Rendulic, Dr. Lothar

 

* 23. Oktober 1887, Wiener-Neustadt

† 18. Januar 1971, Efferding / Österreich

 

Lothar Rendulic besuchte die Militärakademie in Wiener-Neustadt und trat am 8. August 1910 als Leutnant in das k.u.k. Infanterie-Regiment "Georg I., König der Hellenen" Nr. 99 ein. Nachdem er die Aufnahmeprüfung zur Kriegsschule bestanden hatte, brach der 1. Weltkrieg aus. Er wurde jetzt mit der 10. Kompanie seines Regiments an die Ostfront verlegt.  Dort wurde er am 4. August 1914 zum Oberleutnant befördert. Im Oktober 1914 wurde er schwer verwundet. Von dieser Verletzung war er erst im Frühjahr 1915 wieder erholt. Er kehrte aber nicht zu seinem Regiment zurück, sondern begann jetzt seine Generalstabslaufbahn. Er wurde jetzt in verschiedenen Generalstabsstellen eingesetzt, dabei auch mehrmals bei der 31. Infanteriedivision. Im Herbst 1916 wechselte er zur Südfront. Noch während des Krieges studierte er als Soldat Jura an der Universität Wien. 1920 beendete er sein Studium und promovierte im Dezember 1920 zum Doktor der Rechts- und Staatswissenschaften. Inzwischen zum Hauptmann befördert, wurde er Anfang 1921 Lehrer an der österreichischen Heeresschule und am 1923 an der Generalstabsschule. 1925 wurde er als Major Bataillonskommandeur beim 4. (Preuß.) Infanterie-Regiment. 1929 wurde er zum Oberstleutnant befördert und im Sommer 1933 als Oberst Militärattaché in Frankreich und England. Am 1. Februar 1936 wurde er in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 aber wieder reaktiviert und am 1. April 1938 zum Chef des Generalstabes vom XVII. Armeekorps ernannt. Mit diesem Generalkommando nahm er dann am Polenfeldzug teil. In diesem ist sein Sohn Lothar gefallen. Am 1. Dezember 1939 wurde er zum Generalmajor befördert. Als solcher wurde er am 8. Juni 1940 mit der Führung der 14. Infanterie-Division betraut. Am 5. Oktober 1940 wurde er dann zum Kommandeur der 52. Infanterie-Division ernannt, mit der er ab Juni 1941 in Russland kämpfte. Am 1. Dezember 1941 wurde er zum Generalleutnant befördert. Am 26. Dezember 1941 wurde er mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Für seine Führungsleistungen bei den Kämpfen vor Moskau im Winter 1941/42 und im Raum Juchnow wurde er am 6. März 1942 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 1. November 1942 wurde er zum Kommandierenden General des XXXV. Armeekorps ernannt und am 1. Dezember 1942 zum General der Infanterie befördert. Mit dem Korps nahm er am Unternehmen Zitadelle und der anschließenden Schlacht um Orel teil. Anfang August 1943 übernahm er den Oberbefehl über die 2. Panzerarmee auf dem Balkan. Am 15. August 1943 wurde er mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 1. April 1944 folgte seine Beförderung zum Generaloberst. Ende Juni 1944 wurde er Oberbefehlshaber der 20. Gebirgsarmee, die er aus Russland und Finnland nach Norwegen zurückführte. Am 18. Januar 1945 wurde er für die Rückführung der Armee mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet. Anschließend wurde er am 27. Januar 1945 Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord in Ostpreußen. Ab dem 10. März 1945 führte er noch die Heeresgruppe Kurland. Ab dem 6. April 1945 übernahm er dann als Oberbefehlshaber die Heeresgruppe Süd. Durch die Umbenennung seines Stabes wurde er am 30. April 1945 zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Ostmark ernannt. Diese führte er kurz vor der Kapitulation in amerikanische Gefangenschaft, um so einer russischen Gefangenschaft zu entgehen. Im Jahr 1948 wurde er im Geiselmordprozess wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an der Zivilbevölkerung in Jugoslawien zu 20 Jahren Haft verurteilt. Nach einem Gnadengesuch wurde das Strafmaß am 31. Jänner 1951 durch den amerikanischen Hochkommissar John Jay McCloy auf 10 Jahre gekürzt. Im gleichen Jahr wurde Rendulic aber wie die meisten verurteilten Kriegsverbrecher vorzeitig aus der Haft im Gefängnis Landsberg entlassen. Nach seiner Entlassung war er als Schriftsteller tätig und verfasste einige Bücher, die das in der Nachkriegszeit populäre Bild von der „sauberen Wehrmacht“, die stets „anständig“ geblieben sei und „ehrenhaft“ gekämpft habe, in breiten Bevölkerungskreisen salonfähig machen halfen. 1957/58 war er als möglicher Bundesparteiobmann der FPÖ im Gespräch.

 

Ritterkreuz (6. März 1942) Eichenlaub (15. August 1943) Schwerter (18. Januar 1945)