Bachem Ba 349 "Natter"

 

Nach einer Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums wurde im August 1944 mit der Entwicklung der Ba 349 begonnen. Die "Natter" sollte als Verlustgerät von einer Lafette aus starten, der Pilot nach Verbrauch des Treibstoffs mit dem Fallschirm aussteigen. Um den größtmöglichen Erfolg gegen die stark gepanzerten Bomber der Alliierten zu haben, wurde der gesamte Bug des Flugzeugs mit einer Raketenbatterie ausgestattet, die entweder 24 oder 36 Raketen tragen konnte. Da das Aussteigen des Piloten bei der hohen Geschwindigkeit problematisch erschien, wurde ein Fallschirmsystem eingeführt, das den Piloten samt Sitz und den wichtigsten Instrumenten aus dem Cockpit ziehen sollte. Obwohl die Natter als Verlustgerät geplant war, installierte man auch in der Heckpartie einen Fallschirm, der Triebwerk und Steuerorgane wieder sicher zur Erde bringen sollte. Vorgesehen waren 50 Prototypen, die Serie sollte ab der 51. Maschine beginnen. Insgesamt wurden jedoch nur 36 Stück gebaut, die meisten Ba 349 A, aber auch einzelne B-Varianten. Insgesamt fanden nur 4 bemannte Flüge statt. Beim Start entwickelte die Maschine mit zusätzlichen Startraketen 6.500 kp Schub.

Ba 349 A

Eigentlich sollte die Ba 349 "Natter" Triebwerke des Typs Walter HWK 109-509 A mit 1.500 kp Schub erhalten. Die Serienausführung erhielt dann aber die verbesserten Walter HWK 109-559-Triebwerke mit einer Leistung von 1.700 kp Schub.

Typ: Einmotoriger Abfangjäger

Flügel: Freitragender Mitteldecker. Einholmiger Holzflügel mit durchgehendem Kastenholm. Jede Flügelhälfte weiterhin aus fünf Rippen und der Sperrholzbeplankung bestehend. Ohne Querruder.

Rumpf: Zerlege-Rumpf in Holz-Schalenbauweise. Plexiglas-Bugkappe. Rumpfvorderteil bis zur Kabine und Rumpfhinterteil mit Triebwerk und Steuerorganen absprengbar. Fallschirmkasten für Heck im Rumpfhinterteil.

Leitwerk: Freitragendes Leitwerk in Kreuzform. Holzbauweise mit sperrholzbeplankten Flossen und stoffbespannten Rudern. Sämtliche vier Leitwerksflächen mit Rudern ausgerüstet. Höhenruder mit Differentialwirkung zur Quersteuerung. Zusatzflächen für Höhenleitwerk beim Start, absprengbar. Zusätzliche Strahlruder hinter der Düsenöffnung.

Fahrwerk: Kein Fahrwerk, da Verlustgerät und Start an der Lafette. Flügelenden und untere Seitenflosse verstärkt mit Beschlägen für die Lafettenführung versehen.

Triebwerk: eine Walter HWK 109-559-Flüssigkeitsrakete mit 1.700 kp Schub bei Vollast, auf 150 kp Mindestschub regulierbar.

Je ein Kraftstoffbehälter für T-Stoff (400 Liter) und C-Stoff (190 Liter) im Rumpf. Vier Schmidding 109-533-Feststoff-Startraketen mit jeweils 1.200 kp Schub für 10 Sekunden. Nach dem Ausbrennen waren die Startraketen abwerfbar.

Besatzung: 1 Pilot in geschlossener Kabine. Panzerplatten vor und hinter dem Sitz sowie Panzerglas an der Frontscheibe. Der Rumpfbug war für den Fallschirmabsprung absprengbar.

Bewaffnung: 34 x 55 mm R 4 M- oder 24 x 73 mm-Föhn-Raketen als Batterie im Rumpfbug.

Ba 349 B

Die B-Variante der "Natter" erhielt die verbesserte Walter-Flüssigkeitsrakete HWK 109-509 D mit 2.000 kp Schub. Außerdem konnte durch Einbau einer weiteren Verbrennungskammer für den Horizontalflug die Flugdauer von 2 auf 4,36 Minuten vergrößert werden. Ansonsten entsprach die B-Variante den Maschinen der A-Serie. Es wurde nur eine einzige Maschine gestartet.