Zeitzler, Kurt

 

* 9. Juni 1895, Goßmar bei Luckau (Niederlausitz)

† 25. September 1963, Hohenaschau in Oberbayern

 

Kurt Zeitzler trat nach seiner Reifeprüfung am 23. März 1914 als Fahnenjunker in die Kaiserliche Armee ein. Der evangelische Pfarrersohn kam dabei zum 4. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 72 nach Torgau. Mit diesem Regiment zog er dann bei Ausbruch des 1. Weltkrieges an die Front. Dort wurde er am 24. Dezember 1914 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde dabei später auf den 23. Juni 1913 vordatiert. Im 1. Weltkrieg wurde er auf verschiedenen Positionen in seinem Regiment eingesetzt. Ihm wurden neben anderen Orden auch beide Eisernen Kreuze verliehen, er wurde aber auch verwundet. Mit Patent vom 18. Oktober 1918 K9k - am 1. Februar 1922 in 20. Juni 1918 (142) umgeändert wurde er zum Oberleutnant befördert. Er wurde zu dieser Zeit bereits seit längerem als Regimentsadjutant im 4. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 72 eingesetzt. Als solcher erlebte er dann auch das Kriegsende. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde er nach einer gewissen Zeit im freiwilligen Landesjägerkorps in das Reichsheer übernommen. Dort wurde er beim Übergangsheer im Frühjahr 1920 im Reichswehr-Infanterie-Regiment 32 eingesetzt. Mit der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann zum 18. Infanterie-Regiment. Dort wurde er am 1. Oktober 1921 für 3 Jahre zum Adjutant des I. (Preuß.) Bataillons vom 18. Infanterie-Regiment in Paderborn ernannt. Ab dem Herbst 1924 wurde er dann bei der 4. (MG.) Kompanie vom 18. Infanterie-Regiment als Zugführer eingesetzt. Ab April 1925 war Oberst von Rundstedt der Regimentskommandeur. Zum 1. Oktober 1926 wurde er in den Stab der 6. Division der Reichswehr nach Münster versetzt. Dort leistete er das erste Jahr seiner Führergehilfenausbildung ab. Am 1. Oktober 1927 wurde er in den Stab der 4. Division der Reichswehr nach Dresden versetzt. Dort absolvierte er dann das zweite Jahr der Führergehilfenausbildung. Dabei war Oberst Ludwig Beck zu dieser Zeit Chef des Stabes. Am 1. Januar 1928 wurde er dabei zum Hauptmann befördert. Am 1. Oktober 1928 wurde er zum Reinhard-Lehrgang nach Berlin kommandiert. In der Rangliste wurde er weiter beim Stab der 4. Division der Reichswehr in Dresden geführt. Ab Herbst 1929 wurde er dann für 3 Jahre beim Stab der 3. Division der Reichswehr der Reichswehr in Berlin eingesetzt. Ab Februar 1932 wurde Generalleutnant von Rundstedt zum Divisionskommandeur ernannt. Am 1. Oktober 1932 wurde er dann zum Chef der 8. (MG.) Kompanie vom 9. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Berlin-Lichterfelde ernannt. Am 1. Februar 1934 wurde er dann in das Reichswehrministerium nach Berlin versetzt. Dort wurde er dann am 1. Juli 1934 zum Major befördert. Ab dem 1. Oktober 1934 wurde er im Wehrmacht-Amt eingesetzt. Mitte Januar 1937 wurde er dann zum Oberstleutnant befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Januar 1937 festgelegt. Danach war er bis zum Frühjahr 1939 in der Amtsgruppe Wehrmachtführungsstab (WFA) im OKW bei der Landesverteidigungsabteilung (L) im Einsatz. Am 1. April 1939 wurde er zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 60 in Lüdenscheid ernannt. Am 1. Juni 1939 wurde er dort zum Oberst befördert. Bei der Mobilmachung wurde er zum Chef des Generalstabes vom XXII. Armeekorps, unter General der Kavallerie von Kleist, ernannt. Als solcher wurde er dann mit dem Generalkommando im Polenfeldzug eingesetzt. Durch die Umbenennung des Korps zur Panzergruppe von Kleist wurde er dann bei dieser als Chef des Generalstabes eingesetzt. So kam er dann auch beim Westfeldzug zum Einsatz. Ihm waren inzwischen beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Auch nach der Rückumbenennung im Sommer 1940 zum XXII. Armeekorps blieb er weiter in der Position als Chef des Generalstabes. Als diese im November 1940 zur Panzergruppe 1 umgebildet wurde, blieb er trotzdem weiter der Chef des Generalstabes. Als solcher führte er dann den Generalstab auch im Balkanfeldzug. Dafür wurde ihm am 18. Mai 1941 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Danach ging es dann für ihn mit seinem Stab beim Ostfeldzug mit dem Angriff auf Südrussland weiter. Im Oktober 1941 wurde sein Stab zur 1. Panzerarmee umbenannt. In allen bisherigen Feldzügen tat sich Zeitzler durch operative Begabung, vorwärts drängende Tatkraft, verantwortungsfreudige Initiative und Improvisationskunst so hervor, dass Hitler auf ihn aufmerksam wurde. Anfang 1942 ließ Hitler Zeitzler zu einer Besprechung zu sich kommen. Er war begeistert über die Ausführungen Zeitzlers, der berichtete, wie er im Bereich der 1. Panzerarmee improvisierte, um die Truppe durch die Härten des Winters zu bringen. Hinzu kam, dass er in Hitlers nächster Umgebung einen persönlichen Freund hatte, den Obersten und Chefadjutanten der Wehrmacht beim Führer, den damaligen Generalmajor Rudolf Schmundt. Zupackende Persönlichkeiten von seinem Schlage hielt Hitler für förderungswürdig. Am 1. Februar 1942 wurde er zum Generalmajor befördert. Das Patent wurde dabei auf den 1. April 1942 datiert. Er blieb aber noch bis zu diesem 1. April 1942 der Chef des Generalstabes der 1. Panzerarmee. Am 1. April 1942 wurde er dann zum Chef des Generalstabes der Heeresgruppe D ernannt. Damit unterstand er erneut Generalfeldmarschall von Rundstedt, der zugleich auch Oberbefehlshaber West war. Hitler erwartete von Zeitzler, dass sich seine Energie auf die Verteidigungsbereitschaft an den französischen Küsten außerordentlich nutzbringend auswirken würde. Aufgrund seines quirligen Temperaments und seiner gedrungenen körperlichen Statur erhielt Zeitzler auch hier bald den Spitznamen "Kugelblitz". Schon am 9. September 1942 wurde im Kriegstagebuch des OKW festgehalten: Hitler trage "sich mit der Absicht, auch in der Person des Chefs des Generalstabes des Heeres einen Wechsel eintreten zu lassen, da er ... den Eindruck bekommen hat, dass Generaloberst Franz Halder den mit seiner Stellung verbundenen seelischen Belastungen nicht mehr in vollem Maße gewachsen ist ... Als neuen Chef des Generalstabes des Heeres hat der Führer den derzeitigen Chef des Generalstabes vom Oberbefehlshabers West, General Zeitzier. in Aussicht genommen." Nachdem Hitler den Generalobersten Halder aufgrund von ständigen Meinungsverschiedenheiten verabschiedet hatte, ernannte er Zeitzier am 24. September 1942 zum neuen Chef des Generalstabes des Heeres. Mit Wirkung vom selben Tag wurde er zum General der Infanterie unter Überspringung des Ranges eines Generalleutnants befördert. Er übernahm die Geschäfte am 25. September 1942. Während des Winters 1942/43 kam es dann zu schweren Konflikten zwischen ihm und Hitler, nachdem Zeitzler, auf Drängen von Generaloberst Paulus, mehrmals darum gebeten hatte, einem Ausbruch der 6. Armee aus Stalingrad zuzustimmen, was jedoch von Hitler kategorisch abgewiesen wurde. Daraufhin entsandte Zeitzler Major i.G. Coelestin von Zitzewitz mit einem Funktrupp nach Stalingrad, um täglich die aktuelle Lage der 6. Armee zu erfahren. Außerdem kürzte er die Verpflegung seiner Mitarbeiter und seine eigene auf die Miniration der Soldaten in Stalingrad. Hitler sollte durch diese Maßnahmen die Utopie und Sinnlosigkeit des Unternehmens klar gemacht werden. Nachdem Hitler keine Notiz davon nahm, obwohl er über 10 Kilo Gewicht verlor, sah sich Zeitzler gezwungen, seine Entlassung zu beantragen. Hitler ging darüber achtlos hinweg und befahl wieder normale Ration. Es schien so, als wollte er nicht mit einem Mann sprechen, der ein Meister in der Kunst war, die bestimmenden Faktoren der modernen Kriegführung intuitiv zu erfassen. In seinem Kampf um die Rettung der 6. Armee kam es zu dramatischen Szenen im Führerhauptquartier, in dem Zeitzler Hitler einmal wütend anschrie: "Mein Führer! Es wäre ein Verbrechen, die 6. Armee ihrem Schicksal zu überlassen. Das bedeutet Tod oder Gefangennahme für eine Viertelmillion tapferer Soldaten. Ja, mehr noch: Der Verlust dieser großen Armee würde der Ostfront das Rückgrat brechen. " Hitler befahl trotzdem die Verteidigung der Festung Stalingrad. Es fehlte Zeitzler nicht der Mut, weiterhin vor Hitler seine Meinung zu vertreten. So setzte er es durch, dass an der Jahreswende 1942/43 im Norden und im Süden der Ostfront zwei gefährliche Frontvorsprünge, dabei die Heeresgruppe A im Kaukasus, zurückgenommen wurden. Das Scheitern der deutschen Offensive bei Kursk im Juli 1943 und der Zusammenbruch auf der Krim raubten Zeitzler jegliche Illusion. Er am 30. Januar 1944 mit Patent vom 1. Februar 1944 zum Generaloberst, damals jüngster Generaloberst, befördert. Es kam aber immer häufiger zu Auseinandersetzungen mit Hitler. Das Zerwürfnis zwischen ihm und Hitler wurde endgültig, als im Juni 1944 die Front der Heeresgruppe Mitte nach russischem Angriff zusammenbrach, und Zeitzler sich für eine baldige Zurücknahme der Heeresgruppe Nord einsetzte. Er erinnerte Hitler, dass dieser ihn zweimal gezwungen hätte, gegen seine Überzeugung zu handeln. Ein drittes Mal ließe er sich nicht zwingen. Der Krieg sei militärisch verloren. Es müsse irgend etwas unternommen werden, um ihn zu beenden. Dadurch geriet Hitler in maßlose Wut und schimpfte auf den Generalstab und seinen Defätismus. Um Hitler die Möglichkeit zu nehmen, ihn zu weiteren Dienstleistungen zu zwingen, meldete sich Zeitzier am 30. Juni 1944 krank und erschien nicht mehr zum Dienst. Zunächst vertrat ihn Generalleutnant Heusinger bis zum Attentat am 20. Juli 1944, bei dem dieser verwundet wurde. Dann wurde Generaloberst Guderian mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabes des Heeres beauftragt. Am 15. August 1944 wurde Zeitzler in die Führerreserve OKH versetzt und am 31. Januar 1945 im Alter von knapp fünfzig Jahren aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Ihm wurde auf persönlichen Befehl Hitlers das Recht verweigert, weiterhin die Uniform der Wehrmacht zu tragen. Trotzdem kam er nach Kriegsende in alliierte Kriegsgefangenschaft. Im Februar 1947 wurde er aus dieser wieder entlassen.

Nach seiner Entlassung wohnte Generaloberst Zeitzler zunächst in Hamburg, und später in Hohenaschau/Chiemsee. Dort starb er am 25. September 1963. Drei Tage später wurde er auf dem Friedhof von Niederaschau beigesetzt.

 

Ritterkreuz (18. Mai 1941)

Quellen:  

Das Deutsche Soldatenjahrbuch 1994, Markus Rövekamp

LdW