Focke-Wulf Fw 44 »Stieglitz«

 

Mit der Focke-Wulf Fw 44 gab Diplom-Ingenieur Kurt Tank seinen Einstand bei Focke-Wulf. Dem Wunsch von Flugzeugführerschulen entsprechend, entwickelte er einen zweisitzigen leistungsfähigen Schul- und Kunstflug-Doppeldecker. Entworfen wurde ein Flugzeug mit zweisitzigem Rumpf als geschweißter Stahlrohrrahmen ausgeführt. Die zweiholmigen, leicht gestaffelt angeordneten Tragflächen waren in klassischer Holm / Rippen-Bauweise aus Holz gefertigt. Die Außenhaut war Stoff bespannt. Die gepfeilten, gleich großen Flügel waren an den Vorderkanten mit Sperrholz beplankt und über N-Streben miteinander und mit dem Rumpf verbunden. Für eine hohe Wendigkeit erhielten die Tragflügel großflächige Querruder. Ebenso waren Seiten- und Höhenleitwerk großzügig bemessen. Das Fahrwerk war starr ausgelegt und erhielt Ölstoßdämpfer. Unter dem Heck wurde ein drehbarer Schleifsporn aus Stahl verbaut. Angetrieben wurden die Maschinen durch einen luftgekühlten Sieben-Zylinder-Sternmotos Sh 14 A von Siemens & Halske mit 150 PS. Dieser wirkte auf eine feste Zweiblattluftschraube aus Holz mit einem Durchmesser von 2,25 m. Der Prototyp der Fw 44 absolvierte im September 1932 seinen Erstflug. Die Fw 44 war wegen ihrer hervorragenden Flugleistungen auch im Ausland sehr beliebt. So wurde sie nicht nur bei Focke-Wulf in Bremen gebaut, sondern auch in Lizenzproduktion in anderen Ländern gefertigt und betrieben. Schweden betrieb 85 Fw 44 J, Finnland 30 Fw 44 J, Norwegen 10 Fw 44 J, Österreich 44 Fw 44 J, Bulgarien insgesamt 46 Fw 44 J und die Türkei 8 Fw 44 J.

 

Fw 44 A

Nur Musterflugzeug (Werknummer 155) mit Sternmotor von Siemens. Die Maschine wies einige Schwächen auf. In bestimmten Fluglagen wurde die Maschine instabil. Der Prototyp stürzte 1933 ab.

 

Fw 44 B

Zweites Musterflugzeug (Werknummer 156) mit einem um 69 cm verlängertem Rumpf und einem geänderten Leitwerk. Angetrieben wurde die Maschine durch einen Siemens Sh-14-A-Sternmotor.

 

Fw 44 C

Am Ende des Jahres 1933 wurde die Fw 44 B zwecks Erprobung mit einem Argus As 8 ausgerüstet. Dieser Motor leistete 135 PS und konnte sich wegen der gegenüber dem Sh-14-Motor geringeren Leistung nicht durchsetzen. Da der Kraftstoffverbrauch geringer war, erhöhte sich auch die Reichweite des Flugzeuges. 

 

Fw 44 D

Verbesserte Version der Fw 44, aufbauend auf der Fw 44 C. Die Maschinen erhielten eine rückenflugfähige Schmierstoffpumpe sowie den zugehörigen Vergaser. In die Bodenwannen der Sitze wurde eine Mulde zum Mitführen eines Sitzfallschirms integriert und man konnte die Sitze nun am Boden Höhenverstellen. Das Flugzeug bekam ein kleines Gepäckfach aus Stoff, welches hinter dem Pilotensitz angebracht wurde. Von der Maschine wurden im Focke-Wulf-Stammwerk 747 Stück gefertigt. Außerdem wurden bei Bücker Flugzeugbau 85 Stück, bei den AGO Flugzeugwerken 121 Stück und bei den Siebel Flugzeugwerken 515 Stück in Lizenz gebaut.

Typ: einmotoriges, kunstflugtaugliches Schul- und Übungsflugzeug

Flügel: verspannter, einstieliger Doppeldecker. Flügel gestaffelt und leicht gepfeilt

Rumpf: Rumpfgerüst als geschweißtes Stahlrohrfachwerk mit Stoff bespannt

Leitwerk: Normalleitwerk, stoffbespannt. Aufbau aus Holz

Fahrwerk: starres Normalfahrwerk

Triebwerk: BMW-Bramo Sh 14 A-luftgekühlter-Siebenzylinder-Sternmotor mit 160 PS Startleistung

Kraftstoff: ein 135 Liter Behälter im Rumpf

Besatzung: 2 Mann in offenen Sitzen hintereinander

 

Fw 44 E

Analog zur D-Variante, wurden rund 20 Maschinen mit dem Argus As 8-Motorausgerüstet.

 

Fw 44 F

Leicht verbesserte D-Version mit Positionslichtern und einem Landescheinwerfer, um die Maschinen nachtflugfähig zu machen. Außerdem wurde der Schleifsporn durch ein Spornrad ersetzt.

 

Fw 44 H

Mustermaschine, umgebaut aus einer Fw 44 D, ausgerüstet mit einem Hirth Hm 501 Sechszylinder-Reihenmotor mit 160 PS. Die Maschine blieb ein Einzelstück.

 

Fw 44 J

Serienversion, ab 1936 gebaut. Die Maschinen wurden durch einen Sh 14 A4-Motor angetrieben und waren überwiegend für den Export bestimmt.

 

Fw 44 M

Versuchsmaschine mit amerikanischen Reihenmotor vom Typ Menasco C4S Pirat mit 150 PS.

 

Fw 44 N

Projekt mit einem Bramo 325-Motor mit 175 PS. Von der Version wurde eine flugfähige und eine flugunfähige Variante gebaut. Das Projekt wurde eingestellt.