Kommandant des rückwärtigen Armeegebiets 581
Oberfeldkommandantur 581

 

Feldpostnummern ab Mobilmachung: 

Einheit Feldpostnummer
Stab 35097

Der Korück 581 wurde kurz nach der Mobilmachung am 10. September 1939 in Berlin-Wilmersdorf, im Wehrkreis III, aufgestellt und im Bereich Oberost eingesetzt. Der Stab umfaßte 16 Offiziere und Beamte und 37 Unteroffiziere und Mannschaften. Er war zudem voll motorisiert. Die Aufstellung war am 12. September abends im Wesentlichen beendet, die folgenden Tage wurden dazu benutzt, das Personal aufeinander abzustimmen. Am 15. September traf mittags der Befehl ein, noch am Abend abzurücken. Ziel war Lodz. Um 18.00 Uhr verließ der Stab Berlin und erreichte im Landmarsch in der Nacht Breslau, wo gerastet wurde. Am nächsten Morgen wurde die ehemalige deutsch-polnische Grenze bei Groß-Wartenberg überschritten. Die Fahrt führte über Kempen - Wieruszow - Lututow - Zloczew - Sierdaz - Zdunska-Wola - Pabiancie nach Lodz. Nach Meldung beim AOK 8 wurde der Korück 581 nach Wloclawec befohlen, wo das Vorkommando am 18. September abends, die Masse des Stabes am 19. September eintraf und im katholischen Gymnasium Quartier bezog.
Im neuen Befehlsbereich, der das Gebiet zwischen Weichsel und Bzura umfaßte, übernahm der Korück 581 die Sicherung durch Landesschützen-Einheiten. In Wloclawec, einer Stadt mit damals etwa 60.000 Einwohnern, herrschte völlige Ruhe. Trotzdem nahm am 22. September die 2. SS-Totenkopfstandarte, die an diesem Tage in die Stadt eingerückt war, ohne sich beim Kommandanten zu melden, zahlreiche Juden fest unter der falschen Behauptung, diese hätten geheime Versammlungen abgehalten. Erst auf das sehr energische Eingreifen von Generalleutnant Böhm-Tettelbach hin wurden die Festgenommenen dem Korück übergeben, der eine kriegsgerichtliche Untersuchung anordnete. Als die SS am 24. September, nachdem 2 Synagogen ausgebrannt waren, in großem Umfang wiederum Verhaftungen von Juden vornahm, mußte der Kommandant erneut mit Nachdruck einschreiten, um willkürliche Erschießungen der Verhafteten zu verhindern, zumal sich die SS-Führer auf angebliche Befehle des SS-Obergruppenführers Eicke beriefen. Nach scharfen Auseinandersetzungen zog die SS am nächsten Tag ab mit dem Bemerken, sie sei von der Wehrmacht an der Durchführung ihrer Aufgaben gehindert worden. Die Vorfälle wurden dem AOK 8 gemeldet.
Am 26. September verlegte der Korück 581 sein Stabsquartier von Wloclawec nach Stary-Lack, südlich von Plock an der Weichsel, und führte von dort aus die Sicherungsaufgaben durch. Am 8. Oktober 1939 wurde der Stab in Oberfeldkommandantur 581 umbenannt. Mitte Oktober 1939 verlegte er nach Radom, knapp drei Wochen später nach Moszczehica (10 km nördlich von Petrikau), wo das Stabsquartier für sieben Monate verblieb. Als Sicherungsbereich war der Oberfeldkommandantur, die dem Oberbefehlshaber Ost in Spala unterstand, der Raum von der neu gezogenen Reichsgrenze bis etwa zur Linie Skarzysko - Kamienna - Skrynno - Nowe Miasto - Rawa - Koluszki zugewiesen. An Kräften standen für die Sicherung 7 Landesschützenbataillone mit Sitz in Konskie, Smogorzow, Opoczno, Rawa, Tomaszow, Petrikau und Gorzkowice zur Verfügung, die von zwei Regimentsstäben in Opoczno und Ujazd ausbildungsmäßig betreut wurden. Der Einsatz dieser Truppen wurde von der OFK befohlen, die Ausbildung jedoch von einem Sonderstab unter Generalmajor Müller durchgeführt. Für die Versorgung dieser Verbände verfügte die OFK über einen Nachschubführer mit 5 Fahrkolonnen. Außerdem wurde der Stamm für eine Nachrichten-Kompanie zugeführt. Für die Erledigung der militärischen Verwaltungsaufgaben waren in den wichtigeren Städten Ortskommandanturen eingerichtet worden, die ebenfalls der OFK unterstanden (Petrikau, Tomaczow, Opoczno, Konskie, Rawa). In den anderen Orten wurden die Geschäfte der Ortskommandantur von den Truppenbefehlshabern wahrgenommen.
Anfang November 1939 tauchten erstmals Nachrichten auf, dass sich in den Wäldern ostwärts der Pilica eine Gruppe berittener polnischer Soldaten gezeigt hätte. In den ersten Monaten des Jahres 1940 wuchs diese Partisanengruppe von anfänglich 20 auf bis zu 150 Mann an. Am 30. März 1940 griffen Einheiten von zwei Polizei-Bataillonen unter Führung des Polizei- und SS-Führers Radom die Unterkunft der Partisanengruppe an. Während ein Bataillon ins Leere stieß, wurde das zweite Bataillon unter eigenen Verlusten zurückgeschlagen. Am 1. April 1940 wurde das Unternehmen wiederholt. Hierzu wurden die SS-Standarten 8 und 12, die SS-Reiterstandarte, 2 Polizei-Bataillone und motorisierte Gendarmerie-Einheiten zusammengezogen, die längs der Straßen Odrowaz - Wolow - Krasnao - Mniow - Samsonow - Jairow - Zagnansk - Suchedinow - Baranowicze einen Kessel bildeten. Die Aktion stand wiederum unter dem Befehl des Polizei- und SS-Führers Radom. In der Nacht zum 2. April gelang es den berittenen Teilen der Partisanen, nach Westen durch den Einschließungsring zu brechen.. Die unberittenen Teile der Partisanen hingegen konnten gefangen genommen werden. Das Versagen der eingesetzten Polizei- und SS-Verbände führte zu starken Spannungen zwischen SS und den Heeresdienststellen, wozu auch das als Sühnemaßnahme gedachte Niederbrennen der Dörfer Galki und Hucisko gehörte.

Am 20. März 1940 wurde der Stab dann in den Stab der 372. Infanterie-Division umbenannt.

Die Ersatzgestellung des Stabes wurde durch das Infanterie-Ersatz-Bataillon 68 wahrgenommen.

Kommandeure:

Generalleutnant Alfred Böhm-Tettelbach 10. September 1939 - 10. Januar 1940