Sturmgeschütz-Abteilungen / Sturmartillerie-Abteilungen
Aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs entstand die Forderung nach
einer "Begleitartillerie auf Selbstfahrlafetten für die Infanterie- und
Panzerabwehr". Truppendienstlich unterstand die neue Waffe der Waffengattung
Artillerie. 1937 entstand ein Prototyp (Sd.Kfz. 142) mit 7,5-cm-Geschütz, der
fortan die Grundform des späteren Sturmgeschützes definierte: Ein Kasematt-Panzer
mit 7,5-cm-Kanone, vier Mann Besatzung und Funkeinrichtung. Im Gefecht musste
das Fahrzeug zunächst grob auf das zu bekämpfende Ziel ausgerichtet werden,
bevor der Richtschütze die Kanone per Handkurbel auf das Ziel richten konnte.
Ihre erste Bewährung erlebte die Sturmartillerie im Westfeldzug. Rasch erfolgte
der Aufbau zahlreicher Sturmgeschützabteilungen und später
Sturmgeschützbrigaden, die bis 1943 ausschließlich aus Freiwilligen rekrutiert
wurden. Als erste Abteilung wurde im Spätsommer 1940 die Sturmgeschützabteilung
184 mit insgesamt 18 Sturmgeschützen in drei Batterien aufgestellt. Bis zum
Balkanfeldzug im Frühjahr 1941 wurden noch die Abteilungen 185, 190 und 191
aufgestellt und auf dem Balkan eingesetzt. Die Sturmgeschützabteilung 191
unterstützte die 72. Infanterie-Division zum Beispiel bei den Kämpfen um die
griechische Metaxaslinie. Am 1. Juni 1941 gab es im Heer bereits 15
selbstständige Sturmgeschützabteilungen und fünf selbstständige
Sturmgeschützbatterien. Außerdem hatten das Infanterieregiment Großdeutschland
und die Leibstandarte SS Adolf Hitler eine eigene Sturmgeschützbatterie. Alle
Sturmgeschützeinheiten wurden beim Angriff auf die Sowjetunion als
Schwerpunktwaffe zur Infanterieunterstützung eingesetzt. Dadurch wechselten die
Unterstellungen häufig. Bis Jahresende gingen von den 377 im Osten eingesetzten
Sturmgeschützen 95 verloren.
Trotzdem erhöhte sich der Bestand von
Sturmgeschützen an der Ostfront ständig. Am 1. April 1942 standen 623
Sturmgeschütze in 19 Sturmgeschützabteilungen und einer selbstständigen Batterie
bereit. Bis zum 1. Juni 1943 erhöhte sich die Anzahl auf 1422 Sturmgeschütze in
26 Sturmgeschützabteilungen und zwei selbstständigen Batterien. Am 1. November
1942 wurde die Sollstärke der Abteilungen auf 31 Sturmgeschütze (je zehn in drei
Batterien und eines für den Abteilungsstab) erhöht. Im weiteren Kriegsverlauf
regte der Erfolg der Sturmartillerie zu weiteren Differenzierungen an; neben der
Aufgabe, fast ausschließlich im direkten Richten der Infanterie als
Begleitartillerie zu folgen, entstand die Panzerartillerie mit motorisierten
Selbstfahrlafetten und Panzerhaubitzen für den weitreichenden artilleristischen
Feuerkampf. Vor allem aber bewährten sich Sturmgeschütze als Panzerjäger –
allein bis 1944 wurde nur den Sturmgeschützen der Abschuss von 20.000
Feindpanzern zugerechnet. Diese Aufgaben übernahm jedoch einerseits zunehmend
die Panzerjägertruppe mit ihren Jagdpanzern und es kam der, eigentlich nicht
beabsichtigte, Einsatz in der Panzertruppe als Ersatz für den zu knappen Zulauf
an Panzerkampfwagen. Ein Führererlass vom 13. März 1943 entschied, dass ab Mai
1943 monatlich 100 StuG III aus der Neuproduktion den Panzertruppen zu
überführen sind. Damit rüstete man die Panzerregimenter der drei in Stalingrad
vernichteten und jetzt neuaufgestellten Panzerdivisionen aus. Insgesamt 22
Sturmgeschütze in je vier Kompanien sollten sich in einer mit Sturmgeschützen
ausgerüsteten Panzerabteilung befinden. In der Praxis stellte man auch gemischte
Panzerabteilungen, mit je zwei Panzer- und Sturmgeschützkompanien auf. Auch
wurden 1943 alle Panzerabteilungen der Panzergrenadierdivisionen mit je 45
Sturmgeschützen ausgestattet. Genau so wurden auch vermehrt Sturmgeschütze in
die Panzerjägerabteilungen eingegliedert. Dazu erließ das OKH am 9. bzw. 13 . Juli 1943
einen Befehl, dass jeweils eine Panzerjägerkompanie aller Infanteriedivisionen
an der Ostfront mit 14 StuG III ausgestattet werden soll. Als erste Welle wurden
die 3. Gebirgs-Division sowie die 5. und 28. Jäger-Division mit einer einer
Sturmgeschütz-Batterie ausgerüsttet. Als zweite Welle folgten die 1., 21. und
102. Infanterie-Division sowie die 8. Jäger-Division. Die Umgliederung der Panzerjägerverbände mit Sturmgeschützen zog sich bis Mitte 1944
hin und wurde nicht bei allen Divisionen zum Abschluss gebracht. Mit Befehl des
OKH/GenStdH/Org.Abt. Nr. I/15710/44 g.Kdos. v. 14.2.1944 und präzisiert durch
den Befehl OKH/GenStdH/Org.Abt. Nr. I/15710/44 g.Kdos. II. Ang. v. 25.2.1944
wurden alle Sturmgeschütz-Abteilungen in
Sturmgeschütz-Brigaden
umbenannt. Eine Umgliederung war mit diesem Befehl nicht verbunden.
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