Kirchheim, Heinrich

 

* 6. April 1882, Groß-Salze

† 14. Dezember 1973,

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Heinrich Kirchheim trat am 1. Mai 1899 in die Kaiserliche Armee ein. Er kam dabei zum 2. Westfälisches Infanterie-Regiment "Prinz Friedrich der Niederlande" Nr. 15 ein. Bei diesem wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule am 18. Oktober 1900 zum Leutnant befördert. 1904 ging er zur Schutztruppe nach Deutsch-Südwest-Afrika. Bei den Kämpfen mit aufständischen Eingeboren erwarb sich Kirchheim den Kronen-Orden 4. Klasse mit Schwertern. Nach zehn Jahren kehrte Kirchheim als Oberleutnant aus Afrika zurück und wurde ins Jäger-Bataillon Nr. 10 nach Goslar versetzt. Bei Kriegsausbruch war Kirchheim Führer der 1. Kompanie, welcher er bis 1916 führte. In diesem Jahr wurde Kirchheim Chef des Jäger-Bataillons Nr. 10. 1918 erhielt er für seine Führung des Bataillons im Kampf um Epéhy den Orden Pour le mérite verliehen. Nach der Rückkehr in die Garnison stellte Kirchheim das "Hannoversche Freiwillige Jäger-Bataillon Kirchheim" auf, mit dem er im Ost-Grenzschutz bei Rawitsch kämpfte. Er wurde dann als Hauptmann in das Reichsheer übernommen. Dabei wurde er dann zuerst dem Preußischen Kriegsministerium zugeteilt. Beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 gehörte er dann zum Reichswehrministerium (RWM). Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er dann als Kompaniechef in das 17. Infanterie-Regiment übernommen. In dieser Funktion wurde er dann bis zum Frühjahr 1923 eingesetzt. Dabei wurde er am 1. April 1923 zum Major befördert. Anschließend wurde er dann am 1. Mai 1923 als Adjutant zum Stab der 1. Kavallerie-Division nach Frankfurt an der Oder versetzt. Im Frühjahr 1926 wurde er dann abgelöst und dafür zum Kommandeur des Ausbildungs-Bataillons vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Schweidnitz ernannt. 1927/28 gab er sein Kommando ab und wurde dafür zum Kommandeur des III. Bataillons vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Breslau ernannt. Als solcher wurde er dann am 1. November 1928 zum Oberstleutnant befördert. Am 1. Februar 1930 wurde er dann zum Kommandant von Glatz ernannt. Als solcher wurde er am 1. April 1931 zum Oberst befördert. Am 31. März 1932 schied er aus dem aktiven Dienst der Reichswehr aus. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 wieder als Ergänzungsoffizier in den aktiven Dienst übernommen. Nacheinander wurde er dann als Oberst (E) als Wehrbezirkskommandeur der Wehrbezirkskommandos Arnsberg, Köln und Wien eingesetzt. Am 27. August 1939 wurden ihm als so genannten Tannenberg-General die Charakter als Generalmajor verliehen. Am 1. Oktober 1939 wurde er dann zum Kommandeur vom neuen Infanterie-Regiment 276 im Wehrkreis VIII ernannt. Am 1. Dezember 1939 wurde er zum Kommandeur der 169. Infanterie-Division ernannt. Diese Division führte er dann zum Ende des Frühjahrs 1940 in den Westfeldzug. Am 1. Juli 1940 wurde Kirchheim dann zum richtigen Generalmajor befördert. Nach dem Frankreichfeldzug wurde Kirchheim mit seiner Division als Besatzungstruppe in Lothringen eingesetzt. Am 1. Februar 1941 gab er sein Kommando ab und wurde dafür in die Führerreserve versetzt. Am 1. März 1941 wurde er als Leiter des Sonderstabes Libyen nach Afrika geschickt, um hier seine als Kolonialoffizier erworbenen Kenntnisse einzubringen. Kirchheim hatte eine beratende Funktion neben Rommel, der ihn wiederholt auch als Truppenführer einsetzte. An der Spitze der Voraus-Abteilung der italienischen Division "Brescia" nahm Kirchheim am 6. April 1941 Barees und zwei Tage später Derna. Am 10. April 1941 wurde er auf der Via Balbia in Richtung Tobruk fahrend durch einen Tieffliegerangriff verwundet. Am Straßenrand wartend kam dann der Generalmajor Heinrich von Prittwitz und Gaffron mit seinem Kübelwagen vorbei. Dieser sollte Artilleriestellungen vor der Festung Tobruk erkundigen. Er unterrichtete ihn dass sich bei Kilometer 13 italienische Sicherungen befinden. Als er sich nach wenigen Minuten ebenfalls in diese Richtung in Bewegung setzte kam ihm bei Kilometer 14 ein winkender Oberleutnant entgegen. Dieser war der Ordonanzoffizier von Generalmajor Heinrich von Prittwitz und Gaffron und teilte ihm den Tod vom Generalmajor Heinrich von Prittwitz und Gaffron und seinem Fahrer mit. Er befahl dem Oberleutnant einzusteigen und fuhr zurück. Später nach vorn gesendete Sanitätstrupps fanden den General und den Fahrer tot vor und brachten die sterblichen Überreste mit zurück. Trotz einer Verwundung nahm er an den Kämpfen um Tobruk teil und wurde am 14. Mai 1941 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 15. Juni 1941 wurde Kirchheim als Leiter des Sonderstabes Tropen nach Berlin ins OKH berufen. Dieser Stab wurde nach dem Verlust Afrikas im Mai 1943 aufgelöst. Kirchheim, der am 1. Juli 1942 zum Generalleutnant ernannt worden war, übernahm als Führer den Sonderstab C im OKH, dem Kontrollaufgaben in der Ausbildung des Ersatzheeres oblagen. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 gehörte er im August 1944 als Vertreter mit zum Ehrenhof der Wehrmacht, welcher die beschuldigten Offiziere aus der Wehrmacht ausstieß und diese damit in den Zugriff vom Volksgerichtshof brachten. Dieser Ehrenhof bestand hauptsächlich aus Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, Generaloberst Guderian, dem General der Infanterie Walter Schroth und Generalleutnant Karl-Wilhelm Specht als aktive Mitglieder. Vertreter war außer ihm noch General der Infanterie Karl Kriebel. Im Herbst 1944 wurde er für einige Monate Inspekteur der Wehrkreis-Inspektion Berlin, bis er im März 1945 in Folge einer schweren Krankheit ins Lazarett eingeliefert werden musste. Im April 1945 wurde er dann von den Westalliierten gefangen genommen. Aus der Gefangenschaft wurde er dann im Herbst 1947 wieder entlassen.

Nach dem Krieg lebte Heinrich Kirchheim in Nordrhein-Westfalen.

 

Ritterkreuz (14. Mai 1941)