2. SS-Panzerdivision "Das Reich"

1. Geschichte der Division

Die 2. SS-Panzer-Division wurde am 22. Oktober 1943 durch die Umbenennung der SS-Panzergrenadier-Division "Das Reich" gebildet. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Division in Rußland im Raum Kanew. Nach dem russischen Durchbruch bei Kiew wurde die Division am 6. November 1943 in den Raum Fastow verlegt. Ab dem 21. November 1943 wurde die Division erneut aus der Front gezogen und in den Raum östlich von Shitomir verlegt, um hier im Rahmen des XXXXVIII. Panzerkorps den Gegner auf Kiew zurückzudrängen. Auf Grund der schweren Verluste der Division wurden Teile der Division ab dem 17. Dezember 1943 aus dem Einsatz gezogen und auf den Truppenübungsplatz Stablack in Ostpreußen verlegt, um dort neu aufgestellt zu werden. An der Front verblieb nur eine Brigade südöstlich von Radomyschl. Diese Kampfgruppe hatte eine Stärke von 6.398 Mann und nahm an den schweren Abwehrkämpfen im Raum westlich von Berditschew teil. Mitte Februar 1944 wurde die Division dann in den Raum Starokonstantinow verlegt. Ab dem 4. März 1944 kam es bei der Abwehr der russischen Frühjahrsoffensive bis zum 9. März 1944 zu schweren Abwehrkämpfen um Starokonstantinow. Die Reste der Kampfgruppe wurden dann am 18. März 1944 dem XXIV. Panzerkorps unterstellt. Am 25. März 1944 verlor die Kampfgruppe fast alle verbleibenden Fahrzeuge und marschierte in den nächsten Tagen in Richtung Kamenez-Podolsk. Im sog. "Wandernden Kessel" erreichten die Reste schließlich wieder die deutsche Front, wo sie ebenfalls nach Westen verlegt wurde.

Am 2. Februar 1944 wurden die in Stablack liegenden Teile der Division zur weiteren Auffrischung in den Raum Bordeaux nach Frankreich verlegt. Hierhin kamen auch die folgenden aus Rußland verlegten Teile der Division. Am 9. April 1944 wurde die Division, die inzwischen wieder eine Stärke von etwa 12.000 Mann erreicht hatte, in den Raum Montauban - Toulouse verlegt. Bis Ende Mai 1944 wurde die Division wieder auf Sollstärke gebracht. Der personelle Ersatz war zu diesem Zeitpunkt jedoch nur unzureichend ausgebildet. Nach der alliierten Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944 wurde die Division alarmiert und in den etwa 200 km nördlich gelegenen Raum Limoges - Tulle kommandiert. Auf ihrem Weg dorthin verübte sie als Vergeltung für den wachsenden französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer massive Kriegsverbrechen an der Bevölkerung. So erhängten am 9. Juni 1944 Mitglieder der 2. SS-Panzer-Division 99 Geiseln in Tulle. Gegen Mittag des darauf folgenden Tags erschienen 120 Angehörige der 3. Kompanie des I. Bataillons des SS-Panzergrenadier-Regiments 4im 30 Kilometer nordwestlich von Limoges gelegenen Oradour-sur-Glane. In dem Dorf vermuteten sie Kämpfer und ein Waffenlager der Résistance. Auf Befehl von SS-Obersturmbannführer August Dieckmann wurden die Dorfbewohner zunächst auf dem Marktplatz zusammen getrieben. Während die Männer, in fünf Gruppen aufgeteilt, in Scheunen erschossen wurden, sperrten die SS-Soldaten Frauen und Kinder in die Dorfkirche ein, die sie anschließend in Brand steckten. Außerhalb des Gebäudes postierte Einheiten erschossen die Frauen und Kinder, die versuchten, dem Feuer zu entkommen. Danach betraten die Soldaten das Kirchengebäude, um die Überlebenden zu erschießen. Nach der Plünderung des Dorfs brannten sie es nieder.  Insgesamt kamen bei dem Massaker 642 Dorfbewohner ums Leben, unter ihnen 245 Frauen und 207 Kinder. Nur wenige Einwohner konnten entkommen. Am 9. Juni 1944 erhängten Angehörige des Pionierzuges der SS-Aufklärungs-Abteilung 2 99 mutmaßliche Partisanen in Tulle, nachdem in und um den Ort rund 100 von der französischen Widerstandsbewegung ermordete und zum Teil verstümmelte deutsche Soldaten gefunden worden waren. Zwei Tage später verlegte die Division über Poitiers und Tours in den Raum südlich von Le Mans. Am 26. Juni 1944 erhielt die Division den Befehl, eine regimentsstarke Kampfgruppe in den Raum südwestlich von Caen zu verlegen. Die Kampfgruppe trug den Namen "Weidinger" und wurde bei den schweren Abwehrkämpfen um Caen eingesetzt. Bis zum 2. Juli 1944 hatte diese Kampfgruppe 846 Gefallene und Verwundete zu beklagen, so dass sie bereits wieder aus der Front genommen werden mußte. Ihre Reste wurden der Division wieder zugeführt, die sich immer noch im Raum St. Lô sammelt eund ihre Ausbildung vervollständigte. Kampfgruppenweise wurde die Division nun an die Front geworfen und bei verschiedenen anderen Divisionen eingesetzt. Das Kommando der Division übernahm außerdem am 6. Juli 1944 einen eigenen Frontabschnitt nordöstlich Periers und zog sich nach schweren Kämpfen am 27. Juli 1944 auf eine Linie südlich Periers zurück. Um der drohenden Einschließung durch die Alliierten zu entgehen, erhielt die Division den Befehl, nach Süden zu verlegen, um am 29. Juli 1944 bei Granville den Durchbruch in Richtung Avranches zu erzwingen. Durch eine Kampfgruppe der 17. SS-Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen" verstärkt, sollte die 2. SS-Panzer-Division am 7. August 1944 Mortain besetzen. Doch der Angriff scheiterte am amerikanischen Abwehrfeuer. Am 11. August 1944 begann nach schweren amerikanischen Gegenangriffen die Rücknahme auf die Ausgangsstellungen. Am 15. August 1944 wurde die Division in den Raum Argentan befohlen, wobei sie ununterbrochen Luftangriffen ausgesetzt war. Während am nächsten Tag Teile der Division bei Trun, etwa 20 km nördlich von Argentan, in schweren Kämpfen gegen die Amerikaner standen, sollten sich die Restteile südlich von Vimoutiers als Heeresgruppenreserve sammeln. Damit befand sich die Division außerhalb des am 19. August 1944 durch die Amerikaner geschlossenen Kessel von Falaise. Am 20. August 1944 traten die Einheiten zum Öffnen des Kessels im Raum südlich von Trun an. Durch den schweren Artillerie- und Panzerbeschuß gelang es nur einem Teil der im Kessel gefangenen deutschen Truppen zu entkommen. Die 2. SS-Panzer-Division sicherte das Abfließen dieser Truppen und verlegte am 24. August 1944 in den Raum Elbeuf. Hier kam es am nächsten Tag bereits zu schweren Kämpfen mit alliierten Truppen, die den Übergang der deutschen Truppen über die Seine verhindern wollten. Dabei ging der Großteil der noch bei der Division vorhandenen Fahrzeuge durch die laufenden Luftangriffe verloren. Am 28. August 1944 gab die Division dann den Brückenkopf zwischen Rouen und Elbeuf auf und verlegte in den Raum östlich von Rouen. Am 31. August erreichte die Division den Raum Hierson an der belgischen Grenze. Anfang September bezogen die Reste der Division bei Givet, etwa 15 km südwestlich von Dinant, Stellungen an der Maas. Bereits am 7. September wurden die Stellungen hinter die Ourthe südlich Lüttich zurückgenommen. Der weitere Rückzug brachte die Division über Stavelot an den Westwall westlich von Prüm. Am 20. September 1944 hatte die Division noch eine Stärke von 12.357 Mann (Soll: 17.797 Mann). Ende Oktober 1944 folgte die Herauslösung der Division aus der HKL und die Verlegung in den Raum südlich von Paderborn, um hier aufgefrischt zu werden. Die Division sollte hier für die bevorstehende Ardennen-Offensive vorbereitet werden. Am 13. Dezember 1944 verlegte die Division in den Raum westlich von Köln verlegt. Die Division hatte jetzt eine Stärke von über 14.000 Mann und hatte eine außerordentlich gute materielle Ausstattung. Am 15. Dezember 1944 bezog die Division ihren Bereitstellungsraum bei Euskirchen und bildete zusammen mit der 9. SS-Panzer-Division "Hohenstaufen" die Reserve der 5. Panzer-Armee. Über Jünkerath überschritt die Division am 21. Dezember 1944 bei Dasburg die luxemburgische Grenze. Am 23. Dezember kam es bei Baraque de Fraiture zu ersten schweren Gefechten. Es folgten schwere Kämpfe bei Grandmeril und St. Vith. Aufklarendes Wetter brachte die alliierte Luftüberlegenheit wieder voll zur Geltung. Als die amerikanische Gegenoffensive am 4. Januar 1945 begann, folgte nach weiteren schweren und vor allem verlustreichen Kämpfen am 17. Januar 1945 der Befehl zum Rückzug der Division hinter den Westwall östlich von Prüm. Ohne eine ausreichende Auffrischung begann Anfang Februar 1945 bereits der Transport für die bevorstehende deutsche Offensive nach Ungarn. Die Division wurde im Raum Farad - Csorna versammelt und hier durch kaum ausgebildeten Ersatz sowie Angehörige von Luftwaffe und Marine aufgefrischt. Bis zum 1. März 1945 wurde so eine personelle Stärke von 19.542 Mann erreicht. Am 3. März 1945 verlegte die Division über Raab in den Bereitstellungsraum südöstlich von Stuhlweißenburg. Am 7. März 1945 trat die Division schließlich ohne Artillerieunterstützung zwischen Seregélyes und Aba zum Angriff nach Südosten an. Die deutsche Offensive lief sich bereits nach wenigen Tagen fest. Nach Beginn der russischen Gegenoffensive wurde die Division aus ihren Stellungen gezogen und in den Raum südwestlich Stuhlweißenburg verlegt. Die Kampfstärke der Division war auf etwa 5.000 Mann gefallen. Am 20. März 1945 verlegte die Division in den Raum Nagy Igmánd - Kis-Bér, um die hier entstandene Frontlücke wieder zu schließen. Am 24. März 1945 erhielt die Division nochmals Ersatz durch 2.800 Angehörige der Kriegsmarine. Am 28. März 1945 stand die Division in schweren Abwehrkämpfen im Raum Kapuvar und am 2. April 1945 östlich des Neusiedler Sees bei Bruck an der Leitha. Von hier aus flossen die Einheiten der Division in den Verteidigungsbezirk Wien ein und verlegten hinhaltend kämpfend über den Donau-Kanal. Nach kurzer Abwehr im Raum nordöstlich von Stockerau marschierte die zerschlage Division anschließend über Krems nach Melk. Die Reste der Division konnte sich bei Kriegsende bis nach Passau zurückziehen.

 

1944

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
August II. SS 7. Armee B Normandie (Lagekarte) (Lagekarte) (Lagekarte)
September I. SS 7. Armee B Eifel
Oktober LXVI 6. Panzerarmee B Eifel
November Auffrischung 6. Panzerarmee   Ardennen
Dezember z. Vfg. 6. Panzerarmee OB West Ardennen

1945

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Januar II. SS 4. Panzerarmee B Ardennen
Februar Auffrischung   Süd Ungarn
März II. SS   Süd Ungan
April     Mitte Böhmen

 

2. Divisionskommandeure:

29. März 1943 Obergruppenführer Walter Krüger

23. Oktober 1943 Gruppenführer Heinz Lammerding

24. Juli 1944 Standartenführer Christian Tychsen

28. Juli 1944 Brigadeführer Otto Baum

23. Oktober 1944 Gruppenführer Heinz Lammerding

20. Januar 1945 Standartenführer Karl Kreutz

29. Januar 1945 Gruppenführer Werner Ostnedorff

9. März 1945 Standartenführer Rudolf Lehmann

13. April 1945 Standartenführer Karl Kreutz


3. Gliederung:

Kampfgruppe 2. SS-Panzer-Division Januar 1944

SS-Panzergrenadier-Regiment "Das Reich" (aus den noch einsatzbereiten Resten der Panzergrenadier-Regimenter gebildet)

2 Panzer-Kompanien

1 Aufklärungs-Schwadron

2 Artillerie-Batterien

2 Werfer-Batterien

1 Pionier-Kompanie

1 schwere Infanterie-Geschütz-Kompanie

2 Sturmgeschütz-Batterien

1 Flak-Batterie

1 Nachrichten-Kompanie

Versorgungs-Einheiten

2. SS Panzerdivision "Das Reich" 1944

SS Panzer-Regiment 2 "Das Reich"

SS Panzer-Grenadier Regiment 3 "Deutschland"

SS Panzer-Grenadier Regiment 4 "Der Führer"

SS Infanterie Regiment (mot) "Langemarck"

SS Panzer-Artillerie Regiment 2

SS Flak-Artillerie-Abteilung 2

SS Sturmgeschütz-Abteilung 2

SS Nebelwerfer-Abteilung 2

SS Panzer-Aufklärungs-Abteilung 2

SS Panzerjäger-Abteilung 2

SS Panzer-Pionier-Bataillon 2

SS Panzer-Nachrichten-Abteilung 2

SS Versorgungs-Einheiten 2

 

4. Literatur und Quellen:

Division Das Reich. Der Weg der 2. SS-Panzer-Division "Das Reich". Die Geschichte der Stammdivision der Waffen-SS. Band I: 1934 - 1939 - Otto Weidinger, Munin-Verlag, Osnabrück 1967, 352 Seiten

Division Das Reich. Der Weg der 2. SS-Panzer-Division "Das Reich". Die Geschichte der Stammdivision der Waffen-SS. Band II: 1940 - 1941 - Otto Weidinger, Munin-Verlag, Osnabrück 1969, 559 Seiten

Division Das Reich. Der Weg der 2. SS-Panzer-Division "Das Reich". Die Geschichte der Stammdivision der Waffen-SS. Band III: 1941 - 1943 - Otto Weidinger, Munin-Verlag, Osnabrück 1973, 532 Seiten

Division Das Reich. Der Weg der 2. SS-Panzer-Division "Das Reich". Die Geschichte der Stammdivision der Waffen-SS. Band IV: 1943 - Otto Weidinger, Munin-Verlag, Osnabrück 1979, 456 Seiten

Division Das Reich. Der Weg der 2. SS-Panzer-Division "Das Reich". Die Geschichte der Stammdivision der Waffen-SS. Band V: 1943 - 1945 - Otto Weidinger, Munin-Verlag, Osnabrück 1982, 621 Seiten

Division Das Reich im Bild. - Otto Weidinger, Munin-Verlag, Osnabrück 1981, 287 Seiten

Das Regiment "Deutschland" 1934 - 1945 - Hrsg.: Regimentskameradschaft Deutschland, Gesamtherstellung und Verlag: Gerhard Eichelmann, Freinsheim 1988, 322 Seiten, Großformat, Leinen mit SU

Kameraden bis zum Ende. Das SS-Panzergrenadier-Regiment 4 "DF" 1938 - 1945. Die Geschichte einer deutsch-österreichischen Kampfgemeinschaft - Otto Weidinger, Schütz, Preußisch Oldendorf 1978, 477 Seiten

Regiment D.F. vom 9. Mai 1945 bis 17. Mai 1946 - Hans Hauser (Kdr. des I. Btl. DF), Selbstverlag, Gaggenau 1984, 104 Seiten, 17 Abbildungen

III. Btl. SS-Regiment "Germania". Bataillonsgeschichte 1935 - 1939 - Willi Hille, Selbstverlag, Radolfzell/Bodensee 1967, 62 Seiten

SS-Bataillon "N" (Nürnberg) 1936 - 1939 - Ernst Deutsch/Karl Pichler, Selbstverlag, o.O. 1988, 145 Seiten

Erlebnisband der SS-Panzerjäger-Abteilung 2 Das Reich 1939 - 1943 - C. Rupp, 100 Kdr.-Seiten mit 194 Fotos, 44 Faksimile, 3 Karten, 2 Zeichnungen, DIN-A-4 Format, kartoniert

Chronik der 3./SS-Flak-Abteilung 2 "Das Reich" - Reinhold Sellner, Selbstverlag, Hanau 1997, o.pag., Klebebindung

Männer der Waffen-SS. Der Weg einer Truppe 1935 - 1945 (Nachr.Abt. 2) - Fritz Wilhelm Schütter, Schütz, Preußisch Oldendorf 1982, 438 Seiten