Blaskowitz, Johannes

 

* 10. Juli 1883, Paterswalde / Ostpreußen + 5. Februar 1948, Nürnberg (Selbstm.)  

 

Johannes Blaskowitz besuchte die Kadettenanstalt in Köslin und Groß-Lichterfelde und trat am 2. März 1901 als Fähnrich in die preußische Armee ein. Am 27. Januar 1902 wurde er im 1. Posenschen Infanterie-Regiment Nr. 18 zum Leutnant befördert. Von 1909 bis 1911 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin und wurde anschließend Oberleutnant in der 3. Kompanie des 9. Badischen Infanterie-Regiments Nr. 170. 1914 war er als Hauptmann im Stab des Rastatter Infanterie-Regiments "Markgraf Ludwig Wilhelm" (3. Badisches" Nr. 111. Bei Kriegsausbruch wurde er dann Chef der 10. Kompanie. 1915 wurde er in ein Jäger-Regiment versetzt und ab 1916 fand er in diversen Generalstäben Verwendung. Er erwarb sich das Ritterkreuz mit Schwertern des Hausordens von Hohenzollern. Nach dem Krieg wurde er in die Reichswehr übernommen und in den Stab des Infanterieführers V nach Stuttgart versetzt. Am 1. Juni 1921 zum Major befördert, wurde er Kommandeur des III. Bataillons im 13. Infanterie-Regiment und am 1. April 1926 zum Oberstleutnant befördert. Anschließend wurde er in den Stab der 5. Division versetzt und am 1. Oktober 1929 zum Oberst befördert. Am 1. Oktober 1929 wurde er Kommandeur des 14. Infanterie-Regiments und am 1. Oktober 1932 wurde er zum Generalmajor befördert. Am 1. Februar 1933 wurde er Inspekteur der Waffenschulen im Reichswehrministerium und am 1. Dezember 1933 zum Generalleutnant befördert. 1935 wurde er zum Generalleutnant und Kommandanten des Wehrbezirks II in Stettin befördert. 1938 wurde er zum Feldkommandanten der Heeresgruppe 3 in Dresden. Er nahm am Einmarsch der Wehrmacht in Österreich teil und führte seine Verbände bei der Besetzung des Sudetenlandes und des tschechischen Teiles der ehemaligen Tschechoslowakei. Bei Mobilmachung im August 1939 wurde er Oberbefehlshaber der 8. Armee, die er aus dem schlesischen Raum nach Polen führte. Nach Ende der Kämpfe in Polen am 1. Oktober 1939 zum Generaloberst befördert, wurde er am 30. September 1939 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet, Anschließend wurde er Oberbefehlshaber Ost im besetzten Polen. Dabei mußte er auch die unter seinem Kommando stehendenden SS- und Polizei-Verbände unter Kontrolle halten. Nach der Verhängung mehrerer Todesurteile gegen Angehörige der SS schrieb Blaskowitz in einer Denkschrift im Februar 1940 an Hitler:
"Die Einstellung der Truppe zur SS und Polizei schwankt zwischen Abscheu und Hass. Jeder Soldat fühlt sich angewidert und abgestoßen durch diese Verbrechen, die in Polen von Angehörigen des Reiches und Vertretern der Staatsgewalt begangen werden."
Da Hitler einen solchen Angriff auf die SS mißbilligte, wurde Blaskowitz seines Postens enthoben, die Urteile gegen die SS-Mörder wurden aufgehoben. 1940 wurde ihm der Oberbefehl über die 1. Armee im besetzten Frankreich übertragen. Blaskowitz war darauf bedacht, mit der Bevölkerung ein akzeptables Verhältnis aufzubauen, ging aber mit aller Härte gegen die Résistance vor. Hitlers Politik stellte er nicht mehr in Frage. 1944 übernahm er das Kommando über die Heeresgruppe G, mit der er sich nach der Landung der Alliierten ins Elsass zurückzog. Für seine Führungsleistungen wurde er am 28. Oktober 1944 mit dem Eichenlaub ausgezeichnet. Am 25. Januar 1945 folgte die Verleihung der Schwerter. Im Januar 1945 übernahm er die Heeresgruppe H in Holland bis er am 5. Mai 1945 vor den Briten kapitulierte.
Von 1945 bis 1948 befand er sich in Gefangenschaft in Dachau, Allendorf bei Marburg und zuletzt in Nürnberg. Dort nahm er sich am 5. Februar kurz vor Beginn seiner Verhandlung bei den Nürnberger Prozessen (Fall XII: Prozess Oberkommando der Wehrmacht) das Leben, bei dem er als minderbelasteter Kriegsverbrecher vor Gericht stehen sollte. Von Mithäftlingen wurde der Verdacht geäußert, er sei von SS-Leuten ermordet worden, eine Vermutung, die jedoch nie weiter untermauert werden konnte.

Ritterkreuz (30. September 1939) Eichenlaub (28. Oktober 1944) Schwerter (25. Januar 1945)