Schiff 16 HSK »Atlantis«

 

- Bauwerft: Bremer Vulkan

- Baujahr: 1937

- Schicksal: versenkt am 22. November 1941 im Pazifik

- Hauptbewaffnung: 6 x 15 cm - 1 x 7,5 cm - 2 x 3,7 cm - 4 Torpedorohre

- 2 Flugzeuge Heinkel He 114 B

- Besatzungsstärke: ca. 350

- Größe: 7.862 BRT

- Länge: 155 m lang

- Breite: 18,6 m breit

- Geschwindigkeit: 17 Knoten

1939 baute die Deschimag-Werft in Bremen die M/S Goldenfels, ein durch Dieselmotoren angetriebenes Frachtschiff der Deutschen Dampfschiffahrts Gesellschaft (D. D. G.) HANSA aus Bremen. zum Handelsstörkreuzer um. Der Hilfskreuzer erhielt als Hauptbewaffnung sechs Schnellfeuergeschütze C/16 im Kaliber 15 cm L/45 mit einem Vorrat von insgesamt 1.800 Schuss Munition. Vier Geschütze wurden vorne an den Schiffsseiten - hinter dem hochklappbaren Schanzkleid - aufgestellt und zwei in der Mittellinie achtern. Die Atlantis lief am 11. März 1940 zum Handelskrieg aus, den sie nach Durchbruch in den Atlantik am 3. Mai 1940 mit einem ersten Erfolg  aufnehmen konnte. Während der Fahrt erfolgte ständig ein geschicktes umtarnen mit falschen Aufbauten aus Segeltuch und Holzaufbauten und von Mai bis Dezember 1940 wurden im Südatlantik und im Indischen Ozean 10 Handelsschiffe versenkt und drei durch Prisenkommandos gekapert und entweder nach Frankreich, Japan oder ins von Italienern besetzte Somalia entlassen. Die 92 mitgeführten Minen wurden im Mai 1940 in südafrikanischen Küstengewässern vor Kap Agulhas gelegt. Das Minenfeld wurde jedoch durch Losreißen bzw. spontane Explosion einer Mine vorzeitig entdeckt und verursachte deshalb keine Schäden. Am 10. Juni stellte sie auf halbem Weg zwischen Australien und Afrika den 17 Knoten schnellen norwegischen Motorfrachter Tirranna (7.230 Brt), indem sie ihn nach kurzem Rennen durch mehrere Schüsse stoppte. Die Tirranna hatte das Setzen der Kriegsflagge und die Enttarnung der Atlantis-Geschütze wohl übersehen. Es gab fünf Tote unter der Besatzung, ein sechster Matrose starb nach einer Operation auf der Atlantis, und der norwegische Kapitän erklärte später, er hätte sich mit dem vermuteten holländischen Frachter ein Rennen liefern wollen. Die Tirranna war von Melbourne nach Mombasa unterwegs, die Ladung bestand aus 3.000 Tonnen Weizen, 72.000 Säcken Mehl, 6000 Ballen Wolle, sowie aus Kriegsmaterial und Militärkraftwagen für australische Truppen im Nahen Osten. Wegen der wertvollen Ladung wurde sie mit einer Prisenmannschaft in die Warteposition abseits der Seewege detachiert, während dessen der Hilfskreuzer weiterhin die Australien-Afrika-Route absuchte. Es folgten vier lange Wochen der Untätigkeit und des Kreuzens auf dieser Handelsroute. Am 18. Juni tarnte sich die Atlantis als Frachter Tarifa mit 7.229 Brt, wie die Tirranna ein Schiff der Reederei Wilhelmsen. Am 11. Juli hatte die Atlantis nach langem Warten den britischen Frachtdampfer City of Bagdad mit 7.506 Brt bemerkt, der mit einer Ladung Koks, Stahlröhren und Schienen für die Befestigungen von Singapur nach Penang unterwegs war. Der Frachter wurde durch Artilleriefeuer gestoppt und nach der Durchsuchung durch Sprengladungen versenkt. Schon zwei Tage später, am 13. Juli, wurde das Passagier- und Frachtschiff Kemmendine (7.770 Brt) der Reederei British & Burmese Steam Navigation Co. Ltd., das von Glasgow via Kapstadt nach Rangun unterwegs war, durch gezielte Schüsse auf die Kommandobrücke und den Funkraum gestoppt. Auf der Kemmendine, wo bis 150 Passagiere untergebracht werden konnten, befanden sich Familienangehörige britischer Beamte in Indien, die aus dem unsicheren England nach Indien evakuiert wurden, sowie viele indische Kaufleute, die nach Kriegsausbruch von den Engländern aus Gibraltar ausgewiesen worden waren. In der Folgezeit operierte die Atlantis weiterhin im Indischen Ozean. Sie stieß zunächst nach Süden vor und versenkte im August und September den norwegischen Frachter Telleyrand (6732 BRT), die britischen SchiffeKing City (4744 BRT), Athelking (9557 BRT) und Benarty (5800 BRT) und den französischen Passagierdampfer Commissaire Ramel (10.061 BRT). Letzterer war das größte versenkte bzw. aufgebrachte Schiff der Unternehmung.
Danach stieß Kommandant Rogge (ohne Wissen der Seekriegsleitung) in den Golf von Bengalen vor, wo er weitere Erfolge erzielte: Der jugoslawische Frachter Durmitor (5623 BRT) wurde auf dem Weg dorthin westlich von Sumatra am 22.10. gekapert und als Prise nach Mogadischu entlassen. 
Im Golf von Bengalen selbst wurden der britische Tanker Teddy am 14.11.40 versenkt und der norwegische Tanker Ole Jacob ( 8306 BRT)als Prise aufgebracht. Dieser leistete später wichtige Versorgungsdienste. Das letzte Opfer im Golf von Begalen und damit auch im Jahr 1940 war am 11.11. der britische Frachter Automedon (7528 BRT).
Vom 14.12.40 bis zum 11.1.41 suchte Altlantis zur Maschinenüberholung und Frischwasserergänzung die unbewohnte Inselgruppe der Kerguelen auf, wobei sie beim Einlaufen in den Gazellenhafen vorübergehend festkam und der Schiffsboden erheblich beschädigt wurde. Sie konnte allerdings mit Bordmitteln wieder repariert werden.
Im Januar 1941 kehrte der Hilfskreuzer in den Südatlantik zurück, wo er am 24.01. den britischen Frachter Mandasor (5144 BRT) versenkte und einige Tage später den Dampfer Speybank (5154 BRT) aufbrachte und als Prise nach Frankreich entließ (Dieser wurde später unter dem Namen Doggerbank als Versorger eingesetzt).
Am 17. April 1941 wurde der ägyptische Passagierdampfer Zam Zam versenkt und 317 Personen an Besatzung und Passagieren aufgenommen. Unglücklicherweise war auch ein US-amerikanischer Reporter (David E. Sherman) vom Magazin Time-Life darunter, der während der wenigen Stunden, die die Passagiere auf der Atlantis verbrachten, Fotos von dem Schiff machte. Nach Abgabe an einen deutschen Blockadebrecher gelang es ihm sogar, eine Seitenansicht von der Atlantis zu fotografieren. Dieses Bild erschien Monate später Time-Life Magazin und zeigte der Welt das Aussehen des deutschen Hilfskreuzers. Dadurch gelang es den Alliierten, das Schiff später zu identifizieren. Weitere Versenkungen folgten und darunter hunderte Tonnen wertvollen Gummi erbeutet. Nach vier weiteren Versenkungen im Südatlantik verlegte der Hilfskreuzer sein Operationsgebiet in den Pazifik, wo er allerdings nur das norwegische Motorschiff Silvaplana (4793 BRT) am 10.09. als Prise aufbringen konnte. Die Silvaplana blieb das letzte Opfer der Unternehmung. Im Oktober 1941 erreichte der Hilfskreuzer wieder den Atlantik, wo Kommandant  Rogge Befehl erhielt, den Handelskrieg abzubrechen und als U-Boot-Versorger zu fahren. Am 22. November 1941 wurde das Schiff bei Versorgung von »U 126« nordwestlich Ascension vom britischen Kreuzer »Devonshire« gestellt und beschädigt, so daß Rogge am nächsten Tag die Selbstversenkung anordnete. Die Besatzung wurde teils vom U-Boot aufgenommen, teils in Rettungsbooten in Schlepp genommen. Die Männer wurden an den  Versorger »Python« abgegeben. Diesem widerfuhr aber genau das gleiche Schicksal wie der »Atlantis«.  Er lief dem britischen Kreuzer »Dorsetshire« vor die Rohre und versenkte sich ebenfalls selbst. Die Besatzung wurde daraufhin von verschiedenen U-Booten bis Ende Dezember 1941 nach Frankreich gebracht, bis auf 11 Mann erreichen alle wieder die Heimat. Die Fahrt der Atlantis dauerte insgesamt 622 Tage, eine Strecke von 102.000 Seemeilen wurde dabei zurückgelegt - die längste ununterbrochene Fahrt eines Hilfskreuzers. Von 22 feindlichen Schiffen wurden 16 versenkt und 6 als Prise aufgebracht. Über 145.698 BRT feindlicher Schiffsraum wurde vernichtet oder erbeutet.

 

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Die Geschütze der »Atlantis«  

 

Literatur und Quellen:

Quellen: Wolfgang Frank/Bernhard Rogge. Schiff 16. Oldenburg 1955. 
Jochen Brennecke. Die deutschen Hilfskreuzer im zweiten Weltkrieg. 4. Auflage Hamburg 2001.
Und hier: de.wikipedia.org/wiki/Atlantis_(Schiff,_1937)