von Schemmel, Nikolaus

 

* 25. Dezember 1873, Geldersheim, Kreis Schweinfurt

† 18. März 1959, Gräfeling, Kreis München

 

Nikolaus Schemmel trat nach seinem Abitur und drei Semestern Jurastudium am 1. Oktober 1893 als Einjährig-Freiwilliger in die Königlich Bayerische Armee ein. Der Sohn eines Landwirts kam dabei zum 9. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment "Wrede". Bei diesem wurde er dann nach dem Besuch der Kriegsschule am 4. März 1895 zum Sekondeleutnant befördert. Als solcher wurde er dann als Kompanieoffizier im 9. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment "Wrede" eingesetzt. Durch die Umbenennung seines Dienstgrades wurde er am 1. Januar 1899 zum Leutnant ernannt. Am 9. März 1904 wurde er zum Oberleutnant befördert. Am 1. Oktober 1905 wurde er dann für drei Jahre zur Kriegsakademie kommandiert. Am 28. Oktober 1908 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Hauptmann zum Adjutant der 4. bayerischen Infanterie-Brigade ernannt. Ab dem 1. Oktober 1910 wurde er als Hilfsreferent im bayerischen Kriegsministerium eingesetzt. Am 1. Oktober 1912 wurde er dann als Kompaniechef zum 20. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment "Prinz Franz" versetzt. Bei Beginn des 1. Weltkrieges kam er dann als Chef der 3. Kp. vom 20. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment "Prinz Franz" ins Feld. Am 26. Dezember 1914 wurde er dann zum Kommandeur des II. Bataillons vom 20. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment "Prinz Franz" ernannt. Als solcher wurde er am 11. Januar 1915 zum Major befördert. Ende Mai 1916 wurde er für etwa zwei Wochen zum Kommandant des Forts Douaumont ernannt. Mitte August 1916 wurde er dann in den Generalstab vom bayerischen I. Armeekorps versetzt. Am 12. April 191 wurde er dann zum 1. Generalstabsoffizier (Ia) der bayerischen 5. Infanteriedivision ernannt. Am 18. August 1918 wurde er dann zum Kommandeur vom 30. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment ernannt. Mitte Oktober 1918 wurde er dann als Sektionschef in das Ministerium für Militärische Angelegenheiten versetzt. Im Ersten Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz widerspiegelte. Außerdem wurden ihm neben dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern und beiden Eisernen Kreuze noch weitere Auszeichnungen verliehen. Nach dem Krieg wurde er dann am 1. März 1919 mit Urlaub entlassen. Ab dem 27. Mai 1919 wurde er dann als Kommandeur der freiwilligen Sammelstelle des bayerischen Schützenkorps eingesetzt. Am 1. Oktober 1919 als Major in das Reichsheer übernommen. Am gleichen Tag wurde er dann zum Kommandeur des III. Bataillons vom Reichswehr-Schützen-Regiment 41 ernannt. Auch beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 versah er in dieser Funktion seinen Dienst. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann zum 19. (Bayer.) Infanterie-Regiment. In diesem wurde er weiter als Bataillonskommandeur eingesetzt. Als solcher wurde er Ende 1920 zum Oberstleutnant befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Oktober 1920 festgelegt. Am 1. Januar 1923 wurde er dann in das Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin versetzt. Am 1. Oktober 1923 wurde er dann zum Leiter der Heeres-Personalabteilung (P 2) im Heeres-Personalamt (PA) ernannt. Als solcher wurde er am 1. November 1924 zum Oberst befördert. Am 1. Februar 1928 wurde er dann als Nachfolger von Oberst Otto Ritter von Saur zum Kommandeur vom 21. (Bayer.) Infanterie-Regiment in Nürnberg ernannt. Als solcher wurde er am 1. November 1928 zum Generalmajor befördert. Am 31. Januar 1929 gab er sein Kommando an Oberst Friedrich Dümlein ab. Er wurde an diesem Tag aus der Reichswehr verabschiedet.

Bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg wurde er im Sommer 1939 z.V. gestellt. Anfang Dezember 1939 wurde er zum Kommandant vom Kriegsgefangenenlager für Offiziere VII B (Oflag VII B) in Murnau ernannt. Am 14. November 1940 wurde er dann zum Kommandeur der Kriegsgefangenen im Wehrkreis XIII ernannt. Im März 1941 erhielt Schemmel auf einer Konferenz sämtlicher Kommandeure der Kriegsgefangenen Kenntnis vom bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion und der Absicht, die zukünftigen Gefangenen nicht nach den Regeln der Genfer Konvention zu behandeln. Für ihn selbst waren die Informationen von Generalleutnant Hermann Reinecke eher allgemeiner Natur, da der Wehrkreis XIII nicht für die Aufnahme von sowjetischen Kriegsgefangenen vorgesehen und insofern von seiner Seite nichts zu veranlassen war. Das änderte sich schlagartig in der zweiten Julihälfte 1941, als das OKW beschloss, in Schemmels Wehrkreis mit dem Oflag 62 (XIII D) Hammelburg das einzige Kriegsgefangenenlager für sowjetische Offiziere einzurichten, und dieses umgehend mit Gefangenen belegte, einen Sachverhalt der die dortigen Militärbehörden völlig überraschte. Nahezu gleichzeitig kamen auf allerhöchsten Befehl 2.000 Rotarmisten zum Arbeitseinsatz nach Nürnberg-Langwasser. Zwei Wochen später hielten sich auch in sämtlichen Stalag's des Wehrkreises XIII, dem Stalag XIII A in Sulzbach-Rosenberg, dem Stalag XIII B in Weiden, dem Stalag XIII C in Hammelburg und dem Stalag 359 in Falkenau, sowjetische Soldaten auf, so dass Generalmajor Schemmels Zuständigkeitsbereich der erste flächendeckend mit sowjetischen Kriegsgefangenen belegte im Reich war. Die ankommenden Gefangenen befanden sich in dem schlechten körperlichen Zustand, den man auch bei anderen Stalags beschrieben findet und der sich durch mangelhafte Unterbringung und Ernährung im Winter 1941/42 rapide verschlechterte. Die Sterberate war infolgedessen so hoch, das sich beispielsweise der Arbeitseinsatz auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände schon nach kurzer Zeit als unmöglich erwies. Wiederholt wurden die Lagerkommandanten bei Schemmel vorstellig und machten ihn eindringlich auf die Verhältnisse aufmerksam. Nachdem er sich selbst auf Inspektionsreisen davon überzeugt hatte, dass die Berichte aus den Stalags zutrafen (im Oflag 62 scheinen die Lebensumstände etwas erträglicher gewesen zu sein), regte er bei der Abteilung Kriegsgefangene im OKW mehrfach an, die Verpflegungsrationen zu erhöhen, hatte jedoch damit genauso wenig Erfolg wie sein Kollege im Wehrkreis IV Dresden, mit dem er in dieser Frage Kontakt aufnahm. Er berief sich bei der Duldung der Vorgänge auf eindeutige Befehle vom OKW. Nach seiner Ansicht war ein Befehl auszuführen, unabhängig von seinem Inhalt. Es stand ihm seiner Meinung nach nicht zu diese Befehle zu kritisieren geschweige denn seine Ausführung in Frage zu stellen. Auch als er im Winter 1941/42 davon erfuhr, dass ausgesonderte Gefangene nach Dachau und Flossenbürg zur Exekution gebracht wurden, nahm er dieses ohne Widerspruch zur Kenntnis. Zum 1. Januar 1942 wurde er zum Generalleutnant z.V. befördert. Am 1. April 1942 gab er sein Kommando als Kommandeur der Kriegsgefangenen vom Wehrkreis XIII ab. Er wurde dafür in die Führerreserve versetzt. Am 31. Mai 1942 wurde seine Mobilmachungsverwendung aufgehoben.