717. Infanterie-Division

 

1. Einsatz und Unterstellung:

Die 717. Infanterie-Division wurde am 11. April 1941 auf dem Truppenübungsplatz Bruck an der Leitha und in Neusiedl am See im Wehrkreis XVII als Division der 15. Welle aus vornehmlich älteren Rekruten aufgestellt. Bereits im Juni 1941 wurde die Division nach Jugoslawien in den Raum Kraljevo, Kragujevac und Mitrovica verlegt. Dort sollte die Division ihre Grundausbildung beenden, wurde jedoch schon nach kurzer Zeit in Kämpfe mit Partisanen verwickelt. Im Zuge der Kämpfe wurde Dörfer und Ortschaften von der Division niedergebrannt und zur Erschießung von Zivilisten. Als erste Ortschaft wurde am 7. Juli 1941 der Ort Borĉa niedergebrannt. Bis in den September 1941 ging der Großteil des zu sichernden Gebietes an serbische Partisanenverbände verloren. Die Division musste die Ortschaften Užice und Caĉak aufgeben und sich auf die Verteidigung der Städte Kraljevo und Kragujevac beschränken. Mitte Oktober 1941 wurde Kraljevo durch gegnerische Artillerie beschossen. Daraufhin wurde durch General der Infanterie Franz Böhme, Kommandierender General des XVIII. Armeekorps, befohlen, den Sühnebefehl des OKW umzusetzen. Für jeden getöteten deutschen Soldaten oder Volksdeutschen waren 100 Gefangene oder Geiseln zu erschießen, für jeden Verwundeten 50 Gefangene oder Geiseln. In den folgenden Wochen wurden im September 1941 durch die Division 98 Häuser, 8 Wohnungen und 2 Dörfer angezündet und zerstört. Im Oktober 1941 wurden 31 Häuser sowie 3 Dörfer zerstört und 4.300 Geiseln erschossen. Nach diesen Massakern ebbte der serbische Widerstand im Raum um Kraljevo und Kragujevac ab. Die Division konnte die Verbindung zwischen Krusevac und Kraljevo wieder freikämpfen. In den folgenden Wochen blieb es im Stellungsraum der Division ruhig, erst im Februar und März 1942 kam es wieder zu vermehrten Einsätzen gegen Partisanen. Daraufhin wurden in Kragujevacc zwischen dem 24. Februar und dem 7. März 1942 erneut 201 Geiseln erschossen. In den folgenden Monaten blieb es erneut ruhig im Stellungsraum der Division. Zur abschließenden Zerschlagung des zwischenzeitlich gebildeten Partisanenstaates unter Tito um Bihac plante die deutsche Führung das Unternehmen "Weiß I". Kernstück des Unternehmens war der schnelle Vorstoß der 7. SS-Division "Prinz Eugen" von Karlovac und der 717. Infanterie-Division von Banja-Luka / Mrkonjigrad aus. Ungefähr auf der Höhe von Kljac sollten die beiden Divisionsspitzen sich treffen und damit die Partisanen im Raum Grmec Planina einschließen. Die 369. Infanterie-Division sollte in ihrem ersten Einsatz auf dem Balkan von Norden über Prjedor auf Bosanski Petrovac vorstoßen und dort Anschluß an den linken Flügel der 7. SS-Division "Prinz Eugen" suchen. Der Raum zwischen der 369. Infanterie-Division und der 717. Infanterie-Division wurde die 714. Infanterie-Division eingeschoben. Diese sollte den Raum Bosanski Novi / Prijedor sichern. Außerdem beteiligten sich Teile von 3 italienischen Divisionen zur Sicherung der rechten Flanke der 7. SS-Division "Prinz Eugen". Das Unternehmen startete am 20. Januar 1943 und endete am 8. Februar 1943. Der Ring um die Partisanen konnte jedoch nicht schnell genug geschlossen werden, so dass die Partisanenverbände erneut nach Süden entkommen konnten. Zwischen dem 21. Februar und dem 15. März 1943 folgte das Unternehmen "Weiß II", ein erneuter Versuch einer Kesselbildung, dieses mal im zentralbosnischen Raum. Wie schon beim Unternehmen "Weiß I" wurden auch dieses mal beide Umfassungsarme von der 7. SS-Division "Prinz Eugen" (aus dem Raum Kljac -Drvar über Bosansko Groharo auf Livno) und der 717. Infanterie-Division (aus dem Raum Jajce - Donji - Vakuf) gestellt, während die 369. Infanterie-Division trotz zwischenzeitlich erwiesener mangelhafter Geländegängigkeit von Mirkonjic Grad auf Glamoč unter Säuberung des Gebirgsgeländes vorzustoßen hatte. Die 718. Infanterie-Division sollte die linke Flanke der 369. Infanterie-Division bzw. den Rücken der 717. Infanterie-Division sichern. Von Süden nahmen die 12. Infanterie-Division Sassan, die 13. Infanterie-Division Re und die 57. Infanterie-Division Lombardia teil. Von kroatischer Seite waren die 2. und 3. kroatische Heimatschutz-Gebirgs-Brigade beteiligt. Im Verlauf der Schlacht wurden die Partisanen dicht ans westliche Ufer der Neretva gedrängt. Dabei standen sie deutschen Streitkräften gegenüber, die von Panzerbrigaden unterstützt wurden. Das den Partisanen gegenüberliegende östlichen Ufer der Neretva wurde lediglich von Formationen der Tschetniks überwacht. Es gelang den Partisanenverbänden jedoch, die Truppen der Tschetniks am gegenüberliegenden Ufer der Neretva einzukreisen und auszuschalten. Zwar durchschauten die deutschen Befehlshaber die Absicht der Partisanen, über den Fluß zu entkommen, waren dann aber nicht mehr in der Lage, rechtzeitig einen ernsthaften Angriff vorzubereiten, da sie die notwendigen Befehle und Umgruppierungen nicht rasch genug durchgeführt werden konnten. Die Nachhut der Partisanen kämpfte gegen den wieder zunehmenden Druck durch deutsche Truppen. Letztlich retteten die Partisanen den Großteil ihrer Leute ans östliche Ufer der Neretva. Der Übergang vollzog sich jedoch unter heftigem Bombardement der Luftwaffe. Trotz des Abzuges der Partisanen war das Unternehmen "Weiß II" ein Erfolg für die Wehrmacht. Die Partisanen hatten 11.915 Tote, es wurden 47 Maschinengewehre und 389 Gewehre erbeutet. Während des Einsatzes  machte sich das Fehlen von Tragtierkolonnen und Sanitätskompanien sowie von Versorgungstruppen negativ bemerkbar. Zwar wurden die Partisanenkräfte westlich und nördlich der Neretva geschlagen und somit die Besetzung des für die deutsche Rüstungsindustrie wichtigen Bauxit-Gebietes bei Mostar erreicht. Die deutschen Verluste waren jedoch beträchtlich. Die Division alleine verlor 227 Gefallene, 580 Verwundete und 23 Vermißte, mehr als ein Viertel der so genannten Gefechtsstärke. Daraufhin wurde die Division mit Befehl des OKH/Chef H Rüst/BdE AHA (Ic) Nr. 1385/43 g.Kdos vom 17. März 1943 am 1. April 1943 in die 117. Jäger-Division umgewandelt. Dabei wurden die älteren Jahrgänge gegen jüngere Soldaten der Wehrkreise XI, XIII und XVII ausgetauscht. Die Grenadier-Regimenter wurden zu Jäger-Regimentern, die Artillerie-Abteilung wurde zu einem Artillerie-Regiment erweitert und die Divisionseinheiten wurden verstärkt.

 

1941

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Mai in Aufstellung     WK XVII
Juni XI 2. Armee Südost Jugoslawien
Juli Höheres Kommando z.b.V. LXV 12.Armee Südost Serbien

1942

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
1. Januar Höheres Kommando z.b.V. LXV 12. Armee Südost Serbien
1. März Kommandierender General und Befehlshaber in Serbien 12. Armee Südost Serbien

1943

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
1. Januar Kommandierender General und Befehlshaber in Serbien 12. Armee Südost Serbien
Februar Kommandierender General und Befehlshaber in Kroatien 12.Armee Südost Kroatien
März Kommandierender General und Befehlshaber in Kroatien Heeresgruppe E Südost Kroatien

 

2. Divisionskommandeure:

17. Mai 1941 Generalmajor Paul Hoffmann

1. November 1941 Generalleutnant Dr. Walter Hinghofer

1. Oktober 1942 Generalleutnant Benignus Dippold

 

3. Gliederung:

Infanterie-Regiment 737

Infanterie-Regiment 749

Artillerie-Abteilung 670

Divisionseinheiten 717

 

4. Literatur und Quellen

Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 12. Die Landstreitkräfte 631 – 800. Biblio-Verlag, Bissendorf 1975

Hermann Frank Meyer: Von Wien nach Kalavryta - Die blutige Spur der 117. Jäger-Division durch Serbien und Griechenland. Bibliopolis 2002.

Klaus Schmider: Partisanenkrieg in Jugoslawien 1941 - 1944, Verlag E.D. Mittler & Sohn GmbH, Hamburg 2002