Führer der Torpedoboote (F.d.T.)
Führer der Zerstörer (F.d.Z.).
Führer der Torpedoboote (F.d.T.)

 

1. Einsatz und Unterstellung:

Die Dienststelle Führer der Torpedoboote (F.d.T.) wurde im September 1933 mit Standort Swinemünde aufgestellt. Dem F.d.T. unterstanden die Torpedoboote, die Zerstörer und die Schnellboote. Im November 1939 erfolgte eine Teilung des Verbandes. Der Stab des F.d.T. wurde umbenannt in Führer der Zerstörer (F.d.Z.). Ein neuer Stab Führer der Torpedoboote (F.d.T.) wurde aufgestellt, dem alle Torpedoboote und Schnellboote unterstellt wurden. Standort Swinemünde. Der F.d.T. unterstand dem Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte (B.d.A.), ab 1. August 1940 unmittelbar dem Flottenkommando. Vom gleichen Zeitpunkt an war der F.d.T. Gerichtsherr. Die Torpedoboots-Flottillen und Schnellboots-Flottillen waren teilweise nur truppendienstlich dem F.d.T. unterstellt, operativ jedoch örtlichen Seebefehlshabern. Dem F.d.T. wiederum waren bei besonderen Anlässen, z. B. als Befehlshaber der deutschen Seestreitkräfte in Finnland, See- und Sicherungsstreitkräfte sowie Minenschiffe zugeteilt. Einzelne Torpedoboote gehörten keiner Torpedoboots-Flottille an, so insbesondere verschiedene Beuteboote. Diese waren teilweise Geleit- und Sicherungs-Flottillen zugeteilt. 
Die Dienststelle Führer der Torpedoboote wurde im April 1942 aufgelöst. Die Torpedoboots-Flottillen traten unter den Führer der Zerstörer, die Schnellboots-Flottillen zur neu geschaffenen Dienststelle Führer der Schnellboote (F.d.S.).

Haupteinsätze des F.d.T.:

Im Polenfeldzug war der F.d.T. bis 4. September 1939 in der Ostsee eingesetzt und war in dieser Zeit vom 31. August 1939 bis 4. September 1939 Seebefehlshaber Ost. Anschließend vorübergehend in der Nordsee. Bei der Norwegenunternehmung („Weserübung") befand sich der F.d.T. an Bord des Torpedobootes „LUCHS" innerhalb der Kriegsschiffgruppe 4 und war an der Besetzung von Kristiansand beteiligt. Mit Beginn des Frankreichfeldzuges ab Mai 1940 Einsätze von den Helder, Rotterdam, Boulogne, Ostende, Cherbourg und Scheveningen aus. Im April 1941 dort herausgezogen und bis Oktober 1941 in Helsinki als Befehlshaber der deutschen Seestreitkräfte in Finnland tätig. Ab November 1941 bis zur Auflösung der Dienststelle wieder in Scheveningen stationiert und Einsätze im englischen Kanal und in der südlichen Nordsee.

 
 

Führer der Torpedoboote (F.d.T.) 1914-1918

 

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Führung der Torpedoboote 1920-1932

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Führer der Torpedoboote (F.d.T.) 1933-1939

 

Befehlshaber 1933 bis 1939:

Korvettenkapitän Kurt Fricke 25. September 1933 5. Oktober 1934
Kapitän zur See Oskar Kummetz 4. Oktober 1934 28. September 1937
Konteradmiral Günther Lütjens 08. Oktober 1937 20. Oktober 1939
Kapitän zur See Wilhelm Meisel m.W.d.G.b. 21. Oktober 1939 25. Oktober 1939
Kapitän zur See Friedrich Bonte m.W.d.G.b. 26. Oktober 1939 28. November 1939

1. Admiralsstaboffizier

Korvettenkapitän Wilhelm Meisel 5. Oktober 1933 1. Oktober 1934
Korvettenkapitän Hans Bütow 28. September 1934 3. Oktober 1936
Korvettenkapitän Karl-Otto Gutjahr 3. Oktober 1936 1. Oktober 1937
Korvettenkapitän Rudolf Pufendorf 2. Oktober 1937 15. Mai 1938
Korvettenkapitän Hans Joachim Gadow 16. Mai 1938 29. November 1939

 

Führer der Torpedoboote (F.d.T.) 1939-1945

Befehlshaber:

     
     
     
     

Übergangszeit: Führer der Torpedoboote (F.d.T.) /Führer der Zerstörer (F.d.Z.) 1939

Laut einer Verfügung des OKM AII vom 01.November 1939 (NTB 256/1939) sollte der bisherige Stab des F.d.T. als Stab der neugebildeten Dienststelle F.d.Z. überwechseln. Durch die Ernennung und somit der Trennung von Zerstörern einerseits als auch der Torpedoboote und Schnellboote andererseits,  des Kapitän zur See Bonte zum F.d.Z. war der Teilung der Dienststellen vollzogen.

Kapitän zur See Bonte 26. Oktober 1939 30. November 1939

1. Admiralsstaboffizier

Korvettenkapitän Hans Joachim Gadow 16. Mai 1938 29. November 1939

Führer der Zerstörer (F.d.Z.) 1939-1942

Befehlshaber 1939 bis 1942:

Kapitän zur See Hans Bütow 28. November 1939 20. April 1942

1. Admiralsstaboffizier

Korvettenkapitän  Herbert-Max Schultz-Siemens 30. November 1939 20. April 1942

 

Führer der Torpedoboote (F.d.T.) 1940-1945

Befehlshaber 1940 bis 1945:

Konteradmiral Friedrich Richter 1. März 1920 31. März 1921
Kapitän zur See Walter Hildebrand m.d.V.b. 25. November 1920 1. April 1921
Konteradmiral Konrad Mommsen 2. April 1921 10. April 1922
Konteradmiral Theodor Püllen 11. April 1922 14. Oktober 1923

 

 

Standorte:

Swinemünde

 

Unterstellung:

Flottenkommando
Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte (B.d.A.), ab 1. 8. 1940

 

unterstellte Einheiten (soweit bekannt):

 

1919:

Kleiner Kreuzer Königsberg und Graudenz
Torpedobootsflottille „Eiserne Flottille“ von 220. Februar 1919 bis 3. August 1920
Depeschenboote T 28, T29, T36, T71
Fischereischutzboote
Führer der Minenräumverbände
Mit Linienschiff
SMS Kaiser Wilhelm II.
I.-V. Nordseeminensuchflottille
Minenstammabteilung der Nordsee

1920

Kleiner Kreuzer Königsberg und Graudenz
Torpedobootsflottille „Eiserne Flottille“ von 20. Februar 1919 bis 3. August 1920
Depeschenboote T 28, T29, T36, T71
Fischereischutzboote
Führer der Minenräumverbände
Mit Linienschiff
SMS Kaiser Wilhelm II.
I.-V Nordseeminensuchflottille
Minenstammabteilung der Nordsee

1935

1. Zerstörerflottille Swinemünde

2. Zerstörerflottille Wilhelmshaven

4. Zerstörerflottille Wesermünde-Bremerhaven

5. Zerstörerflottille Swinemünde

1. Torpedobootsflottille Pillau (ab 1. Oktober 1939)

2. Torpedobootsflottille Bremen (ab 8. Oktober 1939)

5. Torpedobootsflottille Swinemünde

6. Torpedobootsflottille Wilhelmshaven

1. Schnellbootsflottille Kiel

2. Schnellbootsflottille Wilhelmshaven

Zerstörer Lebrecht Maass (kurzfristig Führerboot)

1935-1939

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1939-1945

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Bootsführer:

SMS Kaiser Wilhelm II.

Die Schiffstaufe beim Stapellauf vollzog der Bruder des Kaisers und Namensgebers, Prinz Heinrich von Preußen. Nach den Werftprobe- und Abnahmefahrten stellte das Schiff offiziell am 13. Februar 1900 beim I. Geschwader der Aktiven Schlachtflotte in Dienst und wurde zugleich Flottenflaggschiff. In diesem Verband versah es seinen Flottendienst, nahm an Manövern sowie Ausbildungsreisen teil und erfüllte die repräsentativen Pflichten des Flottenflaggschiffs auf Auslandsreisen und bei Empfängen. Diese Rolle währte bis zur Indienststellung des neuen Flaggschiffs SMS Deutschland im Jahr 1906.
Anschließend wurde die Kaiser Wilhelm II. Flaggschiff des I. Geschwaders bis zur Außerdienststellung 1908. In den folgenden zwei Jahren wurden bei der Bauwerft umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen und Umbauten durchgeführt. Danach wurde die Kaiser Wilhelm II. Stammschiff der Reserve-Division Ostsee.
Mit Kriegsausbruch 1914 erfolgte die Reaktivierung und Zuteilung zum V. Geschwader. Die Verwendung beschränkte sich anfangs auf den Küstenschutz in der Nordsee und sporadische Unternehmungen in der Ostsee. Ab März 1915 wurde das Schiff (zusammen mit den anderen Schiffen der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse) aus der Front gezogen, die Besatzung reduziert und die Artillerie ausgebaut. Mit dem 5. März 1915 erfolgte die Verlegung nach Wilhelmshaven und dort am 26. April des Jahres die Übernahme der Funktion als Stabsschiff des Kommandos der Hochseeflotte. Scherzhaft wurde dafür die Bezeichnung Stabsarche geprägt.
Die endgültige Außerdienststellung war am 10. September 1920, die Streichung aus der Liste der Kriegsschiffe am 17. März 1921. Das Schiff wurde dann bis 1922 in Hamburg-Altenwerder abgewrackt.

Kapitän zur See Carl Wilhelm Weniger 12. August 1916 21. Mai 1917
Fregattenkapitän/Kapitän zur See Karl Carl Feldmann 22. Mai 1917 bis 9. Juli 1918
Fregattenkapitän Alfred Lassen Juli 1918 August 1918
Korvettenkapitän Georg-Günther Freiherr von Forstner (in Vertretung) August 1918 September 1918
Korvettenkapitän Walther Franz 3. September 1918 5. März 1919
Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Curt Hermann  März 1919 Oktober 1919
Korvettenkapitän Oskar Heinecke 3. Oktober 1919 10. März 1920
unbesetzt März 1920 Mai 1920

 

 

Kleiner Kreuzer Königsberg

Am 13. November 1918 lief das Schiff, mit Konteradmiral Meurer an Bord, nach Großbritannien, um die Waffenstillstandsbedingungen für die kaiserliche Hochseeflotte entgegenzunehmen. Mit an Bord waren auch die Bevollmächtigten des Arbeiter- und Soldatenrates, die jedoch von den Briten völlig ignoriert wurden. Am 18. November 1918 kehrte es nach Wilhelmshaven zurück.

Die Königsberg war das einzige Schiff ihrer Klasse, das nicht in die Internierung nach Scapa Flow musste. Am 29. November 1918 übernahm sie das Geleit für acht deutsche U-Boote, die von Helgoland nach Harwich überführt werden mussten. Ab Dezember fungierte die Königsberg mehrfach als Postschiff für die deutschen Besatzungen der in Scapa Flow internierten Schiffe. Am 5. November 1919 wurde das Schiff aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und am 31. Mai 1920 schließlich außer Dienst gestellt. Im Juli 1920 übernahm die französische Marine das Schiff in Cherbourg und stellte es unter dem Namen Metz wieder in Dienst. 1934 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen, wurde es 1936 verschrottet.

   

Kapitän zur See Carl Wilhelm Weniger 12. August 1916 21. Mai 1917
Fregattenkapitän/Kapitän zur See Karl Carl Feldmann 22. Mai 1917 bis 9. Juli 1918
Fregattenkapitän Alfred Lassen Juli 1918 August 1918
Korvettenkapitän Georg-Günther Freiherr von Forstner (in Vertretung) August 1918 September 1918
Korvettenkapitän Walther Franz 3. September 1918 5. März 1919
Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Curt Hermann  März 1919 Oktober 1919
Korvettenkapitän Oskar Heinecke 3. Oktober 1919 10. März 1920
unbesetzt März 1920 Mai 1920

 

Kleiner Kreuzer Graudenz

Die SMS Graudenz war ein Kleiner Kreuzer der Kaiserlichen Marine, der von 1912 bis 1914 auf der Kaiserlichen Werft in Kiel gebaut wurde. Schwesterschiff war der Kleine Kreuzer SMS Regensburg. Der Stapellauf des Schiffes war am 25. Oktober 1913, die Indienststellung erfolgte im Juli 1914.
Die Besatzung bestand aus 21 Offizieren und 364 Unteroffizieren und Mannschaften.
Im September 1914 beendete die SMS Graudenz ihre Erprobungen. Sie wurden dem II. Führer der Torpedoboote als Flaggschiff zugewiesen und gehörte gleichzeitig mit zur IV. Aufklärungsgruppe. Der Kreuzer verrichtete Vorposten- und Sicherungsdienste in der Nordsee. Außerdem nahm er an Vorstößen zur Ostküste Englands teil. Am 24. Januar 1915 war die Graudenz, unter Führung von Fregattenkapitän Püllen, am Gefecht auf der Doggerbank beteiligt. Im August 1915 verlegte das Schiff mit der II. Aufklärungsgruppe für kurze Zeit in die Ostsee. Einen Monat später war die Graudenz an der Rettung der Torpedoboote V 1 und G 12 beteiligt.
Vom 26. Oktober 1915 bis zum 18. Februar 1916 lag die Graudenz in der Kaiserlichen Werft von Kiel.
Danach fuhr die Graudenz wieder die üblichen Einsätze in der Nordsee. Am 22. April 1916 lief sie südwestlich vom Feuerschiff Amrumbank auf eine Mine. Ein Torpedoboot und der Kleine Kreuzer SMS Frauenlob schleppten sie nach Wilhelmshaven ein. Erst am 13. September 1916 war das Schiff wieder fahrklar.
In den letzten beiden Kriegsjahren verrichtete die Graudenz wieder Vorposten- und Sicherungsdienste in der Deutschen Bucht. Im März 1918 beteiligte sie sich am Handelskrieg im Skagerrak.
Nach Kriegsende blieb die SMS Graudenz zunächst im Dienst. Sie musste nicht in die Internierung nach Scapa Flow, sondern wurde statt dessen dem Sicherungsverband des Befehlshabers Nordsee unterstellt. Am 5. November 1919 wurde sie aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und am 10. März 1920 endgültig außer Dienst gestellt. Dann kam doch noch die Anweisung zur Auslieferung. Am 1. Juni 1920 wurde die Graudenz als Schiff E an Italien übergeben. Am 6. Mai 1925 wurde sie für die italienische Marine als Ancona in Dienst gestellt, im September 1935 in die Reserve überführt und 1938 schließlich verschrottet.

Kapitän zur See Karl von Restorff  August 1914 September 1914
Fregattenkapitän/Kapitän zur See Theodor Püllen September 1914 April 1916
Kapitänleutnant Carlo Peucer (i.V.) Mai 1916 Mai 1916
Kapitänleutnant Richard Feldt (i.V.)  Mai 1916 Juni 1916
Kapitän zur See Karl Weniger Juni 1916 Juli 1916
Fregattenkapitän Rudolf Madlung Juli 1916  Januar 1918
Korvettenkapitän Friedrich Bessel Januar 1918 Juni 1919
Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Bernhard Bobsien Juni 1919 März 1920

 

Literatur/Quellen:

  1. Lohmann/Hildebrand, Die Deutsche Kriegsmarine 1939-1945,  Bd.1-3
  2. Gröner, Die Deutschen Kriegschiffe 1815-1945, Bd. 1-2
  3. H. Hildebrand, Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848-1945,  Bd.1-3
  4. Tessin G. «Deutsche Verbände und Truppen 1918-1939», Biblo-Verlag, Osnabrück, 1974
  5. Stellenbesetzung der Kriegsmarine 1938, MDv 2, OKM 1938

  6. Korvettenkapitän Fritz Otto Busch, Die Kriegsmarine 1919-1939, Brunnen-Verlag, 1939
  7. Robert Spiering, Deutsches Soldatenjahrbuch 1985, Schild-Verlag, „Die Kriegs- und Marineminister deutscher Staaten Teil V“,  S. 296-299
  8. Harald Fock, Flottenchronik, Kohler-Verlag Hamburg, Jhrg. 2000
  9. Gerhard P. Groß (Werner Sohn), „Der Krieg zur See“, UT: Der Krieg in der Nordsee 1917-1918, E&S Mittler Verlag Hamburg, MGFA,  Bd. 7
  10. Norbert Kannapin, Die deutsche Feldpostübersicht 1939-1945, Biblo-Verlag, Jhg. 1982, Bd. 1-3
  11. Gerhard Koop/Klaus-Peter Schmolke, Kleine Kreuzer 1903-1918, Bremen- bis Cöln-Klasse, Band 12 Schiffsklassen und Schiffstypen der deutschen Marine, Bernard & Graefe Verlag München, 2004,
  12. Jochen Brennecke, Herbert Hader: Panzerschiffe und Linienschiffe 1860–1910. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1987
  13. Robert Gardiner: Conway’s All the world’s fighting ships 1860–1905. Conway Maritime Press, London 1979
  14. Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945. Band 1und 2. Panzerschiffe, Linienschiffe, Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer, Kanonenboote. Bernard & Graefe, Bonn 1998
  15. Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Linienschiffe der Brandenburg- bis Deutschland-Klasse. Bernard & Graefe, Bonn 2001, (Schiffsklassen und Schiffstypen der deutschen Marine. Band 10).

Verf.: A.M. (alias Gorch Fock) 10.03.2010