Freiherr von Thüngen-Roßbach, Karl XI.

 

* 26. März 1893, Mainz

† 24. Oktober 1944, Brandenburg-Görden (hingerichtet)

 

Karl XI. Freiherr von Thüngen trat am 12. März 1912 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Der Sohn eines Gutsbesitzers und Forstmeisters kam dabei zum Rheinisches Dragoner-Regiment „Freiherr von Manteuffel“ Nr. 5. Am 19. November 1912 wurde er zum Fähnrich befördert. Am 18. Dezember 1913 ist er aus preußischen Diensten ausgeschieden. Am 19. Dezember trat er dafür als Fähnrich in die Königlich Bayerische Armee ein. Sein Patent wurde dabei auf den 19. November 1912 datiert. Er kam jetzt zum 5. Königlich Bayerisches Chevaulegers-Regiment „Erzherzog Friedrich von Österreich“. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er am 2. August 1914 zum Leutnant ohne Patent befördert. Ab dem 10. März 1915 wurde er dann als Adjutant des III. Bataillons vom 24. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment eingesetzt. Am 28. September 1916 hat er sein Patent als Leutnant erhalten. Gleichzeitig wurde er zum 5. Königlich Bayerisches Chevaulegers-Regiment „Erzherzog Friedrich von Österreich“ zurückversetzt. Ab dem 12. August 1917 wurde er im Regimentsstab vom 5. Königlich Bayerisches Chevaulegers-Regiment „Erzherzog Friedrich von Österreich“ eingesetzt. Bei diesem wurde er am 14. Dezember 1917 zum Oberleutnant befördert. Im 1. Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuze noch andere Auszeichnungen verliehen. Nach dem Krieg wurde er als Oberleutnant in das Reichsheer übernommen. Sein Rangdienstalter wurde später auf den 20. Mai 1917 festgelegt. Am 11. Februar 1919 hat er Margit Edle von Schultes geheiratet. Ab Ende Mai 1919 wurde er im Reichswehr-Kavallerie-Regiment 21 eingesetzt. Am 1. Oktober 1919 wurde er dann in das Reiter-Regiment 17 versetzt. Diesem gehörte er auch beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 an. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er dann weiter im 17. (Bayerisches) Reiter-Regiment eingesetzt. Bei diesem wurde er die nächsten Jahre als Eskadronoffizier eingesetzt. Zwischen dem 13. und dem 21. März 1922 hat er seine Wehrkreisprüfung abgelegt. Spätestens ab dem Frühjahr 1924 gehörte er zur Ausbildungs-Eskadron vom 17. (Bayer.) Reiter-Regiment in Bamberg. Am 1. Februar 1925 wurde er bei dieser zum Rittmeister befördert. 1925/26 wurde er dann in den Regimentsstab vom 17. (Bayer.) Reiter-Regiment ebenfalls in Bamberg versetzt. Am 1. Oktober 1926 wurde er dann zum Chef der 6. Eskadron vom 17. (Bayer.) Reiter-Regiment in Straubing ernannt. Diese Position übte er etwa für vier Jahre aus. 1930/31 wurde er dann durch Rittmeister Helwig Luz abgelöst. Er wurde dafür wieder in den Regimentsstab vom 17. (Bayer.) Reiter-Regiment nach Bamberg versetzt. Bei diesem wurde er die nächsten Jahre eingesetzt. Am 1. Januar 1932 ist seine erste Frau gestorben. Am 15. November 1933 wurde er dann in das Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin versetzt. Dort wurde er jetzt in der Heeres-Organisationsabteilung (T 2) eingesetzt. Bei dieser wurde er am 1. April 1934 zum Major befördert. Am 5. April 1934 hat er mit Marie Freiin von Michel-Raulino seine zweite Frau geheiratet. Nach dem Frühjahr 1935 gehörte er dann zur Heeres-Organisationsabteilung (T 2) im Reichskriegsministerium (RKM). Dort wurde er am 1. August 1936 zum Oberstleutnant befördert. Nach der Umgliederung im Zuge der Blomberg-Fritsch-Affäre gehörte er dann ab Februar 1938 zum Oberkommando des Heeres (OKH). Bei diesem wurde er beim Allgemeinen Heeresamt (AHA) in der Abteilung Ersatzwesen (E) eingesetzt. Am 1. April 1939 wurde er zum Oberst befördert. Als solcher wurde er bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg im Sommer 1939 zum Kommandeur vom Infanterie-Ersatz-Regiment 254 in Herford ernannt. Anfang November 1939 verlegte er mit seinem Stab nach Westpreußen. Am 12. Februar 1940 wurde er dann zum Kommandeur vom Reiter-Regiment 22 ernannt. Im Jahr 1940 wurde er dann zum Kommandeur der 1. Reiter-Brigade ernannt. Diesen Stab führte er dann zum Sommerbeginn 1941 im Ostfeldzug im Verband der 1. Kavallerie-Division beim Angriff auf Mittelrussland. Am 24. August 1941 wurde ihm für seine Tätigkeit das Deutsches Kreuz in Gold verliehen. Noch im August 1941 gab er sein Kommando ab und wurde daraufhin in die Führerreserve versetzt.  Zum 1. Dezember 1941 wurde er zum Generalmajor befördert. Als solcher wurde er am 26. Januar 1942 mit der Führung der 18. Panzer-Division beauftragt. Am 1. April 1942 wurde er zum Kommandeur der 18. Panzer-Division ernannt. Ende Juli 1942 musste er für etwa einen Monat seine Führung abgeben, übernahm sie aber Ende August 1942 wieder. Zum 1. Januar 1943 wurde er zum Generalleutnant befördert. Am 1. April 1943 gab er sein Kommando ab und wurde daraufhin in die Führerreserve versetzt. Für seine vorherige Leistung als Divisionskommandeur der 18. Panzer-Division wurde ihm nachträglich am 6. April 1943 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 1. Juni 1943 wurde er zum Inspekteur der Wehr-Ersatz-Inspektion Berlin ernannt. In dieser Funktion war er auch in die Verschwörung vom 20. Juli 1944 verstrickt. Dabei wurde er, nachdem der bisherige Kommandierende General vom Stellvertretenden Generalkommando III. Armeekorps, General der Infanterie Joachim von Kortzfleisch, von den Verschwören festgesetzt wurde, zum neuen Befehlshaber vom Wehrkreis III ernannt. Generalleutnant Freiherr von Thüngen traf jedoch erst am Abend des 20. Juli 1944 im Gebäude des Heereskommandos ein und kann zu diesem Zeitpunkt das Scheitern des Umsturzversuches nicht mehr verhindern. Er nimmt daraufhin die Befehle der Verschwörer zurück und beteiligt sich sogar an der Vernehmung von Major i.G. Hans-Ulrich von Oertzen durch General der Infanterie Joachim von Kortzfleisch. Am 7. August 1944 wurde er dann durch die Gestapo verhaftet. Am 14. August wurde er durch den am 2. August 1944 gebildeten Ehrenhof aus der Wehrmacht entlassen, so dass das Reichskriegsgericht für die Aburteilung nicht mehr zuständig war. Am 28. und 29. September 1944 fand vor dem Volksgerichtshof unter dessen Präsidenten Roland Freisler die Verhandlung statt. Am 5. Oktober 1944 wurde er durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Am 24. Oktober 1944 wurde auf Befehl von Reichsjustizminister Otto Thierack das Urteil in der Haftanstalt Brandenburg-Görden durch Erschießen vollstreckt.

 

Ritterkreuz (6. April 1943)