Standort Kassel

Dönche-Lager
Graf-Haeseler-Kaserne
Husaren-Kaserne
Jäger-Kaserne
Train-Kaserne
Wittich-Kaserne
Fliegerhorst Kassel-Rothwesten
Industrieplatz Kassel-Waldau

Die über 1000 Jahre alte Großstadt Kassel liegt im Norden von Hessen im ehemaligen Wehrkreis IX und in ihr war auch das Wehrkreiskommando beheimatet. Die Geschichte der Kasseler Garnison erhält mit dem Beginn der stehenden Heere nach dem 30jährigem Krieg feste Umrisse, da ab diesem Zeitpunkt militärische Einheiten zur Dauereinrichtung der Stadt gehörten. Auf fast allen Kriegsschauplätzen des 17. und 18. Jahrhunderts kämpften und bluteten hessen-kasselsche Truppen. Vor Athen und Negroponte erwarb das Regiment Prinz Karl 1687/89 höchsten Ruhm. Erfolgreich verteidigten 1692 4.000 Hessen die Festung Rheinfels gegen 28.000 Franzosen. 1703 bei Speyerbach und 1704 bei Blenheim bewährten sich die Garde- und Dragonerregimenter Erbprinz und Auerochs. Eine große Leistung vollbrachte das Regiment Prinz Maximilian 1717 vor Belgrad, als Teile von ihm im Sturmangriff den Sieg des Prinz Eugen über das vierfach stärkere Türkenheer entscheiden halfen. In Erfüllung von Verträgen mit England kämpften hessische Truppen 1746 für die englische Krone in den schottischen Aufständen. Während des Siebenjährigen Krieges von 1756-1763 stand Hessen auf der preußischen Seite. Kasseler Regimenter waren in vielen Schlachten, so bei Hastenbeck, Krefeld, Sandershausen, Minden und Wilhelmstal entscheidend und ehrenvoll beteiligt, auch wenn sie nicht immer siegreich waren. 1776 wurden Truppen nach Amerika eingeschifft. 1783 kehrte der größte Teil der 17.000 Mann starken Truppen wieder in die Heimat zurück. Bei der Erstürmung des von Franzosen besetzten Frankfurt 1792 waren die Truppen Hessen-Kassels entscheidend beteiligt. Am Friedberger Tor in Frankfurt kündet noch heute ein Denkmal von der hessischen Tapferkeit. Im brabantischen Krieg von 1793 bis 1795, bei Jockgrim, Ostkappel, Wormhout in Flandern, bewährten sie sich erneut. Zur Jahundertwende zählte die Stadt Kassel circa 17.000 Einwohner. 1806 begann die Zeit in der das Land durch die Franzosen verwaltet wurde. Mit der Grande Armee Napoleons zogen 1812 25.000 Hessen nach Rußland. Nur 400 in Lumpen gehüllte Gestalten kamen im Frühjahr 1813 zurück. Am 30. September 1813 hielt General Tschernitscheff mit seinen Kosakenregimentern in Kassel Einzug. Aber auch die Einquartierung der plündernden Kosaken brachte manches Ungute für die Bevölkerung. Am 28. Oktober 1813 wurde Kassel nach vorübergehender Räumung durch Besetzung anderer russischer und preußischer Truppen frei. Für den 1815 erneut entbrannten Krieg gegen Frankreich stellte Kurhessen 12.000 Streiter. 1821 wurde durch Kurfürst Wilhelm II. eine Heeresreform durchgeführt, die hinsichtlich der Gliederung bis 1866 im wesentlichen gleich blieb. Die Truppenstärke wurde von 20.000 auf 7.000 herabgesetzt. Im Jahr 1860 zählte Kassel etwa 38.000 Einwohner. 1866 endete die Eigenständigkeit des Kurfürstentums Hessen-Kassel und aus diesem, dem Herzogtum Nassau und der freien Reichsstadt Frankfurt am Main war die preußische Provinz Hessen-Nassau geworden. In Kassel wurden als Hauptstadt einer Provinz und eines Regierungsbezirkes das Generalkommando des XI. Armeekorps, die Stäbe der 22. Division, sowie der 43. und 44. Infanterie- und der 22. Kavalleriebrigade stationiert. Ende Juli 1870 verließen die Kasseler Regimenter die Garnison zum Krieg mit Frankreich. Napoleon III. wurde am 5. September 1870 mit außergewöhnlich großem Gefolge in das Schloß Wilhelmshöhe eingewiesen, wo er als Gefangener bis zum 19. März 1871 blieb. Im ersten Weltkrieg wurde bei Niederzwehren ein Kriegsgefangenenlager errichtet, in dem es 1915 durch eingeschleppten Flecktyphus zum Massensterben kam. Ein stummer Zeuge davon ist der englische Soldatenfriedhof auf der Höhe vor Rengershausen. Die Oberste Heeresleitung verlegte 1918 ihren Sitz nach Wilhelmshöhe, wo der umfangreiche Befehlsapparat im Schloßhotel Quartier nahm. Mitte November 1918 traf Generalfeldmarschall von Hindenburg mit seinem Stab, darunter Generalquartiermeister General Gröner und Kriegsminister General Scheüch ein, um den Rückmarsch und die Demobilisierung einzuleiten. Den militärischen Schutz übernahmen Teile des Sturm-Bataillon 5 (Rohr). Zur Verstärkung wurde auch das Infanterie-Regiment 83 und das Feldartillerie-Regiment 11 im beschleunigten Transport nach Kassel gebracht. In der 83er Kaserne in Kassel wurden nach Verkleinerung der Reichswehr 4 Kompanien der Schutzpolizei untergebracht, welche 1935 wieder in die Wehrmacht überführt wurden. Dafür wurde in Kassel das Gruppenkommando 2 beheimatet. Mit der Einführung der Wehrhoheit 1935 wurden wieder mehrere Einheiten in Kassel stationiert. So auch das neue Generalkommando des IX. Armeekorps dessen Kommandierender General General der Artillerie Dollmann wurde, der gleichzeitig noch Befehlshaber im Wehrkreis IX wurde. Oberst Rittweger wurde erste Standortkommandant, sein Nachfolger der spätere Generalmajor Schaefer. Am Morgen des 21. August 1939 verließen die aktiven Kasseler Truppenteile ihren Standort im motorisierten Marsch über die Fuldabrücke durch die Leipziger Straße, nachdem die Bataillone der Infanterie auf dem Friedrichsplatz unter den Klängen ihrer Parademärsche am Regimentskommandeur vorbeigefahren waren. Die Aufstellung der neuen Divisionen erfolgte vorwiegend auf Truppenübungsplätzen, während in den Kasernen die Ersatztruppenteile der aktiven Einheiten die Ausbildung der einberufenen Ungedienten aufnahmen. Die Angehörigen der Landwehr (35. bis 45. Lebensjahr) wurden zu den Landesschützenverbänden einberufen. Letztere waren vergleichbar mit dem Landsturm des 1. Weltkrieges. Die Befehlsbefugnisse des IX. Armeekorps waren an das stellvertretende Generalkommando IX. Armeekorps übergegangen. Im Standort Kassel standen in den folgenden Kriegsjahren viele Einheiten. Als die Kasseler Truppen am Nachmittag des 23. Oktober 1939 nach dem Polenfeldzug und viertägigem Marsch wieder in die Garnison einzogen, waren ca. 100.000 Menschen da, um den Truppen von Bettenhausen her einen herzlichen Empfang zu bereiten. Vor dem Rathaus nahm der stellvertretende Kommandierende General, General der Infanterie z.V. Schniewindt, den Vorbeimarsch ab. Die aktiven Einheiten verblieben nun bis zum 29. Januar 1940 wieder im Standort. Bei grimmiger Kälte verließen sie dann die Stadt, um in der Lahngegend im Raum Limburg ihr Quartier zu beziehen. Ab 1941 bis 1945 befanden sich in Kassel auch Außenkommandos des Konzentrationslagers Buchenwald. Sie wurden zu Bauarbeiten und zu Bunkerarbeiten bei der Firma Henschel eingesetzt. In der Nacht vom 22. zum 23. Oktober 1943 wurde Kassel durch einen schweren Bombenangriff stark zerstört. Noch während der Katastrophe wurden die Ersatzeinheiten eingesetzt, um in der noch brennenden Stadt mit den Aufräumungsarbeiten zu beginnen, Verwundete zu versorgen, Verschüttete zu befreien, Tote zu bergen und zu beerdigen, Löscharbeiten zu leisten, Wasser heranzuschaffen, Straßen wieder befahrbar zu machen, Feldküchenverpflegung an die Bevölkerung auszugeben, Nachrichtenverbindungen herzustellen und jedwede Hilfe zu leisten. Die vom Stellvertretendem Generalkommando vorbereiteten Maßnahmen für den Katastrophenfall lösten sich automatisch aus, so daß in wenigen Stunden die militärischen Hilfsmannschaften in Kassel durch die Standorte Hersfeld, Hann. Münden und andere Standorte auf 24.000 Soldaten verstärkt wurden. Schwerbeschädigt zum Teil vernichtet waren die Kasernen, so daß erhebliche Unterbringungsschwierigkeiten entstanden. Weitere Luftangriffe erfolgten noch am 22., 27., 28. September, 2.,7., 8. Oktober, 15. Und 3. Dezember 1944, am 21., 29. Januar, 20. Februar und am 8. Und 9. März 1945. Nach dem letzten Angriff erlosch das Garnisonsleben in Kassel nahezu ganz, um so mehr, als auch von Westen die feindliche Front näher rückte und die Ersatzeinheiten und Dienststellen Kassel verlassen hatten. Plünderungen durch Fremdarbeiter, Kriegsgefangene und gewissenlose Deutsche leiteten die letzte Phase des Krieges ein, als am 2. Ostertag, dem 2. April 1945, nach einigen Plänkeleien und teilweise heftigem feindlichen Geschützfeuer auf Kassel sich vorsichtig vorfühlende amerikanische Infanterie, dabei unterstützt von Panzern, näherte und am gleichen Tag die Stadt besetzte. Es gab noch einige Tote in der Stadt, Plünderungen im größeren Umfang, Not und Elend bei den Kasselanern. Mit der Besetzung durch die Amerikaner gab es keine Garnisonsstadt Kassel mehr. Im Jahr 1952 nahmen belgische Truppen in den wiederhergestellten Teilen der Lüttich-Kaserne ihr Quartier. Mit der Aufstellung des Bundesgrenzschutzes wurde Kassel im September 1951 wieder deutsche Garnison. Seit dem 1. Juli 1956 war Kassel auch wieder Standort der Bundeswehr. Am 15. Mai 1955 wurde in Kassel die Ehrentafel der 29. Division an der Kriegergedächtnisstätte in der Karlsaue unter mehrtausendfacher Anteilnahme eingeweiht.

Einheiten der Garnison:

Fronttruppenteile:

Infanterie-Regiment 15 (motorisiert) (komplett mit Erg-Bataillon)

Artillerie-Regiment 9 (III. Abteilung)

Artillerie-Regiment 29 (III. Abteilung)

Panzer-Abwehr-Abteilung 9

Panzer-Abwehr-Abteilung 29

Panzer-Abwehr-Abteilung 37

Maschinengewehr-Bataillon 59

Nachrichten-Abteilung 34

Nachrichten-Abteilung 37

Landesschützen-Regiment 1/IX

Landesschützen-Bataillon 602

Landesschützen-Bataillon I/IX 

Landesschützen-Bataillon II/IX

Luftnachrichten-Regiment 233

Kampfgruppe 9/IX

Kampf-Bataillon Kassel

Flakgruppe Giessen-Kassel

Flak-Gruppe Kurhessen-Kassel (schwere 112, 351, 392, 393, 635; leichte 933, 941, 986; Scheinwerfer 328, 367)

Flak-Regiment 38 

Flak-Regiment 181

Flak-Regiment 103(o)

Sperrfeuerbatterien 279, 280, 281, 282

Ersatz- und Ausbildungstruppenteile:

Division Nr. 159

Division z.b.V. 409

Infanterie-Ersatz-Regiment 52

Infanterie-Ersatz-Bataillon (motorisiert)15

Infanterie-Ersatz-Bataillon 367

Grenadier-Ersatz-Bataillon 163

Sanitäts-Ersatz-Abteilung 9

Fla-Ersatz-Bataillon 59

Kraftfahr-Park Ersatz-Abteilung 9

Landesschützen-Ersatz-Bataillon 9

schwere Flak-Ersatz-Abteilung 64

Kommandobehörden:

Gruppen-Kommando 2

Generalkommando IX. AK

Wehrkreis-Kommando IX. 

Höherer Kavallerie-Offizier 2

Höherer Pionier-Offizier 2

Kommandeur der Panzer-Abwehr-Truppen IX

Kommandeur der Nachrichten-Truppen IX

Kommandeur der Kraftfahrparktruppe IX

Kommandeur der Kriegsgefangenen Nr. IX

Feldzeug-Kommando IX 

Feldzeug-Kommando XXX

Höherer Nachrichten-Offizier 2 

Nachrichten-Kommandantur 

Transport-Kommandantur 

Rüstungskommando Kassel

Örtlicher Führer der Sperrfeuerbatterien Kassel

 

Verwaltungstruppenteile:

Sanitäts-Staffel

Wehrersatz-Inspektion

Wehrbezirks-Kommando I u. II

Wehrmeldeamt

Wehrmachtfürsorge- und Versorgungsamt

Wehrmachtfürsorgeoffizier

Wehrwirtschaftsoffizier (Wehrkreis IX)

Wehrwirtschafts-Inspektion IX

Wehrwirtschaftsstelle Bz. Kassel

Psychologische Prüfstelle IX

Standortlazarett

Feste Funkstelle

Heimat-Kraftfahr-Bezirk IX Kassel

Eisenbahn-Küchenwagen Abteilung 2

Wehrkreis-Sanitäts-Park IX

Wehrkreis-Sanitäts-Lager IX

Heeres-Feldzeugverwaltung IX

Heeres-Zeugamt m.H.R.Ma.

Heeres-Nebenzeugamt

Heeres-Munitionsanstalt

Heeres-Bezirksabnahmestelle

Rüstungsinspektion IX

Kommando des Streifendienstes im Wehrkreis IX

Oberst-Kriegsgerichtsrat d. Dienstaufsichtsbezirks III

Oberst-Kriegsgerichtsrat d. Dienstaufsichtsbezirks 2

Gericht des IX. Armeekorps 

Gericht der 29. Division, Zw.St.

Evangelischer Wehrkreis-Pfarrer IX 

Katholischer Wehrkreis-Pfarrer IX

Evangelischer Standortpfarrer

Katholischer Standortpfarrer

Wehrkreis-Bücherei IX 

Heeresfachschule (V.W.) 

Heeresfachschule (V) 

Heeresfachschule (L.)

Heeresfachschule (Forst) 1 u. 2

W.V. IX

Heeres-Standort-Verwaltung I u. II

Heeres-Verpflegungs-Hauptamt

Heeres-Bauamt I. u. II

Chemische Untersuchungsstelle des XK IX

Abwehrstelle im Wehrkreis IX

Heeresabnahmestelle I Henschel und Sohn

Heeresabnahmestelle II Henschel und Sohn

Heeres-Abnahmestelle Fennel und Sohn

Heeres-Abnahmestelle Wegmann und Comp.



Einrichtungen:

Standortarrestanstalt

Wehrkreis-Bücherei

Wehrkreis-Druckerei

Heeres-Munitionsanstalt Ihringshausen

Heeres-Standort-Lazarett

Reserve-Lazarett I

Reserve-Lazarett II

Reserve-Lazarett III

Reserve-Lazarett IV

Reserve-Lazarett V

Reserve-Lazarett VI

Reserve-Lazarett VII

 

Literatur und Quellen:

Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934 - 1945 - und was davon übrig blieb, VDM-Verlag, 1. Auflage 2010

Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939 - 1945, Band 16, Teil 3. Biblio-Verlag Osnabrück 1996

Reichsgesetzblatt 1941 Teil I, Seiten 397ff.