Panzerlehr-Regiment 130

 

Aufgestellt am 4. Januar 1943 als Regimentsstab und der Panzer-Lehr-Division unterstellt. Im Januar 1944 wurde die I. Abteilung des Panzer-Regiments 6 unterstellt. Am 7. August 1944 wurde eine I. Abteilung mit Panzer V gebildet.

 

Der letzte Einsatz der II./Pz.Lehr Rgt. 130 im April 1945

Als die 1. und 9. US-Armee am 2. April 1945 bei Lippstadt den Kreis um die deutsche Heeresgruppe B im Ruhrgebiet schloss, befanden sich die panzerlosen Teile der II./Pz.Lehr Rgt. 130 unter dem Kommando des Chefs der Versorgungskompanie, Hptm. Freiherr v. Schlippenbach, außerhalb der Umklammerung. Die Männer der 5. und 6. Kp. führte Oblt. Petkat, die der 7. und 8. Kp. Hptm. v. Falkenhayn und die der Versorgungs- und Werkstattkompanie Obtl. (Ing.) Dr. Cursiefen. Der einsatzbereite Teil der II. Abteilung unter der Führung von Major Ritgen wurde mit der Panzer-Lehr-Division im Ruhrkessel eingeschlossen und geriet dort Mitte April 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

4. April 1945
Die Männer der II./Pz.Lehr-Rgt. 130 treffen in der Panzertruppenschule Bergen ein. Hier stellt der stellvertretende Schulkommandeur, Oberst Grosnan, gerade eine Kampfgruppe zusammen. Wahrscheinlich sollen auch die Teile der II./130 eingegliedert werden, aber ein Telefongespräch mit einem hohen Panzeroffizier in Berlin ergibt, dass Hptm. v. Schlippenbach bei der Firma MIAG in Braunschweig mehr als 30 fabrikneue Jagdpanther übernehmen kann. Die damit aufzustellende Panzer-Abteilung soll aber nicht von der Kgr. Grosnan sondern vom Wehrkreis XI (Hannover) eingesetzt werden.

5. April 1945
Fernschreiben von OKW/WFSt/Op(H)/West an Ob. West und H.Gr. G : „Die im Raum Braunschweig vorhandenen 35 einsatzbereiten Jagdpanther sind mit den zugehörigen Besatzungen umgehend H.Gr. G zur Auffrischung der 2. Pz.Div. im Raum Schweinfurt zu zuführen.“

5./6. April 1945
Hptm. v. Schlippenbach meldet sich bei Oberst Grosnan ab und fährt zum Befehlshaber der Wehrkreises XI, General Lichel, in Hannover. Er hält sich nur kurz dort auf und es ist nicht klar welche Befehle er dort erhalten hat. Seine Männer fahren inzwischen direkt nach Braunschweig, um bei MIAG neue Jagdpanther zu übernehmen.

7. April 1945
Übernahme der ursprünglich für die 2. Panzer-Division vorgesehenen 35 Jagdpanther, 12 schweren Büssing-LKW und 12 VW-Kübelwagen bei MIAG. Die Panzer sind aufmunitioniert und vollgetankt, ihre 8,8 cm Kanonen justiert. Die II./Pz.Lehr-Rgt. 130 wird Stabs-Kompanie mit 3 Jagdpanthern, vier Kpn. zu je acht Jagdpanthern und eine Versorgungskompanie aufgeteilt. Hptm. v. Schlippenbach hat ein Gespräch mit dem Kampfkommandanten von Braunschweig, Generalleutnant Veit. Bei einer anschließenden Besprechung mit seinen Offizieren läßt v. Schlippenbach anklingen, dass ihm eine Fortsetzung des Kampfes, zumindest gegen die Westalliierten, sinnlos erscheint.
In der Abenddämmerung des 7. April setzt sich die Abteilung in Marsch und verläßt Braunschweig. Sie fährt auf der Autobahn ca 35 km in Richtung Westen. Im Raum Edemissen - Hämelerwald - Burgdorf wird in den folgenden Tagen eine Sicherungslinie nach Westen und Südwesten aufgebaut (5.Kp. links - 8. Kp. rechts). Hier bleiben die Jagdpanther mehrere Tage tatenlos stehen.

11. April 1945
Die Jagdpanther der II./Pz.Lehr-Rgt. 130 haben zum ersten und einzigen Mal Feindberührung mit amerikanischen Truppen. Das US 11th Cavalry Regiment stößt von Burgdorf aus nach Osten vor und trifft auf den rechten Flügel der Abteilung. Einzelheiten des Gefechtes sind unbekannt. Sicher ist nur, daß der Jagdpanther des Kommandeurs getroffen wird und ausfällt. Hptm. v. Schlippenbach wird entweder verwundet oder erleidet zumindest einen Schock und Oblt. v. Falkenhayn übernimmt das Kommando über die Abteilung . Am Nachmittag schießen zwei Jagdpanther unter Fw. Dette, die eine Brücke über die Oker in Meinersen sichern, zwei US-Panzer ab. Bei einem Stellungswechsel versagt die Lenkung von Fw. Dettes Jagdpanther. Er bleibt mitten auf der Strasse stehen und wird kurz darauf von einem US-Jagdbomber in Brand geschossen. Ausserdem gehen an diesem Tag ebenfalls durch heftige Jagdbomberangriffe mehrere Benzin-LKW in Flammen auf.
Ein weiteres Gefecht findet am äußerst linken Flügel bei Edemissen statt. Zwei Jagdpanther halten hier für ca. 2 Stunden den Vorstoss des Combat Comand R der US 5th Armored Division auf bevor sie sich angesichts einer vielfachen Übermacht zurückziehen müssen. Die Deutschen beanspruchen den Abschuss von mindestens 3 US-Panzern.
Ein bei Abbensen stehender Jagdpanther-Zug unter Fw. Feuerpfeil hat gegen Mittag eine kurze Begegnung mit der SS-Kampfgruppe „Wiking“. Feuerpfeil weigert sich entschlossen mitzugehen, und die SS zieht nach einem scharfen Wortwechsel weiter Richtung Uetze.
Am Abend dieses Tages lässt Oblt. v. Falkenhayn alle erreichbaren Panzerkommandanten zu einer Befehlsausgabe kommen. Er erklärt, dass er den Krieg für verloren hält und eine Weiterführung des Kampfes sinnlos sei. Er stellt seinen Männern frei die Panzer unbrauchbar zu machen und sich nach Hause durchzuschlagen. Nach dieser Erklärung ist die Stimmung zum Teil sehr gereizt. Einige wollen weiterkämpfen, andere sind froh über die Aussicht heil aus diesem Krieg herauszukommen.
Nur ein Leutnant (Name möglicherweise Müller) mit 9 Jagdpanthern entschließt sich nach Osten zu fahren, um den Anschluß an die eigenen Truppen wiederherzustellen. Alle anderen machen ihre Fahrzeuge unbrauchbar und versuchen der Gefangenschaft zu entgehen.

12. April 1945
Der unbekannte Leutnant und seine Panzer kommen nicht weit. Am Morgen des 12. April erreichen sie Wendeburg (ca. 7 km nordwestlich von Braunschweig) und müssen feststellen, daß sie in einer Sackgasse stecken. Alle südlich gelegenen Brücken über den Weser-Elbe-Kanal sind bereits zerstört, im Norden auf der Autobahn rollen endlose US-Kolonnen und nach Osten über die Oker gibt es keine Brücke. Der Leutnant befiehlt, die Jagdpanther zu sprengen und sich dann einzeln durchzuschlagen. Damit ist die kurze Geschichte der II./Pz.Lehr Rgt. 130 praktisch schon zu Ende!
Nur die Versorgungskompanie kann sich irgendwie noch nach Süden durchmogeln und gelangt über Dresden, Regensburg und München nach Bayrischzell, wo sie am 7. Mai in aller Form kapituliert.

Anmerkungen: Außer den erwähnten 9 Jagdpanthern des namentlich nicht genau bekannten Leutnants gaben noch noch mindestens 2 weitere Jagdpanther den Kampf nicht auf:

- 1 Jagdpanther (Fw. Feuerpfeil) versteckte sich in einem Waldstück nordöstlich von Braunschweig. Ein paar Tage nachdem die Amerikaner die Elbe erreicht hatten (genauere Datumsangabe fehlt) eröffnete er das Feuer auf eine vorbeifahrende amerikanische Panzerkolonne. Nach Abschuss von 3 Sherman gelang es zog er sich zurück und entkam. Einige Tage später begab sich die Besatzung in US Gefangenschaft.

- 1 Jagdpanther (Fw. Stock) schaffte es irgendwie bis an die Elbe bei Rogätz (20 km NNO von Magdeburg) in der Nacht vom 12/13.4.1945 wo er sich einer nicht näher bezeichneten Kampfgruppe anschloss. Am Morgen des 13.4.1945 bekämpfte er auf Rogätz vorgehende Teile der 30th US Infantry Division und konnte 2 Sherman abschießen bevor die Besatzung nach Erhalt von mindestens 12 Treffern ausbooten muste.

Text: Martin Block