Gericke, Walter

 

* 23. Dezember 1907, Bilderlahe / Hannover

+ 19. Oktober 1991, Alsfeld / Hessen

 

Walter Gericke trat am 3. April 1929 als Polizeianwärter in die Polizeischule Brandenburg a.d. Havel ein, wurde 1933 in der Berliner Landespolizeigruppe "General Göring" zum Leutnant befördert und wurde am 31. August 1935 zum Oberleutnant befördert. Am 1. Oktober 1935 kam er mit dem Regiment "General Göring" zur Luftwaffe. 1938 wurde er Chef der 4. / Fallschirmjäger-Regiment 1 und zum Hauptmann befördert. Am 9. April 1940 machte er seinen ersten Sprungeinsatz, als er mit seiner Kompanie die große Brücke zwischen den Inseln Falster und Seeland im Handstreich nahm. Damit war der Weg der deutschen Verbände nach Kopenhagen frei. Am 10. Mai 1940 sprang er mit seiner Kompanie an der Eisenbahn- und Straßenbrücke bei Dordrecht ab. Hier gelang der Kompanie die Eroberung der Straßenbrücke, die Eisenbahnbrücke wurde jedoch gesprengt. Walter Gericke wurde mit dem EK I ausgezeichnet. Anfang 1941 übernahm Gericke das IV. schwere Bataillon des Luftlande-Sturmregiments und sprang mit diesem am 20. Mai 1941 über Kreta ab. Er nahm an der Eroberung des Flugplatzes Malemes teil und erhielt für seinen Einsatz am 14. Juni 1941 das Ritterkreuz verliehen. Ab Dezember 1941 kämpfte er mit seinem Bataillon in Rußland am Mius und ab März 1942 am Wolchow. Am 1. Januar 1942 wurde er zum Major befördert und anschließend Bataillonskommandeur an der Luftwaffen-Erskampfschulen in Mourmelon und La Courtine in Frankreich. Im August 1943 wurde er Kommandeur des II. Bataillons des Fallschirmjäger-Regiments 6. Am 9. September 1943 nahm er am Sprungeinsatz das italienische Hauptquartier In Monte Rotondo bei Rom und wurde hierfür am 15. September 1943 mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Am 1. Dezember 1943 übernahm er als Kommandeur das Fallschirmjäger-Regiment 11 in Italien. Für die Führung seines Regiments bei den Kämpfen um das Vorfeld von Rom wurde er am 17. September 1944 mit dem Eichenlaub ausgezeichnet. Am 1. Juli 1944 zum Oberstleutnant befördert, war er anschließend Kommandeur der Führerschule des I. Fallschirmkorps in Verona. Im Januar 1945 begann er in Nord-Holland mit der Aufstellung der Sturm-Brigade Gericke, welche im April 1945 in der 21. Fallschirmjäger-Division in Holland aufging, deren Kommandeur er wurde. Am 8. Mai 1945 kapitulierte er mit seiner Division vor britischen Truppen südlich von Wilhelmshaven. Die Briten setzten Gericke als Kommandeur des Reservationsgebietes im Bereich Jever ein und ließen ihn als Volontär in einem Textilkaufhaus arbeiten, um seine zivile Karriere vorzubereiten. Er wurde am 9. November 1946 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, erhielt aber die Auflage, die britische Zone nicht zu verlassen. Da seine Frau mit den beiden Kindern zwischenzeitlich aus Stendal vor dem Einmarsch der Russen in die amerikanisch besetzte Zone nach Alsfeld geflohen war, setzte er sein Volontariat zunächst fort, bis er im Juni 1947 die Erlaubnis zur Übersiedelung nach Alsfeld erhielt. Gericke arbeitete dort zunächst in einer Textilfabrik und betätigte sich unter anderem als Vorsitzender der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft Alsfeld am Wiederaufbau. 1952 wurde er zum Stadtrat gewählt. Er engagierte sich im Bund ehemaliger deutscher Fallschirmjäger und wurde dort 1953 zum 2. Bundesleiter gewählt. 1955 wurde er 1. Vorsitzender. Walter Gericke trat 1956 als Oberst in die Bundeswehr ein. Unter seiner Führung entstand in Altenstadt bei Schongau die Fallschirmjägerschule, die heutige Luftlande- und Lufttransportschule. Für seine Verdienste um die Region erhielt Gericke am 2. November 1961 die goldene Ehrenmedaille der Stadt Schongau. Am 12. September 1961 erfolgte seine Ernennung zum Brigadegeneral und am 1. Oktober 1962 löste er Generalmajor Hans Kroh (ebenfalls ein Teilnehmer an der Kreta-Luftlandung) als Kommandeur der 1. Luftlandedivision ab. Am 25. September 1963 wurde Gericke zum Generalmajor befördert. Für seine Verdienste um den Aufbau der Bundeswehr wurde ihm am 25. März 1965 von Bundespräsident Heinrich Lübke das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Ritterkreuz (14. Juni 1941) Eichenlaub (17. September 1944)

Literatur und Quellen:
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 4 Bände, Bad Friedrichshall, 1996 / 1997
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 9 Bände, 4. überarbeitete Auflage, Bad Friedrichshall 2010 / 2011