Kübler, Ludwig

 

* 2. September 1889, Unterdill (Oberbayern)

† 18. August 1947, Laibach (hingerichtet)

 

Ludwig Kübler war der Sohn des Arztes Wilhelm Kübler und dessen Ehefrau Rosa, geborene Braun. Er hatte sechs Brüder und zwei Schwestern. 1895 wurde er in die Volksschule von Forstenried eingeschult. Nach drei Jahren wechselte er auf eine Schule nach München, wo er auch seinen Schulabschluss machte. Bis 1902 besuchte er das Progymnasium des Klosters Schäftlarn und anschließend das Rosenheimer Gymnasium sowie das Münchner Ludwigsgymnasium, wo er 1908 sein Abitur ablegte. Ludwig Kübler trat am 20. Juli 1908 als Fahnenjunker in die Bayerische Armee ein. Er kam dabei zum 15. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment "König Friedrich August von Sachsen" nach Neuburg an der Donau. Am 16. Oktober 1908 wurde er zum Fahnenjunker und am 20. Februar 1909 zum Fähnrich ernannt. Nach dem Besuch der Kriegsschule München vom 1. Oktober 1909 bis zum 14. Oktober 1910, die er als Fünftbester von 166 Teilnehmern seines Jahrganges abschloss, wurde er am 23. Oktober 1910 zum Leutnant befördert. Mit der MG-Kompanie seines Regiments kam er dann bei Beginn des 1. Weltkrieges an die Front. Im August und September 1914 nahm er an den Kämpfen in Lothringen und Saint-Quentin als Zugführer teil. Am 24. September 1914 erlitt er eine schwere Verletzung durch Granatsplitter, welche eine auffällige große Narbe in seinem Gesicht hinterließ. Obwohl die Verletzung noch nicht ganz ausgeheilt war, kehrte er bereits am 13. Januar 1915 zu seinem Regiment zurück, das zu dieser Zeit an der Somme kämpfte. Am 9. Juli 1915 wurde er zum Oberleutnant befördert und am 21. September 1915 zum Regimentsadjutanten ernannt. 1916 nahm Ludwig Kübler mit seinem Regiment an der Schlacht um Verdun sowie an der Schlacht an der Somme teil. Die Position als Adjutant des Regiments behielt er bis zum Herbst 1917.  Da Kübler inzwischen hauptsächlich mit Stabsarbeit beschäftigt war, erhielt er im Oktober 1917 im Stab der 2. (bayerischen) Infanterie-Division eine improvisierte Generalstabsausbildung unter Kriegsbedingungen. Vom 25. Januar bis zum 31. März 1918 führte er anschließend die Maschinengewehr-Kompanie seines Stammregiments. Anschließend übernahm Kübler bis zum 11. April die Maschinengewehr-Scharfschützenabteilung 2. Nach einer kurzzeitigen Versetzung zum II. Bataillon des 12.  Königlich Bayerischen Infanterieregiments wurde ihm am 26. Juni 1918 erneut die Führung der Maschinengewehr-Kompanie im 15. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment "König Friedrich August von Sachsen" übertragen. Schon im Juli stieg er zum stellvertretenden Kommandeur des II. Bataillons auf. Die 1914 erlittene Wunde brach jedoch erneut auf, so dass sich Kübler wieder ins Lazarett begeben musste. Er beendete den Krieg als stellvertretender Kommandeur des II. Bataillons im Rang eines Hauptmanns (Beförderung vom 18. August 1918). Während des Krieges waren drei seiner Brüder gefallen.  Zum Zeitpunkt des Waffenstillstandes von Compiègne am 11. November 1918 lag Kübler im Reservelazarett in Erlangen. Nach seiner Entlassung übernahm er am 16. Februar 1919 die Heimatschutz-Kompanie des 15. bayerischen Infanterie-Regimentes. Mit dieser beteiligte er sich neben dem Freikorps Epp und anderen Truppen an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik. Dabei nahm er an den Kämpfen in Augsburg vom 20. bis 23. April und der Besetzung des Allgäus teil. In einer Beurteilung seines Vorgesetzten wurde Kübler im August 1919 erstmals als „kaltblütig und unerschrocken“ charakterisiert. Nach weiteren kurzfristigen Verwendungen als Adjutant und Ordonnanzoffizier verschiedener Einheiten (Infanterie-Führer 21 und 22) erhielt Kübler am 15. Oktober 1919 eine Planstelle als Chef der 10. (Gebirgsjäger-) Kompanie des III. (Gebirgsjäger-) Bataillons im Reichswehr-Schützen-Regiment 42 in Kempten (Allgäu). Da seine Vorgesetzten sich für seinen Verbleib in den Streitkräften einsetzten, wurde er auch bei deren Verkleinerung in die neue Reichswehr übernommen. Am 1. Oktober 1921 wurde er dann in das Reichswehrministerium nach Berlin versetzt. Dort wurde er dann in der Heeres-Abteilung (T 1) vom Truppenamt (TA) eingesetzt. Dort verbrachte er dann die nächsten Jahre. Ab 1925/26 wurde er dann beim Generalstab vom Gruppenkommando 1 in Berlin eingesetzt. Am 1. Oktober 1927 wurde er für die nächsten Jahre in den Stab der 1. Division der Reichswehr nach Königsberg versetzt. Dort wurde er am 1. August 1928 zum Major befördert. Am 1. Juni 1931 wurde er dann zum Kommandeur des I. Bataillons vom 19. (Bayer.) Infanterie-Regiment in München ernannt. Als solcher wurde er am 1. April 1932 zum Oberstleutnant befördert. Im Herbst 1933 wurde er dann in den Stab der 7. Division der Reichswehr nach München versetzt. Er wurde dort am 1. November 1933 zum Chef des Stabes der 7. Division der Reichswehr ernannt. Als solcher wurde er am 1. Juli 1934 zum Oberst befördert. Bei der Erweiterung der Reichswehr am 1. Oktober 1934 wurde er damit zum Chef des Stabes vom VII. Armeekorps ernannt. Während der Tätigkeit im Stab des Generalkommandos pflegte Kübler engen Kontakt zur NSDAP, der SA und SS. Am 1. Juni 1935 wurde er dann zum Kommandeur der in München neu aufgestellten Gebirgs-Brigade ernannt. Kübler beteiligte sich somit maßgeblich an der Organisation dieses Großverbands. Er überwachte sowohl den Ausbau von deren Liegenschaften als auch die Ausbildung und Ausrüstung der angehörigen Soldaten. Schon hier zeigte sich seine rücksichtslose Einstellung gegenüber den eigenen Soldaten. So erklärte er nach einem Manöver gegenüber einem Zugführer, der seine Stellung geräumt hatte: „Es gibt mehrere Möglichkeiten der Abwehr. Wenn aber Verteidigung befohlen ist, so kämpft jeder Soldat in seiner Stellung, bis der Feind erledigt oder bis er selbst entweder erschossen, erstochen oder erschlagen ist.“ Am 1. Januar 1938 wurde er als Brigadekommandeur zum Generalmajor befördert. Mit der Brigade, welche 1938 drei volle Gebirgsjäger-Regimenter (Nr. 98, 99 und 100) und das Gebirgs-Artillerie-Regiment 79 umfasste, nahm Ludwig Kübler ab dem 12. März 1938 am "Anschluss Österreichs" teil. Nach der Rückkehr der Brigade nach Deutschland wurde diese am 1. April 1938 in 1. Gebirgs-Division umbenannt Noch im selben Jahr wurde Küblers Division zur Vorbereitung des „Fall Grün“, dem Angriff auf die Tschechoslowakei, während der Sudetenkrise erneut mobil gemacht und noch im September in Grenznähe verlegt. Vom 1. bis zum 12. Oktober 1938 besetzte die 1. Gebirgs-Division gemäß dem Münchener Abkommen einen Teil des Sudetengebietes und kehrte später in ihre Garnisonen zurück.. Diese Division führte er dann bei Beginn des 2. Weltkrieges im Polenfeldzug. Dabei wurden ihm beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Außerdem wurde er am 27. Oktober 1939 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.  Nach dem Polenfeldzug war die 1. Gebirrs-Divisionen auf Grund der hohen erlittenen Verluste nicht mehr verwendungsfähig. Die Division hatte 1.402 Mann verloren darunter 42 Offiziere, 69 Unteroffiziere und 313 Mannschaften gefallen.[23] Damit entfielen knapp 5,5 % der gefallenen Offiziere im Polenfeldzug auf Küblers Division, welche vorläufig nicht mehr frontverwendungsfähig war. In den Reihen der Bataillons- und Regimentskommandeure regte sich Kritik wegen der hohen Verluste, für welche nach Oberst Schörner hauptsächlich Küblers „rücksichtslose Vorwärtstaktik“ verantwortlich war. Am 1. Dezember 1939 wurde Ludwig Kübler zum Generalleutnant befördert. Im Frühjahr 1940 führte er seine Division dann im Westfeldzug. Wieder war seine Führunjg durch den rücksichtslosen Einsatz seiner Soldaten mit entsprechend hohen Verlusten gekennzeichnet. Danach wurde er am 19. Juli 1940 zum General der Infanterie befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. August 1940 festgelegt. Ende Oktober 1940 gab er sein Kommando ab. Dafür wurde er jetzt zum Kommandierenden General des neuen XXXXIX. Gebirgs-Armeekorps ernannt. Mit diesem war er vorgesehen für das später abgesagte Unternehmen Felix (Eroberung von Gibraltar). Im Frühjahr 1941 führte er sein Generalkommando in den Balkanfeldzug. Danach wurde er im Sommer 1941 bei Beginn des Ostfeldzuges beim Angriff auf Südrussland eingesetzt. Nach den Grenzkämpfen war es Küblers Korps, welches Lemberg am 30. Juni erneut einnahm. In den nächsten Wochen durchbrach das Korps die Stalin-Linie und eroberte Winnyzja. Danach spielte Küblers Verband eine entscheidende Rolle in der Kesselschlacht bei Uman im Juli/August 1941. Danach marschierte das Korps durch die Nogaische Steppe und in das Donez-Becken, wo es am 21. Oktober 1941 Stalino eroberte. Im November/Dezember wurde es jedoch von den sowjetischen Truppen am Mius in die Verteidigung gezwungen. Während des Vormarschs fiel Kübler immer wieder durch drakonische Maßnahmen gegenüber der Zivilbevölkerung auf. So erließ er schon am 29. Juni 1941 einen in dieser Hinsicht bezeichnenden Befehl: „Die Meldung, daß Zivilisten in immer größerem Umfange auf den Schlachtfeldern plündern, häufen sich. Der Kommandierende General gibt daher, um dem zu begegnen, Befehl, daß alle erwachsenen zivilen Plünderer auf dem Schlachtfeld zu erschießen sind.“ Mit ebenfalls größter Härte reagierte Kübler auch im Raum Lemberg. Am 24. November 1941 wurde sein Dienstgrad in General der Gebirgstruppen umbenannt. Durch die Erfolge seines Korps erregte Kübler erneut die Aufmerksamkeit des Führerhauptquartiers, allerdings nicht ganz ohne eigenes Zutun. Er verfasste einen Bericht über die Kämpfe bei Uman, in dem er seine eigene Rolle besonders hervorhob („Gefechtsbericht des XXXXIX. (geb.) A.K. über die Verfolgungskämpfe aus dem Raum Winnica bis zur Einkreisung des Feindes im Raum Podwyssokoje“). Diesen Bericht schickte er direkt an das Führerhauptquartier und andere höhere Dienststellen, allerdings ohne das Armeeoberkommando der 17. Armee (AOK 17), dem sein Korps unterstand, davon zu unterrichten. Dieses erfuhr erst im Dezember 1941 durch Zufall von der Existenz des Berichtes und stellte im Nachhinein erhebliche Abweichungen von den Kriegstagebüchern der Armee und anderer beteiligter Verbände fest. Nach dem Beginn der russischen Winteroffensive vor Moskau im Dezember 1941 hatte Adolf Hitler eine reihe personeller Veränderungen vorgenommen. Dazu zählte die Ernennung Küblers am 19. Dezember 1941 zum Kommandierenden General der 4. Armee. Er konnte die Erwartungen Hitlers in ihn aber nicht erfüllen. Ende Januar 1942 musste er daher den Oberbefehl über seine Armee wieder abgeben. Er wurde jetzt in die Führerreserve versetzt, wodurch er auf ein Abstellgleis geraten war, von dem er ständig versuchte wieder ein Kommando zu bekommen. Erst am 22. Juli 1943 wurde er dann zum Kommandierenden General der Sicherungstruppen und Befehlshaber im Heeresgebiet Mitte ernannt. Dort lag seine Aufgabe vor allem in der Bekämpfung von Partisanen. Nach Ansicht seines Biographen Roland Kaltenegger war Kübler entschlossen, die Schmach von Moskau vergessen zu machen und nunmehr jeden Befehl auch mit größter Härte durchzusetzen. Im August kam für Kübler die Gelegenheit zur Rehabilitierung, als es den von ihm kommandierten Sicherungs-Divisionen 286, 203 und 221 gelang, in mehreren Unternehmen den sowjetischen Partisanenverband „Polk Grischin“ aufzureiben. Auch hier zeichnete er sich erneut durch Härte und drakonische Maßnahmen aus. Küblers Dienststelle wurde mit Wirkung zum 1. Oktober 1943 aufgelöst. Am 10. Oktober 1943 wurde er dafür zum Befehlshaber der Operationszone Adriatisches Küstenzone ernannt. Der General führte das Kommando über alle Wehrmachttruppen in diesem Raum. Seine Kompetenzen waren denen eines Wehrkreisbefehlshabers vergleichbar. Weil seinen Verbänden in der Partisanenbekämpfung jedoch die entscheidende Rolle zukam, ging sein Einfluss bald darüber hinaus. Knapp ein Jahr später wurde er dann durch die Umbenennung seines Stabes am 28. September 1944 zum Kommandeur vom LXXXXVII. Armeekorps ernannt. Ab dem Februar 1945 kam es zu heftigen Rückzugskämpfen zwischen Wehrmacht und Partisanenverbänden. Kübler erhielt vom Oberbefehlshaber Südost den Befehl, die Hafenstadt Rijeka möglichst lange zu verteidigen. Obwohl die Stellung im Norden und Süden von gegnerischen Truppen umgangen wurde und die Unterführer auf die Möglichkeit der Einkesselung hinwiesen, beharrte Kübler auf seinem Auftrag. Erst am 1. Mai 1945 befahl Kübler den Durchbruch nach Norden, um die Reichsgrenze zu erreichen – zu spät, wie sich herausstellte. Küblers Korps wurde im Raum Triest von der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee eingeschlossen. Kübler selbst soll nach Aussage des Regimentskommandeurs Carl Schulze während der folgenden aussichtslosen Kämpfe einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. Bereits am 5. Mai war die Erlaubnis des Oberbefehlshabers Südost eingegangen, Kapitulationsverhandlungen aufzunehmen. Diese begannen am 6. Mai. Am selben Tag wurde Kübler verwundet und General Hans von Hößlin übernahm an seiner Stelle das Kommando. Hößlin kapitulierte am 7. Mai 1945. Küblers Verwundung resultierte aus gegnerischem Granatbeschuss, der seine rechte Gesichtshälfte aufriss. In der Folge gab er seinen Burschen als Assistenzarzt aus, um der Verfolgung durch die Partisanen zu entgehen. Allerdings wurden beide durch einen Slowenen verraten und nach Rijeka verbracht. Dort lag der General mehrere Tage in einem Lazarett. Anschließend wurde er in das Donau-Generalslager in Belgrad verlegt. Zwischen dem 10. und dem 19. Juli 1947 fand vor der Militärstrafkammer in Ljubljana der Prozess gegen 14 Offiziere statt. Dabei wurde Kübler selbst durch seine ehemaligen Unterführer und Stabsoffiziere belastet. Am 17. Juli wurde er wegen „strafbarer Handlungen gegen Volk und Staat“ zum Tode durch den Strang verurteilt. Nach Ablehnung seines Gnadengesuches wurde er schließlich am 18. August 1947 in Ljubljana hingerichtet

 

Ritterkreuz (27. Oktober 1939)