 her bekannte 9-mm-Munition.

 

Literatur und Quellen:

Reiner Lidschun, Günter Wollert: Infanteriewaffen gestern (1918 - 1945). Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt, Brandenburgisches Verlagshaus 1998
Fritz Hahn: Waffen und Geheimwaffen des Deutschen Heeres 1933-1945, Bernard & Graefe Verlag 1998
Waffen-Revue Heft 37: Die Maschinenpistole 34 (ö)