Schulz, Adelbert

 

* 20. Dezember 1930, Berlin + 28. Januar 1944, Schepetowka, Ostfront (gef) SchulzA-1.jpg (11386 Byte)

 

Der Berliner arbeitete als Bankangestellter, ehe er in die Polizeitruppe eintrat, hier zum Leutnant befördert wurde und 1935 schließlich als Oberleutnant in die Wehrmacht übernommen wurde. In Folge absolvierte Schulz mehrere Taktik- und Waffenlehrgänge an Infanterieschulen, ehe er zur im Aufbau stehenden Panzerwaffe wechselte.

Der intelligente und äußerst energische Adelbert Schulz wurde im Oktober 1939 in die soeben aufgestellte 7. Panzerdivision versetzt, wo er als Hauptmann die 1. Kompanie des Panzerregiments 25 unter Pour-le-Mérite-Oberst Rothenburg übernahm. Unter dem Kommando des später legendären Erwin Rommel trat die 7. PD im Mai 1940 zum Westfeldzug an.

In nur wenigen Tagen stießen die Panzer der Division in hohem Tempo über 500 Kilometer weit vor, brachen jeden sich bietenden Widerstand, vernichteten mehrere französische Divisionen und zeichneten sich u.a. bei Dinant, Cambrai, Lille, Rouen und vor Le Havre aus.

Als Hauptmann Schulz mit seiner 1. Kompanie am 7. Juni den zäh verteidigten Wald von Saumont freikämpfte und einen Gegenangriff französischer Panzer abwehrte, erhielt er auf Antrag seines Divisionskommandeurs zusammen mit Oberst Rothenburg beide Klassen des Eisernen Kreuzes sowie das noch sehr seltene Ritterkreuz verliehen. Im Alter von 36 Jahren wurde er außerdem zum Major und Kommandeur der I. Abteilung des Panzerregiments 25 befördert.

Am 22. Juni 1941 rollte die I. Abteilung an der Spitze der "Gespensterdivision" über die russische Grenze. Durch schnelle und wuchtige Angriffe wurden Dutzende sowjetische Schützen- und Panzerbrigaden zerschlagen, Wilna, Smolensk, Minsk und Klin eingenommen.

In der Kesselschlacht von Wjasma kämpfte die Division im Verband der  “Panzergruppe Guderian”, wobei über 600.000(!!) sowjetische Soldaten zur Aufgabe gezwungen werden konnten. In all diesen Gefechten bewies der von seinen Männern "Panzer-Schulz" genannte spätere Brillantenträger hervorragende Führungs- und Taktikqualitäten. Seine innere Ruhe sicherte ihm stets den Erfolg.

Es folgten schwere Abwehrkämpfe im Lama-Abschnitt, entlang der Königsberg-Linie und um Montrowskopje.

Als Oberstleutnant (01.43.43) Schulz an der Spitze einer Kampfgruppe einen vielfach überlegenen Gegner im Angriff stoppte, zum Rückzug zwang und schließlich aufrollte, erhielt er als achter Panzeroffizier des Heeres das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen. Sein Gegenangriff hatte u.a. die rechtzeitige Rückverlegung von über 4.000 Verwundeten aus einem frontnahen Lazarett ermöglicht, das durch die Russen bedroht gewesen war.

Während des Kriegsjahres 1942 führte "Panzer-Schulz" seine Verbände erneut an der Königsberg-Linie und bei Rshew, ehe die Division in Frankreich aufgefrischt wurde. Nach Sicherungsaufgaben an der Atlantikküste nahm der Verband mit dem II. SS-Panzerkorps (Hausser) an der Besetzung der bisher freien Zone in Südfrankreich teil. Im Winter 1942/43 erging wieder Verlegungsbefehl nach Osten. Bereits in den ersten Gefechten am Donez konnte sich Adelbert Schulz erneut als glänzender Panzerführer auszeichnen.

Am 11. März 1943 trat die 7. Panzerdivision im Verband der 4. Panzerarmee (Hoth) zur Gegenoffensive in Richtung des kurz zuvor geräumten Charkow an. Schulz, der nur wenige Tage zuvor das Panzerregiment 25 übernommen hatte, führte seine Kampfgruppen hierbei in eines der erfolgreichsten Gefechte der “Gespensterdivision” – während der Vernichtung der 3. sowjetischen Panzerarmee schossen seine Besatzungen über 100 Feindpanzer ab und zersprengten mehrere Artilleriestellungen. Durch den Masseneinsatz von 12 kampferfahrenen Panzerdivisionen gelang schließlich die Wiedereinnahme der Großstadt, wobei die Rote Armee über 52 Divisionen und 1.000 Panzer einbüßt!

Doch ein Unterschied zu den früheren deutschen Siegen war auffallend – im Gegensatz zu den hunderttausenden Gefangenen 1941/42 ergaben sich in Charkow lediglich knapp 9.000 Rotarmisten den deutschen Truppen. Und so hieß es in dem Gefechtsbericht eines deutschen Generals auch: “...die Russen ergeben sich nicht mehr so schnell. Die Mehrzahl der Truppe kämpft nun äußerst zäh und motiviert.”

Für das Panzerregiment 25 folgten harte Einsätze bei Isjum, Obojan und im Kremenschug-Bogen kämpfte. Im Juli trat die 7. Panzerdivision im Verband des III. Panzerkorps (Breith) bei Kursk zur bisher massivsten Panzeroffensive des Ostfeldzuges an. Obwohl die Offensive unter dem Decknamen "Zitadelle" nicht zum Erfolg führte, erhielt Adelbert Schulz für seine Verdienste während den Panzerschlachten bei Bjelgorod, Dorogobushino, Scheino und Prochorowka als erst 8. Heeresoffizier die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub!

Im Herbst 1943 wurde das Panzerregiment 25 teilweise mit den neuen, schweren Tiger-Panzern ausgerüstet.

Mit diesem Typ errang Schulz besondere Erfolge. Immer wieder schossen seine Panzer Dutzende Feindpanzer und Pak zusammen, riegelten Angriffe ab und traten ihrerseits zum Angriff an. Oft sprang Schulz unmittelbar nach erfolgreicher Abwehr aus seinem Panzer, versammelte seine Abteilungskommandeure, peilte auf der Stabskarte kurz die Lage und befahl kurzerhand den Gegenangriff - meist war er damit sehr erfolgreich.

Im Herbst und Winter 1943 wurde die Wehrmacht zusehends in die Defensive gedrängt, wobei die 7. PD im Südabschnitt der Ostfront als "Feuerwehr" zum Einsatz kam. Im November startete die Division nach langen Stellungskämpfen einen Gegenangriff auf das nahe Kiew liegende Schitomir.

An der Spitze seiner Panzer kämpfte sich der bereits zum Oberst (01.11.43) beförderte Schulz an den Stadtrand heran, überwand einen mit Pak besetzten Abwehrgürtel und erzwang zusammen mit einem verstärkten Grenadierbataillon die Räumung der Stadt. In den schweren Gefechten schossen seine Panzer innerhalb von nur 12 Stunden über 200 russische Panzer ab!

Für diesen Erfolg sowie überragende Leistungen in der Regimentsführung wurde Oberst Schulz am 14. Dezember 1943 als 9. Soldat und erst 2. Heeresoffizier - nach seinem ehemaligen Divisionskommandeur Erwin Rommel - mit den Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern ausgezeichnet! Als er Befehl erhielt, sich für die Übergabe der hohen Auszeichnung in Berlin zu melden, lehnte der Oberst dies einfach ab und verwies auf die instabile Frontlage im Divisionsbereich. Erst als die Lage unter Kontrolle war, flog Schulz kurz nach Deutschland.

Am 26.01.44 wurde Adelbert Schulz dann ein weiteres mal hoch geehrt, als er als Nachfolger des späteren Brillantenträgers Hasso von Manteuffel das Kommando über die ruhmreiche 7. Panzerdivision übernahm und im Alter von 41 Jahren vorzugsweise zum Generalmajor befördert wurde. Der Berliner hatte als Kommandeur dieser Elite-Einheit viel vor, doch wie so oft sollte es ganz anders kommen.

Am 28. Jänner fuhren die Panzer der "Gespensterdivision" einen Angriff gegen feindliche Stellungen bei Schepetowka. Diese waren mit Minenfeldern und Pakgürteln gesichert, wurden von erfahrenen Regimentern verteidigt und durch massenhaft Artillerie unterstützt.

Als der Angriff trotz anfänglicher Erfolge steckenzubleiben drohte, ließ Generalmajor Schulz seine Kommandeure zur Gefechtsfeld-Besprechungen antreten. Wenige Augenblicke später setzte plötzlich russisches Granatwerferfeuer auf die deutschen Stellungen ein. In der Turmluke seines Panzern stehend, wurde Schulz von einem Granatsplitter am Kopf getroffen. Obwohl er sofort in ein nahegelegenes Feldlazarett gebracht wurde, starb er noch am selben Tag. Am 30. Jänner wurde sein Tod im Wehrmachtsbericht bekanntgegeben

Die deutsche Bundeswehr ehrte den gefallenen Brillantenträger später mit der „General Schulz“-Kaserne in Munster.

 

Ritterkreuz ( 29. September 1940) Eichenlaub (31. Dezember 1941) Schwerter (6. August 1943) Brillianten (14. Dezember 1943) 

 

Anmerkung des Autors:

Das ausgewiesene Panzerkampfabzeichen in Gold ist nicht amtlich bestätigt.

Für die Bereitstellung des Fotos bin ich Hrn. Peter Stockert sehr zu Dank verpflichtet.

Der Vorname lautet Adelbert, nicht wie oftmals publiziert Adalbert.

 

QUELLE: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, www.bergerbuch.at