Linienschiff  "Elsass"

 

Schiffstyp:

Das Linienschiff "Elsass" gehörte zur Braunschweig-Klasse.


Namensgebung:

Benannt wurde das Linienschiff nach dem 1871 annektierten so genannten Reichsland Elsass-Lothringen benannt.

 

Schiffsdaten:

Kiellegung: 1901

Stapellauf: 26. Mai 1903

Indienststellung: 29. November 1904

Bauwerft: Schichau-Werke in Danzig

Besatzung: 743 Mann

Baukosten: 24,373 Millionen Goldmark

Verdrängung: 14.394 t Maximal-Verdrängung

Länge über alles: 127,73 m

Breite: 22,2 m

Tiefgang: 8,16 m maximal

Maschinenanlage: 3 stehende 3-zylindrige Dreifachexpansions-Kolbenmaschinen, 14 öl-/kohlegefeuerte Dampfkessel (davon 6 Zylinderkessel) 8 Zylinderkessel, 2 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Anzahl der Wellen: 3

Leistung an den Wellen: 16.812 PSi

Höchstgeschwindigkeit: 18,7 kn

Fahrbereich: 5.260 sm bei 10 kn

Bennstoffvorrat: 1.670 t Kohle

Bewaffnung:

Seeziel-Artillerie: 4 SK 28-cm L/40 in zwei Doppeltürmen, 10 SK 17-cm L/40 in Kasematten, 18 SK 8,8-cm L/35

Flak: keine

Torpedos: 6 x 45-cm Torpedorohre

Wasserbomben: keine

Minen: keine

Flugzeuge: keine

Ortungsgeräte: keine

 

Kommandanten:

29. November 1904: Kapitän zur See Hugo Pohl

1. Oktober 1905 Kapitän zur See Gustav Bachmann

1. Oktober 1907 Kapitän zur See Reinhard Scheer

September 1909 Kapitän zur See Hubert von Rebeur-Paschwitz

1. Oktober 1911 Kapitän zur See Carl Schaumann

4. Oktober 1911 Kapitän zur See Hugo Langemak

April 1912 Korvettenkapitän Eduard Bartels

August 1912 Kapitän zur See Leberecht Maass

September 1912 Korvettenkapitän Eduard Bartels

Dezember 1912 Kapitän zur See Siegfried Bölken


31. Juli 1914 Kapitän zur See Hugo Langemak

Februar 1915 Kapitän zur See Roberst Kühne

November 1915 Kapitän zur See Johann von Lessel

Juli 1916 Korvettenkapitän Ernst Hoffmann

September 1916 Korvettenkapitän Hellmut Kellermann

Dezember 1916 Kapitänleutnant Johannes Bähr

Februar 1917 Korvettenkapitän Walter Mehnert

Februar 1917 Kapitän zur See Friedrich Kuntz

März 1918 Korvettenkapitän Richard Spitzner


15. Oktober 1918 Fregattenkapitän Waldemar Krah

Dezember 1918 Leutnant zur See Nerner


15. Februar 1924 Kapitän zur See Wilhelm Prentzel

Oktober 1925 Kapitän zur See Friedrich Brutzer

Oktober 1927 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Otto Schultze

September 1929 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Reinhold Knoblauch

Beschreibung des Schiffes:

Die Schiffe der Braunschweig-Klasse waren deutlich schwerer als ihre Vorgänger, die Schiffe der Wittelsbach-Klasse. Ausgerüstet waren die Schiffe mit 28-cm Schnelladekanonen, die erstmals bei diesem Schiffstyp eingesetzt wurde. Die Mittelartillerie erhielt erstmals Geschütze vom Typ 17-cm SK L/40. Die Geschütze waren in Kasematten aufgestellt. Die Kesselanlage war auf allen Schiffen der Klasse identisch und hatte eine gemischte Zusammensetzung aus sechs Zylinderkesseln, die den vorderen Kesselraum belegten, und je vier Marinekesseln (einem nach Vorgaben der Marine entwickelten Einheitstyp) im mittleren und hinteren Kesselraum. Alle Kessel waren ursprünglich kohlegefeuert; erst im Winter 1915 wurde eine Zusatzfeuerung für Schweröl eingebaut. Die Gürtelpanzerung war 225 mm stark, die Türme waren 250 mm stark gepanzert, die Zitadelle 140 mm, das Deck 40 mm und die Böschung 75 mm.

 

Werdegang:

Das Linienschiff SMS "Elsass" war das zweite Schiff seiner Klasse. Während der Probefahrten brach bei dem Schiff der Ruderträger, so dass es in die Werft zur Reparatur musste , so dass sich die Probefahrten bis Anfang Mai hinzogen. Im Anschluß wurde SMS "Elsass" dem II. Geschwader zugeteilt und ersetzte dort das Küstenpanzerschiff SMS "Frithjof". Im Anschluß beteiligte sich das Schiff über mehrere Jahre an den Reisen und Manövern des Geschwaders. Am 14. Dezember 1910 kollidierte das Schiff mit dem als Artillerieschulschiff eingesetzten SMS "Schwaben". Die Schäden waren bei beiden Schiffen gering. Mit Wirkung zum 3. Oktober 1911 wurde SMS "Elsass" dem I. Geschader zugeteilt. Während der Flottenübungen im März 1912 kollidierte es im dichten Nebel im westlichen Eingang des Skagerraks mit dem schwedischen Dampfer "Pollux". Das schwedische Schiff sank, die Besatzung wurde von SMS "Elsass" gerettet. Am 29. April 1912 schied das Schiff aus dem I. Geschwader aus. Die Besatzung wurde reduziert, aber am 14. August 1912 wieder aufgefüllt, damit SMS "Elsass" im Rahmen des III. Geschwaders an den Herbstmanövern teilnehmen Nach Beendigung des Manövers wurde die Besatzung am 29. September 1912 erneut reduziert, um dann ab dem 1. Dezember 1912 erneut aufgefüllt zu werden. SMS "Elsass" wurde der V. Division zugeteilt, aus der später das III. Geschwader wurde. Am 13. Mai 1913 wurde das Schiff in Kiel außer Dienst gestellt und zur Reserve-Division der Ostsee detachiert. Am 31. Juli 1914 wurde das Schiff für das zu bildende IV. Geschwader wieder in Dienst gestellt. Nach Einzel- und Geschwaderausbildung wurde SMS "Elsass" Ende August 1914 erstmalig eingesetzt. Das Schiff sollte die auf Grund gelaufene SMS "Magdeburg" in der östlichen Ostsee sichern. Da der Kleine Kreuzer jedoch bereits gesprengt worden war, wurde das Unternehmen am Folgetag abgebrochen. Zwischen dem 2. und 9. September 1914 nahm das Schiff an einem Vorstoß in den Finnischen Meerbusen und dem Vorstoß der deutschen Seestreitkräfte am 24. / 25. September vor Windau teil. Vom 5. Dezember 1914 bis zum 1. April 1915 und ab dem 27. Mai 1915 war das Schiff dann zur Sicherung der Elbmündung eingesetzt. Ab dem 5. Juli 1915 war SMS "Elsass" dann dem Oberbefehlshaber der Ostsee zugeteilt, um die deutschen Heerestruppen an der Ostfront zu unterstützen. Es folgten mehrere Flottenvorstöße, die bis zum 21. August andauerten. Anschließend verblieb das Schiff in der Ostsee und wurde in Libau stationiert. Von Januar bis März 1916 fungierte SMS "Elsass" als Flaggschiff des B.d.A.d.O.. Am 10. Juli 1916 verlegte das Schiff dann nach Kiel, wo die Besatzung reduziert wurde. Nach kurzer Werftliegezeit wurde das Schiff am 25. Juli 1916 als Ausbildungsschiff zur I. Marine-Inspektion zugeteilt. Gegen Ende des Krieges wurde SMS "Elsass" noch als Seekadettenschiff im Rahmen der Inspektion des Bildungswesens der Marine eingesetzt und dann aufgelegt. Nach Kriegsende wurde das Schiff von der Reichsmarine übernommen und nach unbedeutenden Modernisierungsarbeiten am 15. Februar 1924 mit reduzierter Besatzung wieder in Dienst gestellt und der Linienschiff-Division in Wilhelmshaven zugeteilt. Am 1. April 1924 wurde die Besatzung voll aufgefüllt und das Schiff nahm an der Atlantikreise der Flotte im Juli teil. Am 1. Oktober 1925 schied das Schiff bei den Seestreitkräften der Nordsee aus und trat zu den Seestreitkräften der Ostsee. Neuer Hauptliegehafen wurde Kiel. In den folgenden Jahren nahm "Elsass" an den Manövern und Auslandsreisen der Flotte teil. Im Winter 1928/29 wurde das Schiff zum Eisnotdienst eingesetzt. Am 25. Februar 1930 wurde "Elsass" schließlich endgültig außer Dienst gestellt und 1931 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen. 1936 wurde das Schiff abgewrackt.

 

Literatur und Quellen:

Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 1. München 1982

Hans Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 8. Mundus Verlag, Ratingen o.J.

Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Linienschiffe der Brandenburg- bis Deutschland-Klasse. Schiffsklassen und Schiffstypen der deutschen Marine. Band 10. Bonn: Bernard & Graefe 2001