60. Infanterie-Division

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1. Einsatz und Unterstellung:

Der Senat der Freien Hansestadt Danzig stellte bereits am 1. Juli 1939 das Kommando der Landespolizei Danzig auf. Dieses bestand aus:
Danziger Landes-Polizei-Regiment 1
Danziger Landes-Polizei-Regiment 2
Danziger Artillerie-Abteilung
Am 1. September erhielt das Kommando dann die Bezeichnung "Gruppe Erhardt" oder "Brigade Erhardt". Die Aufgabe des Kommandos zu Beginn des Polenfeldzuges war:
- Sicherung der Stadt Danzig
- Angriff auf die polnischen Befestigungen auf der Westerplatte
- Sicherung der Brücke bei Käsemark nördlich von Dirschau
Das Kommando konnte diese Aufgaben lösen, hatte jedoch bei den Kämpfen um das Danziger Postamt und den Kämpfen auf der Westerplatte schwere Verluste hinzunehmen. Am 15. Oktober 1939 wurde das Kommando zur 60. erweitert. Hierzu wurde das Infanterie-Regiment 92 der Division unterstellt. Am 5. November 1939 wurde die Artillerie durch den Artillerie-Regiments-Stab z.b.V. 703, die leichte Artillerie-Abteilung 741 und 750 und durch die Artillerie-Abteilung 761 verstärkt. Diese wurden am 1. April 1940 zum Artillerie-Regiment 160. Nach beendeter Aufstellung wurde die Division als OKH-Reserve in den Raum St. Ingbert verlegt. Das Kradschützen-Bataillon 160 und die Aufklärungs-Abteilung 160 wurden am 1. April 1940 verschmolzen. Am gleichen Tag wurde die Heeres-Flakartillerie-Abteilung 282 der Division zugeführt und unter dem Namen IV. (Flak)/Artillerie-Regiment 160 geführt. Im Juni 1940 beteiligte sich die Division am Durchbruch durch die Maginotlinie zwischen Püttlingen und Holringen. Anschließend stieß die Division bis in die Vogesen vor. Nach Beendigung des Westfeldzuges wurde die Division Mitte Juli 1940 auf den Truppenübungsplatz Groß-Born verlegt, um dort motorisiert zu werden. Dabei wurde das Infanterie-Regiment 243 aufgelöst. Der Stab des Regiments bildete den Stab des neuen Schützen-Regiments 114, das I. / IR 243 wurde zum II. / Schützen-Regiment 304, das II. / IR 243 wurde zum II. / Schützen-Regiment 394. Die Infanterie-Regimenter 92 und 244 wurden motorisiert, ebenso der Stab und die I. Abteilung des Artillerie-Regiments 160. Die II., III. und IV. Abteilung des Artillerie-Regiments 160 schieden als Heeresartillerie aus dem Regiments-Verband aus und wurden durch die II. / Artillerie-Regiment 77 und die schwere Artillerie-Abteilung 601 ersetzt. Am 15. August 1940 wurde die 60. Infanterie-Division dann offiziell als 60. Infanterie-Division (mot) bezeichnet.Im November 1940 wurde die Division nach Polen und im Januar 1941 als Lehrtruppe nach Rumänien verlegt. Ab April 1941 nahm die Division am Balkanfeldzug teil. Sie stieß über Nish und Krusevac bis nach Kragujevac vor, drehte hier nach Süden ab und erreichte über Mitrovica die griechische Grenze. Hier beendete die Division den Balkanfeldzug. Anschließend wurde die Division OKH-Reserve und der Heeresgruppe Süd über Lemberg, Dubno und Miropol in die Ukraine nachgeführt. Es folgte die Schlacht bei Berditschew, der Vormarsch nach Bjelaja Zerkow und die Kämpfe um Uman. Nach der Einnahme von Dnjepropetrowsk folgten im September 1941 Kämpfe um den Dnjepr-Brückenkopf. Im Oktober 1941 begann die Division den Vormarsch zum Asowschen Meer über Mariupol und Taganrog bis nach Rostow. Hier traf die Division die russische Winteroffensive, so dass sie sich zum Mius zurückziehen mußte. Die folgenden Stellungskämpfe nördlich von Taganrog dauerten bis zum Februar 1942. Von März bis Mai 1942 nahm die Division an der Schlacht um Charkow teil und stieß anschließend über den Donez und den Don bis nach Kalatsch vor. Aus dem Brückenkopf Wertjatschij folgte der weitere Vormarsch bis nach Stalingrad.

Die 60. motorisierte Division war dem XIV. Panzerkorps unter General der Infanterie Gustav von Wietersheim angegliedert und hatte den Auftrag, den linken, nördlichen Flügel der 6. Armee zwischen Don und Wolga zu sichern. Nach Umgruppierung der deutschen Streitkräfte für den bevorstehenden Angriff auf Stalingrad, wurden im Norden die 60. Infanterie-Division (mot), 305. Infanterie-Division, 76. Infanterie-Division, 3. Infanterie-Division (mot) und 16. Panzerdivision im Korridor der beiden Flüsse mobilisiert, um ein Gegengewicht gegen die 1. Gardearmee und 66. Armee zu bilden. Abgesichert werden musste ein 29 Kilometer breiter Streifen südlich der Kotluban Station bis zur Wolga. Generalmajor Otto Kohlermann bildete um das Dorf Borodkin über den Tatarenwall bis zum Dorf Kuzmichi eine Verteidigungslinie mit dem Pionier-Bataillon 60, der Aufklärungs-Abteilung 60, dem Maschinengewehr-Bataillon 9 und dem Panzergrenadier-Regiment 120 im Osten. Das Panzergrenadier-Regiment 92 wurden aufgeteilt, wobei einige Bataillone südlich von Orlowka eingesetzt wurden. Während der sowjetischen Kotluban-Offensive durch die russische 4. Panzer-Armee, 24. Armee, 1. Gardearmee und 66. Armee vom 3. bis zum 12. September 1942 im Norden von Stalingrad spielte die 60. Infanterie-Division (mot) eine zentrale Rolle. Die breit angelegte Offensive der Roten Armee band Artilleriekräfte und die Luftwaffe, welche bei der Eroberung Stalingrads fehlten und führte dazu, dass die 60. Infanterie-Division (mot) ihre Reserven einsetzen musste, um den Durchbruch zu verhindern. Am 5. September entsandte Kohlermann das Panzergrenadier-Regiment 92 und Teile des Panzergrenadier-Regimentes 120 in den nördlichen Orlowka-Sektor, um das Panzergrenadier-Regiment 8 am Hügel 139,7 und bei Kuzmichi zu verstärken. Am 10. September 1942 musste die Division am Hügel 139,7 wiederholten massiven Angriffe der russischen 1. Gardearmee begegnen. In der Kotluban-Offensive waren 250.000 Rotarmisten mit 300 Panzern eingesetzt und griffen in Frontalangriffen mit Schützenreihen die Abwehrstellungen der Wehrmacht an. Für die Rote Armee war die Offensive mit hohen Verlusten verbunden, sie führte jedoch dazu, dass der Angriff auf Stalingrad mit einer viel größeren Verzögerung und weniger Kräften als ursprünglich eingeplant, durchgeführt wurde. Während der gesamten Stalingradschlacht war die nördliche Linie in der Kotluban-Region einer der Schwachpunkte der 6. Armee, dennoch gelang es von hier aus, Druck auf die Gorokhow-Gruppe auszuüben. Nördlich der Stalingrader Industriekomplexe bildete sich der Orlowka-Frontvorsprung, welcher fortan den Vormarsch des LI. Armeekorps bedrohte. Erst der Vormarsch durch die Stalingrader Vororte vom 5. bis zum 9. September reduzierte die Gefahr eines Feindeinbruches im Don-Wolgakorridors für eine Zeitlang, obwohl den drei dort eingesetzten Divisionen nicht mehr als 100 Panzer zur Verfügung standen. Vom 18. September bis 2. Oktober 1942 scheiterte Jeremenkos zweite Kotluban-Offensive an der Abwehr durch die 60. Infanterie-Division, (mot), 3. Infanterie-Division (mot) und 16. Panzer-Division. Die Achse seines Hauptangriffes richtete sich auf Hügel 139,7 der Kuzmichi-Region und der Ortschaft Samofalowka. Der Durchbruch sollte an der vermeintlich schwächsten Stelle zwischen dem VIII. Armeekorps und XIV. Panzerkorps erfolgen. Die 24. Armee sollte mit ca. 34.000 Soldaten die 60. Infanterie-Division (mot) bei der Station 564 km schlagen und sich südlich der Eisenbahnlinie nach Gorodischche bewegen. Die Verteidigunsstellungen der 76. Infanterie-Division und 60. Infanterie-Division (mot) mit ca. 6000 Soldaten bestanden aus einem dichten Netzwerk von Schützengräben, Feuerstellungen und Bunkern, welches nicht überwunden werden konnte. Trotz einer Relation von 6:1 zugunsten der Roten Armee und einigen Anfangserfolgen am 18. September 1942 scheiterte das Unternehmen. Die 60. Infanterie-Division (mot) behauptete sich auf den Hügeln 145,5 und 152,4 und einer Region, die auf deutscher Seite „Bolschoi-Gräben“ genannt wurde. Wellen von Sturzkampfbombern und massiertes Artilleriefeuer vernichteten die sowjetischen Panzerkeile. Die Kämpfe zwischen dem 18. und 19. September 1942 an der Kotluban-Front kosteten ca. 36.000 Rotarmisten das Leben, erzielten einen Geländegewinn von 20 Quadratkilometern und gewannen schließlich die Station km 564 in sowjetischen Besitz. Von den deutschen Einheiten erlitt die 76. Infanterie-Division derart starke Verluste, dass sie durch 113. Infanterie-Division abgelöst werden musste. Vom 14. auf den 26. September sank die Kampfstärke der Bataillone auf 6 durchschnittliche (400-500 Mann) und ein schwaches (200-300) Pionier-Bataillon. Generalmajor Hans Valentin Hube befahl am 27. September 1942 einen erneuten Angriff der 60. Infanterie-Division (mot) und 16. Panzer-Division in Kompaniestärke auf den Orlowka-Frontvorsprung, der allerdings schnell zusammenbrach, so dass Verstärkungen durch die 94. und 389. Infanterie-Division in den Norden von Stalingrad gebracht werden mussten. Dies war auch dadurch begründet, dass die Rote Armee einen permanenten Druck auf die Verteidigungsstellungen der 6. Armee in der Kotluban-Region ausübte und dass die Kämpfe in Stalingrad einige dringend benötigte Einheiten banden, die erst mit erheblicher Verzögerung im Raum von Orlowka eintrafen. Vom 29. September bis zum 3. Oktober 1942 begann der eigentliche Angriff auf den Orlowka-Frontbogen, der von der 389. Infanterie-Division und 94. Infanterie-Division im Süden, der Gruppe Stahel und 60. Infanterie-Division (mot) vom Westen und von der 16. Panzer-Division im Norden ausgeführt wurde. Die 6500 Mann starken Verbände der Roten Armee unter Oberst K.M. Andriusenko waren entlang des Flusslaufes der Orlowa eingeschlossen und sollten von allen Seiten vernichtet werden. Vor dem Angriff bezog die 60. Infanterie-Division (mot) Ausgangsstellungen auf Hügel 147,6 und sollten in Bataillons- und Kompaniestärke mit dem Kradschützen-Bataillon 160 angreifen. Durch die unaufhörlichen Angriffe der Roten Armee bei Kotluban konnten nur Teile von Hubes Einsatzkräften für das Orlowka-Unternehmen bereitgestellt werden. Am 29. September 1942 um 10 Uhr bewegte sich eine Kampfgruppe der 60. Infanterie-Division (mot) in Bataillonsstärke unterstützt von 15 Panzern auf die Ortschaft Orlowka zu, wurde aber vor den Stellungen der 115. Schützen-Brigade zum Stillstand gebracht, woraus sich mehrtägige und erbitterte Kämpfe entwickelten. Die Kampfstärke der 60. ID (mot) sank nach der Orlowka-Operation am 5. Oktober 1942 auf 4 durchschnittliche (400-500 Mann), 2 schwache (300-400) und 1 abgekämpftes, erschöpftes Bataillon mit weniger als 300 Mann ab. Das Pionier-Bataillon 160 befand sich ebenfalls in einem stark erschöpften Zustand mit weniger als 200 Mann. Während des deutschen Großangriffes auf das Traktorenwerk am 14. Oktober 1942 war die 60. Infanterie-Division (mot) wieder mit Verteidigungsaufgaben in der Kotluban-Region beschäftigt, wobei das Panzergrenadier-Regiment 92 die Schlüsselverteidigung in der Ortschaft Kuzmichi übernahm. Jeremenko und Rokossowski verschoben ihren für Ende Oktober geplanten Großangriff wegen tagelangen Dauerregens. Anfang November 1942 wurde die 60. Infanterie-Division (mot) nach kurzer Ruhepause verstärkt, erhielt jedoch keinen Ersatz für ihre zerstörten Kettenfahrzeuge. Paulus plante die 60. Infanterie-Division (mot) beim Angriff am 15. November 1942 auf die chemische Fabrik „Lazur“ in der Eisenbahnschleife „Tennisschläger“ östlich des Mamajew-Hügels einzusetzen. Dieser Plan wurde von Paulus und Weichs wieder verworfen, da die Kräfte der 60. Infanterie-Division (mot) trotz leichter Verstärkung für weitere offensive Operationen nicht mehr ausreichten. Nach weiteren Abwehrkämpfen wurde die Division im Januar 1943 in Stalingrad vernichtet.

Die Wiederaufstellung erfolgte bis zum 1. April 1943, wurde aber bis zum 8. Mai hinausgeschoben. Aus den Resten der alten Division entstanden der Stab und das I./Grenadier-Regiment 92, I./Grenadier-Regiment 120, 13./Grenadier-Regiment 92, 14./Grenadier-Regiment 120, Stab und 1. Kompanie/Panzer-Abteilung 160, I./Artillerie-Regiment 160, Pionier-Bataillon 160 und eine Nachrichten-Kompanie. Da die Aufstellung des Grenadier-Regiments 92 am 9. April 1943 unabhängig von der Division als Heerestruppe erfolgte, wurden der Stab, I. Bataillon und 13. Kompanie/92 in Grenadier-Regiment 120 umgegliedert. Die generell am 27. Mai 1943 verfügte Umbenennung in 60. Panzergrenadier-Division kam nicht zur Durchführung. Dafür wurde die Division in Panzergrenadier-Division Feldherrenhalle umbenannt.

 

1940

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Mai OKH-Reserve     St. Ingbert
Juni XXIV 1. Armee C Lothringen
Juli BdE     Groß-Born
November XVI 18. Armee B Polen
Dezember XXXX 12. Armee B Polen

1941

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Januar XXXX 12. Armee   Rumänien
April XIV 12. Armee   Serbien
Mai XI 2. Armee   Serbien
Juni BdE      
Juli z. Vfg. OKH Süd Shitomir
August II 1. Panzerarmee Süd Uman, Dnjepr
Oktober II 1. Panzerarmee Süd Mariupol
November z. Vfg. 1. Panzerarmee Süd Rostow, Mius

1942

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Januar III 1. Panzerarmee Süd Mius, Stalino
Februar XIV 1. Panzerarmee Süd Mius, Stalino
März III Kleist Süd Charkow
April z. Vfg. Kleist Süd Charkow
Juni III 6. Armee Süd Charkow
Juli XIV 1. Panzerarmee Süd Isjum
August XIV 6. Armee B Stalingrad
Dezember XI 6. Armee Don Stalingrad

1943

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
Januar XI 6. Armee Don Stalingrad

nach der Wiederaufstellung:

1943

Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Ort
April in Aufstellung   D Südfrankreich
Juni in Aufstellung   D Südfrankreich

2. Divisionskommandeure:

15. Oktober 1939 Generalleutnant Friedrich-Georg Eberhardt

15. Mai 1942 Generalleutnant Otto Kohlermann

November 1942 Generalmajor Hans-Adolf von Arenstorff

 

 

3. Gliederung:

60. Infanterie-Division 1940

Infanterie-Regiment 92

Infanterie-Regiment 243

Infanterie-Regiment 244

Artillerie-Regiment 160

Pionier-Bataillon 160

Kradschützen-Bataillon 160

Aufklärungs-Abteilung 160

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 160

Infanterie-Divisions-Nachschubführer 160

 

60. Infanterie-Division 1942

Infanterie-Regiment 92 (mot)

Infanterie-Regiment 120 (mot)

Kradschützen-Bataillon 160

Artillerie-Regiment 160

Pionier-Bataillon 160

Aufklärungs-Abteilung 160

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 160

Kommandeur der Infanterie-Divisions-Nachschubtruppen 160

 

4. Literatur und Quellen:

Kurt Bellin: Beiträge zur Geschichte der 60. Infanterie-Division (mot.), später Panzergrenadier-Division "Feldherrnhalle", Eigenverlag der Divisionskameradschaft, Dt. Evern 1979

    Teil I: Berichte
   
Teil II: Karten, Bilder, Übersichten
   
Teil III: Aus der Nachrichtenabteilung

 
David M. Glantz: Armageddon in Stalingrad: September-November 1942 (The Stalingrad Trilogy, Volume 2). University of Kansas Press, Lawrence 2009

 

Erich Klein: Artillerie-Regiment (mot.) 160 - Pz.Art.Rgt. "Feldherrnhalle", Selbstverlag, Essen 1976


Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, Band 5: Die Landstreitkräfte. Nr. 31–70. 2. Auflage, Osnabrück 1977


Werner Haupt: Die deutschen Infanterie-Divisionen, 3 Bände, Podzun-Verlag


Schematische Kriegsgliederungen 1939 - 1945 BA/MA RH 2/348 bis RH 2/355; RH 2/356K und R 2/769
Kriegstagebücher und sonstige Unterlagen BA/MA RH 26-60/
Kriegsgliederungen der 12. Armee RH 20-12/
Kriegsgliederungen der 6. Armee RH 20-6/